Laß, Heiko:Schliestedt, Gut, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/5ee04426-edf7-4756-8e7c-036724bd8bd4

Inventarnummer: cbdd10110

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Das Herrenhaus wurde ab 1748 für Friedrich Bernhard von Schrader erbaut. Der Hauptsaal erhielt um 1750 Malereien von Joseph Gregor Winck.

Das Herrenhaus in Schliestedt

Baugeschichte

Das Herrenhaus wurde ab 1748 für Heinrich Bernhard von Schrader erbaut. Dieser stammte aus einer Braunschweiger Bürgerfamilie und war von Herzog Karl I. von Braunschweig-Lüneburg geadelt worden. Er erwarb daraufhin 1747 das Rittergut Schliestedt. 1754 wurde er herzoglicher Minister. Der Neubau erfolgte nach Entwürfen des Braunschweiger Landbaumeisters Martin Peltier de Belfort.[1]

Beschreibung

Dehio beschreibt den Bau so: „Schlichter zweigeschossiger, von einem Graben umgebener Rechteckbau aus verputztem Backsteinmauerwerk, das pilastergerahmte Hauptportal im Mittelrisalit über eine Brücke zugänglich. Die oberen Fensterbekrönungen und der Giebel des Mittelrisalits in spielerischen, die strenge Symmetrie auflösenden Formen stuckiert. - Innen komplizierte Treppenführung. Deutliche Steigerung der Raumausstattung von der Vorhalle und dem Gartensaal im Untergeschoß zum Festsaal im Obergeschoß. Hier 8 Grisaillen in reichen Stuckornamenten (Kartuschen) von J. G. Winck sowie als Sopraporten Zyklus der 4 Jahreszeiten, die Stuckarbeiten G. Buzzi zugeschrieben. In die Raumdekoration eingebunden die Spiegel in den Wandfeldern und die Konsoltische. Im Gartensaal gußeiserner Ofen dat. 1755, Reliefs mit mythologischen Szenen.“[2]

Das Herrenhaus — nicht Schloss —ist Bestandteil eines Ensembles aus Herrenhaus, zwei Pavillons, einem Wohnhaus und drei Scheunen an der Eitzumer Straße.

Der Hauptsaal und seine Malerei

Beschreibung

Im Innern des Hauses haben sich qualitätsvolle Ausstattungen der Bauzeit erhalten. Neben Vestibül und seitlich gelegenem Treppenhaus sowie dem Gartensaal ist vor allem der Hauptsaal im Obergeschoss erwähnenswert. Er präsentiert, wie bei Braun zu lesen ist, „8 Grisaillen in reichen Stuckornamenten, davon 4 Supraporten mit Allegorien der 4 Jahreszeiten; über den beiden Kaminen je ein Medaillon mit Putto; an den Schmalseiten des Raumes zwei weitere Darstellungen mit Putten in längs-ovalen stuckierten Rahmen“. Die Allegorie des Frühlings zeigt vier Putten, die neben einem Obelisken mit Rosten spielen. Die Allegorie des Sommers wird von vier Putten dargestellt, „von denen einer einen Stab mit einem Erntekranz hält, während ein anderer ein Bündel Ähren in den Händen hält“. Die Allegorie des Herbstes präsentiert „vier Putten mit gepflückten Reben, ein liegender Putto spielt ‚Bacchus‘, er trinkt aus einem Glas“. Auf dem Gemälde der Allegorie des Winters schließlich wärmen sich vier Putten vor einer winterlichen Landschaft an einem kleinen Feuerbecken. Die Bedeutung der vier weiteren Bilder ist unklar. Über den Spiegeln an den Längsseiten des Saals ist je eine Putte zu sehen. Die eine hält einen Spiegel und steht wohl für die Klugheit, die andere hält einen Caduceus und dürfte für den Handel stehen. Eventuell beziehen sich beide zusammen auf den Bauherrn. Über den mittleren Fenstern ist je ein Bild angebracht, das Putten zeigt, die mit Zweigen spielen. Braun spricht ihnen nur dekorativen Charakter zu. Für die Darstellungen über den Spiegeln vermutet Braun emblematische Vorbilder.[3]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Arnhold/Kotyrba, Adelssitze, 2012. – Arnhold, Elmar/Kotyrba, Sandor: Adelssitze im Braunschweiger Land. Braunschweig 2012.
  • Braun, Winck, 1983. – Braun, Hermann: Joseph Gregor Winck, Deggendorf 1710 – Hildesheim 1781. Leben und Werk eines Barockmalers in Norddeutschland (Forschungen der Denkmalpflege in Niedersachsen, 2). Hameln 1983.
  • Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
  • Meier, Wolfenbüttel, 1906. – Meier, Paul J. (Bearb.): Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wolfenbüttel mit Ausschluß der Stadt Wolfenbüttel (Die Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogthums Braunschweig / im Auftr. des Herzoglichen Staatsministeriums. Hrsg. von der Herzogl. Braunschweigischen Bau-Direction). Wolfenbüttel 1906.
  • Schwarz, Rittersitze, 2008. – Schwarz, Gesine: Die Rittersitze des alten Landes Braunschweig. Göttingen 2008.

Einzelnachweise

  1. Arnhold/Kotyrba, Adelssitze, 2012, S. 25. Zur Geschichte auch Schwarz, Rittersitze, 2008, S. 64-68. Vgl. auch Meier, Wolfenbüttel, 1906, S. 247
  2. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 1172.
  3. Braun, Winck, 1983, S. 46.