Untermühlhausen, Pfarrkirche St. Benedikt


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 252–253, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

UNTERMÜHLHAUSEN

Pfarrkirche, Gemeinde Penzing, Pfarrei Sandau-Untermühlhausen, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung eigene Pfarrei, auf die Kloster Benediktbeuern das Präsentationsrecht hatte, Gericht Landsberg

Patrozinium: St. Benedikt

Zum Bauwerk: Spätgotische, im 18. Jh. umgestaltete Kirche. Der eingezogene, dreiseitig geschlossene AR (5,00 × 4,70 m) wurde 1741 unter Pfarrer Franz Klemens Wagensail (1737–54) ausgestattet. Die Ausstattung stiftete Magdalena Hirsauer vom Höschlhof, wie die Inschrift an der O-Seite des Chorbogens besagt: IMPENDIIS / VIR-TUOSAE VIDUAE MAGDALEN / HIRSAUERIN DE HÖSCHL HIC / CHORUS EXORNABATUR ANNO 1741.

Autor und Entstehungszeit: Signatur auf dem Säulensockel am nördlichen Bildrand: F. X. Forchner Fecit. (Franz Xaver Forchner aus Dietenheim, Schwaben, † ebda. 1751.) Das Datum der Chorbogeninschrift, 1741, ist auch auf das Fresko zu beziehen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: im AR Flachtonne, in Mulden-gewölbe übergehend

Rahmen: Stuckprofil

Technik: Fresko; polychrom

Maße: Höhe 12,30 m; 3,00 × 2,70

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1922 und 1964/66 restauriert. Das Freskobild ist an einigen Stellen stärker überarbeitet, besonders am östlichen und nördlichen Bildrand; im übrigen ist es gut erhalten. Im 19. Jh. erhielt der Gemeinderaum ein neues Deckengemälde.

Beschreibung und Ikonographie

HL. BENEDIKT ALS FÜRBITTER Das Deckenbild von einer dem Vierpaß angenäherten Form zeigt weniger Höhen- als Tiefenwirkung. Kulissenhafte Architekturstücke — eine hohe Treppe, ein Arkadengang, eine repoussoirhaft am linken Bildrand aufragende Säule — geben eine Art Szenengerüst, das jedoch fast selbständig hinter die menschlichen Figuren gesetzt ist. Diese sind in einem Bogen, der entlang dem Bildrand etwa einen Dreiviertelkreis beschreibt, in Gruppen geordnet. Auf die irdischen Gestalten folgen ohne Zäsur und ohne gesteigerte Höhenwirkung die himmlischen — auf Wolken wiedergegeben — im fortlaufenden Bogenzug.

Christus-Salvator mit dem Kreuz und der Schöpfergott mit Weltkugel und Zepter thronen – die Taube des Hl. Geistes zwischen sich – auf lichten Wolken. Zu Füßen der Hl. Dreifaltigkeit kniet der hl. Benedikt, den Blick zu Gott erhoben, mit einer Hand fürbittend auf die Kranken weisend. Die große Gestalt des Heiligen ist in dem schwarzen Ordensgewand unter den übrigen Figuren hervorgehoben. Ein Engel trägt seine Würdezeichen, Abtsstab und Inful, sowie ein legendäres Attribut, einen Kelchbecher, aus dem sich eine Schlange hervorwindet; ein Putto hält das Regelbuch aufgeschlagen. Die Wolke, welche diese Gruppe trägt, erreicht schon die Rampe über dem östlichen Bildrand: dort krümmt sich – gehalten von einem Mann – ein entblößter Besessener mit verrenkten Gliedern; seinem Munde entweicht ein Dämon. Bei einem Pilger in der charakteristischen Tracht (breitkrempiger Hut, Pelerine mit dem Muschelabzeichen, Stab und Gurde) sitzen halb entblößt ein Mann und eine Frau beieinander, ein Kind kauert daneben. Zur linken Seite schließt sich eine weitere Gruppe an. Ein auf der Rampe sitzender Mann betätigt in heftiger Erregung eine Klapper, welche die Gegenwart von Kranken verkündet, hinter ihm drei Frauen – eine hält einen alten kranken Mann, eine Taube weist auf ihr Ohr, eine Mutter trägt ihr Kind herbei. Auf den oberen Stufen der Freitreppe – entfernt von den übrigen Figuren – ist ein halb entblößter Mann, der sich flehend zum Himmel wendet, ihm zur Seite putzgleich ein Kind, gelagert.

Das Deckenbild ist wie das Hochaltargemälde dem Patron der Kirche (der auch Patron des zugehörigen Klosters ist; das benachbarte St. Benedikt in Sandau war Filialkloster von Benediktbeuern) gewidmet; es gibt diesen als Fürbitter der Kranken, Bresthaften und Pilger wieder.

 
St. Benedikt als Fürbitter

Quellen und Literatur

Hopp, Jakob, Pfründe-Statistik der Diözese Augsburg Augsburg 1893, Bd 2, S. 359.

KDB I OB (1), S. 551

Die Pfarrherren im Bezirke Untermühlhausen (o. V.), in: Landsberger Geschichtsblätter 7, 1908, Nr. 12f., S. 47–51

Dehio-Gall OB (1964), S. 278

Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 641–43.