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Weimar, ehem Residenzschloss Wilhelmsburg

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Weimar, ehem. Residenzschloss "Wilhelmsburg", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/70c52714-3efb-4d37-bfed-370ed1217ceb

Inventarnummer: cbdd10065

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das Residenzschloss Wilhelmsburg wurde 1774 bei einem Brand fast komplett zerstört. Historische Ansichten, Beschreibungen, Rekonstruktionen und Entwürfe erlauben die Bestimmung einiger verlorener Deckengemälde.

Weimar, Schloss Wilhelmsburg
Weimar, Schloss Wilhelmsburg

Das ehemalige Residenzschloss Wilhelmsburg in Weimar

Weimar, Schloss Wilhelmsburg

Baugeschichte

Das heutige Stadtschloss in Weimar[1] geht auf die mittelalterliche Burg Hornstein zurück. Die Anlage wurde beständig ausgebaut und erhielt unter den sächsischen Kurfürsten, deren Nebenresidenz sie war, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine moderne Architektur. Es entstand eine annähernd längsrechteckige, teilovale Anlage um einen geschlossenen Hof. Im Süden schlossen Wirtschaftsbauten den Hof in einem Halbrund ab. Auch nach Verlust der Kurwürde 1548 wurde das Schloss beständig modernisiert. 1618 brannte es jedoch in weiten Teilen ab. Nur der Eingangsbereich und die Wirtschaftsbauten im Süden und Westen blieben bestehen. Der Neubau erstand nach Plänen von Giovanni Bonalino und Johann Moritz Richter d. Ä. und zog sich aufgrund des Dreißigjährigen Krieges mit großen Unterbrechungen bis 1662 hin. Ost- und Nordflügel gehen in ihrer Struktur im Außenbau noch heute auf diesen Wiederaufbau zurück. Doch wurde weder die Vierflügelanlage Bonalinos noch die Dreiflügelanlage Richters verwirklicht, sondern lediglich der Bereich landesherrlicher Wohn- und Repräsentationsräume im Osten und Norden errichtet. Vom Westflügel kamen nur vier hofseitige Achsen zur Ausführung. Im neuen Ostflügel entstand eine bemerkenswerte Schlosskapelle – die „Himmelsburg“. Sie wurde unter Herzog Wilhelm IV. 1658 geweiht. Ferner ließ Wilhelm IV. einen großen Hauptsaal im Ostflügel einbauen, der über eine Reitertreppe zu erreichen war. Bereits anlässlich des Richtfestes 1651 erhielt das Schloss nach seinem Bauherrn den Namen Wilhelmsburg.

Herzog Wilhelm Ernst ließ durch den Baumeister Gottfried Heinrich Krohne 1726–1728 einen neuen Aufsatz auf dem mittelalterlichen Schlossturm errichten. Sein Nachfolger Ernst August I. ließ durch Johann Adolph Richter und Gottfried Heinrich Krohne um 1730 im Hauptgeschoss mehrere Umbauten vornehmen und für den von ihm gegründeten Falkenorden einen Ordenssaal, den sogenannten Rittersaal, einrichten. 1774 wurde auch die Wilhelmsburg ein Raub der Flammen. Alle landesherrlichen Repräsentationsräume sowie die Schlosskapelle wurden vernichtet. An ihrer Stelle entstand die Carlsburg, aus der das heutige Stadtschloss hervorging.

Hauptsaal

Der Hauptsaal[2] im Hauptgeschoss des Ostflügels der Wilhelmsburg wurde für Herzog Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar durch Johann Moritz Richter d. Ä. erbaut. 1652 war der Raum im Rohbau vollendet und erhielt eine abschließende Kuppel. Der längsovale Saal — ein Rechteck mit zwei angefügten Halbkreisen — durchmaß zwei Geschosse. Von Süden erreichte man ihn über eine Reitertreppe, im Norden schloss sich eine Tafelstube an. Vor die weißen Wände waren 26 rotmarmorierte Säulen gestellt, die eine umlaufende Galerie trugen. Über den Haupttüren befanden sich Büsten und Wappen des Erbauers und seiner Frau Eleonore von Anhalt-Dessau. Die Kuppel über der Saalmitte war eine Schallkuppel und zeigte eine Windrose an der Decke. Sie konnte mit einem Mechanismus verschlossen werden. In die Wände waren Schlachtengemälde eingelassen, die inhaltlich einen Bezug zum heimischen Herzogshaus hatten. Sie reichten vom Boden bis an die Galerie. Die Decke präsentierte Darstellungen aus der antiken Mythologie, die im Einzelnen aber unbekannt sind.

Wand- und Deckenmalerei des Hauptsaals

Wandmalerei

An den Wänden[3] des Großen Saales von Schloss Wilhelmsburg in Weimar befanden sich bis zu ihrer Zerstörung 1774 sechs Schlachten- und Reiterbildnisse vom Weimarer Hofmaler Christian Richter. Laut einstiger Inschrift wurden sie 1659 vollendet. Im Einzelnen sah man Johann Friedrich den Großmütige in der Schlacht bei Mühlberg 1547, den Auftraggeber Herzog Wilhelm IV. in der Schlacht am Weißen Berg 1620, Herzog Bernhard in der Schlacht bei Breisach 1638, Gustav Adolfs Tod bei Lützen 1632, ein Reiterporträt der Herzöge Johann Ernst, Adolph Wilhelm und Johann Georg (der Söhne Wilhelms IV.) sowie eine Zweiergruppe unbekannter Reiter.

Deckenmalerei

Die Decke[4] nahm rund um die zentrale Kuppel vier Gemälde im Rahmen auf. Vier weitere Medaillons — zwei an jeder Seite in den Halbkreisen — kamen hinzu. Sie präsentierten Szenen aus der Mythologie. Auf Erinnerungen beruhende Beschreibungen des 18. Jahrhunderts,[5] auf deren Grundlage auch eine rekonstruierende Zeichnung angefertigt wurde, erlauben keine eindeutige Bestimmung der Bildthemen. Einer der Berichte nennt ein Göttermahl sowie einen von vier Pferden gezogenen Wagen mit Aurora. Ein Anderer spricht von der Mediceischen Venus auf einem Triumphwagen und einem Sonnenwagen mit vorgespannten Pfauen. Es gibt auch die Aussage, dass die Luft durch einen Genius mit Phäthon und Pfauen verbildlicht worden sei, das Feuer durch einen Genius mit Blitzen in der Hand und auf einem Adler sitzend, der Genius der Erde auf einem von Löwen gezogenen Wagen sowie das Wasser durch einen Genius mit Dreizack auf einem von Seepferden gezogenen Muschelwagen. Bei allen Widersprüchen kann mit Bothe prinzipiell davon ausgegangen werden, dass die großen Gemälde zu Seiten der Kuppel die vier Elemente darstellen sollten und die Bilder in den Medaillons die vier Jahreszeiten zeigen. Dann wäre die Luft durch Juno auf ihrem von Pfauen gezogenen Wagen dargestellt gewesen, das Feuer durch Apoll auf dem Sonnenwagen, die Erde durch Cybele auf einem von Löwen gezogenen Wagen und das Wasser durch eine Nereide auf einem von Meerpferden gezogenen Wagen. Die Jahreszeiten wurden durch vier Genien verkörpert, die Attribute trugen: Blumenkranz und Samen für den Frühling, Getreidegaben und Füllhorn für den Sommer, Weintrauben für den Herbst, Mantel und Feuerbecken für den Winter. So zeigt es die Rekonstruktionszeichnung, die jedoch in der Darstellung einem klassizistischen Zeitstil verpflichtet ist.

Die zentrale Kuppel[6] hatte eine Windrose, die als fliegender Merkur gestaltet war, dessen Caducaeus die Windrichtung anzeigte. Die Winde wurden durch windblasende Engelsköpfe angedeutet.

Schlosskirche zur Himmelsburg

Am Südende des Ostflügels befand sich die Schlosskirche,[7] die durch drei Geschosse reichte. Sie war bereits von Bonalino begonnen worden, wurde jedoch durch Richter bis 1658 umgebaut. In die Kirche kam ein Pyramiden-Kanzelaltar, der als Jakobsleiter in den Himmel gestaltet war. Wilhelm IV. ließ sich unter dem Kanzelaltar in einer neuen Gruft beisetzen. Über dem Altar konnte die Decke bei Bedarf zu einem Schallsaal mit Orgel geöffnet werden, von dem aus sphärische Klänge der Kirchenmusik den Raum erfüllten. So führte die Leiter tatsächlich bis in den Himmel. Die Deckenöffnung war von einer Balustrade begrenzt und gewährte den Blick auf ein Deckengemälde. Der Raum ist beim Schlossbrand 1774 zerstört worden.

Deckenmalerei der Schlosskirche

Die Decke der Schlosskirche zur Himmelsburg im Weimarer Residenzschloss ließ sich öffnen und gewährte dann den Blick auf eine Deckenmalerei,[8] die vermutlich vom Hofmaler Christian Richter 1658 geschaffen wurde. Der Raum über der Öffnung bildete eine Rundbogenarkatur. Seine Wände und das Gewölbe waren mit einer illusionistischen Himmelsdarstellung, in dem ein Engelskonzert stattfand, bemalt. Die Schiebedecke selbst zeigte in geschlossenem Zustand einen gemalten Wolkenhimmel. Öffnete sich der Wolkenhimmel, so erblickte man die himmlischen Musikanten und zugleich wurden die Gottesdienstbesucher tatsächlich in Musik eingehüllt, die oben im Schallsaal gespielt wurde. So wurde die Himmelsburg den Gästen tatsächlich bildlich und akustisch offenbart.

Rittersaal

Unter Herzog Ernst August I. wurde die an den Hauptsaal im Norden angrenzende Tafelstube durch seinen Architekten Johann Adolph Richter nach 1732 zum sogenannten Rittersaal umgebaut.[9] Er diente als Ordensraum für den vom Herzog 1732 gestifteten Hausorden vom Weißen Falken. Wände und Decke wurden reich stuckiert, reliefierte Allegorien der zwölf Monate hielten Leuchter in ihren Händen. Unterhalb des Kranzgesimses präsentierte eine Porträtgalerie alle Mitglieder des Falkenordens. Die Supraporten zeigten Landschaften. Die Decke zierte eine gemalte Scheinkuppel mit reichem architektonischen Schmuck und zahlreichen Figuren.

Deckenmalerei des Rittersaals

Die Decke des Rittersaals war mit einer Scheinkuppel ausgemalt.[10] Sie war ausweislich eines Deckenentwurfs von Johann Adolph Richter und Johann Carl Reinthaler aus dem Jahre 1735 nach reich mit Säulen und Giebeln dekortiert. Zahlreiche Bogenöffnungen gewährten einen Ausblick in den Himmel. Vor den Öffnungen standen auf Emporen zahlreiche Musiker, deren Instrumente auf dem Entwurf genau bezeichnet sind. Oben öffnet sich die Kuppel hinter einer figurengeschmückten Balustrade und man erblickt am Himmel einen weißen Falken. Der Entwurf deckt sich mit späteren Berichten[5] und dürfte der Ausführungsentwurf sein oder diesem doch zumindest sehr nahe kommen.

Galerie

Im Nordflügel der Wilhelmsburg befand sich an Stelle der heutigen so genannten Falkengalerie bereits vor dem Brand 1774 eine Galerie.[11] Sie wurde zusammen mit dem Nordflügel in den Jahren 1654–57 durch Johann Moritz Richter ausgeführt.

Deckenmalerei der Galerie

Nach Aussagen des 19. Jahrhunderts schmückten die Galerie Deckengemälde[12] mit Szenen des Trojanischen Krieges und der Aeneis. Berichtet wird von einer Ansicht der Herstellung des trojanischen Pferdes, von Aeneas mit seiner Mutter Venus, der Zerstörung der Flotte des Aeneas sowie der Aufnahme des Aeneas in den Olymp. Diese Hauptbilder seien von Nebenbildern des Trojanischen Krieges sowie den Devisen der Klugheit, Liebe, Tapferkeit und Ehre umgegeben gewesen.

Saal im so genannten Ensemble Bastille

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Ensemble Bastille[13] setzt sich aus verschiedenen Bauten des Mittelalter und der Frühen Neuzeit zusammen.

Beschreibung

Durch das Torhaus gelangte man jahrhundertelang in das Schloss. Gleich hinter dem Tor steht der mittelalterliche Burgturm. Sein Abschluss stammt aus dem Barock von ca. 1730. Neben der Torhaus im Norden befindet sich das ebenfalls aus dem Barock stammende Hofdamenhaus.

Im Torgebäude befand sich auch die Verwaltung für das Amt Weimar. Hier tagte aber auch das Konsistorium. Wichtigster Raum war ein Saal im ersten Obergeschoss. Er ist seit dem 19. Jahrhundert durch Trennwände unterteil.

Die Wandmalereireste im Saal

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Während der laufenden Untersuchungen (2019) wurden im Saal Wandmalereireste gefunden. Man erkennt den Oberkörper einer männlichen Figur.

Beschreibung und Ikonographie

Sie ist schwarz gekleidet und wird im Moment als Porträt Herzog Johann Wilhlems von Sachsen-Weimar (1530-1573) gedeutet, der so allen Regierungsgeschäften präsent gemacht worden sei.[14]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Bothe, Residenzschloss, 2000. – Bothe, Rolf: Dichter, Fürst und Architekten. Das Weimarer Residenzschloß vom Mittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Ostfildern-Ruit 2000.
  • Fleck, Sakralraum, 2015. – Fleck, Niels: Fürstliche Repräsentation im Sakralraum. Die Schlosskirchen der thüringisch-ernestinischen Residenzen im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert. München/Berlin 2015.
  • Heubach, Richter, 1921. – Heubach, Hans Heinrich: Die weimarische Künstlerfamilie Richter 1612—1768, Sonderdruck aus dem Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, o. O. 1921.
  • Knebel, Wilhelmsburg, 2008. – Knebel, Kristin: Ein Schlossbau im europäischen Kontext. Die Pläne der Weimarer Wilhelmsburg von Johann David Weidner aus dem Jahr 1750. In: Seemann, Hellmut (Hrsg.): Europa in Weimar. Visionen eines Kontinents (Klassik Stiftung Weimar Jahrbuch 2008). Göttingen 2008, S. 105-137.
  • Laß, Fürsten, 2016. – Laß, Heiko: Fürsten und ihre Residenzen in Thüringen (Große Kunstführer der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, 5). Regensburg 2016.
  • Lehfeldt, KDM H. 18, 1893. – Lehfeldt, Paul: Die Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Heft XVIII. Grossherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Amtsgerichtsbezirk Weimar. Jena 1893.
  • Möller, Krohne, 1956. – Möller, Hans Herbert: Gottfried Heinrich Krohne und die Baukunst des 18. Jahrhunderts in Thüringen. Berlin 1956.
  • Nagel, Machtzentrale, 2016. – Nagel, Franz: Einer Machtzentrale auf der Spur. Die Bauforschung an der Bastille fördert interessante Details zutage. In: Schlösserwelt Thüringen. Magazin Frühjahr/Sommer 2016, S. 20.21.

Einzelnachweise

  1. Laß, Fürsten, 2016, S. 32-33; Knebel, Wilhelmsburg, 2008; Bothe, Residenzschloß, 2000, S. 9-24; Möller, Krohne, 1956, S. 37-40, 244-245; Heubach, Richter, 1921, Sp. 10.
  2. Fleck, Sakralraum, 2015, S. 32, Anm. 107; Knebel, Wilhelmsburg, 2008, S. 110-111; Bothe, Residenzschloss, 2000, S. 22, 25, 27.
  3. Bothe, Residenzschloss, 2000, S. 25; Lehfeldt, KDM H. 18, 1893, S. 374-375.
  4. Bothe, Residenzschloss, 2000, S. 25-26.
  5. 5,0 5,1 ThHStAW, HA, A XXII Nr. 497.
  6. Bothe, Residenzschloss, 2000, S. 25.
  7. Fleck, Sakralraum, 2015, S. 31; Knebel, Wilhelmsburg, 2008, S. 118-119, 122; Bothe, Residenzschloss, 2000, S. 23-24.
  8. Fleck, Sakralraum, S. 31-32.
  9. Knebel, Wilhelmsburg, 2008, S. 120; Bothe, Residenzschloss, S. 22, 29; Heubach, Richter, 1921, Sp. 10.
  10. Bothe, Residenzschloss, 2000, S. 29-30.
  11. Bothe, Residenzschloss, 2000, S. 23, 30.
  12. Bothe, Residenzschloss, 2000, S. 30.
  13. Nagel, Machtzentrale, 2016.
  14. Nagel, Machtzentrale, 2016, S. 21.