Velen, Rittergut, sog Schloss
Inventarnummer: cbdd10181
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Nach dem Brand von Haus Velen 1931 geben nur noch wenige Fotografien und Beschreibungen Auskunft über die ehemaligen Deckengemälde von Anton Vercrucien und Johann Martin Pictorius aus der Zeit um 1700.
Haus Velen
Kurzbeschreibung und Lage
Haus Velen[1] steht heute zentral im Ort Velen. Die ehemals kleine Ortschaft befand sich im Osten des Hauses. Von hier aus wird der Komplex heute über eine Vorburg erreicht. Das eigentliche Herrenhaus ist auf einer künstlichen Insel gelegen und zweigeteilt. Auf zwei den Hof flankierende Wirtschaftsbauten folgt die unregelmäßige Dreiflügelanlage des Hauptbaus. Im Süden erstreckt sich ein weiträumiger Park.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Haus ist aus einer Burg des Mittelalters hervorgingen, die bereits im 13. Jahrhundert nachweislich im Besitz der Herren von Velen war. Die gegenwärtigen Baulichkeiten gehen in ihren Ursprüngen auf das 14./15. Jahrhundert zurück. Der Mitteltrakt des Hauptflügels stammt in großen Teilen noch aus dem 15. Jahrhundert. Die Kapelle am Kopf des rechten Seitenflügels wurde wie die beiden Seitenflügel im 16. Jahrhundert aufgeführt. Um 1600 kam es zur Umgestaltung des Hauptflügels und der Errichtung eines Schlossturms.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde 1692 unter Ambrosius von Oelde die Hofseite neu gestaltet und die dreiflügelige Vorburg erbaut. Im Süden des Hauses entstand ein großer Garten. 1744 wurde dann nach Plänen von Johann Conrad Schlaun der Südflügel neu erbaut, die anderen Flügel erfuhren eine Modernisierung.
1756 gelangte Velen auf dem Erbgang an die von Landsberg zu Erwitte. Unter dieser Familie kam es unter Wilhelm Ferdinand Lipper 1788 zu Umgestaltungen und 1811 zu einem grundlegenden Umbau des Hauses nach Plänen August Reinkings. Auf diese Maßnahmen geht etwa das Hauptportal im Zuge der Systematisierung der Anlage zurück sowie die Öffnung der Vorburg. Spätestens damals wurde die Zufahrt nach Osten verlegt. Im 19. Jahrhundert kam es zu einer erneuten Umgestaltung im Stil der Neorenaissance. Ferner wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts alle Ausstattungen im Hauptgeschoss des Südflügels ersetzt.
1931 brannte das Schloss bis auf die Kapelle komplett aus und wurde 1933-34 neu errichtet. Im Außenbau ist die historische Erscheinung wieder hegestellt, im Innen jedoch stark verändert. Historische Ausstattungsreste gibt es keine.
Auftraggeber
Die Auftraggeber – die Familie von Velen – war eine der alten westfälischen Adelsfamilien. Sie kam zu erheblichem Reichtum, erwarb zahlreichen Besitz und wurde 1661 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Die meisten Familienmitglieder standen im Dienst des Bistums Münster. Die Familie hatte unter anderem seit 1542 das Amt des Drosten im Emsland inne, stellte fürstbischöfliche Statthalter und hatte oft weitere Drostenämter inne. 1756 gelangte ihr Besitz an die Freiherren von Landsberg, die sich nun von Landsberg-Velen nannte.[2]
Architekten und Künstler
Ambrosius von Oelde[3] gehört zusammen mit Johann Conrad Schlaun zu den bedeutendsten Architekten Westfalens in der Frühen Neuzeit. Er war Kapuzinerbruder und wurde als Baumeister für zahlreiche westfälische Adlige sowie Fürstbischöfe von Münster und Paderborn tätig. Neben Schloss Ahaus wurden nach seinen Entwürfen u.a. die Häuser in Wehrden (Weser), Bisperode, Löwendorf und Oberwerries erbaut. Auch die Klosterkirche in Rüthen stammt von ihm und wohl auch das Residenzschloss bzw. Kloster in Corvey, das ihm zugeschrieben wird.
Johann Conrad Schlaun[4] war Militär in den Fürstbistümern Paderborn und Münster und wurde 1729 Landbauingenieur im Fürstbistum Münster. Neben staatlichen Bauaufgaben wie dem Jagdschloss Clemenswerth schuf er zahlreiche Adelsbauten in Paderborn und Münster, wie den Erbdrostenhof oder Haus Beck, aber auch Sakralbauten, wie das Benediktinerkloster in Bad Iburg.
Wilhelm Ferdinand Lipper[5] war seit 1777 Oberlandbaudirektor im Fürstbistum Münster und vollendete das Residenzschloss Münster. Neben der Landesherrschaft war er auch für den Westfälischen Adel tätig. Nach 1790 arbeitete er in Nürnberg wo er 1800 verstarb.
Über den Maler urkundlich 1698 genannten Maler Anton Vercrucien ist nichts bekannt. Er wurde von
Johann Martin Pictorius.[6] abgelöst. Dieser stammte aus einer westfälsichen künstlerfamile und schuf zahlreiche Deckengemälde für die Landesherrschaft und den Adel, etwa in Schloss Ahaus und Schloss Neuhaus, in Haus Nordkirchen, oder Haus Rheder.
Beschreibung
Haus Velen ist auf einer rechteckigen künstlich geschaffenen Insel gelegen. Die Baumassen sind von Ost nach West in die Tiefe gestaffelt. An der Eingangsseite im Westen sind auf die Ecken der Insel annähernd quadratische zweigeschossige Ecktürme mit Zeltdach gestellt. Hinter diesen befinden sich im Norden und Süden – die Mittelachse flankierend, eingeschossige Nebengebäude mit zweigeschossigen Randbetonungen. Auf diese folgt die vom Prinzip her zweigeschossige Dreiflügelanlage des Hauptgebäudes. Der aus verschiedenen Bauphasen stammende Komplex ist zum Hof hin weitgehend vereinheitlicht. Ein zentraler dreiachsiger Mittelrisalit mit zusätzlichem Attikageschoss betont den über eine breite Freitreppe zu erreichenden Haupteingang im Westflügel. Vor allem ein zweigeschossiger Turm mit geschweifter Haube rechts am Ehrenhof stört die Symmetrie. Hier befindet sich die Kapelle. Im Westen sind auf die Gebäudeecken unterschiedlich dimensionierte Ecktürme gestellt.
Forschungsstand zur Baugeschichte
Eine neue Baugeschichte von Haus Velen gibt es nicht. Die 1931 vernichtete Deckenmalerei wurde bislang nicht untersucht. Das Denkmalinventar von 1954 bildet noch einige der kurz vor dem Brand fotografierten Malereien ab und benennt teilweise die Ikonografie. Die Fotos haben sich in der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen erhalten.
Das ehemalige sog. Billardzimmer und seine verlorene Deckenmalerei
Das Billardzimmer
Im Nordflügel gab es im Erdgeschoss vor 1931 einen langgezogenen Raum[7] an der Hofseite. Damals handelte sich um das Billardzimmer.
Die Deckenmalerei
Seine Decke nahm ein Gemälde[8] von Anton Vercrucien aus dem Jahr 1698 auf. Die Malerei wurde kurz vor dem Brand vom Denkmalamt fotografiert. Diese Fotos haben sich erhalten. Man erkennt eine stuckierte Spiegeldecke mit einem leeren Mittelfeld. In den Ecken halten stuckierte Putten Medaillons. Diese nehmen Figuren (Putten) auf, die Attribute halten. Auf den erhaltenen Fotografien sind nur zwei der vier zu erkennen, von denen eine eine Fackel trägt. Die Darstellung der anderen Putte ist zu dunkel, um Details ausmachen zu können. Eventuell handelte es sich um die vier Elemente.
Das ehemalige sog. Raesfeldzimmer und seine Deckenmalerei
Das Raesfeldzimmer
Im Hauptflügel befand sich an der Südseite gegen den Garten ein Kabinett, das Raesfeldzimmer[9] genannt wurde. Es nahm mindestens sechs Deckengemälde auf.
Die Deckengemälde
Die Stuckierte Decke[10] zeigte in der Mitte mindestens zwei große runde Gemälde. Auch diese Decke wurde in Teilen kurz vor dem Brand vom Denkmalamt fotografiert. Diese Fotos haben sich erhalten. Nur eines der beiden Hauptbilder ist auf den Fotografien zu erkennen, vom anderen ist lediglich der Rahmen angeschnitten. Zu sehen ist eine Allegorie des Morgens. Eine junge Blumenbekränzte Frau mit Flügeln halt ein junges Kind in ihrem Schoß. Es wäre denkbar, dass das andere Gemälde den Abend zeigte.
Während sich rechts das zweite Hauptbild anschloss, befand sich links in einer kleinen Kartusche ein Nebenbild. Am Fuß zwischen den beiden Hauptbildern gab es eine etwas größere Kartusche, die ebenfalls eine Malerei aufnahm. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich oberhalb der beiden Hauptbilder und rechts identische Kartuschen befanden. In den kleinen Kartuschen halten Putten Gegenstände, die auf den Fotos nicht mehr zu erkennen sind. Rave benannte die Malerei als Darstellungen der „vier Weltteile“. Der Maler war Johann Martin Pictorius, der 1699, 1706, 1708 und 1717 in den Rechnungen erscheint.
Bibliographie
- Literatur:
- Bußmann, Lipper, 1972. – Bußmann, Klaus: Wilhelm Ferdinand Lipper. Ein Beitrag zur Geschichte des Frühklassizismus in Münster (Westfalen, 18. Sonderheft). Münster 1972.
- Höper, Oelde, 1990. – Höper, Eva-Maria: Ambrosius von Oelde. Ein Kapuzinerarchitekt des Frühbarock im Dienst der westfälischen Fürstbischöfe. (Rhenania Franciscana Antiqua, 5). Dülmen 1990.
- Landsberg-Velen, Velen, 1988. – Landsberg-Velen, Wilfried Freiherr von: Vom Märchenschloss zum SportSchloß – Schloß Velen im Wandel der Zeit. In: Unsere Heimat. Jahrbuch des Kreises Borken 1988, S. 43-46.
- Landsberg-Velen, Geschichte, 2007. – Landsberg-Velen, Manfred von: Die Geschichte der Häuser Landsberg und Velen. 2 Bde. Dankern 2007.
- Matzner/Schulze, Schlaun, 1995. – Matzner, Florian/Schulze, Ulrich: Johann Conrad Schlaun. 1695–1773. Das Gesamtwerk. Stuttgart 1995.
- Rave, Pictorius, 1935. – Rave, Wilhelm: Johann Martin Pictorius. In: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 20 (1935), S. 344–348.
- Rave, Borken, 1954. – Rave, Wilhelm (unter Mitwirkung von Stephan Selhorst): Kreis Borken (Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, 46), bearbeitet von Albert Ludorff. Münster 1954.
- Rensing, Velen, 1953. – Rensing, Theodor: Zur Baugeschichte des Schlosses Velen. In: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 31 (1953), S. 244-257.
Einzelnachweise
- ↑ Matzner/Schulze, Schlaun, 1995, S. 587; Landsberg-Velen, Velen, 1988; Rensing, Velen, 1953; Rave, Borken, 1954, S. 468-494.
- ↑ Landsberg-Velen, Geschichte, 2007.
- ↑ Höper, Oelde, 1990.
- ↑ Matzner/Schulze, Schlaun, 1995.
- ↑ Bußmann, Lipper, 1972.
- ↑ Rave, Pictorius, 1935.
- ↑ Rave, Borken, 1954, S. 486-487.
- ↑ Ebd.
- ↑ Rave, Borken, 1954, S. 492.
- ↑ Rave, Borken, 1954, S. 494.