Rostock, herzogliches Theater mit Barocksaal

Dreyer, Angelika:Rostock, herzogliches Theater mit Barocksaal, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/d1f93dfd-b629-4f0a-ab4f-f40b18c11006

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Der heute sogenannte Barocksaal war Bestandteil des ersten stationären Theaters in Norddeutschland. Es diente als feste Spielstätte des Schauspielers und Theaterdirektor Schönemann. Der Festsaal darüber bot die Gelegenheit, Porträts des Hauses Mecklenburg [-Schwerin] als Ahnengalerie zu nutzen.

Entstehungs-, Bau- und Ausstattungsgeschichte

Lage

Der ehemalige herzogliche Theaterbau mit dem Festsaal (Barocksaal) liegt zentral in der Rostocker Altstadt.[1] Er schließt an die Ostseite des herzoglichen Palais an, womit er gleichzeitig den heutigen Universitätsplatz begrenzt.

Entstehungs-, Bau- und Ausstattungsgeschichte

Christian Ludwig II. verwaltete ab 1728 nach der ausgesprochenen Reichsacht über seinen älteren Bruder Karl Leopold das Herzogtum Mecklenburg [-Schwerin] als Landesadministrator. 1733 wurde er als kaiserlicher Kommissarius eingesetzt und erbte schließlich nach dem Tod des geächteten Bruders 1747 den Herzogstitel.[2] Unter der Regierung Christian Ludwigs erlebte Rostock eine kurze kulturelle Blütezeit. „Er ließ das Palais [Residenz] noch weiter ausbauen, nachdem auf seine Veranlassung abermals drei andre Universitätshäuser angekauft und dem Palaisgrundstück zugelegt worden waren. Im Jahre 1750 ließ der Herzog sogar ein kleines Theater erbauen. Dieses sog. ,Komödienhaus‘ lag unter dem oberen großen Festsaal und wurde im Mai 1751 eröffnet.“[3]

Der planende und entwerfende Architekt war Jean Laurent Legeay, der auf dem zugekauften Gelände des ehemaligen Pagenhauses[4] einen Festsaal im 1. Obergeschoss zur Verherrlichung der mecklenburgisch [-schweriner] Herzöge mit einer Spielstätte für die Schauspieltruppe Schönemann[5] im Erdgeschoss kombinierte. Planung und Erbauung dauerten von 1747–1751.

Die sukzessive Ausstattung des Festsaales mit Porträts der mecklenburgischen Herzöge (der Schweriner Linie) erfolgte bis in die Spätzeit der Regierung des Auftraggebers Christian Ludwig II, der 1756 starb.

Das Bauwerk

Das ehemalige Hoftheater (heute: Barocksaal) schließt in östliche Richtung an das ehemalige herzogliche Palais an, das als Residenz für die Aufenthalte der Herzöge von Mecklenburg [-Schwerin] in Rostock diente.

Zusammen mit diesem bildet es ein Gebäudeensemble am Universitätsplatz.

Das ehemalige Hoftheater ist ein zweigeschossiges, verputztes Traufhaus mit Walmdach. Die gesamte Wand des siebenachsigen Gebäudes ist auf gestalterische Variabilität angelegt. Im Erdgeschoss bestimmt eine rhythmisierte Fenster-Ordnung aus schmalen und breiten Öffnungen den Charakter, mit der im Obergeschoss darüber eine gleichmäßige Reihung von Fenstern mit Halbkreisbogen als Abschluss kontrastiert. Zusätzlich wird die Mitte hervorgehoben: einerseits durch eine etwas breitere und höhere Fensterbildung und andererseits einen Balkon, dessen Balkongitter einen Stierkopf als mecklenburgisches Wappentier aufweist.

Der Festsaal: Beschreibung und Maße

Der Festsaal des ehemaligen Hoftheaters befindet sich im 1. Obergeschoss. Er ist ein längsgerichteter Saalraum mit hoher Voutendecke, deren Scheitel zusätzlich als davon abgestufter, um einen Meter erhöhter Raumkasten gebildet ist.

Die Gestaltung der Wand ergibt sich aus einem gleichmäßigen Rapport von fünf hohen Arkaden (pro Raumseite), wobei die mittlere Fenster-Arkade etwas verbreitert und erhöht ist. Auf diese Weise wird diese nicht nur hervorgehoben, sondern damit erhält der Saal eine symmetrische und proportionale Einteilung, die aus dem Raum ein harmonisch geordnetes Gefüge macht und der Gefahr einer formal gleichen, ennuierenden Endlosreihung der Fensterbildung entgegenwirkt.

Dieser eher auf symmetrische Reihung angelegte Arkaden-Architektur der Längswände steht die Gestaltung der Schmalseiten des Raumes entgegen. Diese werden als dreiteilige Nischenwand inszeniert, die im Rhythmus eines dreibogigen Triumphbogens gebildet sind.

Äußerst ungewöhnlich in der Wandgestaltung ist hierbei der Übergang von den Längs- zu den Schmalseiten, der sich in Gestalt eines formalen Interruptus vollzieht. Dieser besteht in dem abrupten Wechsel von einer runden in eine eckige Formbildung. Anschaulich konkretisiert heißt dies, dass sich der Arkadenbogen nicht zum Halbkreis vollendet, sondern genau im Scheitel abbricht und als Rechteckform hochstrebt, um dann mit gerade verlaufender Gesimsbildung an die dreiteilige Nischenarchitektur der Schmalseiten anzubinden.

Außergewöhnlich ist weiterhin die phantasievolle Interpretation der Wandgliederung. Anstelle einer klassischen Gliederung aus Pilaster oder Säule mit dem dreiteiligen Aufbau aus Basis, Schaft und Kapitell (Kopfstück) wählte der Architekt eine gestalterische Lösung, bei der er über dem Fußbereich (Basis) den Schaft als Nische mit Dekor-Umrahmung und, dies ist das strukturell augenscheinlich verbindendste Element, mit dem Kopfstück (Kapitell) der gemalten Porträts verband. Diese Porträt-Medaillons sind jedoch nicht nur oberstes Aufbauelement jeder einzelnen vertikalen Gliederungseinheit, sondern gleichzeitig gestalterischer Bestandteil und Glanzpunkt einer (horizontal aufzufassenden) Perlenkette, die den gesamten Raum umläuft. Anschaulich und ikonographisch umkränzen sie den Festsaal und nobilitieren ihn auf diese Weise

.

Der Festsaal ist ca. 40–42 m lang, 10,55 m breit und 10,35 m hoch.

Auftraggeber und Architekt

 

Auftraggeber

Auftraggeber der Errichtung und Ausstattung des herzoglichen Theaters war Christian Ludwig II., Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin] (1683–1756). „Christian Ludwig II. war ein bedeutender Förderer des geistlichen und kulturellen Lebens.“[6]

Künstler (Architekt)

Den ehemaligen Theaterbau an der Ostseite des Residenzbaues plante Jean Laurent Legeay, der am „16. Oktober 1748 [...] als Baumeister in die Dienste des Herzogs Christian II. Ludwig zu Mecklenburg-Schwerin [trat], der ihn 1752 zum Hofbaudirektor ernannte. [...] Nach seinen Entwürfen entstand 1750 [...] [das] Komödienhaus, der sogenannte Barocksaal [...].“[7]

Die Wandbilder: Technik und Vorbemerkung zur Beschreibung

Die Technik

Die Porträts der mecklenburgischen Herzoginnen und Herzöge sind als Ölbilder auf Leinwand ausgeführt.

Vorbemerkung zur Beschreibung und künstlerischen Gestaltung

Die nachfolgende Beschreibung und Benennung der Persönlichkeiten orientiert sich an dem heutigen Bestand, der (wohl) ziemlich sicher nicht seiner historischen Anbringungssituation entspricht.

Die benennende Beschreibung beginnt pro Wandseite jeweils an der Ostseite und endet an der Westseite. Die Porträts der Herzöge befinden sich auf der Nord-, diejenigen der Herzoginnen auf der Südseite.

Die insgesamt 16 Porträts sind alle als Brustbilder angelegt, die in eine Rundform (Tondo) mit vergoldetem Rahmen eingefasst sind.

Christian Ludwig II., Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin]

Das Porträt zeigt Christian Ludwig II., Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin] (1683–1756),[8] den Auftraggeber der Bildnisse der mecklenburgisch-schwerinischen Herzogsdynastie.

Er trägt eine dunkle Allonge-Perücke sowie über der Rüstung einen braunen Hermelinmantel.

Friedrich von Mecklenburg [-Schwerin], apanagierter Prinz in Grabow

Zu sehen ist Friedrich von Mecklenburg [-Schwerin] (1638–1688).[9] Auf seinem Kopf trägt er eine weiße Allonge-Perücke, sein Gesicht ziert ein schmales Oberlippen-Bärtchen. Er trägt eine Rüstung, über der ein blauer Hermelinmantel liegt.

Christian Ludwig I., Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin]

Dargestellt ist Christian Ludwig I., Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin] (1623–1692).[10] Sein Blick ist nicht frontal auf einen imaginären Betrachter gerichtet, sondern geht aus dem Bild heraus. Er wird in Rüstung gezeigt, über der eine blaue Schärpe liegt. Das auffälligste Kleidungsstück ist sein Jabot, ein seidenes Halstuch, mit Akanthus-Muster.

Friedrich Wilhelm I., Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin]

Im Porträt ist Friedrich Wilhelm I., Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin] (1675–1713) zu sehen.[11]

Er trägt eine Rüstung, über der eine blaue Schärpe liegt. Ein rotes Samtjackett mit dem Stern-Orden bildet seine Oberkleidung.

Karl Leopold, Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin]

Gezeigt wird Karl Leopold, Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin] (1678–1747).[12] Über seiner Rüstung mit blauer Schärpe trägt er einen mit einer Brosche gehaltenen roten Hermelinmantel.

Adolf Friedrich II., Herzog zu Mecklenburg [-Strelitz]

Adolf Friedrich II., Herzog zu Mecklenburg [-Strelitz] (1658–1708)[13] blickt direkt aus dem Bild heraus auf den Betrachter. Über seiner hellblauen Jacke liegt eine dunkelblaue Schärpe und auf seiner linken Brustseite sind ein Ordensstern, ein Ordenskreuz und der dänische Elefanten-Orden angeheftet. Ein rötlicher Hermelinmantel ist locker-leger von seinen Schultern heruntergerutscht.

Friedrich (der Fromme), Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin]

Das Brustbild gibt das Porträt von Friedrich, Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin] (1717–1785) wieder.[14]

Sein Blick ist direkt auf den Betrachter gerichtet. Optisch hervorgehoben wird die Rüstung mit ihrem metallenen Glanz, die vom roten Hermelinmantel umfangen wird.

Ludwig, Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin]

Ludwig, Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin] (1725–1778)[15] sieht zum Betrachter. Über seinem Brustpanzer trägt er ein dunkelblaues Jackett mit Dekorbesatz. Der rötliche Hermelinmantel ist reifenartig um seinen Bauchbereich drapiert.

Die Wandbilder an der Südseite (Frauenseite)
 


Elisabeth Angélique de Montmorency, Herzogin zu Mecklenburg [-Schwerin]

Elisabeth Angélique de Montmorency (1627–1695)[16] war durch die Heirat (1666?) mit Christian Ludwig I. zur Herzogin zu Mecklenburg [-Schwerin] geworden.

Selbstsicher blickt sie aus dem Bild heraus. Sie trägt ein bräunliches Kleid, das mit Perlenbroschen besetzt ist. Perlen zieren auch ihren Hals (Kette) und Gesicht (Ohrringe). Ihren Körper und Kleidung umfängt ein blauer Hermelinmantel, deren Innenfutter sie ungeniert vorzeigt.

Gustava Carolina v. Mecklenburg [-Strelitz], Herzogin zu Mecklenburg [-Schwerin]

Zu sehen ist Gustava Carolina von Mecklenburg [-Strelitz] (1694–1748).[17] Sie war die Ehefrau von Christian Ludwig II., der ab 1747 bis zu seinem Tod 1756 die Regierung von Mecklenburg [-Schwerin] innehatte und Auftraggeber der Porträtserie seiner Verwandten im Festsaal war.

Mit großen Augen blickt sie konzentriert auf den Betrachter, der sie in einem goldenen gemusterten Brokatkleid mit Brosche und blauen Hermelinmantel sieht. In ihrem Haar trägt sie ein dreiteiliges Diadem als Würdezeichen.

Katharina Iwanowna Romanowa von Russland, Herzogin zu Mecklenburg [-Schwerin]

Dargestellt ist Katharina Iwanowna Romanowa (1692–1733), eine Tochter des Zaren Iwan V.[18] Sie ehelichte am 19.04.1716 Karl Leopold, den damals regierenden Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin].

Gezeigt wird sie mit einem gemusterten Goldbrokatkleid, deren perlenbesetzte Brosche sich in der Perlenschnur ihrer Haare fortsetzt. Der rötliche Hermelinmantel als Rangzeichen ihrer herzöglichen Würde wird nicht wie bei anderen Porträts im Saal großartig in Szene gesetzt, ist aber dennoch als ein von ihrer rechten Schulter herabgeglittener Mantelrest erkennbar.

Sophie Charlotte von Hessen-Kassel, Herzogin zu Mecklenburg [-Schwerin]

Sophie Charlotte von Hessen-Kassel (1678–1749)[19] heiratete am 2. Januar 1704 Friedrich Wilhelm I., den damals regierenden Herzog zu Mecklenburg [-Schwerin]. Ihre Ehe blieb kinderlos.

Christine Wilhelmine von Hessen-Homburg, Herzogin zu Mecklenburg [-Schwerin]

Christine Wilhelmine von Hessen-Homburg (1653–1722)[20] heiratete am 28. Mai 1671 Friedrich I. von Mecklenburg [-Schwerin]. Da dessen Halbbruder, der Mecklenburg [-Schwerin] regierende Christian Ludwig I. kinderlos starb, wurden Friedrichs Kinder nacheinander Herzöge zu Mecklenburg [-Schwerin].

Die Herzogin sieht direkt aus dem Bild heraus. Freizügig zeigt sie ihren Brustbereich, der durch das Fehlen einer Halskette noch mehr inszeniert ist. Der Saum ihres Kleides ist mit Diamanten besetzt, über dem der blaue Hermelinmantel sie einhüllt.

Luise Friederike von Württemberg, Herzogin zu Mecklenburg [-Schwerin]

Luise Friederike (1722–1791)[21] stammte aus dem Haus Württemberg und ehelichte am 02.03.1746 Friedrich II. von Mecklenburg [-Schwerin], womit sie den Rang der Herzogin zu Mecklenburg [-Schwerin] bekam.

Ihr Rang, ausgedrückt im rötlichen Hermelinmantel, ist nur nebensächlich als von ihrer Schulter herabgleitendes Kleidungsstück erkennbar. Ansonsten bevorzugte sie offensichtlich einen Kleidungsstil, deren Kennzeichen gestickte Muster, seidene Säume und volantartige Rüschenärmel sind.

Charlotte Sophie v. Sachsen-Coburg-Saalfeld, Erbprinzessin zu Meckl. [-Schwerin]

Charlotte Sophie von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1731–1810) war durch Heirat (14.05.1755) mit Ludwig von Mecklenburg [-Schwerin] Erbprinzessin zu Mecklenburg geworden.[22]

Sie sieht selbstbewusst zum Betrachter, wobei sowohl die Ohrringe als auch die formähnliche Spange im Haar eine schmuckbetonende, dennoch zurückhaltende Einstellung zeigen. Um ihr dunkelblaues Kleid mit Dekorsaum und großer Brosche ist raumgreifend ihr Hermelinmantel drapiert.

Sophie Luise von Mecklenburg [-Schwerin], Königin in Preußen

Sophie Luise, Herzogin zu Mecklenburg [-Schwerin] (1685–1735),[23] gehört nicht in die Serie der im Festsaal zumeist dargestellten Ehepaare. Sie scheint dennoch zwei wesentliche Kriterien erfüllt zu haben, weshalb sie der Auftraggeber Christian Ludwig II. in diese Ahnengalerie integrieren wollte. Zum einen war sie seine Schwester, was als persönliches Motiv gelten kann, aber, gemessen am Standard der damals herrschenden dynastischen oder staatspolitischen Vorstellungen, wohl nicht zur Aufnahme in die Ahnenreihe allein gereicht hätte.

Diesen Grund scheint sie durch ihre Heirat (1708) mit dem preussischen König Friedrich Wilhelm geliefert zu haben, denn dadurch gewann sie nicht nur Renomée für das mecklenburgische Herzogshaus, sondern festigte damit auch ältere Bande beider Dynastien.

Sophie Luise ist als streng wirkende Frau dargestellt mit blauen Kleid und Broschenbesatz, über dem der rote Hermelinmantel locker drapiert ist.

Programm und Synthese: Verherrlichung des Hauses Mecklenburg

 

Eine detaillierte Schrift mit den Überlegungen zum Bild-Programm des großteils mit Vertretern des Hauses Mecklenburg [-Schwerin] ausgestatteten Festsaales hat sich nicht erhalten.

Bei der bis heute ausgebliebenen Identifizierung der Herzöge und Herzoginnen aus der mecklenburgischen Dynastie waren zwei Umstände zusätzlich besonders hinderlich: zum einen waren 1946 bei der Renovierung des Barocksaales „die Namensschilder in den Oelgemälden verloren gegangen.“[24] Zum anderen war „bei der Entnahme der Rundbilder deren Reihenfolge entlang der Saalwand nicht notiert worden. Bekannt [...][war] lediglich, dass abwechselnd je ein männliches und weibliches Bildnis gehängt war.“[25]

Am heutigen wandfesten Bestand der Porträtbilder ist keine derartige Hängung erkennbar. Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen hatte man sich 1968 entschlossen, die Nordwand allein mit den Bildnissen der Herzöge und gegenüber mit denjenigen der Herzoginnen zu schmücken.

Auf der Basis einer historisch-biographischen Recherche ließen sich alle oben vorgestellten Mitglieder des Hauses Mecklenburg bestimmen.

Berücksichtigt man deren verwandtschaftlichen Verhältnisse, so zeigt sich eine eindeutige Präferenz von Eheleuten als Garanten der mecklenburgischen Dynastie, die insgesamt vierzehn (7 Paare) von sechzehn Bildnissen ausmachen.

Auf diese Weise wurde ein Porträt-Stammbaum der Mecklenburger Herzöge, vornehmlich der Schweriner Linie vom 17. Jahrhundert (Christian Ludwig I.) bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts in chronologischer Abfolge im Festsaal etabliert.

Die beiden verbleibenden Porträts verraten jeweils, aus Sicht des Auftraggebers Christian Ludwig II., sowohl einen persönlichen als auch einen staatspolitischen Grund für deren Integration in die Ahnengalerie.

Sophie Luise zu Mecklenburg [-Schwerin] war zum einen die Schwester des Auftraggebers, zum anderen durch ihre Heirat mit Friedrich Wilhelm, dem zweiten König zu Preussen, ein zusätzlich stabilisierender Faktor im Bündnis der Hohenzollern mit den Mecklenburgern.

Adolf Friedrich II. war der Schwiegervater des Auftraggebers Christian Ludwig II. und zugleich ab 1701 regierender Herzog im Landesteil Mecklenburg [-Strelitz]. Dieser Umstand ist vor allem historisch bedeutend, weil er damit als der erste Herzog des besagten Landesteiles fungierte, das mit dem 1701 geschlossenen, sogenannten Hamburger Vergleich entstanden war. Den Hintergrund dafür bildete ein langjähriger „Erbfolgestreit der mecklenburgischen Dynastie um das (Teil-)Herzogtum Mecklenburg-Güstrow, dessen Herzogshaus 1695 im thronfolgefähigen Mannesstamm erloschen war.“[26]

Der Auftraggeber Christian Ludwig II. hatte bereits 1714 Gustava Karoline von Mecklenburg [-Strelitz] geehelicht, womit nach den internen Streitigkeiten im Hause Mecklenburg in der Außenerscheinung explizit die einenden Gemeinsamkeiten der Dynastie im Vordergrund standen. Offensichtlich wollte man dem durch den hausinternen Vertrag entstandenen, die Dynastie trennenden Charakter,[27] eine staatstragend positive Wirkung entgegensetzen.

Über die ursprüngliche Anordnung der Porträtmedaillons kann man, berücksichtigt man die damals üblichen Gestaltungs-Usancen, mehrere Versionen theoretisch konstruieren, die jedoch (vorerst?) alle Spekulation bleiben müssen. Nur mit der heutigen Anbringungs-Situation der Bildnisse ist keine dementsprechende Überlegung davon in Einklang zu bringen. Sie ist wohl sozialistischer Ideologie und deren historischer Ablehnung der Adelskultur zu verdanken.

Restaurierungen

Die Restaurierungen des ehemaligen Theaterbaues und zum Teil damit auch verbunden die Wiederherstellungen der Fürstenporträts im Festsaal (Barocksaal) häuften sich in der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (1962, 1984, 1991, 2006).[28] Wesentliche Sanierungsmaßnahmen der Gemälde sind vor allem von 1963–1968 festzuhalten.

Ein erstes diesbezügliches Vorgehen erfolgte bereits 1946, als „die Kommandatur den Oberbürgermeister [von Rostock veranlasste], den Barocksaal zu renovieren.“[29] Genauere Angaben über die Art und konservatorische Behandlung der Gemälde waren nicht eruierbar.

Aus den erhaltenen Archivalien ist ab den frühen 1950er Jahren die dringende Notwendigkeit einer Reinigung der Porträtmedaillons erschließbar, die damals „starke Faltenbildung [aufwiesen], was auf Schädigung durch Nässe schließen lässt.“[30] Diese Schäden am Bauwerk waren vor allem durch die provisorischen Reparaturen der Kriegszerstörungen entstanden. Die Mängel an der Dach- und Deckenkonstruktion, die hierdurch beförderte Schwammbildung und Braunfäule waren dann so bauwerkgefährdend geworden, dass man das Gebäude 1953 baupolizeilich sperren musste.

Als man sich in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre daran machte, den Barocksaal zu renovieren und umzubauen, waren „die in den Wandkartuschen angebrachten kleinen Ölbilder durch die Bauarbeiten gefährdet.“[31]. So entschied man, die Gemälde nicht nur aus dem Wandbestand zu entfernen, sondern sie mindestens zu reinigen, wobei die Fachleute zusätzlich der Meinung waren, dass sie „vielleicht auch etwas aufgehellt werden“[31]. müssten.

Der Auftrag zum Ausbau und Renovierung der Porträtmedaillons erging an den Restaurator Henning-Hennings aus Doberan, der die Gemälde aus dem Saal entfernte (1958/59) und in seiner Werkstätte restaurierte und lagerte.[32] 1966 bat Herr „Pommerenke, Stadtrat für Kultur und Abteilungsleiter der Abteilung Kultur des Rates der Stadt Rostock“[33] den Restaurator, die „notwendigen Restarbeiten an den Porträts“[33]zu erledigen, damit sie für die 1968 geplante Wiedereröffnung des Saales in die ursprüngliche Rahmung eingepasst werden konnten, was zu Beginn des Jahres auch erfolgte.

Bibliographie

  • Borchardt, Herzöge, 1991 — Borchardt, Erika und Jürgen: Mecklenburgs Herzöge. Ahnengalerie Schloss Schwerin, Schwerin 1991.
  • Brandt, Palais, 1925 — Brandt, Jürgen: Alt Mecklenburgische Schlösser und Herrensitze, Berlin 1925.
  • Feldmann, Mecklenburg-Vorpommern, 2016 — Feldmann, Hans-Christian: Mecklenburg-Vorpommern (Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern), Berlin/München 2016 (2. Auflage).
  • Gnekow, Theatersaal, 2011 — Gnekow, Bettina: Denkmal des Monats März: Der herzogliche Theatersaal am Rostocker Universitätsplatz (hg. vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege: Entdecke Mecklenburg-Vorpommern), Schwerin 2011 des monats, 01.03.2011.
  • J.W., Heim, 1917 — J.W. [Kürzel]: Das Heim der Neuvermählten. Aus der Geschichte des Großherzoglichen Palais in Rostock, in: Rostocker Anzeiger, Nr. 93, 26. April 1917, 1. Beiblatt.
  • Schröder, Palais, 2011 — Schröder, Jörg: Das Grossherzogliche Palais (Universitätsplatz 5) in Rostock. Bauhistorisches und restauratorisches Gutachten. Dokumentation zu bauhistorischen und restauratorischen Befunden im Innen- und Aussenbereich. Projekt 2010-12-01/September 2010 bis März 2011, Rostock 2011.

Einzelnachweise

  1. Universitätsplatz 6, 18055 Rostock.
  2. Lebensdaten nach dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, online abrufbar: https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=nid%3D102111847 [zuletzt abgerufen am 12.032022].
  3. J.W. [Kürzel], Heim, 1917.
  4. Schröder, Palais, 2011, S. 23.
  5. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_Friedrih_Schönemann&oldid=216721355 [zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  6. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Christian_Ludwig_II._(Mecklenburg)&oldid=215038136[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  7. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Jean_Laurent_Legeay&oldid=217395045[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  8. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Christian_Ludwig_II._(Mecklenburg)&oldid=215038136[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  9. https://de.wikipedia.org/w/index.php?=Friedrich_zu_Mecklenburg&oldid=216006111[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  10. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Christian_Ludwig_I._(Mecklenburg)&oldid=215987544[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  11. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Friedrich_Wilhelm_I.(Mecklenburg)&oldid=214957727[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  12. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Karl_Leopold_(Mecklenburg)&oldid=215038123[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  13. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Adolf_Friedrich_II.(Mecklenburg)&oldid=215939739[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  14. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Friedrich_(Mecklenburg)&oldid=199223736[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  15. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ludwig_zu_Mecklenburg&oldid=215983050[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  16. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Elisabeth_Angélique_de_Montmorency&oldid=215929204[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  17. https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Duchess_Gustave_Caroline_of_Mecklenburg-Strelitz&oldid=1037370725[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  18. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Katharina_Iwanowna&oldid=209822630[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  19. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sophie_Charlotte_von_Hessen-Kassel&oldid=201268490[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  20. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Christine_Wilhelmine_von_Hessen-Homburg&oldid=215111439 [zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  21. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Louise_Friederike_von_Württemberg&oldid=214088774[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  22. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Charlotte_Sophie_von_Sachsen-Coburg-Saalfeld&oldid=213895082[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  23. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sophie_Luise_zu_Mecklenburg-Schwerin&oldid=214629982[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  24. Schwerin, Landesamt für Denkmalpflege: Ordner: Landkreis HRO, Gemarkung: Rostock, Flurbezirk I, 2240. Mappennr. 01 (ältestes Dokument: 12.6.1923), Brief vom 26.2.1952.
  25. Schwerin, Landesamt für Denkmalpflege: Ordner: Landkreis HRO, Gemarkung: Rostock, Flurbezirk I, 2240. Palais und Barocksaal. Mappennr. 03 (27.2.1967–29.10.1990), Vermerk vom Januar 1968. Eine Überprüfung dieser Aussage auf Bildern vor ihrer Entnahme (1925) lässt sich nicht bestätigen: Brandt, Herrensitze, 1925, Abb. auf S. 92–93.
  26. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hamburger_Vergleich_(1701)&oldid=2155940018[zuletzt abgerufen am 14.12.2021].
  27. Ein Ergebnis des Vertrages war die Existenz der Teil-Herzogtümer Schwerin und Strelitz.
  28. Gnekow, Theatersaal, 2011; Schröder, Palais, 2011, S. 11; Feldmann, Mecklenburg-Vorpommern, 2016, S. 523.
  29. Schwerin, Landesamt für Denkmalpflege: Ordner: Landkreis HRO, Gemarkung: Rostock, Flurbezirk I, 2240. Palais und Barocksaal. Mappennr. 01 (ältestes Dokument: 12.6.1923), Brief vom 26.2.1952.
  30. Schwerin, Landesamt für Denkmalpflege: Ordner: Landkreis HRO, Gemarkung: Rostock, Flurbezirk I, 2240. Palais und Barocksaal. Mappennr. 01 (ältestes Dokument: 12.6.1923), Brief vom 24.11.1951.
  31. 31,0 31,1 Schwerin, Landesamt für Denkmalpflege: Ordner: Landkreis HRO, Gemarkung: Rostock, Flurbezirk I, 2240. Palais und Barocksaal. Mappennr. 01 (ältestes Dokument: 12.6.1923), Brief vom 14.3.1958.
  32. Schwerin, Landesamt für Denkmalpflege: Ordner: Landkreis HRO, Gemarkung: Rostock, Flurbezirk I, 2240. Palais und Barocksaal. Mappennr. 01 (ältestes Dokument: 12.6.1923), diverse Briefe zusammengefasst.
  33. 33,0 33,1 Schwerin, Landesamt für Denkmalpflege: Ordner: Landkreis HRO, Gemarkung: Rostock, Flurbezirk I, 2240. Palais und Barocksaal. Mappennr. 01 (ältestes Dokument: 12.6.1923), Brief vom 19.10.1966.