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Ronneburg, Residenzschloss Ronneburg

Aus Deckenmalerei-Lab
Kruse, Jasmin:Ronneburg, Residenzschloss Ronneburg, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/360c0554-20ed-4883-954b-27f86263e525

Inventarnummer: cbdd10452

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Die Ronneburg, ist das Ergebnis des Umbaus einer mittelalterlichen Burg zur frühneuzeitlichen Residenz einer Seitenlinie des Hauses Isenburg-Büdingen im 16. Jhd. Neben ornamentalen Ausmalungen haben sich Wandmalereien mit biblischen Motiven und Scheinarchitektur erhalten.

Ronneburg, Erker im Oberen Herrengemach
Ronneburg, Erker im Oberen Herrengemach

Die Burg Ronneburg

Forschungsstand

Obgleich die Ronneburg aufgrund ihres Erhaltungszustandes (kunst-)historisch sehr bedeutsam ist und in dieser Rolle auch in Überblicksdarstellungen über die Region auftaucht, ist sie bisher in wenigen Abhandlungen erschlossen. Grundlegend zur Baugeschichte der Burg sind die Forschungen von Peter Nieß von 1936,[1] der sich jedoch nicht mit der malerischen Ausstattung auseinandersetzt. Aktuellere Überblicke mit neueren Befunden bieten Walter Nieß‘ Monografie Die Ronneburg: Von der Fliehburg zum Renaissance-Schloss[2] und der erstmals 2000 erschienene Führer Die Ronneburgvon Klaus-Peter Decker und Ulrich Großmann.[3] Die Analyse der malerischen Ausstattung, insbesondere im Kemenatenbau, fällt auch dort eher knapp aus. Es steht jedoch in Aussicht, dass in Zukunft noch weitere, bisher unbekannte Malerei freigelegt werden, denn die Restaurierung der Burg schreitet voran – immer abhängig von den finanziellen Möglichkeiten des Fördervereins, der die Burg heute betreibt.[4]

Lage, Bau- und Nutzungsgeschichte

Die Ronneburg befindet sich ca. 30 Kilometer östlich von Frankfurt (Main) und liegt heute im westlichen Main-Kinzig-Kreis. Die Höhenburg wurde auf einem Basaltkegel errichtet und überblickt weite Teile der Umgebung. Erstmalig erwähnt wurde sie 1258 als Eigentum des Hauses Hohenlohe-Brauneck, nachdem sie „vermutlich vom Erzstift Mainz im Zuge seines frühen Ausgreifens in den Spessartraum und das Gelnhäuser Gebiet angelegt“[5] wurde. Anfang des 14. Jahrhunderts kam sie wieder in den Besitz des Erzbistums und wurde bis ins 16. Jahrhundert Burgmannen wechselnder Familien zum Lehen gegeben und weiterverpfändet. Ihre taktisch günstige Lage am Rande der Mainebene und oberhalb der alten Handelsroute Via Regia machte sie zu einem begehrten Lehen für den lokalen Adel, und damit zu einem politischen Werkzeug und einer lukrativen Einnahmequelle des Erzstifts Mainz.

Die äußeren Wehrmauern der Kernburg, der untere Teil des Bergfrieds und der Saalbau (Palas) stammen aus dem 14. Jahrhundert (vermutl. 1. Hälfte),[6] die Fundamente der Burganlage stammen vermutlich aus dem vorherigen Jahrhundert. Im späten 14. Jahrhundert wurden das östlich des Hauptturms gelegene Brunnenhaus und der nach Westen orientierte Pallas durch den Burgmann Franz von Kronberg modernisiert, der Palas erhielt dabei seinen Treppenturm.[7] Die letzten bedeutenden Umgestaltungen der Burg ergaben sich schließlich aus den Aus- und Umbaumaßnahmen im 16. Jahrhundert, als die Burg an das Haus Isenburg-Büdingen kam. Dies war ein Ergebnis der Mainzer Stiftsfehde, in der Diether von Isenburg und Adolph von Nassau 1461-63 um das Amt des Mainzer Erzbischofs kämpften. Dieter, der das Amt zuvor innehatte, musste sich zunächst geschlagen geben und willigte in eine Einigung ein, nach Adolfs Tod 1475 erlangte er den Erzbischofssitz jedoch zurück. Zum Dank für seine Unterstützung in der Fehde und als Ausgleich für erlittene Verluste belehnte er daraufhin 1476 seinen Bruder, Graf Ludwig II. von Isenburg-Büdingen u.a. mit der Ronneburg. Dieser nahm notwendige Arbeiten an der zu diesem Zeitpunkt „keineswegs ansehnlichen“[8] Burg vor. Größere politische Bedeutung erhielt die Ronneburg aber erst als Resultat des Erbfolgestreits, der zwischen Ludwigs Nachkommen nach dessen Tod 1511 ausbrach und 1517 in der Spaltung des Hauses Isenburg-Büdingen in die Linien zu Ronneburg und zu Birstein endete. Als Begründer der Ronneburger Linie nahm Ludwigs Sohn Philipp (-1526) 1523 Residenz auf der Ronneburg.

Philipps Sohn und Nachfolger Anthon (1501-1560), der sich zunächst mit der Ausstaffierung der alten Stammburg Büdingen beschäftigte, die trotz der Familienteilung weiterhin gemeinsam verwaltet und genutzt wurde, baute die Ronneburg zu einem zentralen Verwaltungs- und Wirtschaftsbetrieb seiner Besitzungen aus. Seine rege Bautätigkeit (und auch die seines Nachfolgers) bezeugen eine Vielzahl von Datierungen an Türstürzen, Schlusssteinen etc., die Einblick in die voranschreitende Entwicklung der Burg zum Residenzschloss im 16. Jahrhundert gewähren.[9] Ab 1538 ließ Anthon die Vorburg anlegen,[10] in der ein großer Marstall (1549-1551),[11] Lagerflächen und das „Bandhaus“, das u.a. als Remise[12] und zur Weinlagerung (1554/55)[13] genutzt wurde, die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Areals erweiterten. In den folgenden Jahrzehnten profitierten die Grafen auf der Ronneburg von einem lukrativem Handel mit Wein, Tuch und Mehl/Brot, der auf den guten Ressourcen der Grafschaft fußte.[14] Anthon bewohnte die Burg auch selbst, wohl ab den 1540er Jahren bis zu seinem Ableben.

Nach dem Tod des Anthon von Isenburg-Büdingen 1560 wurde sein Besitz 1565 wiederum aufgeteilt zwischen seinen drei Söhnen. Der Jüngste, Heinrich, wurde in der Folge der neue Graf zu Ronneburg. Er ließ die Ronneburg zu der Gestalt ausbauen, die sich heute noch zu großen Teilen erhalten hat. 1573 wurde mit der umfassenden Erneuerung des Nordflügels, des sog. Kemenatenbaus, nach Plänen von Georg Münster aus Durlach begonnen, der neue, repräsentativere Wohnräume des Grafenpaars enthielt.[15] Auch genügte wohl die kleine Kapelle im Palas aus dem späten 14. Jahrhundert nicht mehr den Bedürfnissen des Grafen, weshalb neue Räume über dem oberen Tor (Südseite des Hofs, heute sog. Zinzendorf-Bau) zur Nutzung u.a. als Schlosskapelle errichtet wurden.[16] Bis ca. 1581 wurde außerdem der Bergfried erhöht, mit einem Umgang versehen und mit einer Welschen Haube gekrönt, von der aus vier Zwerchhäuschen in alle Himmelrichtungen schauen. Zum Ende des Jahrhunderts war außerdem ein welscher Werkmeister, Jacob Stupanus, an der Residenz tätig.[17]

Nach Heinrichs Tod 1601 ergriff dessen Vetter, Graf Wolfgang Ernst von Isenburg-Büdingen zu Birstein, Besitz von der Ronneburg. Bis zu ihrem Tod 1615 diente sie allerdings noch der Ehefrau Heinrichs, Elisabeth von Gleichen-Tonna, als Witwensitz.[18] Im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts wurde die Ronneburg erneut als Lehen an Burggrafen verkauft und verlor zunehmend ihre politische Bedeutung; ihr Zustand litt dazu durch einen Brand im nordöstlichen Teil von Vor- und Kernburg 1621, dessen Schäden nur provisorisch beseitigt wurden.[19] Die bewohnbaren Räumlichkeiten wurden an verschiedenste Gruppen vermietet, X und Ulrich zählen „Glücksritter, Goldmacher, aber auch Handwerksgesellen“ sowie Juden und Anhänger christlicher Randgruppen auf.[20] 1736 bis 1747 ließ sich außerdem die Herrnhuter Brüdergemeinde um Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf auf der Ronneburg nieder. Im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts verfiel die Burg letztendlich stetig und wurde von immer ärmeren Teilen der Bevölkerung als Unterkunft genutzt.

Unter anderem durch die Freigabe einiger Wirtschaftsbauten in der Vorburg zum Abbruch ab 1838 sollten diese Bewohner vertrieben werden, was bis 1885 dauerte.[21] Vor einer weiteren Zerstörung wurde die Burg maßgeblich durch die Hervorhebung ihrer Bedeutung in Heinrich Wagners Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen (1890)[22] und die Unterdenkmalschutzstellung 1905 geschützt. In der Folgezeit bemühten sich auch die Grafen zu Ysenburg wieder um ihren Erhalt. 1952 wurde ein Burgmuseum eingerichtet. Die Ronneburg ist bis heute Eigentum der Grafen von Ysenburg und wird seit 1988 vom Förderkreis Freunde der Ronneburg e.V. betreut.[23]

Baubeschreibung

Die Anlage besteht aus einer etwa rechteckigen Kernburg und einem östlich vorgesetztem Torbau mit Brunnenhaus (vermutlich 16. Jahrhundert)[21], nach Süden ist eine Vorburg vorgelagert, wo sich neben Befestigungsanlagen der Marstall und das Bandhaus mit Weinkeller befinden. Die Kernburg, die auf mittelalterlichen Fundamenten aufsitzt, ist zu einer Vierflügelanlage ausgebaut. Im Westen befindet sich der Palas aus dem 14. Jahrhundert, der vom Innenhof her über einen vorgelagerten Treppenturm erschlossen ist. Ebenfalls hofseitig befindet sich ein gotischer Kapellenerker aus dem späten 14. Jahrhundert. Der Südflügel besteht aus einem Wehrgang entlang der Außenmauer und dem sog. Zinzendorfbau, einem Torbau aus dem 15./16. Jahrhundert, dessen Obergeschoss vermutlich als Schlosskirche und im 18. Jahrhundert als Kirchensaal von der Herrnhuter Brüdergemeinde genutzt wurde. Im Osten liegt der Bergfried, dessen Obergeschoss mit Galerieumgang, Turmhaube und Zwerchhäusern im 16. Jahrhundert auf die mittelalterliche Bausubstanz aufgesetzt wurde. Im Norden der Anlage dominiert der Kemenatenbau, ein viergeschossiger Wohntrakt mit geschossübergreifenden Renaissance-Erkern. Über der zentralen Eingangstür zum Gebäude datiert eine Schrifttafel mit Wappen des Grafen Heinrich von Isenburg Büdingen und seiner Gemahlin Elisabeth von Gleichen-Tonna auf 1573, ein im Inneren 2006 wiederentdecktes Wappen von Heinrichs älterem Bruder Wolfgang von Isenburg-Ronneburg und seiner Frau Johannetta von Hanau-Lichtenberg deutet jedoch auf frühere Arbeiten bereits in den 1560er Jahren hin.[24]

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Der Kemenatenbau

Wie in der Baubeschreibung bereits dargelegt, bildet der Kemenatenbau, zusammen mit dem Alten Bau aus dem 15. Jahrhundert die Nordseite der früheren Kernburg. Während der Alte Bau noch an die nördlichen Wehrmauern angefügt wurde, wurden die alten, massiven Verteidigungsmauern zugunsten der Neuerrichtung des Kemenantenbaus abgebrochen.[25] Dieser Schritt untermauert die Wandlung der Ronneburg von einer Höhenburg in eine repräsentative Residenz der Grafen von Isenburg-Ronneburg.

Der Kemenantenbau schiebt sich als langgezogener Gebäuderiegel mit vier Geschossen und Satteldach nördlich am Bergfried vorbei. An der Außenseite ist der Bau sehr schlicht, zum Innenhof ziehen sich dagegen zwei Erker mit Maßwerkornamenten vom ersten zum dritten Stock hinauf. Der östliche Teil des Gebäudes ist dabei etwa ein halbes Geschoss niedriger als der westliche – beim Brand der Residenz 1621 waren die obersten zwei Geschosse des Kemenatenbaus an der Ostseite stark beschädigt worden. Bei der Behebung dieser Schäden wurde die Fassade nicht mehr auf die volle Höhe gezogen, sondern das Dach auf Höhe der Fensterbänke des obersten Geschosses angesetzt. Vor der Zerstörung befanden sich ein imposanter Saal, der fast das gesamte zweite Obergeschoss einnahm, sowie weitere Räume, vermutlich Wohnräume, im dritten Obergeschoss. Die Details ihrer Gestaltung sind verloren.[26] Im Westteil des Kemenatenbaus haben sich dagegen Gemächer aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Im ersten und zweiten Obergeschoss befinden sich hier, von außen markiert durch die Fenster des westlichen Erkers, das Untere und Obere Herrengemach.[27] Die Raumfolgen stimmen im Grundriss überein, bestehend aus einem Vorplatz, der über einen Wendelstein erreichbar ist, einen beheizbaren Wohnraum, einen Abort am Übergang nach Westen zum Alten Bau sowie eine Schlafkammer, die ebenfalls im Alten Bau lag.[28]


In den mit kräftigem Kreuzrippengewölbe gedeckten Wohnräumen hat sich die bauzeitliche malerische Ausstattung teilweise erhalten. Im Gemach im ersten Obergeschoss wurden die Rippen dunkel gefasst, die Gewölbeflächen sind mit großen, geschwungenen Blumenranken verziert. Diese Gestaltung wird der Zeit der Erneuerung des Nordflügels um 1573 zugeordnet. Etwas späteren Datums sind dagegen die figürlichen Szenen, mit denen das Obere Herrengemacht ausgestattet ist. Für diese ist der Maler E. Sanßdorffer aus Gelnhausen anzunehmen, dessen Tätigkeit zu dieser Zeit im Schloss nachweisbar ist.[29]

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Das sogenannte Obere Herrengemach

Ronneburg, Erker im Oberen Herrengemach

Das Obere Herrengemach, in dem sich figürliche Malereien aus der Zeit bis 1600 erhalten hat, ist der Hauptraum des Appartements. Er erstreckt sich über die gesamte Breite des Kemenatenbaus und ist dementsprechend von Norden und Süden durchfenstert. An der dem Hof zugewandten Südseite befindet sich der Erker, der den Raum ein Stück über die Außenmauer hinaustreten lässt. Neben den unten beschriebenen szenischen Ausmalung sind die Türen und Wände mit Säulenarchitekturen in Rottönen bemalt. Im Erker, den daran angrenzenden Wänden und auf der nördlichen Hälfte der Ostwand haben sich die figürlichen Szenen erhalten, teilweise nur sehr fragmentarisch. Es ist davon auszugehen, dass alle Wandflächen bemalt waren, ein Programm wurde jedoch nicht überliefert.[30] Als Künstler werden "1574 C[onrad] Wallrab und 1597–99 E[rhard] Sanßdorffer aus Gelnhausen" angeführt.[31]

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Die Malereien um den Fenstererker: Biblische Szenen und Friedensinschrift

Beschreibung und Ikonografie

Im Erker und den angrenzenden Wänden haben sich die Abbilder mehrerer Personen, eine Darstellung des salomonischen Urteils und des Heiligen Christophorus sowie eine Kartusche mit einer Inschrift erhalten. Die Darstellungen sind durch die rotbraun gehaltene, Architektur nachahmende Malereien in deutlich voneinander abgegrenzten Feldern gerahmt. Unterhalb der Fensterbänke suggerieren aufgemalte Rechteck eine schlichte Vertäfelung.

Der Schildbogen über der Fensterfront im Erker zeigt das Salomonische Urteil in Rot- und Brauntönen – im Zentrum der Darstellung thront rechts der König mit erhobener Hand, links vor ihm die beiden streitenden Frauen mit dem Kind. Eingerahmt wird die Szene von einer elaborierten Architekturstaffage, in der eine perspektivische Verkürzung angedeutet wird. Die darunterliegenden Zwickel zwischen den Fensterbögen zeigen geflügelte Engelsköpfe.

Die Westwand direkt am Erker ist unterteilt in eine Darstellung des Kampfes von David gegen Goliath im Bogen direkt unter dem Gewölbe, das Portrait eines Mannes in einem Rundbogenrahmen über dem Seitenfenster des Erkers und die Reste einer Darstellung des Heiligen Christophorus. Von letzterer ist nur die Kopf-/Schulterpartie des Christophorus und der darauf sitzende Christus mit Heiligenschein und kreuzbekrönter Sphärenkugel detailliert erhalten, die Umrisse der restlichen Figur sind jedoch noch schwach erkennbar.

An der gegenüberliegenden Ostwand spiegelt sich die Wandgliederung: unter einer nicht mehr klar erkennbaren figürlichen Szene zeigt sich hier wiederum das Brustportrait eines Mannes in einem Rundbogen oberhalb des seitlichen Erkerfensters. Im größeren Wandfeld daneben hat sich eine detailreich in Rollwerk gerahmte Kartusche erhalten, die die Inschrift FRID IST BESSER DENN KRIEG DIWEIL UNGEWIS IST DER SIG trägt. Darunter ist noch das gekrönte Haupt einer größeren Figur zu erkennen.

Das Malereifragment an der Ostwand: Kain und Abel

Beschreibung und Ikonografie

Nahe dem Fenster nach Norden, das einen weiten Blick ins Umland gewährt, ist rotbraune Scheinarchitektur, die hier einen das Deckengewölbe tragenden Pfeiler mit mehrstufigem feinteiligem Kapitel zeigt, sowie ein Teil der figürlichen Wandbemalung erhalten. Zu erkennen ist eine Berglandschaft, den Vordergrund muss einst die Darstellung eines prächtigen Renaissancebaus dominiert haben, von der noch ein perspektivisch und detailreich gemalter rechteckiger Turm, ein Stück eines Stufengiebels und die Spitze eines weiteren Rundturms sichtbar sind. Von der schlossartigen Anlage aus beobachten zwei Personen offenbar eine Jagd, die sich oberhalb der Türme abspielt: Ein Reh und ein Hirsch springen in Richtung eines dichten Waldes, ihnen auf den Fersen ist ein Hund. Weit in der Ferne ist darüber ein Schloss oder eine Burg auf einem Berg angedeutet.

Links der Architektur öffnet sich der Blick in eine weite Landschaft, über der wiederum eine ferne Höhenburg thront. Darunter sind die Opferfeuer zu sehen, die die Brüder Kain und Abel zur Verehrung Gottes entzündet haben: Eine kaskadenartig in den Himmel schießende Rauchsäule markiert dabei Abels erfolgreiches Opfer (die erstgeborenen Lämmer seiner Herde), während das Opfer aus Früchten des Ackerbaus, das Kain anbietet, in einer niedrigeren, in sich zusammenfallenden Rauchwolke aufgeht und den Himmel nicht erreicht. Die Folge dieser Zurückweisung ist am unteren Rand des Fragments noch erkennbar - obwohl die Szene nur noch teilweise zu sehen ist, lässt die Darstellung des bartlosen jungen Mannes, der mit beiden Händen eine Keule über den Kopf hebt, wenig Zweifel daran, dass dies Kain ist, der seinen Bruder erschlägt.

Synthese des Bildprogramms

Da Teile der Ausmalung mit großer Wahrscheinlichkeit fehlen, kann nur anhand des erhaltenen Bildbestandes eine Deutung versucht werden. Die Inschrift FRID IST BESSER DENN KRIEG DIWEIL UNGEWIS IST DER SIG teilt dem Besucher des Raumes eine grundlegende Haltung mit, die sich gegen die politischen/religiösen Spannungen und Kriegsgefahr wendet, die zur Zeit ihrer Erschaffung sehr präsent für die Grafschaft um die Ronneburg gewesen sein müssen. Naheliegend ist, dass die Wahl der Motive vom lutheranischen Glauben Heinrichs und Elisabeths motiviert waren (der etwa in Konkurrenz stand zum reformierten Bekenntnis des Vetters Wolfgang Ernst I. von Isenburg-Büdingen aus der Birsteiner Familienlinie, der sich der Ronneburg umgehend nach Heinrichs Tod bemächtigte). Die überlieferten biblischen Darstellungen – der Kampf von Kain und Abel, den Kains Neid durch Mord beendete, der Kampf gegen den körperlich überlegenen Goliat, den David im Vertrauen auf Gottes Hilfe dennoch wagte und gewann, der Heilige Christophorus, der sein Leben dem Dienst am Mächtigsten aller Könige verschrieb und diesen in Christus fand, und das Urteil Salomons, in dem der König die große Weisheit, die Gott ihm geschenkt hatte, nutzte, um gerecht zu richten – kritisieren sündhaftes Verhalten wie Neid, Selbstsucht und Lügen, und würdigen Tugenden wie Gerechtigkeit, Besonnenheit und vor allem einen festen Glauben an Gott, die einem Herrscher – auch einem Grafen – gut anstehen würden.

Bibliographie

  • Decker Klaus-Peter / Großmann, Ulrich: Die Ronneburg (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa Bd. 6), 3. Aufl., Regensburg 2014.
  • Nieß, Walter: Die Ronneburg: Von der Fliehburg zum Renaissance-Schloss, Büdingen 2006.

Einzelnachweise

  1. Nieß, Peter, Die Ronneburg. Eine Fürstlich Ysenburgische Burg und ihre Baugeschichte, Braubach am Rhein 1936; ferner auch ders., Die Ronneburg, in: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen 33 (1936), S. 191-244.
  2. Nieß, Walter: Die Ronneburg: Von der Fliehburg zum Renaissance-Schloss, Büdingen 2006.
  3. Decker Klaus-Peter / Großmann, Ulrich: Die Ronneburg (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa Bd. 6), 3. Aufl., Regensburg 2014.
  4. Verein Freunde der Ronneburg e.V., siehe https://burg-ronneburg.de/impressum/[13.6.2023]
  5. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 8.
  6. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 18; Nieß, Ronneburg, 1936, S. 46ff.
  7. S. Nieß, Ronneburg, 1936, S. 67ff. und S. 82ff.
  8. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 9.
  9. Eine Übersicht über die Datierungen am Gebäude gibt Nieß, Ronneburg, 1936, S. 94-95. Er zählt insg. 21 Daten auf, von denen eine Philipp, 13 Anthon und 7 Heinrich von Isenburg-Büdingen zuzuordnen sind.
  10. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 9, Nieß, Ronneburg, 1936, S. 97ff.
  11. Nieß, Ronneburg, 1936, S. 108.
  12. Nieß, Ronneburg, 1936, S. 112.
  13. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 10, Nieß, Ronneburg, 1936, S. 95.
  14. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 10.
  15. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 13, Nieß, Ronneburg, 1936, S. 123ff.
  16. Nieß, Ronneburg, 1936, S. 118-119.
  17. Hierfür wurde der Kurmainzer Baumeister Joris Robin konsultiert, s. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 13.
  18. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 13. Die Ehe war kinderlos.
  19. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 14. Restlos verschwand dabei ein hölzerner Galeriebau aus der Mitte des 16. Jhds., das sog. Sommerhaus. S. Nieß, Ronneburg, 1936, S. 114; Die zwei obersten Geschosse und das Dach des Kemenatenbaus wurden ebenfalls schwer beschädigt, im späten 17. Jahrhundert aber wiederaufgebaut, ebd. S. 127, 129.
  20. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 16.
  21. 21,0 21,1 Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 19.
  22. Wagner, Heinrich, Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Kreis Büdingen, Darmstadt 1890.
  23. Siehe < https://burg-ronneburg.de/> (25.09.2023)
  24. RONNEBURG / Burg / Dehio DE; in: DEHIO D. Kunstdenkmäler in Deutschland. URL: https://de.dehio.org/bauwerk/ronneburg-burg-kemenatenbau (12.12.2024). Wolfgang regierte nach der Erbteilung 1560 über Teile der Grafschaft Isenburg-Ronneburg, bewohnte aber zeitweilig weiterhin die Ronneburg und investierte dem Wappen entsprechend in ihren Ausbau, wenigstens bis sein eigenes Schloss Wolfenburg in Kelsterbach errichtet war.
  25. S. Nieß, Ronneburg, 1936, S. 124.
  26. S. Nieß, Ronneburg, 1936, S. 128-131.
  27. Als solche ausgewiesen in einem Inventar von 1705, s. Nieß, Ronneburg, 1936, S. 126.
  28. Für das Untere Herrengemacht ist im Inventar von 1705 etwa der im Alten Bau gelegene, angeschlossene Raum als „Kammer an solchem Gemach“ bezeichnet, Nieß, Ronneburg, 1936, S. 126. Siehe auch Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 59f.
  29. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 59.
  30. Decker/Großmann schreiben die Nutzung dieses Appartements Elisabeth von Gleichen-Tonna „und weiteren Angehörigen“ zu, während ihr Gemahl Heinrich von Isenburg-Büdingen das sog. Untere Herrengemach im darunterliegenden Stock genutzt haben soll. Die „alten Quellen“, denen diese Information entnommen sein soll, werden allerdings nicht genannt, s. Decker/Großmann, Ronneburg, 2014, S. 59
  31. Ebd., außerdem RONNEBURG / Burg / Dehio DE; in: DEHIO D. Kunstdenkmäler in Deutschland. URL: https://de.dehio.org/bauwerk/ronneburg-burg-kemenatenbau (12.12.2024).