Weilburg, Jagd und Lustschloss Windhof

Kruse, Jasmin:Weilburg, Jagd- und Lustschloss Windhof, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/85bf4e4b-068d-4b5a-8396-bd1a7578c17c

Inventarnummer: cbdd10250

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Vor den Toren von Weilburg hat sich das Corps de Logis des Windhofs erhalten, der 1713-1726 als Lustschloss für die Grafen von Nassau-Weilburg errichtet wurde. In dem von Julius Ludwig Rothweil entworfenen Gebäude zeigen Deckenbilder von Georg Friedrich Christian Seekatz mythologische Szenen.

Das Jagdschloss Windhof


Die gartenseitigen Räume (Ostseite)


Der Raum östlich des Treppenhauses

Die Nutzung des Raumes im 18. Jahrhundert ist nicht überliefert; es ist anzunehmen, dass es sich um ein Vor- oder Wohnzimmer eines Appartements des kleinen Lustschlosses handelte. An der Decke hat sich ein Stuckrahmen in Form eines stehenden Vierpasses mit Spitzen eines Quadrats erhalten, in dem ein Ölgemälde eingehängt ist.

Das Deckenbild: Leda mit dem Schwan
 

Das Deckengemälde ist in Öl auf Leinwand geschaffen und wurde in den 1720er Jahren von Georg Friedrich Christian Seekatz gemalt.[1]

Es zeigt eine Waldlandschaft mit einem Flusslauf; im Vordergrund lagert auf einer Lichtung eine Frau auf einem ausgebreiteten blaugrauen Tuch am Ufer. Es ist Leda, die Gemahlin des spartanischen Königs Tyndareos. Vor ihr steigt Zeus/Jupiter in Gestalt eines großen Schwans aus dem Wasser, um den sie die Arme legt und dessen Kopf sie streichelt. Hinter dem Schwan lugt der geflügelte Eros/Amor hervor. In einer Hand hält er seinen Bogen als Attribut, das die erotische Verbindung zwischen Zeus und Leda hindeutet; mit der anderen Hand schirmt er seine Augen jedoch vor dem mythischen Geschehen ab.

Der Raum östlich des Flurs


Das Deckenbild: Tod der Eurydike

Das Gemälde zeigt im Vordergrund drei Frauen auf einer Wiese, am rechten Bildrand steht ein einsamer Baum neben einem Baumstumpf. Weit im Hintergrund liegt eine Berglandschaft jenseits eines Flusses. Die drei Frauen, die scheinbar dabei waren, Blumen in kleinen Körben zu sammeln, sind ein aufgebrachtem Schrecken dargestellt: In der Mitte kniet Eurydike, die Gemahlin des Orpheus, und reißt überrascht die Arme in die Luft, während sie zu ihrem Bein hinabblickt. Dort ist der Grund für den Aufruhr zu sehen: Eine kleine Schlange hat sich um ihren Knöchel gewunden. Das Bild hält den Moment fest, in dem das Tier Eurydike in die Ferse beißt - und sie tödlich vergiftet. Zwei Begleiterinnen, Nymphen, wenn man Ovids Darstellung der Geschichte folgt, sehen das Unglück ebenfalls mit an und heben erschrocken die Hände.

Die Figur der Eurydike stimmt - wenn auch spiegelverkehrt - mit der hinstürzenden Eurydike auf einem Blatt überein, das Franz Cleyn (1582-1658) entworfen hat und das von Salomon Savery (1594-1665) gestochen wurde. Das Blatt, das neben dem Tod der Euydike und ihrer gescheiterten Rettung durch den Geliebten Orpheus weitere Verwandlungen versammelt, die in Buch 10 der Metamorphosen beschrieben werden, ist eine von insgesamt fünfzehn ganzseitigen Illustrationen, die für George Sandys 1632 in London und Oxford verlegte englische Übersetzung der Metamorphosen des Ovid angefertigt wurde.[2] Die Darstellung der beiden Nymphen, die Eurydikes Tod bezeugen, weicht allerdings deutlich von Cleyns/Saverys Vorlage ab; dies mag auf eine Variation der Vorlage durch Seekatz zurückgehen, oder auch über die Nutzung einer anderen, unbekannten Vorlage (möglicherweise in einer späteren Ovid-Edition), die die Figur der Eurydike bereits mit veränderten Begleitfiguren wiedergibt.

Der Raum östlich des Mittelsaals


Das Deckenbild: Pallas (Minerva) und Juno
 

Externes Bild
Samuel Bottschild: Juno und Minerva., 1693
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Die stadtseitigen Räume (Westseite)


Der Raum westlich der Treppe


Das Deckenbild: Aeneas flieht aus Troja
 
Georg Friedrich Christian Seekatz, Flucht des Aeneas mit seiner Familie aus Troja, Öl auf Leinwand, um 1726

Externes Bild
Vorlage: Samuel Bottschild, Aeneas cum patre Anchise, aus: Opera varia historica, poetica et iconologica, Augsburg 1693
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Das Deckenbild zeigt den trojanischen Heros Aeneas, der mit seiner Familie aus dem gefallenen Troja flieht. Der Betrachter erblickt die Gruppe dabei aus der Untersicht: Aeneas, gewandet in einer antikisierenden Rüstung mit Helm, rotem Brustpanzer und Beinschienen, tritt über eine kleine Felskante hinweg ins Bild. Sein Gesicht ist fast komplett verdeckt, er hat den Arm darüber gehoben, um seinen alten Vater Anchises auf den Schultern in Sicherheit zu tragen. Neben dem Kopf des Anchises ragen zwei kleine weißgraue Statuetten auf, die wie Götterbilder des Herakles mit Keule und der gerüsteten Minerva anmuten - es sind die Penaten, die schützenden Hausgötter der Familie, die Aeneas bis in seine neue Heimat in Latium bringen wird. Über Aeneas' Schulter hängt zudem ein Löwenfell. Links vom Vater läuft sein Sohn Ascanius, ein braun gelockter Junge in einem roten Gewand, der mit einem kleinen Fingerzeig hinter sich weist. Dort künden roter Schimmer und dicht aufsteigende Wolken vom niederbrennenden Troja. Mit der anderen Hand bedeckt der Knabe ein Ohr, was als Anspielung auf den noch anhaltenden Schlachtenlärm und Tumult während der Flucht gedeutet werden kann. Rechts von Aeneas läuft außerdem seine Gemahlin Creusa, gehüllt in ein blau-weißes Gewand.

Die Vorlage des Gemäldes stammt aus Samuel Bottschilds Stichsammlung Opera varia historica, poetica et iconologica (1693), dort beschriftet als "Aeneas cum patre Anchise". Bottschild hielt sich sehr eng an die literarische Schilderung der Szene in der Aeneis (Aen. 2, 718–726), er greift Details wie das Mitführen der Penaten durch Anchises und das Löwenfell auf, das Aeneas mitnahm. Auch dass Creusa, die Gemahlin des Aeneas, noch bei der Gruppe ist, deckt sich mit der Abfolge der Ereignisse, denn dass sie auf der Flucht den Anschluss an ihre Familie verlor und folglich vermutlich zu Tode kam, wird erst etwas später geschildert (Aen. 2, 737–741). Seekatz ergänzte die oval umrandete Vorlage nur ein Stück im Bereich der Figur des Ascanius, um den Bildinhalt besser in den Rahmen einzupassen.

Der Raum westlich des Mittelsaals


Das Deckenbild: Apoll Musagetes
 


Der Raum westlich des Flurs


Das Deckenbild: Venus und Adonis


Der Flur

 


Die Deckenbilder: Das Potsdamer Stadtschloss und Sanssouci


Bibliographie

  • Ferdinand Luthmer, Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Wiesbaden, Bd. III: Das Lahngebiet, hrsg. vom Bezirksverband des Regierungsbezirks Wiesbaden, Frankfurt am Main, 1902.
  • [1]
  • Ferdinand Luthmer, Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Wiesbaden, Bd. VI: ,Nachlese und Ergänzungen zu den Bänden I und V und Gesamtregister, hrsg. vom Bezirksverband des Regierungsbezirks Wiesbaden, Frankfurt am Main 1921.
  • [2]

Einzelnachweise

  1. Die Vorlage ist unbekannt. Es existiert ein Stich von Claude Augustin Duflos nach einem Entwurf von François Boucher, der 1740 in Paris bei Nicolas de Larmessin IV verlegt wurde, in dem die Figur der Leda mit dem Schwan sehr ähnlich erscheint, allerdings ohne den Eroten: https://www.metmuseum.org/art/collection/search/373009, auch https://collection.cooperhewitt.org/objects/18220629/. Dies würde der verbreitet angenommenen Datierung der Ausstattung des Schlosses in den 1720er Jahren entgegensprechen; dieser Widerspruch kann an dieser Stelle nicht aufgelöst werden.
  2. George Sandys, Ovid's Metamorphosis Englished, Mythologiz'd, and Represented in Figures. An Essay to the Translation of Virgil's Aeneis, Oxford 1632, Illustration vor S. 337. [ https://archive.org/details/ovidsmetamorphos00ovid_0/page/n355/mode/2up?ref=ol&view=theater&q=orpheus]