Rheine, das Torhaus des sog Falkenhofs in Rheine
Inventarnummer: cbdd20262
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Im Saal des Torhauses haben sich Malereireste mit naturalistischen Pflanzendarstellungen, darunter Buchen, Eichen, Disteln, Brombeeren und Hopfen sowie Schrifttafeln erhalten. Sie stammen aus der Mitte beziehungsweise dem Ende des 16. Jahrhunderts.

Das Torhaus des sog. Falkenhofs in Rheine

Kurzbeschreibung und Lage
Der Falkenhof [1] liegt im Norden am Rand der Altstadt von Rheine, unweit der Ems. Die Anlage besteht aus mehreren Bauten, wobei sich das Torhaus im Süden zur Stadt hin befindet.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Torhaus wurde 1532 für Dietrich von Morrien errichtet. Im Laufe des 19. Jahrhundert kam es zu zahlreichen Umbauten des Gebäudes: Bereits vor 1828 wurde der erschließende Treppenturm niedergelegt; 1894 folgte der Umbau zu einem zweigeschossigen Wohnhaus, bei dem die Tordurchfahrt zugesetzt und die Fassade mit einer neuen Fenstergliederung versehen wurde. Zwischen 1970 und 1974 erfolgte eine umfassende Sanierung, die darauf abzielte, das historische Erscheinungsbild des Baus soweit wie möglich zurückzugewinnen. In diesem Zuge stellte man auch die ursprünglichen Fassadenöffnungen wieder her. Die Toröffnung wurde dabei zwar wieder freigelegt, jedoch entschied man sich 2002, im Erdgeschoss einen Innenraum zu schaffen. Weitere Umbaumaßnahmen fanden 2003/04 statt.[2]
Beschreibung
Das zweigeschossige traufständige Torhaus hat eine Grundfläche von 8,85 auf 6,15 Meter. Der Steinbau ist nicht unterkellert und wird von einem Satteldach abgeschlossen. Ein Gurtgesims trennt dabei die beiden Geschosse. Der angrenzende Bau im Westen, mit dem das Torhaus heute verbunden ist, stammt aus dem Jahr 1972. Der Treppenturm stand ehemals hofseitig neben dem Torbogen.[3]
Der Obergeschosssaal im Torhaus

Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der Saal stammt aus dem Jahr 1532, wobei die Deckenbalken dendrochronologisch auf 1530/31 datiert werden konnten. Die Kassettendecke sowie die Malerei in den Fensterlaibungen gehören einer späteren Phase an, sodass von einer Umgestaltung gegen 1600 auszugehen ist. Spätestens im 19. Jahrhundert dürften Decke und Malerei verborgen worden sein. Die Decke wurde dabei abgehängt und der Saal mit Zwischenwänden unterteilt. Erst im Zuge der 1970 begonnenen Sanierung kamen die Decke und die Malereien wieder zum Vorschein; sie wurden 1972/73 restauriert.[4]
Beschreibung
Der Saal nimmt das gesamte erste Obergeschoss ein und hat bei einer Grundfläche von etwa 7,7 auf 5,2 Metern eine lichte Höhe von rund 3,4 Metern. Seine ursprüngliche Funktion ist unbekannt. Der Raum wird heute von Westen aus betreten; hier steht auch ein großer Kamin. Die drei übrigen Wände sind mit Fenstern versehen – zwei nach Süden und je eines nach Westen und nach Norden. Die Holzbalkendecke ist mit Kassetten geziert und ist weitgehend in einem hellen Naturholzton gehalten. Nur die profilierten Leisten tragen zusätzlich in Schwarz gehaltene einfache Ornamente.[5]
Die Wandmalereireste
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die erhaltenen Wandmalereireste im Torhaus entstanden Mitte bis Ende des 16. Jahrhunderts und gehören damit einer zweiten Ausstattungsphase des Gebäudes an. Spätestens im 19. Jahrhundert wurde die Malerei zerstört bzw. verdeckt. Im Zuge der Abnahme der abgehängten Decke sowie der Freilegung der ursprünglichen Fensteröffnungen in den Jahren 1972/73 entdeckte man unter der Zimmerdecke und in den Fensterlaibungen Reste der Malerei. Die Befunde wurden in den Neuverputz integriert.[6]
Beschreibung und Ikonographie
Unter der Decke hat sich ein umlaufender 15 Zentimeter breiter Fries aus schwarzen Rauten erhalten. In zwei Fensterlaibungen befinden sich zudem geringe Reste von Pflanzen-Malereien mit naturalistischen Darstellungen von Buchen- und Eichenblättern mit Eicheln sowie, Disteln, Hopfen oder Brombeeren. Teilweise stehen sie in offenbar gläsernen Gefäßen. Ergänzt wurden die Darstellungen durch Rahmen mit schwarzen Schattenstrichten, die mehrzeilige Sprüche in Niederdeutscher Sprache mit gotischen Minuskeln aufnehmen. Diese Inschriften sind jedoch so rudimentär erhalten, dass sich kein Inhalt mehr bestimmen lässt. Vermutlich waren die Texte gereimt.[7]
Bibliographie
- Literatur:
- Böhm, Torhaus, 2002. – Böhm, Gabriele: Das Torhaus des Falkenhofs in Rheine. Befund, Geschichte, Funktion, in: Rheine, Gestern, Heute, Morgen. Zeitschrift für den Raum Rheine 2 (2002), S. 96-109.
- Kaspar/Barthold, Falkenhof, 2007. – Kaspar, Fred/Barthold, Peter: Der Falkenhof in Rheine. Baugeschichtliche Spurensuche in einem adeligen Hof am Rande der Stadt, in: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 81 (2007), S. 11-54.
- Krafeld, Torhaus, 1979. – Krafeld, Alfons: Das Torhaus des Falkenhofes, in: Rheine, Gestern, Heute, Morgen. Zeitschrift für den Raum Rheine 2 (1979), S. 41-50.
- Pankoke, Falkenhof-Museum, 2007. – Pankoke, Barbara: Rheine, Kreis Steinfurt, Tiefe Straße 22, Falkenhof-Museum, in: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 81 (2007), S. 490-493.
- Strohmann, Holzbalkendecken, 2007. – Strohmann, Dirk: Bemalte Holzbalkendecken, Wandmalerei und Kamine. Zur Innenausstattung des Falkenhofs, in: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 81 (2007), S. 55-113.
- Archivalien:
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Befunduntersuchung, 2004. – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. RHEINE D Falkenhof Befundunters. Torhaus u. Bürgersaal, 2004.
Einzelnachweise
- ↑ Kaspar/Barthold, Falkenhof, 2007; Böhm, Torhaus, 2002; Krafeld, Torhaus, 1979.
- ↑ Kaspar/Barthold, Falkenhof, 2007, S. 22-23, 28, 51, 53-54; Pankoke, Falkenhof-Museum, 2007, S. 490; Böhm, Torhaus, 2002, S. 96; Krafeld, Torhaus, 1979, S. 41-44; Westfalen 53 (1975), S. 673-675.
- ↑ Kaspar/Barthold, Falkenhof, 2007, S. 48, 51; Böhm, Torhaus, 2002, S. 97, 101-102.
- ↑ Kaspar/Barthold, Falkenhof, 2007, S. 54; Strohmann, Holzbalkendecken, 2007, S. 95-96, 102, 107; Böhm, Torhaus, 2002, S. 103-107; Krafeld, Torhaus, 1979, S. 45; Westfalen 53 (1975), S. 675.
- ↑ Kaspar/Barthold, Falkenhof, 2007, S. 51; Strohmann, Holzbalkendecken, 2007, S. 55, 86-88, 94.
- ↑ Kaspar/Barthold, Falkenhof, 2007, S. 54; Strohmann, Holzbalkendecken, 2007, S. 96, 107, 113; Krafeld, Torhaus, 1979, S. 45, 47. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Befunduntersuchung, 2004.
- ↑ Strohmann, Holzbalkendecken, 2007, S. 89-91, 94, 101-102; Böhm, Torhaus, 2002, S. 104; Krafeld, Torhaus, 1979, S. 47. Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Befunduntersuchung, 2004.