Weyarn, ehem. Augustiner-Chorherrenstift, Bürgermeisterzimmer


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 626–627, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Bürgermeisterzimmer im Rathaus der Gemeinde Weyarn, ehem. Stiftsgebäude

Zum Bauwerk: Nach einem verheerenden Brand, dem 1706 fast alle Klostergebäude zum Opfer fielen, wurde 1708 (Datum über der Einfahrt) das neue Klostergebäude errichtet und ausgestattet.

Saal (6,25 × 6,40 m) im ersten Geschoß an der SW-Ecke des Gebäudes; im S und W je zwei Fensterachsen

Autor und Entstehungszeit: Das Deckenbild ist undatiert. Es ist ebenso wie der Stuck wohl aus der Erbauungszeit (1708). Der Autor ist unbekannt.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke mit Hohlkehle Rahmen: Stuckierter Blattkranz mit Rosen Technik: Secco; polychrom Maße: Höhe 4,00 m; 2,80 × 2,80 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei der Einrichtung des ehem. Klostergebäudes als Rathaus wurde das Deckenbild 1973 durch die Fa. Richard Kunze, München, restauriert. Es wurde gereinigt, Risse und Schadstellen ausgebessert. Der Zustand ist jetzt gut.

Beschreibung und Ikonographie

HL. AUGUSTINUS Das Bild hat seine Basis im S; die Ansichtseite präsentiert sich dem, der vom N-Gang aus den Raum betritt. In Wolken ist der hl. Augustinus dargestellt, von Putti begleitet, deren zwei die Zeichen seiner Bischofswürde, Mitra und Stab, halten. Ein großer Engel trägt eine Wolke, auf der Augustinus kniet. Die unteren und seitlichen Partien des Bildes sind abgeschattet, von oben dringt helles Licht ein. Dort erscheint das Dreifaltigkeitssymbol, ein Dreieck, und sendet Strahlen auf das Haupt des Heiligen.

Die Szene ist in geringer Untersicht und Verkürzung gegeben, wobei sich die illusionistischen Effekte nur auf Details erstrecken, aber nicht auf die ganze Anlage. Die Farbigkeit ist durch das Grau der Wolkenszenerie bestimmt, das über Gelb bis zu Weiß hin aufgelichtet ist, auch durch das Inkarnat der Putti. Diese im wesentlichen warme Grundfarbigkeit wird aufgelockert durch die Weißhöhungen in den Puttoflügeln und an der Gestalt des Augustinus. Dazu kommt noch ein warmes Rot an Gewändern.

Augustinus ist als Bischof dargestellt. In der rechten Hand hält er das brennende Herz, sein persönliches Attribut, in der linken eine Feder, die ihn als Verfasser der augustinischen Regel ausweist. Darauf bezieht sich auch das Schriftblatt, das ein Putto hält: Tu De Vita / Clericorum / Sanctam / Scribis Re/gulam. Das Dreifaltigkeitssymbol mit dem eingeschriebenen I weist auf Augustinus als besonderen Verehrer der Dreifaltigkeit hin.

Quellen und Literatur

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Hl. Augustinus