Laß, Heiko:Stade, Haus Bungenstraße 2, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2026, URL: www.deckenmalerei.eu/b6a4deb9-fc3d-4c7b-ab3f-b955bfb263db

Inventarnummer: cbdd20390

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In Schweif- und Beschlagwerkkartuschen befinden sich stark stilisierte Landschaftsdarstellungen – teilweise mit Bauten und Tieren – aus dem 17. Jahrhundert. In ihrer naiven Eigenständigkeit sind sie ohne Vergleich.

Haus Bungenstraße 2, Deckenmalerei
Haus Bungenstraße 2, Deckenmalerei

Das Haus Bungenstraße 2

 
Haus Bungenstraße 2

Kurzbeschreibung und Lage

Das Gebäude [1] steht zentral in der Altstadt an der Ecke Bungenstraße/Kehdinger Straße in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Hafens.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Haus ist nach dem Stadtbrand von 1659 im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts erbaut und 1985 restauriert worden. Das Erdgeschoss wurde im 20. Jahrhundert mehrfach für eine Ladennutzung umgestaltet.[1]

Beschreibung

Das dreigeschossige Fachwerkhaus mit vier Vorkragungen und Giebel zur Bungenstraße besitzt im ersten Obergeschoss einen repräsentativen Eckraum, der zu beiden Straßenseiten komplett durchfenstert ist. Diesen Raum ziert eine repräsentative Stuckdecke. In anderen Räumen haben sich verschiedene, teils verschalte Reste von Deckenmalerei erhalten.[2]

Die ehem. obere Diele und ihre Holzbalkendecke

Die ehemalige Diele im ersten Obergeschoss

Im Obergeschoss befindet sich die ehemalige Diele; im 19. Jahrhundert wurde ein Raum von ihr abgetrennt.[1]

Die Deckenmalerei: Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

In dem abgetrennten Raum sind Reste der ehemaligen Deckenmalerei sichtbar. Sie wurden im Rahmen der Sanierung 1985 entdeckt und 1987 restauriert. Die Malerei in Leimtempera wird in das 17. Jahrhundert datiert und könnte möglicherweise bereits aus der Zeit um 1600 stammen und beim Wiederaufbau des Hauses hierher verbracht worden sein. Diese Vermutung gründet auf dem Umstand, dass Halbkreise im Osten gegen die Fenster unmotiviert abgeschnitten sind.[2]

Beschreibung und Ikonographie

An der Holzbalkendecke gibt es drei Fachen mit größeren Malereiresten. Die Bemalung der vier Balken ist nahezu vollständig verloren; lediglich eine bemalte Kopfstütze zeigt Reste von Rollwerkdekor. Die Fachen sind gegen die Balken mit einem breiten grauen Begleitband abgegrenzt. Auf den Brettern sind in zentralen Kartuschen sowie am Rand nur teils erhaltene Halbkreise zu sehen. Sie werden jeweils von grauem Schweif- und Beschlagwerk auf hellem Fond gerahmt. Auf dem Schweifwerk der Kartuschen sitzen teilweise Vögel. Die zentralen Kartuschen präsentieren Landschaften und Tiere, die Halbkreise am Rand Fruchtstücke. In der obersten Kartusche ist eine Ziege auf einem Baumstamm zu sehen, die Kleid und Hut trägt. Im Hintergrund stehen stilisierte Büsche und Bäume. Die mittlere Kartusche zeigt ein Gebäude mit Schornstein, auf dem ein Schwarzstorch nistet. Zwei große stilisierte Bäume flankieren die Szene. Im Vordergrund wächst ebenfalls stilisiertes Busch- und Pflanzenwerk. Von der rechten Seite ragt ein Schafskopf in das Bild hinein. In die dritte erhaltene Kartusche sind stilisierte Bäume vor einer Landschaft gemalt.[3]

Stellung der Malerei

Die Gliederung der Decke ist konventionell. Im Goebenhaus in Stade hat sich eine vergleichbare Malerei mit nahezu identischen Kartuschen erhalten, auf denen ebenfalls Vögel sitzen. Auch die Darstellung der Pflanzen ist ähnlich.[4] Die Malerei in den Kartuschen ist in ihrer Stilisierung recht naiv, aber gänzlich eigenständig ohne Vergleich.[5]

[1] Seefried, Untersuchungsbericht, 1986, S. 6.

[2] Kant, Dokumentation, 1987, S. 1-3; Seefried, Untersuchungsbericht, 1986, S. 2, 5-6.

[3] Grote/Königfeld, Katalog, 1991, S. 256.

Kant, Dokumentation, 1987, S. 1-2; Seefried, Untersuchungsbericht, 1986, S. 5.

[4] https://www.deckenmalerei.eu/02f8cb96-0ccb-4485-8b02-3f5fdd49617b#22574f5e-3e46-44b7-94be-6a94bf9120d9.

[5] Vgl. Kant, Dokumentation, 1987, S. 1-2; Seefried, Untersuchungsbericht, 1986, S. 6.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Clasen/Kiecker/Kiesow, Stade, 1960. – Clasen, Carl-Wilhelm/Kiecker, Sokar/Kiesow, Gottfried (bearb.): Die Kunstdenkmale der Stadt Stade (Die Kunstdenkmale des Landes Niedersachsen, 46). Textband. München/Berlin 1960.
  • Dehio, Niedersachsen, 1992. — Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
  • Grote/Königfeld, Katalog, 1991. – Katalog. In: Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume. Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 219-266.
  • Archivalien:
  • Seefried, Untersuchungsbericht, 1986. – Seefried, Matthias: Untersuchungsbericht. Objekt: Gebäude Bungenstr. 2, Stade. Bremen 1986.
  • Kant, Dokumentation, 1987. – Kant, Renate: Stade. Schriftliche Dokumentation Holzdeckenkonservierung Bungenstraße 2. Hamburg 1987. In: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung: Ldkr. Stade – Stadt Stade. Bungenstraße 2. Wohn- und Geschäftshaus. 033-1203-011-03.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1227; Clasen/Kiecker/Kiesow, Stade, 1960, S. 174.
  2. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1227; Grote/Königfeld, Katalog, 1991, S. 256; Clasen/Kiecker/Kiesow, Stade, 1960, S. 174.