Travenbrück, Gut Nütschau
Inventarnummer: cbdd10376
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In Nütschau werden Fragmente von vier Deckenmalereien des späten 16. und 17. Jahrhunderts präsentiert, die aus unbekannten Räumen des Herrenhauses stammen.

Gut Nütschau
Kurzbeschreibung und Lage
Die Reste von Gut Nütschau[1] stehen auf einer künstlichen Insel. Heute stehen hier neben dem Herrenhaus überwiegend moderne Bauten eines Benediktinerklosters. Das Herrenhaus selbst war ebenfalls von einem Graben umgeben, der heute verloren ist.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Gut stammt bereits aus dem Mittelalter. 1577-79 ließ Heinrich Rantzau ein neues Herrenhaus erbauen. Es wurde später mehrfach umgestaltet, so 1708/09, 1873 und 1906. Tiefgreifende Umbauten einschließlich einer radikalen Entkernung vor allem zwischen 1999 und 2006 haben die historischen Räume vernichtet. Seit 1951 dient das Gut als Kloster.
Beschreibung
Das Herrenhaus ist ein Dreifachhaus mit drei parallelen Giebelhäusern. Der zweigeschossige Backsteinbau über Sockelgeschoss ist schlicht und weiß geschlämmt. Heute betritt man das Haus von der Seite durch die ehemalige Küche. Die Raumaufteilung im Inneren ist gänzlich neu.
Die erhaltene Deckenmalerei aus dem Herrenhaus von Nütschau
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die konkrete Entstehung der ehemaligen Deckenmalereien[2] ist unbekannt. Sie wurden Ende des 16. Jahrhunderts bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts auf die Unterseite von teilweise vorgrundierten Eichenholzdielen in Temperafarbe gemalt. Bei den Umbauten 1708/09 wurden Teile der Decken im Dachstuhl in Zweitverwendung willkürlich verlegt und wieder eingebaut.
Bei den erhaltenen Dielen handelt es sich lediglich um meist zusätzlich gekürzte oder seitlich beschnittene Reste. Sie wurden 1989 gefunden und teilweise aufgenommen und eingelagert. Ab 2001 wurden sie gesichtet, gereinigt und nach Zugehörigkeiten sortiert und auch die verbliebenen Dielen und Balken ausgebaut. Die Dielen wurden konserviert und behutsamen Retuschen unterzogen. Die Dielen sind ca. fünf Zentimeter stark und waren mit Nut und Feder gefertigt. Sie waren vermutlich ehemals zwischen 290 und 336 Zentimeter lang sowie zwischen 29 und 52 Zentimeter breit. Nur bei vier der sieben gefundenen Motivgruppen waren genug Dielen vorhanden, um diese anschließend zu präsentieren. Sie wurden in der neuen Eingangshalle im Erdgeschoss sowie in drei Räumen im Obergeschoss museal unter die Decke gebracht. Da die erhaltenen Bretter nicht maßhaltig zusammenpassen, wurde ein Abstand zwischen den Dielen gewählt, der ein annährend ursprüngliches Motiv erkennen lässt. In den Zwischenräumen sowie um die Fragmente herum wurde der Grundton der erhaltenen Dielen übernommen. Rein geometrische Bereiche der Malerei sind andeutungsweise ergänzt. Diese Arbeiten führte der Kirchenmaler Volker Lang aus.
Beschreibung und Ikonographie
Unter der Decke der zweigeschossigen Eingangshalle sind Reste einer Decke des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts angebracht. In länglichen Ovalen werden Männer und Frauen in höfischer Kleidung präsentiert. Die Ovale sind von Rollwerk, Bändern sowie Obst bzw. Fruchtgehängen sowie Köpfen umgeben.
Die drei anderen Decken in den Räumen des Obergeschosses zum Garten hin sind weitgehend ornamental gestaltet. In perspektivisch ausgearbeiteten Rahmungen mit Licht- und Schattenkanten sind überwiegend florale Elemente dargestellt. Eine Decke zeigt langgezogene Sechsecke sowie Quadrate. In den Quadraten sind Puttenköpfe zu sehen, in den Sechsecken florale Elemente. Eine andere Decke wird durch Rhomben und Kreuze strukturiert. In die Rhomben sind Puttenköpfe gemalt, in die Kreuze erneut florale Elemente sowie Früchte. Die dritte Decke stammt vermutlich aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.[3] Sie zeigt Quadrate. Wo vier zusammenstoßen, ist jeweils ein Kreis ausgebildet, in dem eine Rose zu sehen ist. Die Quadrate selbst sind Blumen, Blättern und Früchten vorbehalten.
Bibliographie
- Literatur:
- Behrens, Nütschau, 2007. – Behrens, Helmut: „Vom Herrenhaus zum Haus des Herrn“. Zur Sanierung des Herrenhauses Nütschau. In: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein 14 (2007), S. 82-86.
- Behrens/Löffler-Dreyer, Nütschau, 2005. – Behrens, Helmut/Löffler-Dreyer, Birgid: Alte Dielen mit neuer Statik. Zur Restaurierung bemalter Holzbalkendecken im ehemaligen Herrenhaus Nütschau. In: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein 13 (2005), S. 84-87.
- Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
- Hirschfeld, Herrenhäuser, 1980. – Hirschfeld, Peter: Herrenhäuser und Schlösser in Schleswig-Holstein. München/Berlin 1980.
- Lafrenz, Herrenhäuser, 2015. – Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg 2015.
- Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983. – Rumohr, Henning von/Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Frankfurt 1983.
- Schulze, Bericht, 1991. – Schulze, Heiko K. L.: Bericht über neue Ergebnisse der Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege. In: Nordelbingen 60 (1991), S. 221-300.
- Seebach, Herrenhäuser, 1985. – Seebach, Carl-Heinrich: 800 Jahre Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Neumünster 1985.
- Stilling, Herregårde, 2021. – Stilling, Niels Peter: Danmarks Herregårde. Slesvig og Holsten. Kopenhagen 2021.
Einzelnachweise
- ↑ Stilling, Herregårde, 2021, S. 245-247; Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 408-410; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 936-937; Behrens, Ntüschau, 2007, S. 82-84; Seebach, Herrenhäuser, 1985, S. 153; Hirschfeld, Herrenhäuser, 1980, S. 56-57.
- ↑ Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 409; Behrens, Nütschau, 2007, S. 84-86; Behrens/Löffler-Dreyer, Nütschau, 2005, S. 84-86; Schulze, Bericht, 1991, S. 291-29; Seebach, Herrenhäuser, 1985, S. 153.
- ↑ Schulze, Bericht, 1991, S. 291-293.