Salzdahlum, ehem Parnass
Inventarnummer: cbdd10521
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Im sog. Parnass in Salzdahlum befanden sich im Obergeschoss drei Räume. Der mittlere hatte ein Deckenfresko von Tobias Querfurt, das eine Allegorie des Landes Braunschweig zeigte.

Der Parnass von Salzdahlum
Kurzbeschreibung und Lage
Der so genannte Parnass[1] stand am Ende der Hauptachse des Schlossgartens von Salzdahlum.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Der Parnass ist in mehreren Phasen entstanden und wurde durch drei Umbauten von einem künstlichen Berg zu einem Lustgebäude verändert bzw. ergänzt. Eine erste Anlage wurde bereits im Mai 1694 erwähnt. 1705 wurde der Parnass umgestaltet und mit zwei Ruinentürmen versehen. Größere Umbauten erfolgten 1707-10, indem man die Türme zu einem Gebäude verband, das man nach Süden vergrößerte. Zuletzt bekam der Bau bis 1713 zwei Türme. Der so genannte Parnass ist zusammen mit Schloss Salzdahlum untergegangen.
Auftraggeber
Herzog Anton Ulrich (1633–1714)[2] regierte ab 1685 gemeinsam mit seinem Bruder das Fürstentum Wolfenbüttel. Nach dessen Tod 1704 wurde er Alleinherrscher. Er konvertierte 1709 zum Katholizismus.
Architekten, Künstler
Tobias Querfurt war überwiegend in Wolfenbüttel – wo er Hofmaler war – tätig, aber auch in Blankenburg und später nach dem Tod von Anton Ulrich in Corvey. Er orientierte sich in seinen Kompositionen an der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts, etwa Veronese, und an der französischen Malerei des 17. Jahrhunderts, etwa Simon Vouet und Charles le Brun. Er fertigte überwiegend Tafelbilder, aber auch Wand- und Deckenmalerei.[3]
Beschreibung
Ursprünglich standen am Ende des Gartens Brunnen und zwei künstliche Felsen, von denen einer mit der Figur eines Pegasus bekrönt war. In Nischen und am Beckenrand befanden sich Statuen der Musen sowie Apolls. Zwischen den Felsen fiel der Blick durch die den Garten abschließende Toranlage hinaus in die Landschaft.[4] Das Statuenprogramm charakterisiert den Berg eindeutig als Parnass, den Sitz der Musen.
Durch die Maßnahmen ab 1705 wurden die beiden Berge zu mehrgeschossigen Ruinentürmen umgestaltet. 1707-10 wurden diese beiden Türme zu einem Ruinenschloss verbunden und die Anlage nach Westen hin erweitert. Zweiarmige Rampen, eine als Treppe und eine als Auffahrt, erschlossen die Räume des Obergeschosses. An der Rückseite befanden sich nun drei viereckige offene Räume.[5] Nur noch zum Garten hin erschien der Parnass als Berg, sonst stellte er sich als Ruinenschloss dar. Zuletzt erhielt das Gebäude bis 1713 zwei Türme, von denen der eine als Kirchturm, der andere als Pagodenturm gestaltet war. Vermutlich handelt es sich um den ersten Pagodenturm in Europa.[6]
Der mittlere Raum im Parnass
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Raum entstand im Rahmen der Umbaumaßnahmen des Parnass ab 1707.[7]
Beschreibung
Es handelte sich um den mittleren von drei offenen Räumen des Obergeschosses. Alle drei Räume waren mit Stuckdecken verziert, die Fresken aufnahmen oder mit Grotesken verziert wurden. Die Räume dienten im Sommer festlichen Veranstaltungen.[8]
Gemälde im Mittelraum
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei[9] wurde 1709 von Tobias Querfurt stuckiert.
Beschreibung und Ikonographie
Sie zeigte den „Genius“ des Landes Braunschweig. Querfurt selbst schrieb 1710: „Genius des Landes Braunschweig, wobey der Author zugleich fürgestellet hat die inclination der Einwohner zum Kriege, unterschiedliche künstliche Handwercker, und was an Fruchtbarkeit es an den Tag bringet, im Feld- und Bergwerck-Bau, und dergleichen“.[10]
Bibliographie
- Literatur:
- Alvensleben, Korb, 1937. – Alvensleben, Udo von: Die Braunschweigischen Schlösser der Barockzeit und ihr Baumeister Hermann Korb. Berlin 1937.
- Gerkens, Salzdahlum, 1974. – Gerkens, Gerhard: Das fürstliche Lustschloß Salzdahlum und sein Erbauer Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel (Quellen und Forschungen zur Braunschweigischen Geschichte, 22). Braunschweig 1974.
- Grote, Bey-Zierden, 2006. – Grote, Hans-Henning: Von den Bey-Zierden der Architectur. Welche durch Mahlerey und Bildhauerey zuwege gebracht werden … In: Albrecht, Peter/Paulus, Simon (Red.): Hermann Korb und seine Zeit: 1656 - 1735. Barockes Bauen im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Wolfenbüttel/Braunschweig 2006, S. 267-272.
- Grote, Salzdahlum, 2017. – Grote, Hans-Henning; Schloss und Garten zu Salzdahlum. Vom Reich Apolls zum Paradies auf Erden: Metamorphosen eines Barockprogramms auf dem Weg zur Aufklärung. In: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte 98 (2017), S. 37-62.
- Jacob, Salzdahlum, 1983. – Jacob, Sabine: Schloß Salzdahlum. In: Klessmann, Rüdiger (Katallogred.): Herzog Anton Ulrich von Braunschweig. Leben und Regieren mit der Kunst. Zum 350. Geburtstag am 4. Oktober 1983. Ausstellung im Herzog Anton Ulrich-Museum vom 25. August bis 30. Oktober 1983. Braunschweig 1983, S. 49-69.
- Kelsch, Querfurt, 1983. – Kelsch, Wolfgang: Die Künstlerfamilie Querfurt im Spiegel barocker Hofkultur des Herzogs Anton Ulrich. Zum 350. Geburtstag des Herzogs Anton Ulrich am 4. Oktober 1983. In: Braunschweigische Heimat 69 (2/1983), S. 33–47.
- Klessmann, Anton Ulrich, 1983. – Klessmann, Rüdiger (Katalogred.): Herzog Anton Ulrich von Braunschweig. Leben und Regieren mit der Kunst. Zum 350. Geburtstag am 4. Oktober 1983. Ausstellung im Herzog Anton Ulrich-Museum vom 25. August bis 30. Oktober 1983. Braunschweig 1983.
- Meier, Wolfenbüttel, 1906. – Meier, Paul J.: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Wolfenbüttel mit Ausschluss der Stadt Wolfenbüttel. Wolfenbüttel 1906.
- Steinacker, Salzdahlum, 1904. – Steinacker, Karl: Das fürstliche Lustschloss Salzdahlum. In: Jahrbuch des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig 3 (1904), S. 69-119.
- Wittig, Salzdahlum, 1999. – Wittig, Holger: Das Fürstliche Lustschloß Salzdahlum. 2. Aufl. Wolfenbüttel 1999.
Einzelnachweise
- ↑ Grote, Salzdahlum, 2017, S. 50; Wittig, Salzdahlum, 1999, S. 281-286; Jacob, Salzdahlum, 1983, S. 52, 63; Klessmann, Anton Ulrich, 1983, S. 105-108; Gerkens, Salzdahlum, 1974, S. 139-140; Steinacker, Salzdahlum, 1904, S. 101-102.
- ↑ Klessmann, Anton Ulrich, 1983.
- ↑ Grote, Bey-Zierden, 2006, S. 268; Kelsch, Querfurt, 1983.
- ↑ Grote, Salzdahlum, 2017, S. 50; Wittig, Salzdahlum, 1999, S. 244-245; Jacob. Salzdahlum, 1983, S. 63.
- ↑ Grote, Salzdahlum, 2017, S. 50; Wittig, Salzdahlum, 1999, S. 281, 283; Jacob. Salzdahlum, 1983, S. 63.
- ↑ Grote, Salzdahlum, 2017, S. 50; Wittig, Salzdahlum, 1999, S. 284-285, 293; Gerkens, Salzdahlum, 1974, S. 140.
- ↑ Wittig, Salzdahlum, 1999, S. 281, 283.
- ↑ Klessmann, Anton Ulrich, 1983, S. 108; Jacob, Salzdahlum, 1983, S. 64; Gerkens, Salzdahlum, 1974, S. 141; Alvensleben, Korb, 1937, S. 30; Steinacker, Salzdahlum, 1904, S. 101-102.
- ↑ Wittig, Salzdahlum, 1999, S. 283; Jacob, Salzdahlum, 1983, S. 64; Gerkens, Salzdahlum, 1974, S. 141; Meier, Wolfenbüttel, 1906, S. 92-93.
- ↑ Zitiert nach Steinacker, Salzdahlum, 1904, S. 101-102 bzw. nach Meier, Wolfenbüttel, 1906, S. 93-94.