Weimar Ehringsdorf, Lustschloss Belvedere
Inventarnummer: cbdd10214
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Schloss Belvedere war im 18. Jahrhundert der wichtigste Trabant der Residenz Weimar. In einigen Räumen sind Deckengemälde von Johann Carl Reinthaler aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts erhalten. Sie zeigen eine Götterversammlung, den Bauherrn, Vögel etc.

Schloss Belvedere
Kurzbeschreibung und Lage
Das Lustschloss Belvedere[1] steht auf einer mäßigen Anhöhe ca. 2 Kilometer südlich der ehemaligen Residenzstadt Weimar. Die Errichtung des Komplexes zog sich über Jahrzehnte hin und war von zahlreichen Planänderungen geprägt, die zum Ziel hatten, die ursprünglich sehr klein konzipierte Anlage immer wieder auszudehnen und die Zahl der Gebäude und Funktionsbereiche zu vermehren. Das letzte Konzept wurde nach dem Tod des Bauherrn 1748 nicht vollendet, und bis um 1800 waren bereits viele Nebengebäude wieder abgerissen. Das ganze Schlossareal war ehemals von einer Mauer umschlossen. Inmitten von Gartenanlagen stand zentral das Hauptgebäude mit den begleitenden Nebenbauten. Belvedere war im 18. Jahrhundert der bedeutendste Trabant der Weimarer Residenz.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Lustschloss Belvedere ist das Hauptgebäude eines Lustschlosskomplexes, der für Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar in mehreren Ausbauphasen ab 1724 erbaut worden ist. Es geht, wie auch das ganze Areal, auf keine Gesamtkonzeption zurück. Vielmehr wurden die Planungen den immer wieder gewandelten Ansprüchen des Auftraggebers angepasst. 1740 waren die Arbeiten am Hauptgebäude zu einem ersten Abschluss gebracht; an den Nebengebäuden dauerten sie bis über den Tod des Herzogs hinaus an. Ein Orangeriekomplex im Osten des Schlosses wurde sogar bis in das 19. Jahrhundert ergänzt und erweitert. Im Norden befand sich eine Menagerie. Von 1756 bis 1775 diente Belvedere den Weimarer Herzögen als Sommersitz. 1811 gab es Herzog Carl August an seinen Sohn Friedrich Carl und dessen Gemahlin Maria Pawlowna. Nach 1859 diente Belvedere unter Großherzog Carl Alexander mehr oder minder als eine Erinnerungsstätte für seine Mutter Maria Pawlowna. Trotz des repräsentativen Eindrucks, den das Schloss noch heute macht, handelt es sich nur um einen Rest des ursprünglichen Bestandes.
Das Hauptgebäude wurde 1724-26 erbaut und war 1729 soweit ausgestattet, dass man 1730 mit der Möblierung der Räume begann und das Schloss offiziell einweihte. Bereits 1731/32 wurde es um zwei Seitenflügel erweitert. Es folgten erneute Umbauten im Inneren und 1736 waren die Arbeiten weitgehend abgeschlossen, die Ausstattung zog sich bis 1740 hin. Grundlegend wurde das Hauptgebäude nur noch einmal 1829 verändert, als zwei neue Treppenläufe eingebaut wurden. Es entspricht heute weitgehend dem Zustand vor 1848.
Auftraggeber
Bauherr des Schlosses war Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach.[2] 1688 geboren, wurde er 1707 für seinen verstorbenen Vater Mitregent seines Onkels Wilhelm Ernst. In Konflikten mit diesem unterlag er grundsätzlich, was seine Ehre und Reputation beschädigte. Erst 1728 konnte Ernst August I. die Alleinregierung antreten. Er engagierte sich in der Reichsarmee, verfügte über ein stehendes Heer und ließ zahlreiche Jagd- und Lustschlösser errichten. Man mag in diesen Aktionen den Versuch sehen, Reputation zurückzuerlangen. Nach dem Aussterben der Eisenacher Herzogslinie 1741 war er auch Herzog von Sachsen-Eisenach.
Architekten, Künstler
Als Architekten waren Johann Adolf Richter und seit spätestens 1728 auch Gottfried Heinrich Krohne für Belvedere tätig. Sie wurden vom Herzog mit konkurrierenden Entwürfen beauftragt. Es ist nicht immer klar, welcher der teilweise recht ähnlichen Entwürfe zur Ausführung gelangte.
Johann Adolph Richter[3] stammte aus einer berühmten Familie von Architekten und war Oberlandbaumeister im Herzogtum Sachsen-Weimar. Er entwarf Schlossbauten und Kirchen, wurde aber bei der Vergabe höfischer Aufträge zunehmend durch Gottfried Heinrich Krohne verdrängt. Neben Belvedere lieferte er u.a. auch Entwürfe für Schloss Ettersburg.[4] An Kirchen stammen von ihm die Jakobskirche in Weimar und die Kirche in Großneuhausen.
Gottfried Heinrich Krohne[5] arbeitete überwiegend für Herzog Ernst August I., erhielt aber auch Aufträge vom Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg, dem Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt und dem Abt von Kloster Langheim. Auf ihn gehen etwa das Stadtschloss in Eisenach,[6] das Lustschloss Dornburg, der Hauptflügel der Heidecksburg[7]und die Gothaer Orangerie zurück. Er gilt als der bedeutendste Architekt Thüringens in der Mitte des 18. Jahrhunderts. In Weimar war er ab 1726 Hofbaumeister und konnte 1741 in Eisenach Oberlandbaumeister werden.
Beschreibung
Das ganze Schlossensemble sollte vom Schlosshof aus den Eindruck eines Pavillonsystems hervorrufen. Daher sind die als Pavillons ausgebildeten Seitenflügel des Hauptgebäudes auch nur über Durchfahrten mit dem Kernbau verbunden. Die Fassaden werden von kompositen Kolossalpilastern, einem kräftigen Kranzgesims sowie einem Gurtgesims zusammengefasst. In die Kapitelle sind Fasanen eingeschrieben – ein Hinweis auf die ehemalige Funktion Belvederes als Fasanerie. Eine Fassadenmalerei ging bereits 1739 wieder verloren. Über eine Freitreppe erreicht man den annähernd quadratischen Kernbau.
Dieser Kernbau hat ein Mansardwalmdach, das mit einer achteckigen Laterne mit Zwiebeldach abgeschlossen wird. Es überragt die Spitzkuppeln der ebenfalls zweigeschossigen Pavillons deutlich. Der Kernbau ist sieben Achsen breit, die mittleren drei sind zu einem Risalit mit Attikageschoss und gesprengtem Volutengiebel zusammengefasst. Der achteckige Dachpavillon besitzt einen Umgang. Auf die Landesherrschaft weisen das landesherrliche Wappen, das Monogramm des Bauherrn sowie eine Cäsarenbüste im gesprengten Giebel hin. Zwei dreiachsige Verbindungsflügel über den Durchfahrten binden die beiden Pavillons im Osten und Westen an. Diese stehen mit ihrem kurvierten Umriss in Gegensatz zum kubischen Kernbau. Trotz dieser Ungleichheit der Bauteile und ihrer starken Vor- und Rücksprünge wird ein einheitlicher Gesamteindruck erreicht.
Das Erdgeschoss nahm im Kernbau die tatsächlichen Wohnräume auf sowie im westlichen Pavillon eine Kapelle und im östlichen ein Laboratorium. Das Obergeschoss war den Gesellschafts- und Repräsentationsräumen vorbehalten. Eine Treppe des 19. Jahrhunderts erschließt vom Eingangsvestibül aus einen zentralen Mittelraum im Obergeschoss. Von diesem gelangt man nach Süden in den Hauptsaal, nach Norden in den so genannten Silbergrauen Salon. Beide Räume erschließen je ein Appartement double von vier Räumen, das in einem gemeinsamen fünften Raum im westlichen bzw. östlichen Pavillon endet.
Über zwei Nebentreppen, die von den Haupttreppenläufen sowie den südlichen Appartements abgehen, erreicht man das Dachgeschoss. Von hier aus ist der Dachpavillon zugänglich.
Der Hauptsaal
Beschreibung
Der Hauptsaal[8] wird von der Südseite aus betreten. An der Nordseite befinden sich an der Ost- und Westwand zwei Türen, die zu den angrenzenden Appartements geleiten. Sie haben als Pendants Blindtüren an der Eingangsseite. Drei Fenster im Norden gewähren einen Blick in den Garten. Im Süden sind rechts und links der Eingangstür zwei Fenster gelegen, die Licht zu den Treppenaufgängen in der Gebäudemitte hindurchlassen.
Der Saal ragt in das Dachgeschoss hinein und ist von allen Räumen des Schlosses am aufwendigsten ausgestattet. An die Mitte der Längsseiten sind Spiegelkamine gestellt. Seine Stuckmarmorwände werden von gekuppelten kompositen Pilastern mit Fasanen in den Kapitellen gegliedert. Am Architrav sind Kartuschen mit dem Monogramm des Bauherrn angebracht. Die reich stuckierte Voute leitet zum Deckenspiegel über. An der Eingangsseite des Saals ist in der Voute eine Empore für Musiker untergebracht.
Die Decke des Hauptsaals - Die Versammlung der Götter
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei wurde um 1730 von Johann Carl Reinthaler geschaffen.
Beschreibung und Ikonographie
Die stuckierte Spiegeldecke des Saals präsentiert ein großflächiges Deckengemälde, das den olympischen Götterhimmel zeigt. Vier Eckfelder zeigen Wolken, die zum Hauptbild gehören. Zwischen dem Stuck erblickt man also den tatsächlichen Himmel.
Im Zentrum, etwas unterhalb der Mitte, ruht der oberste der Götter – Jupiter – auf Wolken. Er ist durch seinen Adler eindeutig zu identifizieren. Er ist bekrönt, hält ein Zepter und trägt einen roten Mantel. Sein Blick fällt nach rechts unten, wo Ganymed, der Mundschenk der Götter, ihm gerade seinen von einer Putte gehaltenen Trinkkelch mit Rotwein füllt. Links von ihm sitzt seine Gattin Juno mit erhobenem Weinkelch. Sie hat kein Attribut, das sie bestimmt. Sie scheint Apoll im Strahlenkranz zuzuprosten, der etwas erhöht mit seiner Leier auf einer Wolke sitzt und versonnen in die Ferne sieht. Effektvoll bauscht sich sein orangefarbener Mantel hinter ihm. Über Jupiter und Juno schweben die drei Grazien und streuen Blumen. Ganz oben sind drei Putten mit einem Blumenkorb ebenfalls damit beschäftigt, Blumen zu streuen.
Rechts von Ganymed erblickt man Ceres mit Ährenkranz, Kybele mit Stadtkrone und Bacchus mit Weinlaub im Haar. Unter dieser Gruppe befinden sich Saturn mit Sense und Herkules mit Löwenfell und Keule. Links von ihnen ist Diana/Luna auszumachen, die versonnen nach oben schaut. Sie ist über ihr Monddiadem zu identifizieren.
Links, unter Juno und Apoll, lagern Mars, Venus und Neptun. Venus ist nur mit ihrem Gürtel bekleidet und wendet dem Betrachter ihren Rücken zu. Sie ist im Gespräch mit dem gerüsteten Mars und hat die rechte Hand gestikulierend erhoben. Hinter ihr erblickt man Neptun mit seinem Dreizack. Rechts von ihr kosen sich zwei Putten. Unter ihnen ist der Schwan der Venus zu sehen. Am unteren Bildrand befinden sich wiederum zwei Putten mit einem Blumenkorb.
Gestalterische Mittel - Komposition und Ansichtigkeit
Die Ansichtigkeit des Bildes ist nicht auf den Eingang, sondern die Fenster an der Nordseite bezogen. Die Figuren sind teilweise in starker Untersicht gezeigt.
Programm
Das für ein Lustschloss relativ typische Thema einer Götterversammlung wird durch die Trinkenden, Jupiter und Juno, auf eine unbeschwerte Ebene gehoben. Nur wenige der Gottheiten interagieren. Alles wirkt unbeschwert, aber auch ein wenig unbestimmt. Die Blumen streuenden Putten und Grazien geben den sommerlichen Rahmen für die Aufenthalte im Lustschloss, zu dessen Lustbarkeiten auch ein Bankett gehört.
Herkules ist nicht zwingend zu erwarten. Eventuell ist hier ein Bezug zur Orangerie von Belvedere zu sehen, wie Hoiman vermutet.[9] Allerdings hätte Herkules dann als Attribut die Äpfel der Hesperiden halten müssen.
Die Medaillons in der Voute - Jugend und Alter
Beschreibung und Ikonographie
In den vier Ecken der Voute sind in Stuckmedaillons Büsten monochrom in Ockertönen gemalt. Sie zeigen zwei junge bartlose Männer sowie zwei alte mit Bart und Kopfbedeckung und sollten wohl Jungend und Alter darstellen. Da weder Kind noch Greis dargestellt sind, geht es nicht um die vier Lebensalter.
Die Darstellungen von Bacchus und Diana in der Voute
Beschreibung und Ikonographie
In der Voute sind axial über den Spiegelkaminen zwei monochrom-ockerfarbene Darstellungen von Diana und Bacchus in den Stuck eingelassen. Im Westen erblickt man Bacchus. Er hat sich auf dem Erdboden niedergelassen und betrachtet eine Weinrebe in seiner Hand. Im Hintergrund hantieren zwei Putten. Im Osten ist Diana mit ihrem Jagdbogen zu sehen. Sie schaut nach links, während rechts eine Putte mit zwei Jagdhunden vorbeischreitet.
Programm
Während Bacchus thematisch zum Deckengemälde gehört, stellt Diana als Göttin der Jagd einen Bezug zur Menagerie her, die man aus dem Hauptsaal erblicken konnte.
Die Grisaillen unten in der Voute - ein Kinderbacchanal
Beschreibung und Ikonographie
Unten in der Voute hat Reinthaler an den Längsseiten im Osten und Westen in Grisaille einen Gemäldezyklus geschaffen, der in der Art eines Kinderbacchanals einen Triumphzug des Bacchus, dargestellt durch Putten, zeigt. Die Putten werden durch kleine bocksbeinige Satyrn ergänzt. Die zwei inneren Darstellungen sind in Grautönen gehalten, die vier äußeren in Ockerfarben.
Der so genannte Silbergraue Salon
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Raum war um 1729/30 vollendet und wurde 1828 neu ausgestattet. 1898 erhielt er eine neue Wandfassung.[10]
Beschreibung
Der Saal ist über dem Vestibül an der Eingangsseite nach Norden gelegen und gewährt durch drei Fenster einen Blick auf die in der Ferne liegende ehemalige Residenzstadt Weimar. An der Fensterseite sind im Osten und Westen zwei Türen gelegen, die die angrenzenden Appartements erschließen. An der Innenseite sind zwei Ofennischen gelegen. Rechts und links der Eingangstür befinden sich zwei Fenster, die Licht in das Treppenhaus im Gebäudeinneren lassen.
Die Decke des Silbergrauen Salons
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke wurde mehrfach farbig verändert. Die Grau-, Grün- und Silbertöne gehen weitgehend auf das 19. Jahrhundert zurück. Die ehemaligen Rosa- und Blautöne fehlen heute, die Kartuschen mit den Großherzogskronen über den Ofennischen sind eine Übermalung des 19. Jahrhunderts.
Beschreibung und Ikonographie
Der Deckenspiegel wird von der Voute durch ein Stuckband getrennt. Die Voute nimmt an den Seiten in gemalten Bandelwerkkartuschen Chinoiserien auf. In der Mitte der Nord- und Südseite werden die Monogramme Ernst Augusts I. präsentiert, in den Ecken antikisierende Medaillons mit lorbeerbekränzten Büsten. Sie sind teilweise kaum mehr kenntlich.
Auf den Ecken des Deckenspiegels stehen gemalte Blumenkörbe. In der Mitte wird die Decke geöffnet. Durch ein Gittergeländer hindurch erblickt man den Himmel. Auf dem Geländer haben sich ein Papagei, ein Kakadu und ein Pfauenpaar niedergelassen. Ein Löwe blickt durch das Gitter hinab. Eventuell handelt es sich um eine verfälschende Übermalung des 19. Jahrhunderts, da sonst nur Vögel zu sehen sind. Am Himmel selbst erkennt man den auf der Falkenjagd üblichen Luftkampf zwischen einem Falken und einem Reiher. Hier wird ein Bezug zur Jagd hergestellt, die am Weimarer Hof sehr beliebt war, sowie zum Weimarer Falkenorden.
Die Chinoiserien in der Voute
Beschreibung und Ikonographie
In der Voute befindet sich ein sechsteiliger Zyklus von Chinoiserien in Grisaille. Betritt man den Raum, erblickt man an der Nordwand im Westen einen Chinesen zu Pferd mit Lanze, der einen Hirsch hetzt. Der Hirsch flüchtet nach links, wo er bereits von Jagdhunden erwartet wird. Hinzu kommen einige fremdländische Pflanzen. Am Himmel fliegen verschiedene Vögel.
Im Ostteil der Nordwand kniet ein Gefangener vor einem bärtigen Herrscher, dem ein Diener einen Sonnenschirm hält. Ein weiterer junger Diener trägt seine Schleppe. Offenbar wird der Gefangene begnadigt. Zwischen exotischen Pflanzen erblickt man zwei Kraniche und einen Hund; am Himmel fliegen Vögel.
In der östlichen Voute sieht man einen Mann, der eine Fahne hochhält, und dem eher widerwillig ein Kind mit einem Spielzeug folgt. Drumherum wachsen exotische Pflanzen. In der westlichen Voute wird eine Europäerin gezeigt, auf deren einer Hand ein Papagei sitzt, während sie in der anderen einen nicht aufgespannten Schirm hält. Sie ist umgeben von exotischen Pflanzen; auf einer sitzt ein weiterer Papagei.
In der Voute über dem Eingang im Norden werden im Ostteil musizierende und tanzende Chinesen gezeigt – sogar ein Hund tanzt mit. Im Hintergrund er blickt man eine Pagode und ein Haus. Exotische Vögel und Pflanzen komplettieren die Darstellung.
Im Westteil ist eine Königin in einer Art Rikscha zu sehen – die Lehne zeigt eine Krone. Die Königin trägt einen Fächer in der Hand und blickt die Betrachtenden direkt an. Zwei Chinesen schieben bzw. ziehen ihr Gefährt, auf dem sich ein Papagei niedergelassen hat. Der Gruppe eilt ein Mann mit Zylinder und Lanze voraus, gefolgt wird sie von einem Reiter, der ein mitteleuropäisches Posthorn geschultert hat. Auch finden sich die üblichen exotischen Pflanzen und Vögel sowie zusätzlich ein großer Schmetterling.
Gestalterische Mittel
Die Darstellungen geben im Großen und Ganzen die für Chinoiserien typischen Stereotypen der Zeit wieder. Es sind jedoch keine fremdländischen Handlungen zu sehen, sondern durchweg ein mitteleuropäisches Verhalten. Teilweise sind sogar Kleidung und Physiognomie der Dargestellten westeuropäisch.
Der westliche Kuppelsaal
Beschreibung
Der östliche und der westliche Kuppelsaal[11] in den Pavillons sind nach den beiden Sälen im Kernbau am aufwendigsten gestaltet und sich sehr ähnlich. Sie verfügen beide über einen Schenkstuhl. Hinzu kommt jeweils eine kleine Nebentreppe in das Erdgeschoss. Ihre Wände sind von Stuckmarmor und mit Pilastern gegliedert. In die Kuppel ist jeweils ein Wolkenhimmel gemalt. Im westlichen Saal überwiegen jedoch die Farben Grau, Blassrot und Weiß. Der Stuck hier zeigt Waffentrophäen.
Die Kuppel
Beschreibung und Ikonographie
Die Kuppel ist mit einem Wolkenhimmel ausgemalt.
Der östliche Kuppelsaal
Beschreibung
Der Kuppelsaal[11] im östlichen Pavillon ist dem des westlichen sehr ähnlich. Auch er verfügt über einen Schenkstuhl und eine kleine Nebentreppe in das Erdgeschoss. Seine Wände sind von Stuckmarmor und mit Pilastern gegliedert. In die Kuppel ist auch hier ein Wolkenhimmel gemalt. Im östlichen Saal überwiegen jedoch gelb-braune Farbtöne. Auch die Thematik des Stucks unterscheidet sich. Im Osten werden Blumenvasen und Blumengirlanden, Grotesken, Vögel oder Kessel präsentiert.
Die Kuppel
Beschreibung und Ikonographie
Die Kuppel ist mit einem Wolkenhimmel ausgemalt.
Der Dachpavillon - das Belvedere
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der achteckige Dachpavillon[12] wurde vermutlich bereits um 1730 ausgestattet.
Beschreibung
Acht große Rundbogenfenster ermöglichen einen weiten Rundblick. In der Raummitte befindet sich ein so genanntes Tischlein-Deck-Dich. Dieser versenkbare Tisch konnte von Dienern im Geschoss darunter gedeckt werden. Die Wände des Raums werden von Pilastern gegliedert und sind dazwischen mit Fliesen nach Delfter Art bedeckt. Diese zeigen im Wechsel den Namenszug Ernst Augusts, Figuren- und Tierdarstellungen. Die Decke mit farbig gefasster Bandelwerkstuckatur präsentiert ein Gemälde. In der Voute sind zwischen Bandelwerk und Akanthusranken auf Blumengirlanden sitzende verschiedene Papageien und Kakadus dargestellt.
Die Decke des Turmzimmers
Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Deckengemälde[13] wird auf 1734 datiert. Die Ölmalerei ist heute nicht mehr am Ort. Der Künstler war vermutlich Johann Carl Reinthaler.
Beschreibung und Ikonographie
An einem Wolkenhimmel präsentieren Putten ein Medaillon mit dem Portrait von Herzog Ernst August I. Es ist umgeben von acht weiblichen Halbfiguren am Bildrand. Sie tragen unterschiedliche Attribute und sind nicht als Personifikationen misszuverstehen. Vielmehr soll es sich um Darstellungen der Hofdamen seiner 1726 verstorbenen Frau handeln.
Bibliographie
- Literatur:
- Ahrendt/Jäger/Schneider, Belvedere, 1997. – Ahrendt, Dorothee/Jäger, Jürgen/Schneider, Angelika: Der Schloßpark Belvedere. In: Beyer, Jürgen/Seifert, Jürgen (Bearb.): Weimarer Klassikerstätten. Geschichte und Denkmalpflege. Bad Homburg/Leipzig 1997, S. 324-332.
- Beaulieu-Marconnay, Ernst August, 1872. – Beaulieu-Marconnay, Karl Olivier von: Ernst August Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach (1688 bis 1748). Kulturgeschichtlicher Versuch. Leipzig 1872.
- Berbig, Ernst August, 1994. – Berbig, Harry: Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar. Ein absolut regierender Fürst seiner Zeit. Notizen aus seiner Regierungszeit. In: Weimarer Heimat 8 (1994), S. 60–66.
- Dube, Belvedere, 1998. – Dube, Burkhard: Zur Geschichte und Baugeschichte von Schloß Belvedere. In: Ulferts, Gert-Dieter u.a.: Schloß Belvedere. Schloß, Park und Sammlung. München/Berlin 1998, S. 10-21.
- Hoiman, Belvedere, 2015. – Hoiman, Sibylle: Die Orangerie in Belvedere bei Weimar. Natur und Architektur im Kontext höfischer Repräsentation1728-1928. Diss. Berlin 2015.
- Laß, Lustschlösser, 2006. – Laß, Heiko: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben. Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Petersberg 2006.
- Möller, Krohne, 1956. – Möller, Hans Herbert: Gottfried Heinrich Krohne und die Baukunst des 18. Jahrhunderts in Thüringen. Berlin 1956.
- Oehmig, Belvedere, 1997. – Oehmig, Christiane: Orangerie am Schloß Belvedere. In: Beyer, Jürgen/Seifert, Jürgen (Bearb.): Weimarer Klassikerstätten. Geschichte und Denkmalpflege. Bad Homburg/Leipzig 1997, S. 316-323.
- Scheidig, Fayencemanufaktur, 1931. – Scheidig, Walter: Die Fayencemanufaktur in Ilmenau und die Versuche zur Porzellanherstellung am Weimarer Hofe des Herzogs Ernst August v. Sachsen-Weimar. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde 37 (1931), S. 333-341.
- Schmidt, Belvedere, 1999. – Schmidt, Maja: Belvedere. In: Dies./Laß, Heiko: Belvedere und Dornburg. Zwei Lustschlösser Herzogs Ernst August von Sachsen-Weimar. Petersberg 1999, S. 14-65.
- Voigt, Entstehung, 1938. – Voigt, Franz: Die Entstehung der Jagd- und Lustschloßbauten des Herzogs Ernst August von Sachsen-Weimar. Ein Beitrag zur Geschichte der Thüringer Barock-Architektur. Erfurt 1938.
- Vollrath, Schlösser, 1928. – Vollrath, Werner: Die Schloßanlagen bei Weimar. Erg.-H. der Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens. Jena 1928.
- Archivalien:
- TLDA Erfurt, Archiv, 55.001-0001. –Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege [55.001-0001]. Weimar, Schloss Belvedere.
Einzelnachweise
- ↑ Hoiman, Belvedere, 2015, S. 62-124; Laß, Lustschlösser, 2006, S. 389-396; Schmidt, Belvedere, 1999; Dube, Belvedere, 1998; Oehmig, Belvedere, 1997; Ahrendt/Jäger/Schneider, Belvedere, 1997; Möller, Krohne, 1956, S. 41-49, 194-196; Voigt, Entstehung, 1938, S. 15-40; Vollrath, Schlösser, 1928, S. 49-72.
- ↑ Laß, Lustschlösser, 2006, S. 246–258; Berbig, Ernst August, 1994; Beaulieu-Marconnay, Ernst August, 1872.
- ↑ https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_Adolph_Richter&oldid=217478211.
- ↑ https://www.deckenmalerei.eu/f42d87b7-bdce-4a48-94e0-c20b17ba4086.
- ↑ Möller, Krohne, 1956.
- ↑ http://www.deckenmalerei.eu/7bad895f-d9b2-4b1e-84f2-76442fb8f1b9.
- ↑ http://www.deckenmalerei.eu/775ad61f-d3e2-4257-bd5b-71786ee246ac.
- ↑ Laß, Lustschlösser, 2006, S. 60-61, 393; Schmidt, Belvedere, 1999, S. 37; Voigt, Entstehung, 1938, S. 33-35.
- ↑ Hoiman, Belvedere, 2015, S. 93.
- ↑ TLDA Erfurt, Archiv, 55.001-0001.
- ↑ 11,0 11,1 Schmidt, Belvedere, 1999, S. 37-38.
- ↑ Laß, Lustschlösser, 2006, S. 90. 394; Schmidt, Belvedere, 1999, S. 38; Voigt, Entstehung, 1938, 38.
- ↑ Laß, Lustschlösser, 2006, S. 90; Schmidt, Belvedere, 1999, S. 38; Voigt, Entstehung, 1938, S. 36, S. 38; Scheidig, Fayencemanufaktur, 1931, S. 341.