Laß, Heiko:Treben, Rittergut, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/7fa49931-1c3c-43c0-a43d-e93303116f4e

Inventarnummer: cbdd10143

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Im ersten und zweiten Obergeschoss des um 1750 grundlegend umgebauten Gebäudes haben sich verschiedene Räume mit Wandmalerei vom 16. bis zum 18. Jahrhundert erhalten, so Götterstatuen in Nischen von ca. 1750 in einem Korridor.

Das Hauptgebäude des ehemaligen Ritterguts

Bau- und Besitzergeschichte

Die älteste Erwähnung des Ritterguts Treben[1] datiert auf 1329. Das heutige Gebäude stammt in seinen Ursprüngen von 1543, wenn nicht gar von 1445, zumindest im nördlichen Teil des Herrenhauses, wo sich Reste erhalten haben. Etwa um 1543 kam das Rittergut an die Familie von Bünau. Heinrich von Bünau war es vermutlich, der das Rittergut baulich erweiterte. Später gelangte es an die von Bielefeld. 1750/51 wurde die Anlage für Jakob Friedrich Freiherr von Bielefeld in die gegenwärtige Gestalt umgebaut und erweitert. Sein Sohn verkaufte das Gut bereits 1779 an Karl Sigismund Aemilius von Uechtritz auf Pomsen. Im 19. Jahrhundert wechselten die Besitzer dann häufig. 1945 wurde es enteignet und diente hinfort als Wohnraum. Bis auf zwei Nebengebäude sind heute alle Wirtschaftsbauten verloren. 2001–2004 wurde auf den Zustand von 1750 hin saniert.

Baubeschreibung

Der zweigeschossige Hauptbau über hohem, rustizierten Sockelgeschoss ist nur vier Achsen tief, aber 17 Achsen im Westen und 18 im Osten breit – und damit rund 60 Meter lang. An der Ostseite sind im Sockel statt der äußeren vier Fensterachsen nur zwei schartenartige Rundfenster erhalten – die Rustizierung fehlt. Das Haus hat ein hohes Mansardwalmdach und ist damit faktisch fünfgeschossig. Gemäß historischen Plänen gab es noch 1933 Seitenflügel, die heute verloren sind.

Im ersten und zweiten Obergeschoss haben sich verschiedene Räume mit Wandmalerei vom 16. bis ums 18. Jahrhundert erhalten, so eine Ständerbohlenkonstruktion mit einer zugehörigen Stubenkammer mit Malerei aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und ein langer Korridor mit Malerei von ca. 1750.

Stube

 

Raumbeschreibung

Im ersten Obergeschoss hat sich eine Ständerbohlenkonstruktion mit einer zugehörigen Stubenkammer erhalten.[2] Die Stube ist dendrochronologisch auf 1519/20 datiert. Es ist aber möglich, dass abgelagertes Holz verwendet wurde und sie aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt. Es handelte sich wohl um einen rauchfrei beheizbaren Raum zum Wohnen. In die Mitte des 16. Jahrhundert datiert die hier freigelegte Deckenmalerei sowie die in Brauntönen gehaltene illusionistische Architekturbemalung. Es liegen verschiedene Fassungen übereinander.

Wandmalerei

Man erkennt Reste einer gemalten Arkatur unterschiedlicher Größe. Die Pilaster erinnern an eine toskanische Ordnung. Ihre Flächen sind, wie die Bereiche oberhalb der Bogenöffnungen, mit florale Formen in Art der Arabesken geschmückt. Oberhalb der Arkadenzone befindet sich heute ein rippenartiges Muster mit Beschlagwerk, das in der Mitte ein Allianzwappen ziert. An der Decke sind geringste Reste einer ornamentalen Bemalung erhalten.

Korridor

Raumbeschreibung

Im 2. Obergeschoss hat sich in einem Korridor[3] an der Westseite im südlichen Bereich des Hauses Wandmalerei von ca. 1750 in Secco erhalten. Um 1850 wurde sie überfasst und ist heute nur mehr in Resten vorhanden. Die ursprüngliche Decke ist verloren. Die grauen Wände sind umlaufend mit gekuppelten, grau marmorierten ionischen Pilastern geziert. Ihre Schmuckelemente sind ockerfarben. Die harten Ränder gehen auf die Überfassung des 19. Jahrhunderts zurück. Die Pilaster rahmen an der Wandseite im Wechsel fiktive Nischen und reale Türen. An der Fensterseite begleiten sie die Öffnungen. Zwischen den Pilastern sind unter der Voute Rocaillen über den Nischen und Kartuschen über den Türen gemalt – ebenfalls in Ocker. In jeder zweiten Nische haben sich Malereireste erhalten, die antike Götterstatuen auf Sockeln zeigten. Die letzte Nische befindet sich bereits in der südöstlichen Raumecke.

Wandmalerei

Sind die Darstellungen auch nur in Teilbereichen erhalten, erlauben die sichtbaren Reste doch ihre Bestimmung. In der nördlichen Nische steht Merkur, kenntlich mit geflügeltem Helm und Caduaceus. Bis auf Kopf und linken Arm hat sich nichts erhalten. Von der Figur in der mittleren Nische ist weitgehend der Sockel, der Unterleib sowie der Baubereich erhalten. Mir der linken Hand hebt sie ihr Gewand ein wenig an und zeigt ihre nackten, beschuhten Beine. Die zwei schnäbelnden Tauben zu ihren Füßen legen die Vermutung nahe, dass es sich um eine Venusdarstellung handelte. Die letzte Figur ist nur in ihrem oberen Bereich erhalten. Attribute sind keine zu erkennen, der Lorbeerkranz deutet jedoch auf Apoll.

Raum mit Wandmalerei

Im 2. Obergeschoss[4] hat sich ein Raum mit Resten einer Fassung von 1750 erhalten. Alle Wände haben einen grauen Fond und hatten vermutlich eine Sockelgestaltung. Ferner dürfte um die Fensterlaibungen eine dekorative Bemalung gewesen sein. An der Stelle des ehemaligen Ofens wurde eine Spiegelbemalung mit Ranken (?) in Ocker und Strichen und Bändern in Weiß und Anthrazit nachgewiesen. Vermutlich war auf dem grauen Fond an allen Wänden eine florale Bemalung.

Raum 2.12

 

Im Zweiten Obergeschoss im südlichen Teil des Hauses haben sich in Raum 2.12[4] Seccomalereien von ca. 1750 erhalten. Vor gelbem Fond sind an roten Rocaillen hängende florale Girlanden und hängende Zweige in Grün- und Blautönen gemalt. Sie zeigen Blattwerk, Blüten und Trauben. Teilweise wird die obere Rocaille unten prinzipiell gespiegelt. Damm rahmen die Girlanden ein farblich abgesetztes Wandfeld, das zwischen die beiden Rocaillen gesetzt ist. Den Sockelbereich zieren monochrom grau in grau gemalte Paneele mit Kassetten.

Raum 2.13

In Raum 2.13[4] an der Südostecke haben sich gemalte Wandspiegel erhalten. Es ist davon auszugehen, dass auch hier ehemals eine gegenständliche, dekorative Malerei vorhanden war.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Wolf, Treben, 2007. – Wolf, Gustav: Rittergut Treben. In: Nienhold, Christiane/Ders.: ...und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln! Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten. Posterstein 2007, S. 76–78.
  • Heinzig, Treben, 2006. – Heinzig, Frank: Das Rittergut Treben. In: Altenburger Geschichts- und Hauskalender 15 (2006), S.117–121.
  • Archivalien:
  • Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv. Treben, Rittergut [77.210-002].

Einzelnachweise

  1. Wolf, Treben, 2007, vor allem S. 76; Heinzig, Treben, 2006. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv. Treben, Rittergut [77.210-002].
  2. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv. Treben, Rittergut [77.210-002]. U.a. darin enthalten: Barbara Ginzkey: Farbuntersuchung und Sondierung am 1. OG an der ehemaligen Holzstube Raum 1.02. Innenraum Rittergut in Treben, 2002.
  3. Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv. Treben, Rittergut [77.210-002]. U.a. darin enthalten: Andreas von Chrzanowski, Henry Wagner: Restaurierungsbericht der durchgeführten Arbeiten am Objekt Treben - Belletage, Nischenmalerei. Ausführungszeitraum März bis Juli 2004. (Betreuung durch Stephan Keilwerth und Bianka Witte); Barbara Ginzkey: Farbuntersuchungen zu einigen Räumen im 2. OG zum Rittergut in Treben, 2001.
  4. 4,0 4,1 4,2 Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Archiv. Treben, Rittergut [77.210-002]. U.a. darin enthalten: Barbara Ginzkey: Farbuntersuchungen zu einigen Räumen im 2. OG zum Rittergut in Treben, 2001.