Ranis, Rittergut Brandenstein
Inventarnummer: cbdd10078
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Im 1698–1705 erbauten Haus Brandenstein wurden 1901 Räume mit teilweise verlorener und teilweise erhaltener Deckenmalerei beschrieben, so eine Justitia und mehrere Embleme.

Schloss Brandenstein
Nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg wurde Schloss Brandenstein [1] unter den Herren von Breitenbauch 1698–1705 neu erbaut. Bauherr was Christoph Adam von Breitenbauch. 1906 benannte sich die Familie in Breitenbuch um und behielt das Schloss bis 1945.
Der sog. Theatersaal und seine verlorene Malerei
Heinrich Bergner schreibt 1901: „In dem mittleren Saale des Obergeschosses, dem sogenannten Theatersaale, sind in den Ecken des reichen Stuckrahmens Rundmedaillons mit Engeln als Jahreszeiten eingesetzt. Das [Mittel-] Feld war bemalt mit einer thronenden Justitia, zu deren Füssen allerhand Embleme der Künste und Wissenschaften aufgehäuft waren, bei der Erneuerung 1900 übertüncht.“[2]
Aus dem Theatersaal in Brandenstein befanden sich 1901 auf Burg Ranis „Malereien auf grober Leinwand aufgespannt [...]. Sie sind nach Art der Gobelins aufgeführt, mit dicken Ranken- und Blumenborten umsäumt und machen, ohne eigenen Kunstwerg, einen ganz stattlichen dekorativen Eindruck. Es sind dargestellt: 1. Schloss Ranis von Süden, 2. Schloss Brandenstein, darunter biblischen Scenen, durch Überschriften erklärt, nämlich GEN. XLIX (19) GADA CINCTVS PRAELIABITVR und I. SAM XXIV (12) VIDE ORAM CHLAMIDIS TVAE IN MANV MEA, Saul in der Höhle, davor David mit dem Zipfels seines Mantels, 3. I. SAM XXVI (11) DORMENTI SAULO SVTTIPVNT(ur) HASTA ET SCYPHA, 3. I. SAM. XX (38) CLAMAVIT IONATAS (post tergum pueri dicens) FESTINA VELOCITER NE STETERIS.“[3]
Das Treppenhaus
Heinrich Bergner schreibt 1901: „Auch das Treppenhaus war flüchtig bemalt und zwar in Tuschmanier mit den beliebten freierfundenen Symbolen, von denen noch folgende erhalten sind: 1. Krone über einem Berge schwebend mit Spruchband: Je n'ay demandé que cela au Seigneur. 2. Zwei ineinander geschlagene Hände: Fiance et Defiance. 3. Eine Schnecke an einem Baum emporkriechend: Je porte tout ce qui est a luy. 4. Drei Bienen sitzen auf einer Hand: La garde en est difficile.“ [2]
Die ehemalige Malerei des Treppenhauses und ihre Vorlagen
Anhand der Inschriften, die Heinrich Bergner 1901 zitiert, lassen sich die Vorlagen für Embleme bestimmen, die das Treppenhaus zierten. Sie entstammten in Bild und Text dem Werk Emblematische Gemüths-Vergnügung von Heinrich Offelen bzw. Daniel de La Feuille, das seit 1691 bis in das 18. Jahrhundert in mehreren Auflagen erschien. Hier wird auf Daniel de La Feuilles Erstausgabe Devises et Emblemes von 1691 [4] Bezug genommen.
„1. Krone über einem Berge schwebend mit Spruchband: Je n'ay demandé que cela au Seigneur.“ Die Darstellung folgte Tafel 19, Abb. 12.
„2. Zwei ineinander geschlagene Hände: Fiance et Defiance.“ Die Darstellung folgte Tafel 24, Abb. 4 und zeigte zwei Hände, die aus Wolken ragten und im Begriff waren, in einander einzuschlagen.
„3. Eine Schnecke an einem Baum emporkriechend: Je porte tout ce qui est a luy.“ Die Darstellung folgte Tafel 45, Abb. 11/14.
„4. Drei Bienen sitzen auf einer Hand: La garde en est difficile.“ Die Darstellung folgte Tafel 38, Nr. 8 und sollte eine geschlossene Hand mit Flöhen darstellen.
Bibliographie
- Literatur:
- Bergner, Ziegenrück und Schleusingen, 1901. – Bergner, Heinrich (Bearb.): Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen und Herzogtum Anhalt. XXII. Heft. Die Kreise Ziegenrück und Schleusingen. Halle a. d. S. 1901.
- Schamberger, Brandenstein, 1998. – Schamberger, Max: Schloß Brandenstein im Orlagau. In: Unser Herold 9 (1998), S. 8-11.
- Schamberger, Brandenstein, 1999. – Schamberger, Max: Schloß Brandenstein im Orlagau. In: Unser Herold 10 (1999), S. 6-10.
- Quellen:
- La Feuille, Devises, 1691. – La Feuille, Daniel de: Devises et Emblèmes Anciennes et Modernes. Tirées des plus celebres auteurs, avec Plusieurs autres Nouvellement inventées et mises en Latin, en François, en Espagnol, en Italien, en Anglois, en Flamand et en Allemand. Amsterdam 1691.