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Stuttgart, Hohe Karlsschule

Aus Deckenmalerei-Lab
Seeger, Ulrike:Stuttgart, Hohe Karlsschule, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/d6f0e2e3-ed6d-4727-8ede-e5683bb6470c

Inventarnummer: cbdd10495

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Bis zu ihrer Zerstörung 1944 besaß die Hohe Karlsschule im Speisesaal ihrer Eleven fünf nach einem Konzept von Nicolas Guibal geschaffene Deckengemälde zur fürstlichen Förderung von Kunst und Wissenschaft sowie zur Dankbarkeit der Zöglinge. In den Unterrichtsräumen Allegorien der gelehrten Fächer.

Stuttgart, Hohe Karlsschule, Speisesaal der Eleven, Detail mittleres Deckenbild,
Stuttgart, Hohe Karlsschule, Speisesaal der Eleven, Detail mittleres Deckenbild,

Das Gebäude der Hohen Karlsschule

Kaserne als Ursprungsbau

Der Kernbau des späteren Akademiegebäudes wurde 1740–1745 nach Plänen von Johann Christoph David von Leger (1701–1791) als Kaserne errichtet. [1] Es handelte sich um eine Dreiflügelanlage außerhalb des damaligen Schlossgartens, die sich mit ihrem sehr tiefen Ehrenhof zum Schlossgarten öffnete. Der Mittelbau mit einem zweieinhalbgeschossigen Pavillon im Zentrum war dem Berg zugewandt. Am Ende der Seitenflügel mit den Schlafsälen im Inneren standen als Kopfbauten quergerichtete neunachsige Offizierspavillons. Zwischen Ehrenhof und Schlossgarten verlief der Nesenbach.

Als Ergänzung entstanden parallel außerhalb der Seitenflügel langgestreckte eingeschossige Trakte für Stallungen und weitere Nebenfunktionen. [2] Sie waren mit dem Mittelbau nicht verbunden, doch ergaben sich durch sie zwei weitere langgestreckte Höfe. Der Zustand der Kaserne vor Baubeginn des Neuen Schlosses ist dem 1750 von Claude Lucas gestochenen Generalplan von Leopoldo Retti zu entnehmen. [3]

1746 wurde unmittelbar vor dem Ehrenhof der Kaserne auf dem Gelände des ehemaligen Schlossgartens das Neue Schoss für den 1744 zur Regierung gelangten Herzog Carl Eugen von Württemberg (gest. 1793) errichtet. Da die Kaserne bestehen blieb, konnte hinter dem Corps de logis des Neuen Schlosses kein Ziergarten angelegt werden, sondern dieser musste seinen Ausgang vom östlichen Seitenflügel nehmen. Die Repräsentationsräume des Neuen Schlosses lagen deshalb zum Ehrenhof. Das Appartement der Herzogin befand sich im Gartenflügel. Nachdem der mit den herzoglichen Appartements gerade erst fertiggestellte Gartenflügel 1762 einem Brand zum Opfer fiel, verlegte Carl Eugen 1764 die Residenz von Stuttgart nach Ludwigsburg. [1]

Residenz-Rückverlegung nach Stuttgart und Umbau zur Hohen Karlsschule

1775 verlegte Herzog Carl Eugen die Residenz zurück nach Stuttgart. Die Kaserne ließ er umbauen, um dort die von ihm 1770 auf der Solitude als Militärische Pflanzschule gegründete Hohe Karlsschule unterzubringen. [5] Mit dem Umbau der Kaserne wurde Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer (1746–1813) betraut, der ein Schüler des in Paris ausgebildeten ehemaligen Hofarchitekten Philippe de la Guêpière war. [2]

Fischer erhöhte die beiden äußeren, als Stallungen erbauten Trakte und schloss sie mittels Quertrakte an das Corps de logis an. Von nun an gab es „äußere“ und „innere“ Seitenflügel. In den inneren Seitenflügeln behielt Fischer die Schlafsäle bei. Die äußeren Seitenflügel versah er mit architektonisch aufwendigen Räume mit Säulenstellungen für die neu hinzugekommenen Funktionen der Hohen Karlsschule. Die Umbauten wurden mit einem großen Aufgebot an Arbeitern sehr schnell von 1774 bis 1775 durchgeführt. [7]

Anbringungsorte der Gemälde

Die bis zum Zweiten Weltkrieg erhaltenen Deckengemälde befanden sich in dem östlichen äußeren Seitenflügel, dessen Herzstücke eine hohe Rotunde und der zweigeschossige, ebenfalls bis in das Mansarddach hineinreichende Speisesaal der Eleven bildeten. Vor diesem Flügel legte Herzog Carl Eugen parallel zum Ziergarten des Neuen Schlosses den Akademiegarten an. [8] Er enthielt neben drei großen Bassins für Baden und Kahnfahrten kleine quadratische Stücke Land, die die Schüler selbst bepflanzen durften. [9]

In den Lehrsälen, die alle drei Geschosse des westlichen äußeren Seitenflügels ausfüllten, [10] befanden sich Gemälde an den Wänden. In jedem Lehrsaal war ein Gemälde angebracht, „in welchem die die Hauptwissenschaft der Lernenden mit dem Bildniß des Stifters verbunden“ war. [11] Von diesen Bildern haben sich vier große und sechs kleine erhalten.

Gestaltung des Außenbaus

Im Sinne einer noblen Simplicité präsentierten die die Trakte nach außen schlicht. [12] Die Gliederung beschränkte sich auf ein durchlaufendes, die Stockwerke trennendes Gesims, eine Eckquaderung und verkröpfte Fensterrahmungen. Bis auf den zweieinhalbgeschossigen Mittelpavillon des Mittelteils waren alle Trakte zweigeschossig unter einem ausgebauten Mansarddach. Die äußeren, die neuen Räume der Karlsschule aufnehmenden Seitenflügel waren dennoch höher als die älteren inneren Seitenflügel mit den Schlafsälen.

Kriegszerstörung und Abbruch

1944 wurde das Akademiegebäude stark zerstört. Der Abriss im Jahr 1959 erfolgte jedoch vor allem wegen der geplanten Erweiterung der Neckarstraße zur heutigen Konrad-Adenauer-Straße. [13] Der äußere westliche Seitenflügel, in dem sich die Unterrichtsräume befanden, war schon 1915 abgetragen worden. [14]

Schrift- und Bildquellen zur ursprünglichen Gestalt

Die ursprüngliche Gestalt mitsamt allen Raumfunktionen der Karlsschule geht aus der Beschreibung von August Friedrich Batz aus dem Jahre 1783 hervor. [15] Zur Illustration fügte er zwei von Makarius Balleis gestochene Grundrisse hinzu. [16] Als weitere Quellen stehen Fotografien aus der Zeit vor der Zerstörung zur Verfügung. Erhalten haben sich vier der ursprünglich fünf Deckengemälde aus dem Speisesaal der Eleven sowie insgesamt vermutlich zehn der an den Wänden angebrachten Gemälde der Lehrsäle.

Würdigung

Den Zeitgenossen galten Gebäude und Institution der Hohen Karlsschule als „wirklich fürstlich“. [17] Laut Sabine Rathgeb war die Hohe Karlsschule mit „ihrer wohldurchdachten Raumeinteilung und qualitätsvollen Innendekoration im frühklassizistischen Stil […] eines der modernsten und schönsten Schulgebäude ihrer Zeit.“ [18]

[1] Widmann, Fischer, 1928, S. 25–26.

[2] Widmann, Fischer, 1928, S. 25–26.

[3] AK Glück Württembergs, 2004, Kat.-Nr. A.7 mit Abb. 54 auf S. 54

Östlicher äußerer Seitenflügel mit Speisesälen im ersten Obergeschoss

Raumprogramm des östlichen äußeren Seitenflügels

Der zweigeschossige östliche Seitenflügel wurde von der Seite des Neuen Schlosses erschlossen. Hier hatte Fischer ein Treppenhaus angebaut, dem am nördlichen Ende des Seitenflügels im Erdgeschoss ein quadratisches Vestibül vorgeschaltet war. Das Vestibül besaß in der Art eines antiken Tempels eine innere Säulenstellung von 20 freistehenden gekuppelten dorischen Säulen. [3] Im Treppenhaus führten rechteckige abgeknickte Läufe mit Wendepodesten um einen rechteckigen Kern.

Im ersten Obergeschoss war dem Raum über dem Vestibül eine zweigeschossige, bis in das Mezzanin reichende Rotunde korinthischer Ordnung eingeschrieben, die dem Herzog bei Bedarf als Speisesaal diente. [4] Von ihr gelangte man durch drei Türen in den Speisesaal der Zöglinge, der ebenfalls über zwei Geschosse bis in das Mansarddach hineinreichte. Er war 18 Fensterachsen lang, ionisch instrumentiert und erhielt von beiden Seiten Licht. Die Küche brachte Fischer in dem von ihm neu geschaffenen Quertrakt zur Anbindung der äußeren Seitenflügel an den Mittelbau unter. Zwischen der Küche und dem Speisesaal der Zöglinge befand sich „ein Saal, die Speisen zu rangieren“. [5]

Die Säulenordnungen folgten der Hierarchie der Stockwerke und der Nutzer der Räume. Das Vestibül im Erdgeschoss war dorisch, der Speisesaal der Eleven ionisch instrumentiert. Die in der Wegeführung zwar zwischen diesen beiden Räumen liegende, allerdings dem Herzog vorbehaltene Rotunde erhielt als Krönung korinthische Säulen.

Rotunde als Speisesaal des Herzogs

Historische Beschreibungen der Rotunde

Keine der nachfolgenden Beschreibungen erwähnt in der dem Herzog vorbehaltenen Rotunde ein Deckengemälde. Allerdings haben sich mehrere historische Fotos erhalten, auf denen ein Deckengemälde zu sehen ist. Die Identifikation des Raumes ist aufgrund der nachfolgenden Beschreibungen eindeutig.

Der Reisende Rotenstein, der die Akademie 1768 besuchte, schilderte die Rotunde folgendermaßen: „Gleich an diesem Saal [Speisesaal der Zöglinge] ist ein runder Tempel mit 24 runden korinthischen und ebensoviel breiten Säulen [= Halbsäulen an den Wänden] nach korinthischer Ordnung gezieret, und oben darüber eine Gallerie. Zwischen den Säulen hängen 16 Kronleuchter und 12 Wandleuchter zu 130 Kerzen. Hier pflegt der Herzog öfters zu speisen, von wo aus er den ganzen Speisesaal der Eleven übersehen kann.“ [6]

Ähnlich lautet Batz 1783: „Hier kömmt man in einen runden Tempel von vier und zwanzig freystehenden und eben so viel gekuppelten Wand-Säulen der der korinthischen Ordnung. Dies ist der Ort, wo gewöhnlicher Weise dem Herzog, der von hier aus durch 3 Thüren den großen Speise-Saal der Zöglinge übersieht, Tafel gehalten wird.“ [7]

Oskar Widmann beschrieb 1928: „Der herzogliche Speisesaal ist eine durch zwei Geschosse reichende Rotunde mit gedrückter Doppelkuppel auf den freistehenden Säulenpaaren, einer korinthischen Ordnung mit einem unteren und einem oberen Umgang. Der letztere öffnet sich mit balustradenbewehrten Fenstern in die untere Hohlkehle der Kuppel. Die Wände des unteren Umgangs sind mit Dreiviertelsäulen dem inneren Rhythmus entsprechend gegliedert.“ [8]

Speisesaal der Eleven mit fünf Deckengemälden

Historische Beschreibungen des Speisesaals der Eleven

Rotenstein schilderte den Speisesaal der Zöglinge folgendermaßen: „Er ist 18 Fenster lang, und hat 82 gekuppelte Wandsäulen, welche eine Gallerie tragen. Zwischen den Säulen sind 34 Büsten auf Pyramiden, welche die größten Beförderer der Künste und Wissenschaften vorstellen. Unten in der Mitte an der Wand ist der Herzog von weißem Gips in Lebensgröße in römischer Tracht, und bei den Füßen ist ein Helm. Der Plafond hat 5 Gemälde auf Leinwand von Guibal und Heidelof.“ [9]

Ähnlich lautete die Beschreibung des Saals von Batz 1783: Seine Dekoration ist sehr schön. Zwey und achtzig gekuppelte Wand-Säulen von ionischer Ordnung tragen rings herum eine Gallerie. Zwischen den Säulen sind die Büsten der größten Beförderer der Wissenschaften und Künste; unten in der Mitte steht die Statue des Stifters, bei der man das Gebeth verrichtet. Die Decke ist in fünf verschiedene Plafonds eingetheilt, die der Gallerie-Direktor Guibal, Heidelof ein ehemaliger Zögling, und der oben erwähnte Hetsch in Oehl mahlten.“ [10]

Bei Widmann, der zudem einen Längs- und einen Querschnitt des Speisesaals abbildet, heißt es: „Die Wände des Speisesaals der Zöglinge sind durch rhythmisch erstellte Dreiviertelsäulen ionischer Ordnung gegliedert, die eine ringsum laufende Galerie trägt; darüber schwingt sich eine mächtige, von großen Hohllichtern durchbrochene Hohlkehle zu der horizontalen Decke empor. Letztere ist durch Querbänder in fünf verschiedene Plafonds geteilt, die der Galeriedirektor Guibal und die ehemaligen Zöglinge der Akademie Heideloff und Hetsch im Jahre 1780 ausgemalt haben.“ [11] Die von Rotenstein und Batz erwähnten Büsten befanden sich 1928 offenbar nicht mehr im Saal. [11]

Konzeption und Ausführung der einstigen Deckengemälde

Das Sujet der Deckengemälde erdachte Nicolas Guibal, der sein Konzept dem Herzog am 24. Juni 1780 in französischer Sprache vorlegte. Guibals „Explication des esquisses faites pour les cinq plafonds de la salle à manger de l’academie ducale militaire à Stuttgart“ wurde im Rahmen der wissenschaftlichen Bearbeitung des Œeuvres von Guibal sowohl von Reinhold Bernhardt 1922 als auch von Wolfgang Uhlig 1981 ausgewertet. [12] Eine nur wenig differierende, ebenfalls französische Beschreibung hat sich aus der Zeit nach der Fertigstellung erhalten. Sie wurde von Edmund von Zoller 1886, als sich in der ehemaligen Hohen Karlsschule ein Teil der Hofbibliothek befand, ins Deutsche übersetzt. [13]

In die Ausführung der Ölgemälde wurden Schüler einbezogen und zwar laut der Beschreibung von Batz 1783 der 1757 geborene Viktor Heideloff und der 1758 geborene Philipp Friedrich Hetsch. Als Entstehungszeit werden die Jahre 1780–1782 angegeben.

Anordnung, Themen und Erhaltungszustand der einstigen Deckengemälde

Das größte Deckengemälde mit dem weiter unten näher ausgeführten Thema „Mars, Minerva und Herzog Carl Eugen bringen Wohlergehen“ befand sich in der Mitte. Seine rechteckige Grundform war an den beiden Schmalseiten halbrund erweitert. Es hat sich nicht erhalten, ist jedoch sowohl durch schwarz-weiß Fotografien als auch einige sehr gute, kurz vor 1944 von Helga Schmidt-Glassner angefertigte Farbaufnahmen überliefert. [14]

Das Mittelbild wurde von zwei kleineren Rundbildern mit dem Thema „Das Erwachen der Zöglinge“ und „Die Nachtruhe der Zöglinge“ flankiert. Sie fanden nach dem Krieg eine neue Heimat im Neuen Schloss in Stuttgart in zwei Räumen im Corps de logis an der Decke.

Die äußere Klammer bildeten zwei rechteckige Gemälde mit konkav eingezogenen Ecken. [15] Sie stellten „Die Dankbarkeit der Zöglinge der Kunstakademie“ und „Die Ermahnung zum Studium und zum maßvollen Essen“ dar. Beide Gemälde sind notdürftig erhalten und werden in einem Magazin der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg aufbewahrt.

Die ursprüngliche Abfolge der beiden äußeren Gemälde lässt sich dem Sachverhalt entnehmen, dass sich das Gemälde mit der Dankbarkeit der Zöglinge über der Statue des Stifters befand, [16] deren Sockel Makarius Balleis auf seinem Grundriss der Hohen Karlsschule am Ende des Speisesaals wenige Meter vor der Rotunde des Herzogs eingezeichnet hat. [17] Die Zöglinge betraten ihren langgestreckten Speisesaal von Süden über das Treppenhaus in der Südhälfte des Flügels, nachdem sie sich zuvor im Erdgeschoss im „Rangiersaal“ zu einen geordneten Zug formiert hatten. [18] Für sie mahnte demnach das erste Deckengemälde zu Studium und maßvollem Essen. Das letzte Deckengemälde kurz vor Erreichen des Speisesaals des Herzogs versinnbildlichte passenderweise ihre Dankbarkeit.

Mars, Minerva und Herzog Carl Eugen bringen Wohlergehen

Analyse und Benennung des Themas

In Guibals französischer Beschreibung lautete das Thema: „Les muses soutenues et recompensées par la protection bienfaisante et genereuse de Charles“, [19] was als „Die von Herzog Karl großzügig unterstützten und belohnten Musen“ zu übersetzen ist. Die nachfolgende Analyse des Gemäldes zusammen mit Guibals Erläuterungen ergibt jedoch als zusammenfassendes Thema Mars, Minerva und Herzog Carl Eugen, die jeweils auf ihre Art dem Land Wohlergehen spenden. [20]

Der Kriegsgott Mars, der von links ins Bild prescht, schützt das Land militärisch, sodass der Weinbau, der Getreideanbau und das Gemeinwohl blühen können. Minerva, die zusammen mit Apoll die rechte Bildhälfte beherrscht, schützt die Musen, die Wissenschaften und in Gestalt von Apoll auch die Künste. Herzog Carl Eugen, der nicht persönlich abgebildet ist, sondern von der Gründungsinschrift auf dem Banner am oberen Bildrand vertreten wird, spendet dem Land als Stifter der Hohen Karlsschule Wohlergehen.

Mars im Himmelswagen mit darunter der Fruchtbarkeit des Landes

Von links kommt auf einem Himmelswagen mit zwei sich aufbäumenden braunen Pferden in rasantem Tempo der Kriegsgott Mars herbeigefahren. Er trägt unter seinem roten Gewand eine Rüstung. Sein Helm wird von einem roten Federbusch bekrönt. Hinter Mars steht auf dem Wagen die geflügelte Virtus (Tugend) in einem weißen, auch ihren Kopf bedeckenden Gewand, einer Lanze und einem Lorbeerkranz in der erhobenen Linken. [21] Unter dem Wagen stürzt die Zwietracht mit entsetztem Gesichtsausdruck und einer Schlange im Arm.

Mit im Gefolge des siegreichen Mars reist auch Vigilantia, die Tugend der Wachsamkeit und der Umsichtigkeit. Guibal nennt sie in seiner „Explication“. [22] Zu erkennen ist sie an der brennenden Öllampe, die an die Nachtwachen des römischen Heers erinnert. [23] Sie schaut bewundernd zu Virtus empor. Vigilantia, die laut Ripa auch ein Buch und den schlafenden Kranich mit Stein im angewinkelten Fuß bei sich haben sollte, ist für das Deckengemälde von besonderer Bedeutung. Zusammen mit „Studio“ bildete sie das Motto der 1761 gegründeten Académie des Arts, die als Kunstakademie in die Hohe Karlsschule integriert wurde. [24]

Am unteren Bildrand tummeln sich unter Mars ausgelassen der Weingott Bacchus, die Fruchtbarkeitsgöttin Ceres und der Flussgott Neckar. Neckar ist außer an seiner Urne am württembergischen Wappen zu erkennen. Bacchus hält lächelnd den Thyrsusstab und ein Weinglas, Ceres mit Kornblumen im Haar eine Sichel. Zusammen mit dem Flussgott Neckar symbolisieren sie die Fruchtbarkeit des Landes. Wie aus Guibals Beschreibung hervorgeht, lehnt an der Brust des Flussgottes die Personifikation der „Felicité publique“, also der öffentlichen Glückseligkeit oder des Gemeinwohls. [25]

Guibal hat die öffentliche Glückseligkeit als Rückenfigur gegeben, die sich mit ihrer Linken auf das Wappen stützt. Mit ihren weiteren Merkmalen folgt er Cesare Ripa, dessen „Felicità publica“ in der Rechten den Merkurstab, in der Linken ein überquellendes Füllhorn hält. [26] Der Merkurstab steht für Frieden, Versöhnung und Bildung. Das Füllhorn als gängiges Symbol des Überflusses liegt bei Guibal neben dem Wappen. Die Haare der „Felicité publique“ scheinen, ebenfalls im Einklang mit Ripa, aus Blumen zu bestehen.

Die vier zu einer Gruppe zusammengefassten Figuren von „Felicité publique“, Ceres, Bacchus und Neckar verkörpern zusammen die vier Jahreszeiten. Das Gemeinwohl übernimmt mit den Blumen im Haar die Rolle des Frühlings. Ceres steht für den Sommer, Bacchus für den Herbst. Der Neckar als alter Mann mit weißem Bart symbolisiert den Winter.

Minerva mit Apoll und den neun Musen

Die gesamte rechte Bildhälfte wird vom Musenführer Apoll und von Minerva als Beschützerin der Musen eingenommen. Apoll lehnt nahezu unbekleidet an einer Wolke, auf der er Köcher und Bogen abgelegt hat. Ein rotes Tuch verdeckt seine Scham. Eine Stufe höher thront neben ihm Minerva mit Helm, Lanze und Spiegelschild. Apoll macht Minerva, die außer Beschützerin der Künste und Wissenschaften auch die Göttin der klugen Kriegs- und Staatsführung ist, mit ausgestrecktem Arm auf Mars aufmerksam, der in der linken Bildhälfte auf seinem Himmelswagen herbeieilt.

Der gestische Zusammenhang der drei Gottheiten Apoll, Mars und Minerva, der das 12 Meter breite, figurenreiche Deckengemälde inhaltlich zusammenfassen sollte, ist vor allem den Erläuterungen von Guibal zu entnehmen. [27] Im ausgeführten Gemälde waren die Entfernung zwischen Apoll und Mars zu groß, die Figuren zu klein, um Apolls Zeigegestus auf Mars zu beziehen. Allerdings liegen die Köpfe von Minerva und Mars etwa auf derselben Höhe, was sie als aufeinander bezogene Hauptfiguren ausweist.

Unterhalb von Minerva und Apoll bäumt sich das geflügelte Dichterross Pegasus auf. Es vermittelt zum Reigen der Musen, Künste und Wissenschaften, wobei die Künste in erster Linie durch Apoll repräsentiert sind. Unterhalb von Pegasus sitzen gemäß der „Explication“ von Guibal als Dreiergruppe Clio, die Muse der Geschichtsschreibung mit Buch, Kalliope, die Muse der Poesie und Polyhymnia, die Muse der Beredsamkeit, beziehungsweise der Rhetorik. [28] Polyhymnia (Beredsamkeit) ist am Lorbeerkranz und dem himmelnden Blick zu erkennen. Kalliope (Poesie) weist auf eine Tafel, auf der der „Explication“ zufolge die Namen von Homer und Virgil zu lesen sein sollten. Gehalten wird die Tafel von dem für das künstlerische Schaffen so wichtigen Genius der Imagination.

Der herbeifliegende, zart und kindlich wirkende Genius der Imagination ist prominent ins Bild gesetzt. Er hat er ein liebliches Gesicht. Mit seinem rechten Zeigefinger zeigt er auf die unter ihm lehnende Steintafel, die die Namen der antiken Dichter tragen sollte, im Deckengemälde jedoch leer ist. In der linken erhobenen Hand hält er einen Lorbeerkranz.

Am unteren Bildrand hat Guibal gemäß seiner „Explication“ [28] als Vierergruppe Thalia, die Muse der Komödie mit einer Theatermaske, Melpomene, die Muse der Tragödie mit einem Dolch, Euterpe, die Muse der Lyrik und des Flötenspiels mit einer Flöte sowie Terpsichore, die Muse des Tanzes mit Tamburin dargestellt. Links daneben ist Urania zu erkennen, die mit einem Zirkel den Himmelsglobus vermisst. Daneben sitzt angeblich Erato, die Muse der Liebesdichtung mit ihrer Leier. [28]

Auf den historischen Fotografien nur schwer zu erkennen sind die Personifikationen der Undankbarkeit, der Unwissenheit und Trägheit. [29] Die Musen stoßen sie nicht in die Tiefe, sondern überblenden sie, da Guibal die Laster in dunklen Wolken in der rechten halbrunden Ausbuchtung seines Gemäldes platziert hat.

Die Gründungsinschrift als Stellvertreter des Herzogs

Über Mars und Minerva fliegen am oberen Bildrand im Zenit des Gemäldes Fama (Ruhm) und ein weiblicher Genius mit Lorbeerkranz. Fama, die an der Siegesfanfare zu erkennen ist, trägt ein Banner mit der Aufschrift „CAROLUS VIRTEMB: ACADEM: MILIT: FUNDATOR IV: DECEMB AN: MDCCLX“. Der weibliche Genius mit Lorbeerkranz hält den akademischen Orden der Hohen Karlsschule, den das Institut für besondere Auszeichnungen vergeben konnte. [30] Durch raffiniert ineinander verschlungene rote und blaue Gewänder fasste Guibal die beiden Figuren zu einer Einheit zusammen.

Unterhalb von Fama und dem weiblichen Genius der Belohnung durch den Orden tragen Figuren Obst auf einer silbernen Schale sowie Gefäße mit Getränken herbei. Dadurch, dass die landwirtschaftlichen Erträge serviert werden, bezieht sich diese, kompositionell im Zentrum des zentralen Gemäldes stehende Gruppe auf die Funktion des Speisesaals der Eleven. Von der Gruppe hängt eine schwere, von Putten gestemmt und drapierte Fruchtgirlande herab.

Guibal schrieb hierzu in seiner „Explication“: „Les fruits et les fleurs qui sont portés par les genies désignent les grâces continuelles, dont S. A. S. comble [= bis zum Übermaß anfüllen] tout ce qui compose son Académie Militaire, tant maîtres qu’eleves. » [22]

Zu dem Gemälde hat sie eine Vorzeichnung Guibals erhalten, die möglicherweise auch eine Nachzeichnung nach dem ausgeführten Gemälde sein könnte. [31] Das Blatt befindet sich in der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart. [32]

Das Erwachen der Zöglinge

Künstler und Erhaltungszustand

Der von Nicolas Guibal in seiner „Explication“ festgelegte Titel des Gemäldes lautete „Le point du jour ramène l’étude“, [1] also „Der Tagesanbruch ruft zum Studium“. Ausgeführt wurde das unter dem Titel „Das Erwachen der Zöglinge“ bekannte Tondo mit einem Durchmesser von 4,3 Metern von dem Karlsschüler Philipp Friedrich Hetsch (1758–1838) nach einem Entwurf seines Lehrers Guibal. [2] Das gut erhaltene Gemälde ziert seit dem Wiederaufbau des Neuen Schlosses die Decke des dortigen Arbeitszimmers des Ministerpräsidenten. [3]

Mythologie des Erwachens

Im Deckengemälde wird das morgendliche Wecken der Zöglinge mythologisch verbrämt. [4] In der rechten Bildhälfte liegt ein junger Mann rücklings auf einer Wolke. Er räkelt sich und schaut unter einem orangenen, farblich an Simon Vouet gemahnenden Tuch hervor. Um ihn herum sind weitere junge Menschen zumeist nur mit ihren Oberkörpern zu sehen. Sie schlafen oder sind gerade dabei, zu erwachen. Unterhalb des ganzfigurigen Jünglings tritt eine männliche Rückenfigur mit Buch oder Zeichenmappe unter dem Arm ins Bild. Sie ist in ein blaues Tuch gehüllt und verkörpert mit ihrer gebieterisch erhobenen Hand vielleicht die Studien des anbrechenden Tages. Links unten kräht als Sinnbild des Morgens ein Hahn, während neben ihm die nächtliche Öllampe verglimmt.

Über den erwachenden jungen Menschen fliegt Chronos mit Sense und Stundenuhr. Die Uhr mahnt nicht die Vergänglichkeit des Lebens, sondern weist, nach Auskunft der „Explication“ Guibals, den Zöglingen die Uhrzeit. [5] Links unten naht aus der Ferne, perspektivisch klein und blass, Apoll auf seinem Sonnenwagen. Größer und farbintensiver ist Aurora dargestellt, die Göttin der Morgendämmerung, die Rosen bei sich trägt und aus einem Fass den Morgentau auf die Erde schüttet. Eine Gefährtin und drei Putten helfen ihr dabei, da sie verträumt nach oben schaut.

Zu Füßen des ganzfigurigen Jünglings lagert eine Gruppe von drei jungen Menschen. Ein Mädchen mit leuchtend blauem Haarband schläft selig. Die Hohe Karlsschule besaß zwar ein Pendant für die Ausbildung junger Mädchen, doch befand sich die 1773–1790 bestehende „École des Demoiselles“ nicht in Stuttgart, sondern auf der Solitude. [6] Zwei junge Männer, von denen einer sich auf ein Buch stützt, der andere als Zeichen der Aufmerksamkeit den Zeigefinger seines ausgestreckten Arms in die Höhe reckt, sind dabei, zu erwachen. Die Spitze des erhobenen Zeigefingers markiert die Bildmitte des ausgesprochen ausgewogen mit Formatbezog komponierten Tondos.

[1] Uhlig, Guibal, 1981, S. 53.

[2] Zuweisung und Maße nach Uhlig, Guibal, 1981, S. 147, Nr. 24.

[3] Fleck/Talbot, Neues Schloß, 1997, S. 144.

[4] Vgl. die knappe Beschreibung von Uhlig, Ausbildung, 1993, S. 51.

[5] Uhlig, Guibal, 1981, S. 53.

[6] Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart - Findbuch A 273: Ecole des Demoiselles - Einführung (landesarchiv-bw.de). Dort auch die entscheidende Literatur angegeben: Birgitta Gfrörer, École des Demoiselles (Magisterarbeit Universität Stuttgart) 1990.

Die Nachtruhe der Zöglinge

Künstler und Erhaltungszustand

Der von Guibal in seiner „Explication“ festgelegte Titel des Gemäldes lautete „Le soir suspend tous les traveaux“, [33] also „Der Abend setzt allen Arbeiten ein Ende“. Ausgeführt wurde das unter dem Titel „Die Nachtruhe der Zöglinge“ bekannte Tondo mit einem Durchmesser von 4,3 Metern von dem Karlsschüler Viktor Heideloff (1757–1817) nach einem Entwurf seines Lehrers Nicolas Guibal. [34] Das Gemälde hat, wie sein Pendant zum Erwachen der Zöglinge, den Krieg überstanden und ziert seit dem Wiederaufbau des Neuen Schlosses die Decke des nach Süden gelegenen Vorzimmers des Ministerpräsidenten. [35]

Mythologie der Nachtruhe

Ein unbekleideter Jüngling liegt rücklings im Schoß einer Frau, die laut Guibals „Explication“ die Ruhe (Tranquillité) versinnbildlicht. [36] Sie hat sich in ein rosa Tuch gehüllt, das ihre Brüste freilässt und schaut mit himmelndem Blick zu den Putti, die ein grünes Tuch über ihr drapieren. Neben ihr stemmt ein Putto ein Nest mit einem Eisvogel. Der Vogel ist an seinem orangenen und petrolfarbenem Gefieder zu erkennen, doch hat ihn vor allem Cesare Ripa in seiner Iconologia als Attribut der Tranquillità verzeichnet. [37] Der Eisvogel, italienisch alcione, der sein Nest aus Fischgräten baue, habe schon bei den alten Ägyptern als Sinnbild der Ruhe gegolten, da er instinktiv dort nistete, wo eine lange Phase der Ruhe zu erwarten war. [37] Der italienische Ausdruck „giorni di alcione“ bezieht sich angeblich auf ruhige sonnige Tage mitten im Winter.

Unterhalb des schlafenden Jünglings, der von weiteren schlafenden Männern und auch einer Frau umgeben ist, liegen die Utensilien eines Studientages an der Hohen Karlsschule. Ein ionisches Kapitell steht für die Architektur, ein Helm mit rotem Federbusch und eine blaue Standarte für militärische Übungen, ein gemeißelter Kopf für die Bildhauerei, die Palette für die Malerei, Buch und Feder für die Dichtkunst und ein Globus für die Geographie.

Die Abenddämmerung ist durch einen rot gefärbten Himmel angedeutet. Zwei heranfliegende Jünglinge mit Rosen, die ebenfalls das grüne Zelt über der Personifikation der Ruhe zuziehen werden, sollen vielleicht die Träume und den Schlaf versinnbildlichen, obwohl diese laut Ripa anders zu personifizieren gewesen wären.

Ermahnung zum Studium und zum maßvollen Essen
Ermahnung zum Studium und zum maßvollen Essen - Stuttgart, Hohe Karlsschule

Künstler und Erhaltungszustand

Der Titel in Guibals „Explication“ lautete „La Gaité qui règne dans les repas, doit toujours être instructive“, [33] also „Der Frohsinn der Mahlzeiten muss dem Studium dienen“. Vermutlich malte Guibal das in seiner Ikonographie hier im Detail erstmals entschlüsselte Gemälde selbst, ebenso wie sein signiertes Pendant, „Die Dankbarkeit der Zöglinge der Kunstakademie“. Die Maße des in schlechtem Zustand geborgenen Gemäldes belaufen sich auf 5,7 x 11,4 Meter. [38]

Der jugendliche Eifer mahnt nach den Mahlzeiten zum Studium

Am linken Bildrand ist angeschnitten eine weiß gedeckte Tafel zu sehen, auf der – vermutlich als Nachtisch – Obst auf einer Schale gereicht wird. Der von den anderen Deckengemälden des Speisesaals bereits bekannte Jüngling in idealer Nacktheit mit orangenem Gewand verlässt die Mahlzeit, indem er sich mit bedauerndem Blick bei der Personifikation der „gaité“, des Frohsinns, entschuldigt. Seine geöffnete linke Hand weist in Richtung einer Frauengruppe am unteren Bildrand, die, wie weiter unten erläutert wird, zum maßvollen Essen aufrief.

"La gaité“, die Guibal in seiner „Explication“ entsprechend benannt hat, [39] trägt mit ihren Blumen im Haar und einem von Weintrauben bewachsenen Reif Züge von Ripas „Allegrezza“. [40] Begleitet wird sie und damit auch die Tafel von der Flötenmusik zweier Putten. Einer spielt mit dicken Backen das Instrument, der andere hält das Notenblatt. Ein in zeitgenössischer Arbeitskleidung gegebener Tischgenosse schaut verwundert auf den Jüngling, da er offenbar nicht versteht, wie man eine Mahlzeit vorzeitig beenden kann.

Den Anstoß zum Verlassen der Tafel hat der Jüngling aus der Bildmitte heraus von der Personifikation des Eifers, französisch „le zèle“, [39] italienisch „il zelo“, erhalten. Mit Öllampe und Geißel folgt er getreu den Erläuterungen von Cesare Ripa. [41] Guibal hat ihn lediglich umgedeutet, indem er ihn nicht wie Ripa als Geistlichen kleidete, sondern – passend zu den Zöglingen der Hohen Karlsschule – als geflügelten Jüngling darstellte. Immerhin erschreckt der bei Guibal nunmehr jugendliche Eifer einen Putto mit drohend geschwungener Geißel.

Hinter dem jugendlichen Eifer ruft ein alter Mann mit weißem Bart zum Studium, indem er majestätisch mit dem Finger auf eine Tafel mit der Aufschrift „STUDIUM“ zeigt. Um ihn herum fliegen am rechten Bildrand drei Personifikationen, von denen die Stille, französisch „Silence“, [39] italienisch „Silenzio“, an vorderster Stelle rangiert. Für sie hielt sich Guibal zur Gänze an Ripa: Ein junger Mann bedeutet mit dem Zeigefinger vor den Lippen Schweigen. In der anderen Hand hält er einen Pfirsich am Zweig mit Blättern, da die Blätter des Pfirsichbaums der menschlichen Zunge ähnlichsehen, die zu zügeln sei. Seine Jugend erinnere laut Ripa an das Gebot jugendlicher Bescheidenheit. [42]

Hinter der Personifikation des Schweigens erscheint der geflügelte Chronos mit Sense. Über der großen Tafel mit der Aufschrift STUDIUM hält ein Genius einen Lorbeerkranz. Rechts unten erscheint unter einem dunkelblauen Tuch die rot gekleidete Tugend der Caritas (Nächstenliebe) mit ihren drei Kindern. Laut Guibal beschützt sie mit dem Tuch ihre Kinder. [39]

Der Elefant als Sinnbild maßvollen Essens

Am vorderen Bildrand hat Guibal eine Gruppe weiblicher Personifikationen platziert, die auf das Maßhalten beim Essen anspielen. Am besten zu erkennen ist die Kardinaltugend der Temperantia, der Mäßigung. Ripa beschreibt sie unter anderem mit einer Bremse und einem Elefanten. [43] Die Bremse, die bei Guibal allerdings eher wie eine Peitsche aussieht, steht für das Verlangsamen des Tempos. Der Elefant galt bei Ripa nicht etwa als langsames Tier, sondern er wurde herangezogen, da er angeblich mit wenig Nahrung zufrieden sei und nie über das für ihn Notwendige hinaus esse.

Ripa referiert eine Geschichte des griechischen Autors Plutarch, derzufolge sich ein Elefant als Folge jahrelanger Erziehung seine tägliche Ration Getreide selbständig auf zwei Portionen aufgeteilt habe. An dieses Exempel erfolgreicher antiker Pädagogik sollte möglicherweise die Schriftrolle mit einer Aufschrift in griechischen Großbuchstaben erinnern. Die Buchstaben könnten ΜΕΤΡΙΟΠΑΘΕΙΑ“ bedeuten, wobei vor allem die zweite Worthälfte sicher zu entziffern ist.

Die mittlere Personifikation gießt ein Getränk in eine Schale. Vermutlich verdünnt sie Wein mit Wasser als weiteres gängiges Sinnbild der Temperantia. Sie blickt zu einer kräftigen Frau mit Blumen im Haar und Getreide in der Hand auf. Diese könnte das Getreide bringen, das sogar der Elefant nach guter Erziehung mit Verstand zu rationieren weiß. Ein Putto mit Amphore rundet die Gruppe ab.

Im Zenit des Gemäldes erscheint in einer Lichtgloriole die weiblich personifizierte, traditionellerweise nackt dargestellte Wahrheit. Sie ist wegen des schlechten Erhaltungszustandes des Gemäldes schwer zu erkennen, doch hat Guibal sie in seiner „Explication“ beschrieben. [39]

Die Dankbarkeit der Zöglinge der Kunstakademie
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Die Dankbarkeit der Zöglinge der Kunstakademie - Stuttgart, Hohe Karlsschule

Künstler und Erhaltungszustand

Der Titel in Guibals „Explication“ lautete „L’académie reconnaissante“, [1] also „Die dankbare Akademie“, wobei mit der Akademie die 1761 gegründete Académie des Arts gemeint war, die in der Kunstabteilung der Hohen Karlsschule aufgegangen war.[2] Ausgeführt wurde das Gemälde von Guibal, der seine Signatur auf einer Schriftrolle der Personifikation der Malerei anvertraute. Das schlecht erhaltene Gemälde mit den Maßen 5,7 x 11,4 [3] befindet sich in der Obhut der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. [4]

Die Schönen Künste mit konkurrierendem Bildzitat

In der linken Bildhälfte haben sich die Schönen Künste in Gestalt weiblicher Personifikationen versammelt. Im Vordergrund sitzt die Malerei mit Malstock, Pinseln und Palette. An einer Kette trägt sie die Maske der Imitatio, womit Guibal der Beschreibung von Cesare Ripa folgte. [5] Sie schaut mit großen dunklen Augen versonnen nach unten. Zu ihren Füßen versinnbildlicht ein zeichnender Putto die der Malerei hierarchisch deutlich untergeordnete Zeichnung. Darunter liegt die schon erwähnte Schriftrolle mit der Signatur: „n Guibal inv. et pinxit 1782“. Zur Linken der Malerei hält ein weiterer Putto eine Tafel mit der Aufschrift „IMITATIO“.

Oberhalb und hinter der Malerei agieren vor einem rechteckigen Sockel die Bildhauerei mit Hammer und Meißel sowie die Architektur mit Winkelmaß und Senkblei. Auf dem Sockel steht, als weißgelbe Grisaille gemalt, ein vorgeblich aus Marmor gemeißeltes Reiterstandbild, das Guibal in seiner „Explication“ als „Monument de la Gratitude“, also Denkmal der Dankbarkeit bezeichnete. Herbeifliegende Putti sind dabei, es mit einer Lorbeergirlande zu behängen. Das sich aufbäumende Pferd mit einem gerüsteten Reiter erweist sich als konkurrierendes Bildzitat, mit dem Nicolas Guibal auf gleich zwei höchst gelungene Deckenfresken der württembergischen Hofkunst rekurrierte.

Guibal berief sich einerseits auf Carlo Innocenzo Carlone, der 1733 als Abschluss der Ahnengalerie von Schloss Ludwigsburg die Szene malte, in der Alexander der Große seine von seinem Hofbildhauer Lysipp gefertigte Reiterstatue bewunderte. Carlone hat diesem Fresko mit dem sich aufbäumenden steinernen Pferd besonderen Wert beigemessen. Er hat dort nicht nur seine Signatur hinterlassen, sondern es auch mit einem geistreichen Trompe l’oeil versehen, indem er die bei einem Fresko nicht vorhandene Leinwand als sich scheinbar vom Spannrahmen ablösend malte. [6]

Noch enger hielt sich andererseits Guibal an den ebenfalls auf Carlone zurückgehenden, in Grisaille gemalten Reiter von Giosuè Scotti im Treppenhaus von Schloss Hohenstadt bei Abtsgmünd aus dem Jahre 1765. Giosuè Scotti war als Professor an der Hohen Karlsschule seit 1765 ein direkter Kollege von Guibal. Gemeinsam wurden die beiden Künstler mit Altargemälden für die Benediktinerklosterkirche in Zwiefalten betraut. Scotti, der am württembergischen Hof als Theatermaler angestellt war, verließ Stuttgart allerdings bereits 1777, da er von der schlechten Zahlungsmoral des Herzogs ernüchtert war. [7]

Die Karlsschüler bedanken sich bei der großzügigen und wohltätigen Hohen Karlsschule

In der Mitte und in der rechten Bildhälfte lagern in idealer Nacktheit künstlerisch tätige junge Männer. Die Hauptfigur mit orangenem Gewand und Skizzenblock im Arm weist zusammen mit der Personifikation der Anerkennung (Réconnaissance)[8] auf den dekorativ ausgerollten, sehr großen Grundriss der Hohen Karlsschule. Begleitet wird die Personifikation von einem Storch, der laut Ripa als Sinnbild der Dankbarkeit galt. Kein anderes Tier würde sich im Alter so sehr um seine Eltern kümmern wie der Storch. Er würde immer wieder zu dem Nest zurückkehren, in dem er geboren und aufgezogen wurde. [9] Vielleicht um den Zusammenhang mit Geburt und Erziehung noch stärker herauszustellen, hat Guibal einen Säugling in Windeln hinzugemalt.

Am rechten unteren Bildrand betrachtet ein Jüngling versonnen einen Globus, studiert also die Fächer Geographie oder Astronomie. Er bleibt allerdings im Hintergrund, da sich vor ihm in weitaus größerer Bildpräsenz ein Jüngling im blauen Umhang ergriffen ans Herz fasst. Er blickt voll Dankbarkeit nach oben zu zwei im Himmel thronenden Personifikationen, die Guibal als „Bienfait“ und „Generosité“, [10] also Wohltat und Großzügigkeit betitelt hat. Die weiblich personifizierte, merkwürdigerweise auf dem Rücken liegende Großzügigkeit hat ein Füllhorn bei sich, obwohl Ripa sie mit Löwe und Goldkette beschrieben hat. [11] Mit drei kleinen Kindern auf ihrer Wolke trägt sie vielmehr Züge der Caritas, also der christlichen Tugend der Nächstenliebe.

Die Personifikation der Wohltat, italienisch „Beneficio“ folgt hingegen fast vollständig der Beschreibung von Cesare Ripa. [12] Ripa stellte sich „Beneficio“ als wunderschönen nackten Jüngling mit einem türkisfarbenen Sternenmantel zur Bedeckung lediglich seiner Scham vor. In seiner rechten, erhoben Hand halte er eine Statuette der drei Grazien, in der linken Hand mit zwei Flügeln eine goldene Kette. Die drei Grazien stünden für die Schönheit, die Goldkette in der geflügelten Hand für die Großzügigkeit. Zu Füßen des Jünglings platzierte Ripa einen Adler, da dieser seine Beute, beispielsweise einen Hasen, großzügig mit kleineren Vögeln teile.

Guibal übernahm für die Personifikation der Wohltat alle von Ripa vorgeschlagenen Attribute inklusive des Adlers. Dies führte dazu, dass die thronende Gestalt im Deckengemälde an Jupiter erinnert, allerdings mit dem jugendlichen Körper des Apoll. Auf den Sternenmantel hat Guibal verzichtet.

[1] Uhlig, Guibal, 1981, S. 51.

[2] Rathgeb, Kunstakademie, 2009.

[3] Maße nach Uhlig, Guibal, 1981, S. 147, Nr. 24.

[4] Die Autorin dankt Restaurator Dr. Felix Muhle für das Zurverfügungstellen einer Farbfotografie als Arbeitsgrundlage.

[5] Ripa, Iconologia, 1645, S. 490–491.

[6] Siehe hierzu den Beitrag der Autorin: www.deckenmalerei.eu/d0fe071a-afd2-4d41-acf9-13b92bc46993, letzter Zugriff: 2024-03-06

[7] Siehe hierzu den Beitrag der Autorin: www.deckenmalerei.eu/8cbb3043-d1ac-48f1-a981-eb91042da86b, letzter Zugriff: 2024-03-06

[8] Uhlig, Guibal, 1981, S. 51–52.

[9] Ripa, Iconologia, 1645, S. 252, dort im Zusammenhang mit der Personifikation der Gratitudine. Siehe auch Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 208 mit Anm. 945, die französischsprachige Quellen anführt.

[10] Uhlig, Guibal, 1981, S. 51.

[11] Ripa, Iconologia, 1645, S. 238–239.

[12] Ripa, Iconologia, 1645, S. 66.

Westlicher äußerer Seitenflügel mit Bibliothek und Lehrsälen

Der westliche äußere Seitenflügel wurde von Norden über ein Treppenhaus erschlossen. Im nördlichen Eckpavillon befand sich im ersten Obergeschoss als Rotunde die bis ins Mezzanin reichende Bibliothek. Danach folgten in Enfilade mit einem Korridor auf der Hofseite in allen drei Geschossen die Lehrsäle. Der Flügel wurde bereits 1915 abgebrochen. [44]

Bibliothek in der Rotunde im ersten Obergeschoss

Im ersten Obergeschoss lag über dem Vestibül die über zwei Stockwerke reichende Bibliothek. [45] Gemäß der Beschreibung von Batz war sie „in Form eines runden mit zwölf ionischen Säulen gestützten Tempels“ gebaut. [45] In der Kuppel sah Batz 1783 „einen schönen Plafond von Hetsch, einem ehemaligen Zögling, in Oehl gemalt.“ [45] Da sich in der Literatur nach 1800 zu diesem Deckengemälde kein Hinweis finden ließ, war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts möglicherweise nicht mehr vorhanden.

Das Raumprogramm der Lehrsäle

Abgesehen von der Bibliothek im ersten Obergeschoss des nördlichen Eckpavillons befanden sich im westlichen äußeren Seitenflügel in allen drei Stockwerken jeweils zehn Lehrsäle. Gemäß der Beschreibung von Batz stand den Zöglingen „in jedem Lehrsaal ein Gemälde vor Augen, in welchem die Hauptwissenschaften der Lernenden mit dem Bildniß des Stifters verbunden ist.“ [46] Die Räume waren grün gestrichen und sollten an den Wänden nach und nach die prämierten Arbeiten der Zöglinge aufnehmen. [46] Damit die Schüler durch den Blick aus den Fenstern nicht abgelenkt würden, waren überall Vorhängen angebracht. [46] Die Türen besaßen jeweils ein kleines Fenster, sodass die Zöglinge vom Flur aus beobachtet werden konnten. [47]

Für das Erdgeschoss nennt Batz folgende Lehrräume:[48] Sechs Räume à drei Fensterachsen für Bestimmungsübungen (Nr. 9). Danach kommt ein vierachsiger Raum zum Zeichnen von Pflanzen, Tieren, Geometrie, Artillerie und Fortifikation (Nr. 10). Es folgen ein dreiachsiger Raum zum Modellieren in Stuck (Nr. 11) und ein vierachsiger Raum zum Erlernen von Architektur und Gartenbau (Nr. 12). Der Malerei waren nur zwei Achsen zugestanden (Nr. 13). Die Räume für das freie Hand- und Naturzeichnen (Nr. 14 und 15) befanden sich im Querbau zum Mittelbau, wobei das Naturzeichnen in einem kleinen Raum mit rundem Podest stattfand.

Im ersten Obergeschoss vermerkt Batz als Raumprogramm: „Der erste Saal [mit drei Fensterachsen], welcher an die Bibliothek stößt, ist für die Uebungen in der Experimental-Physik, zu welchem Endzweck auch hier die kostbarsten Instrumenten verwahrt stehen (Nr. 5). [45] In der Enfilade folgten neuen Lehrsäle für die jüngeren Abteilungen. [45] Im Querbau zum Mittelbau waren in Kupferstecher untergebracht (Nr. 9) zusammen mit ihrem Professor (Nr. 8) und verschiedenen Magazinen (Nr. 7). Die Druckerei befand sich im zweiten Obergeschoss untergebracht, [45] wo auch die Räume der Anfänger lagen. [49]

Von den Gemälden zu den einzelnen Fächern haben sich vier Hochformate mit ganzfigurigen Personifikationen und sechs Querformate mit halbfigurigen Personifikationen erhalten. Offenbar waren gab es große und kleine Gemälde. [50] Leitmotiv war das Porträt des Stifters Herzog Carl Eugen von Württemberg, der erfindungsreich mal als Büste, mal als Gemälde, als Zeichnung oder als Reliefmedaillon mit ins Bild gesetzt wurde. [46]

Architektur und Gartenbau

Der Lehrsaal für Architektur und Gartenbau befand sich mit vier Fensterachsen im Erdgeschoss. Gemäß dem hohen Stellenwert dieser beiden Fächer im Lehrprogramm der Hohen Karlsschule handelt es sich bei ihrer Personifikation um ein großes rechteckiges Gemälde mit den Maßen 1, 59 x 1,24 Metern. Es ist heute im Besitz des Landesmuseums Württemberg. [51]

Die Personifikation der Architektur mit Stechzirkel und Winkelmaß steht in einem weißen Gewand und einem blauen Mantel vor dem überdimensional auf einer Tafel gezeichneten Grundriss der Hohen Karlsschule. Mit dem Stechzirkel nimmt sie die Maße ab. Links im Bild lehnt ein etwas kleinerer Gartengrundriss. Weitere Utensilien ihrer Arbeit liegen verstreut im Vordergrund, so ein ionisches Kapitell, eine Basis und eine Schriftrolle. Zwei Putten spielen mit Stechzirkel und Senkblei. Rechts oben im Bild schaut die Büste Herzog Carl Eugens aus rötlichem Terrakotta auf einer kannelierten Stehle milde aus dem Bild heraus.

Das Gemälde wird im Inventar der Hohen Karlsschule aus dem Jahr 1794 erwähnt, wobei in der Beschreibung die Gartenbaukunst unterschlagen wird: „Gemälde die Architektur vorstellend mit dem Brustbild Srmi [= Serenissimi]“. [52]

Zeichnen

Ebenfalls als Hochformat mit ganzfigurigen Personen wurde die Zeichnung dargestellt. [53] Sie wurde nicht durch eine Personifikation, sondern durch drei Karlsschüler vergegenwärtigt. Die Schüler in einer Schultracht aus weißen Beinkleidern und blauem Justaucorps mit schwarzen Paspeln sitzen und stehen vor einer Porträtzeichnung des Herzogs an einer Säule. Ihre Aufgabe war es offenbar, das Blatt des Lehrers abzuzeichnen und seine Vorzüge zu diskutieren.

Rechtswissenschaft

Ebenfalls als großes rechteckiges Gemälde mit den Maßen 1,57 x 1,24 Metern hat sich die Personifikation der Rechtswissenschaft erhalten, der sich jedoch aufgrund der Beschreibung von Batz aus dem Jahre 1783 kein Lehrraum präzise zuordnen lässt. [54] Als Personifikation der Rechtswissenschaft wurde Justitia gewählt, die wie die Personifikation der Architektur ein weißes Gewand unter einem blauen Mantel trägt. Mit der Rechten, in der sie das Zepter hält, stützt sie zugleich ein großes ovales Reliefmedaillon des Herzogs. Auf dem Steinquader unterhalb des Medaillons ist die Inschrift „IN LEGIBUS SALUS“ zu lesen. [55] Hinter ihr schwebt auf einer Wolke ein aufgeschlagenes Buch, vermutlich als Hinweis auf die Zehn Gebote als göttliches Gesetzeswerk. [55] Zu Füßen des Medaillons spielen zwei Putten mit der Waage.

Medizin

Ebenfalls auf einem großen hochformatigen Gemälde von 1,58 x 1,25 Metern wurde die Medizin dargestellt. [56] Die weibliche Personifikation der Medizin im weißen Gewand mit rotem Mantel bekränzt mit einem Lorbeerkranz die aus Terrakotta gebrannte Büste Herzog Carl Eugens. Die Personifikation steht in einem Rundtempel, dessen Säulenordnung nicht zu erkennen ist. Zu ihren Füßen liegen als Utensilien ein Anatomiebuch, Schriftrollen, ein Spiegel und der Schlangenstab des Äskulap, der griechischen Gottheit der Heilkunst. [57] Ein Hahn und eine Öllampe symbolisieren Aufmerksamkeit und Erleuchtung. [57]

Geographie

Als kleines Ovalbild möglicherweise ursprünglich einer Supraporte hat sich die Darstellung der Geographie, ebenfalls im Besitz des Landesmuseums Württemberg erhalten. [58] Die Personifikation im grünen Gewand ist als Halbfigur gegeben. Sie vermisst mit einem Stechzirkel einen Globus während sie auf ein antikisierendes Reliefmedaillon des Herzogs blickt, das ihr zwei geflügelte Eroten vorhalten.

Mineralogie

Das Gemälde, das auf der Rückseite den Vermerk „Weckerlin fecit“ trägt, konnte 2021 vom Landesmuseum Württemberg erworben werden. [1] Es passt in den Maßen zur Darstellung der Geographie und stammt der Aufschrift zufolge von dem Karlsschüler und Absolventen der Malereiabteilung Jakob Friedrich Weckherlin (1761–1814).

Dargestellt ist eine Allegorie der Mineralogie, die an der Hohen Karlsschule unterrichtet wurde. 1779 erhielt einer der Schüler einen Preis in dieser damals mit der Geometrie zusammengefassten Disziplin. [2] Eine antikisch gekleidete Dame steht vor einem Tisch mit erzhaltigen Steinen und kunstvoll gearbeiteten Metallobjekten. Die Spannbreite reicht von höfischen Prunkgefäßen bis zu einem antikischen Schild mit Medusenhaupt. Merkwürdigerweise fehlt auf diesem Gemälde das zur Serie gehörende Porträt des Herzogs.

[1] LMW, Inv.-Nr. 2021-41. https://blog.landesmuseum-stuttgart.de/neuerwerbung-ein-klassizistisches-gemaelde-aus-bares-fuer-rares/

[2] Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 542.

Antike Geschichte
Antike Geschichte - Stuttgart, Hohe Karlsschule

Minerva mit Helm und Eule im Hintergrund weist einen Putto, der ein Blatt mit den Namen „Xenophon“ und „Iulius Caesar“ in den Händen hält, auf die Büste des Herzogs hin. Durch die Büste Herzog Carl Eugens lässt sich das heute auf der Solitude im Vorzimmer des Herzogs als Supraporte eingesetzte Gemälde der Serie der Hohen Karlsschule zu den Lehrfächern zuweisen. Klaiber hat das Sujet als Studium der antiken Geschichte beschrieben, [59] doch könnte es sich auch um Staatsrechtslehre handeln, da Xenophon und Julius Caesar beide Politiker waren.

Englische Literatur
engl. Lit. - Stuttgart, Hohe Karlsschule

Das von Klaiber als englische Literatur benannte Gemälde befindet sich heute auf der Solitude als Supraporte im Vorzimmer des Herzogs. [59] Die halbfigurige Personifikation der Literatur in einem strohgelben Gewand unter einem weißen Umhang hat sich auf einen Steinsockel gestützt, um auf einem Blatt Papier die Namen „Addison“ und „Pope“ zu notieren. Hinter ihr stemmt ein Putto ein Reliefmedaillon mit dem Antlitz Herzog Carl Eugens im Profil.

Wolfang Uhlig erwähnt das Gemälde in seiner Guibal-Monographie nicht. Sabine Rathgeb weist es Guibals Schülern zu.[60]

Arithmetik
Arithmetik - Stuttgart, Hohe Karlsschule

Als Ovalbild hat sich in Gestalt von Minerva die Personifikation der Arithmetik erhalten. Das Gemälde ist heute auf der Solitude im Vorzimmer des Herzogs als Supraporte angebracht. [61] Minerva mit Helm, Lanze und dem Gorgonenschild neben sich lagert quer im Bild. Zu ihren Füßen hantieren zwei Putti mit dem Stechzirkel, während sie mit der Rechten auf eine Schiefertafel mit mathematischen Gleichungen weist.

Das Gemälde stammt möglicherweise nicht aus den Lehrräumen, sondern aus einem anderen Raum der Hohen Karlsschule, da das zur Serie gehörende Porträt des Herzogs fehlt.

Apoll als Beschützer der Schönen Künste

Ebenfalls ohne Porträt des Herzogs ist Apoll als Beschützer der Schönen Künste dargestellt. Apoll mit Lorbeerkranz auf dem Haupt und einem die Scham verdeckenden roten Tuch weist in akademischer Pose mit dem rechten Arm nach links, während er den Kopf nach rechts wendet. Um ihn herum sind in Gestalt von Putten die Malerei (mit Leinwand und Pinsel), die Architektur (mit Stechzirkel), die Musik (mit Flöte) und die Poesie als schreibend in den Himmel blickender Putto gruppiert, ohne dass sich ein Handlungszusammenhang erkennen ließe.

Das Gemälde stammt möglicherweise nicht aus den Lehrräumen, sondern aus einem anderen Raum der Hohen Karlsschule, da auch hier das zur Serie gehörende Porträt des Herzogs fehlt.

Programm und Synthese

Das Bildprogramm der 1775 von der Solitude nach Stuttgart verlegten Hohen Karlsschule verherrlichte den Gründer Herzog Carl Eugen von Württemberg und illustrierte mythologisch verbrämt den Tagesablauf und das Lehrprogramm der Zöglinge. Konzeptionell und malerisch herausragend präsentierte sich der langgestreckte Speisesaal der Eleven, der in der Art einer Galerie mit fünf Deckengemälden versehen war. Das sehr große zentrale Gemälde verherrlichte die Gründung und die an der Schule gelehrten Disziplinen, wohingegen die äußeren, als Klammer zu begreifenden Gemälde das Maßhalten und den Dank der Zöglinge zum Thema hatten. Der Hofmaler Nicolas Guibal, der das Programm und die einzelnen Gemälde erdachte, hielt sich bei der Darstellung der Personifikationen zumeist an Cesare Ripa.

Bibliographie

  • AK Glück Württembergs, 2004 = Das Glück Württembergs, Zeichnungen und Druckgraphik europäischer Künstler des 18. Jahrhunderts, Corinna Höper und Andreas Henning, Staatsgalerie Stuttgart, 2004.
  • AK Schiller, 2005 = Schiller in Stuttgart, Sabine Rathgeb, Annette Schmidt und Fritz Fischer, Landesmuseum Stuttgart, 2005.
  • Batz, Karlsschule 1783 = August Friedrich Batz, Beschreibung der Hohen Karls-Schule zu Stuttgart, Stuttgart 1783.
  • Fleck/Talbot, Neues Schloß, 1997 = Walther-Gerd Fleck / Franz Josef Talbot, Neues Schloß Stuttgart 1744–1964 (Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung Reihe A: Forschungen, Bd. 5), hg. Deutsche Burgenvereinigung e. V., Braubach 1997.
  • Fleischhauer, Barock, 1958 = Werner Fleischhauer, Barock im Herzogtum Württemberg, Stuttgart 1958.
  • Klaiber, Oberbaudirektor, 1959 = Hans Andreas Klaiber, Der württembergische Oberbaudirektor Philippe de La Guêpière. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte der Architektur am Ende des Spätbarocks (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B, 9), Stuttgart 1959.
  • Klaiber, Solitude, 1961 = Andreas Klaiber, Solitude. Amtlicher Führer, hg. von der Gesellschaft zur Förderung des Württ. Landesmuseums Stuttgart e. V., Stuttgart 1961.
  • • Rathgeb, Kunstakademie, 2009 = Sabine Rathgeb, Studio & Vigilantia. Die Kunstakademie an der Hohen Karlsschule in Stuttgart und ihre Vorgängerin Académie des Arts (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart, 102), Stuttgart 2009.
  • • Ripa, Iconologia, 1645 = Cesare Ripa, Iconologia, erweitert durch Giovanni Zaratino Castellini, Venedig 1645. Konsultierte Ausgabe: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ripa1645/0005
  • • Rotenstein, Reisen, 1788 = Gottfried von Rotenstein [Autor dem Text nicht direkt zu entnehmen], Reise durch Österreich über München, Augsburg, Ulm, Stuttgart und Ludwigsburg, und dann etwas weiter an den bestimmten Ort (im Jahr 1786), in: Auswahl kleiner Reisebeschreibungen und anderer statistischen und geographischen Nachrichten, Bd. 7, Leipzig 1788, S. 529–619.
  • • Stephan, Altes und Neues Schloß, 1998 = Regina Stephan, Altes und Neues Schloß Stuttgart mit ihrer Umgebung, hg. Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Heidelberg 1998.
  • • Uhlig, Ausbildung, 1993 = Wolfgang Uhlig, Die künstlerische Ausbildung an der Hohen Carlsschule, in: Ausst.-Kat. Schwäbischer Klassizismus zwischen Ideal und Wirklichkeit 1770–1830, hg. von Christian von Holst, Staatsgalerie Stuttgart 1993, Bd. 2, S. 47–59.
  • • Uhlig, Guibal, 1981 = Wolfgang Uhlig, Nicolas Guibal, Hofmaler des Herzogs Carl Eugen von Württemberg. Ein Beitrag zur deutschen Kunstgeschichte des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Phil. Diss. Masch.-schriftl. Universität Stuttgart, Institut für Kunstgeschichte, 1981.
  • • Zoller, Handbibliothek, 1886 = Edmund von Zoller, Die Königliche Handbibliothek in Stuttgart, Stuttgart 1886.

Einzelnachweise

  1. Stephan, Altes und Neues Schloß, 1998 S. 39–40. [5] Klaiber, Solitude, 1961, S. 8–9; Uhlig, Guibal, 1981, S. 46; AK Schiller 2006, S. 85–88; Rathgeb, Stadtlexikon Stuttgart (stadtlexikon-stuttgart.de)
  2. Zu Fischer: Widmann, Fischer, 1928. [7] Widmann, Fischer, 1928, S. 29. [8] Widmann, Fischer, 1928, S. 28–29. Siehe hierzu die Planzeichnung von 1779: AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 18 sowie UB Stuttgart, Plansammlung Inv.-Nr. NN041: https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/image/1526288514228/1/ [9] AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 18. [10] Batz, Karlsschule, 1783, S. 224. [11] Batz, Karlsschule, 1783, S. 224. [12] Widmann, Fischer, 1928, S. 26–29. [13] Fleck/Talbot, Neues Schloß, 1997, S. 126; Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 204. [14] Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 204, Anm. 934. [15] Batz, Karlsschule, 1783, digital abrufbar: https://doi.org/10.11588/diglit.41582 [16] Siehe auch AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 16. [17] Zitiert nach Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 204, Anm. 930 (anonymer Bericht von 1780). [18] Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 204.
  3. Die Raumdisposition ist der Beschreibung von Batz, Karlsschule, 1783, S. 232–233 und ebd. dem zugehörigen Grundriss zu entnehmen. Die Beschreibung der Säulen auch bei Widmann, Fischer, 1928, S. 27, Anm. 3.
  4. In den Plänen der UB Stuttgart (Inv.-Nrn. NN045–NN047 Digitalisate: https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/image/1526288592005/1/; https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/image/1526288609916/1/; https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/image/1526288628068/1/) war diese Rotunde noch nicht vorgesehen, sondern lediglich ein quadratischer „Vorsaal“.
  5. Batz, Karlsschule, 1783, S. 235.
  6. Rotenstein, Reisen, 1788, S. 566.
  7. Batz, Karlsschule, 1783, S. 233.
  8. Widmann, Fischer, 1928, S. 27–28.
  9. Rotenstein, Reisen, 1788, S. 565.
  10. Batz, Karlsschule, 1783, S. 283–284.
  11. 11,0 11,1 Widmann, Fischer, 1928, S. 28.
  12. Uhlig, Guibal, 1981, S. 46–57. Signatur ebd., S. 47: HStAS A 272 Bü 33.
  13. Uhlig, Guibal, 1981, S. 48. Zoller, Handbibliothek, 1886. Der deutschen Übersetzung von Zoller folgt Bernhardt, Guibal, 1922, S. 96.
  14. Eine schwarz-weiß-Abbildung als Gesamtheit bei Uhlig, Ausbildung, 1993, S. 50. Die Farbaufnahmen im Besitz des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München.
  15. Auf dem Entwurf des Speisesaals in Grund- und Aufriss (AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 17) weisen die beiden äußeren Gemälde noch eine ovale Form auf.
  16. Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 208.
  17. Batz, Karlsschule, 1783, Tafel zum Grundriss des 2. Stockwerk.
  18. Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 205.
  19. Uhlig, Guibal, 1981, S. 48 und S. 147. Die von Uhlig, Guibal, 1981, S. 147 in Fuß angegebenen Maße wurden für das CbDD in Meter umgerechnet.
  20. Vgl. auch die Deutung bei Uhlig, Ausbildung, 1993, S. 50–51 sowie bei Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 206–207.
  21. Die Identifikation nach Uhlig, Guibal, 1981, S. 50–51.
  22. 22,0 22,1 Uhlig, Guibal, 1981, S. 50.
  23. Ripa, Iconologia, 1645, S. 668–669.
  24. Rathgeb, Kunstakademie, 2009, passim; Uhlig, Ausbildung, 1993, S. 48 mit Abbildung der zugehörigen Medaille.
  25. Uhlig, Guibal, 1981, S. 50–51.
  26. Ripa, Iconologia, 1645, S. 203–204.
  27. Uhlig, Guibal, 1981, S. 49.
  28. 28,0 28,1 28,2 Uhlig, Guibal, 1981, S. 49–51.
  29. Uhlig, Ausbildung, 1993, S. 50–51.
  30. Uhlig, Ausbildung, 1993, S. 50.
  31. Uhlig, Guibal, 1981, S. 198, Nr. 230.
  32. Ebd. Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 5591, 66,2 x 101,5 cm.
  33. 33,0 33,1 Uhlig, Guibal, 1981, S. 53.
  34. Zuweisung und Maße nach Uhlig, Guibal, 1981, S. 147, Nr. 24.
  35. Fleck/Talbot, Neues Schloß, 1997, S. 144. Farbabbildung in: Stephan, Altes und Neues Schloß, 1998 S. 54.
  36. Uhlig, Guibal, 1981, S. 53. Vgl. auch die knappe Beschreibung von Uhlig, Ausbildung, 1993, S. 51.
  37. 37,0 37,1 Ripa, Iconologia, 1745, S. 628.
  38. Die Autorin dankt Restaurator Dr. Felix Muhle, Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, für das Zurverfügungstellen einer Farbfotografie als Arbeitsgrundlage.
  39. 39,0 39,1 39,2 39,3 39,4 Uhlig, Guibal, 1981, S. 52.
  40. Ripa, Iconologia, 1645, S. 17–18.
  41. Ripa, Iconologia, 1645, S. 685.
  42. Ripa, Iconologia, 1645, S. 570.
  43. Ripa, Iconologia, 1645, S. 619.
  44. Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 204.
  45. 45,0 45,1 45,2 45,3 45,4 45,5 Batz, Karlsschule, 1783, S. 226.
  46. 46,0 46,1 46,2 46,3 Batz, Karlsschule, 1783, S. 224.
  47. Batz, Karlsschule, 1783, S. 225.
  48. Die Nummerierungen beziehen sich auf die der Publikation von Batz, Karlsschule, 1783 beigegebenen Grundrisse.
  49. Batz, Karlsschule, 1783, S. 227.
  50. Vgl. Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 381.
  51. AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 19 mit Abb. Vgl. Uhlig, Guibal, 1981, S. 159, Nr. 67.
  52. AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 19.
  53. AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 23 mit Abb. auf S. 103. Vgl. Uhlig, Guibal, 1981, S. 160, Nr. 70.
  54. AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 20 mit Abb. Vgl. Uhlig, Guibal, 1981, S. 159, Nr. 66.
  55. 55,0 55,1 AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 20.
  56. AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 21 mit Abb. auf S. 102. Vgl. Uhlig, Guibal, 1981, S. 159, Nr. 65.
  57. 57,0 57,1 AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 21.
  58. AK Schiller, 2005, Kat.-Nr. 22 mit Abb.
  59. 59,0 59,1 Klaiber, Solitude, 1961, S. 19.
  60. Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 381.
  61. Klaiber, Solitude, 1961, S. 19; Rathgeb, Kunstakademie, 2009, S. 381.