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Querfurt, Burg Residenzschloss

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Querfurt, Burg (Residenzschloss), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/4e56814d-6b7a-45eb-bfdd-2ed4af20cb2a

Inventarnummer: cbdd10285

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

In der Heilig-Kreuz-Schlosskirche auf Burg Querfurt hat sich stark übermalte/restaurierte Deckenmalerei von Andreas Mateyerlein von ca. 1713/17 erhalten, die die Himmelfahrt Christi, das Pfingstwunder sowie Wappen und Monogramm des Auftraggebers Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels präsentieren.

Schlosskirche, Decke im Langhaus, Hauptbild: Ausgießung des Hl. Geistes
Schlosskirche, Decke im Langhaus, Hauptbild: Ausgießung des Hl. Geistes

Querfurt, Burg, Festung, Amtssitz, Residenzschloss

Querfurt, Burg

Kurzbeschreibung und Lage

Burg, Schloss bzw. Festung Querfurt erhebt sich auf einer Anhöhe am Rande der gleichnamigen Stadt. Nach Norden fällt das Gelände steil ab. Hinter den frühneuzeitlichen Befestigungen sowie der mittelalterlichen Ringmauer stehen mehrere Bauten unterschiedlicher Zeitstellung. Annähernd in der Mitte der Anlage erhebt sich eine große Schlosskirche.[1]

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Querfurt geht wohl auf das 8. Jahrhundert zurück, doch wird erst im 10. Jahrhundert eine Burg genannt. Aus dieser Zeit hat sich auch Bausubstanz erhalten. Im 12. Jahrhundert folgte der Bau der in Grundzügen noch heute erhaltenen Schlosskirche. Ende des 15. Jahrhunderts gelangte die Burg an das Fürsterzbistum Magdeburg. Die neuen Herren setzten die Befestigungsarbeiten ihrer Vorgänger fort. 1635 fiel Querfurt an Kursachsen und wurde 1663 Sitz des reichsunmittelbaren Fürstentums Sachsen-Querfurt, das mit dem Herzogtum Weißenfels verbunden war. Nur in diesem Fürstentum hatten die Weißenfelser Herzöge die volle Landeshoheit. Sie begannen mit einer Modernisierung ihrer Residenz, etwa mit dem so genannten Fürstenhaus sowie der Schlosskirche und den Befestigungen. 1746 gelangte das Herzogtum Weißenfels an Kursachsen. 1815 fiel Querfurt an Preußen und die Burg diente hinfort bis 1936 als Domäne. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts fanden immer wieder Restaurierungen und Sanierungen an der Burg statt, die sich anfänglich nur auf die Schlosskirche beschränkten, dann aber die gesamte Anlage erfassten.[2]

Beschreibung

Die Burg hat die äußere Gestalt eines unregelmäßigen Rechtecks und ist von Befestigungsanlagen verschiedener Zeitstellungen sowie Trockengräben umfasst. Im Süden und Westen gewähren Tore Zugang. Im Westen erhebt sich der so genannte Dicke Heinrich aus dem späten 12. Jahrhundert. Weitere Türme haben sich im Süden und Norden erhalten. Westlich der Schlosskirche stehen das 1660-68 umgebaute so genannte Fürstenhaus und an dieses angrenzend ein ehemaliges Brauhaus. Im Norden, Osten und Süden haben sich in Randbebauung überwiegend Wirtschaftsbauten erhalten.[3]

Die Heilig-Kreuz-Schlosskirche

Bau-, Ausstattungs- und Funktionsgeschichte

Die Schlosskirche geht auf das frühe 11. Jahrhundert zurück. Der gegenwärtige Bau ist im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts erbaut, später immer wieder ergänzt und neuen Bedürfnissen angepasst worden. Für die Herzöge von Sachsen-Weißenfels und Fürsten von Querfurt wurde die Schlosskirche unter Johann Conrad Buchau und Johann Christian Mützel 1698-1717 umgebaut und 1716 als Heiligkreuzkirche neu geweiht. Der Vierungsturm wurde damals nach oben geöffnet und der Innenraum mit Stuckaturen von Georg Friedrich Hopffe sowie Francesco Domenico Minetti und Abondio Minetti ausgeschmückt. Hinzu kommen Deckengemälde von Andreas Mateyerlein.[4]

Beschreibung

Die Kirche steht im Zentrum der Burg. Die kreuzförmige Anlage mit achteckigem Vierungsturm hat im Osten eine Apsis. Diese wird von Nebenapsiden der Querschiffe begleitet. Im Süden ist eine spätmittelalterliche Grabkapelle angefügt.[5]

Das Innere der Schlosskirche

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Schlosskirche wurde im Auftrag der Herzöge Johann Georg und Christian von Sachsen-Weißenfels in den Jahren 1698-1704 und 1713-17 barockisiert. Die Stuckaturen führten Georg Friedrich Hopffe sowie Francesco Domenico Minetti und Abondio Minetti aus. Die Deckenmalerei schuf Andreas Mateyerlein. Mitte des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zu Restaurierungen der Kirche. 1846-50 wurde die barocke Ausstattung beseitigt bis auf den Deckenstuck und die Deckenmalerei. Um 1900 wurden diese Malereien restauriert bzw. überfassend ergänzt durch August Oetken und Max Kutschmann. Die neugotische Ausstattung ging nach 1950 bis auf die Ausmalung der Apis verloren. 1990-92 erfolgte eine restauratorische Wiederherstellung des Innenraums.[4]

Beschreibung

Die Kirche wird im Westen betreten. Unter der Westempore hindurch, die ehemals den Herrschaftsstand aufnahm, gelangt man in das Langhaus. Der verbleibende Raum bis zur Vierung ist annährend quadratisch, aber breiter als Vierung und Chor. Nach Süden geht vor der Vierung die Grabkapelle ab. Die Vierung und die beiden Flügel des Querhauses sind quadratisch und haben dieselbe Grundfläche, der Chor ist etwas länger, was aber optisch nicht auffällt. Die Vierung ist nach oben in den achteckigen Vierungsturm geöffnet und oberhalb der umlaufenden Fenster gewölbt. Dem Chor sowie den Querschiffen sind im Osten Apsiden angefügt. Die Decken sowie der Vierungsturm sind stuckiert und mit barocken Malereien von ca. 1713/17 geschmückt. Die Chorapsis zeigt Malerei von 1906 nach Entwürfen von August Oetken.[6]

Die Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die freien Stuckfelder wurden um 1713/17 durch Johann Andreas Mateyerlein mit Deckenmalerei versehen. Sie waren Mitte des 19. Jahrhunderts stark beschädigt, wurden aber nicht ersetzt oder verdeckt. Erst um 1900 erfolgte ihre Restaurierung, wobei diese vor allem in den Querschiffen 1903-06 einer Übermalung bzw. Kopie durch August Oetken und von Max Kutschmann gleichkam.[7] 1990-92 wurde diese Fassung restauriert.[8]

Beschreibung und Ikonographie

Die Decken sind mit profilierten Gesimsen eingefasst, weitere Stuckbänder rahmen die Decken- und Wandgemälde.

Die Deckenmalerei im Langhaus

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde wurde um 1713/17 von Johann Andreas Mateyerlein gemalt und Anfang des 20. Jahrhunderts überfassend restauriert.[9]

Beschreibung und Ikonographie

In einem Stuckrahmen wird das Pfingstwunder in roten und gelben Farben dargestellt. Durch einen Architekturbogen tritt göttliches Licht in den Raum. Davor fliegt die Taube des Heiligen Geistes. Unter ihm sitzen die Jünger mit Maria. Sie sind bereits vom Heiligen Geist erfasst, was die Flammen auf ihren Köpfen zeigen. Im Bildvordergrund wohnen verschiedene Menschen staunend dem Wunder bei.

Am Rand der Decke ist zusätzlich fingierter Stuck gemalt. In den vier Ecken sind Medaillons ausgespart, die rot in rot Prunkvasen mit Blumensträußen aufnehmen.

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Die Ansichtigkeit des Hauptbildes ist auf den ehemaligen Herrschaftsstand im Westen ausgerichtet.

Die Decken- und Wandmalerei über der Vierung

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Decken- und Wandmalerei in der Kuppel wurde um 1713/17 von Johann Andreas Mateyerlein erstellt und Anfang des 20. Jahrhundert überfassend restauriert.[9]

Beschreibung und Ikonographie

An jede Wand des Oktogons ist unterhalb der Fenster in einem Medaillon ein monochrom rot in rot gehaltenes Wandbild gemalt. Die Szenen sind nicht klar zu deuten, was eventuell an den Restaurierungen des frühen 20. Jahrhunderts liegt. So wird ein Kreuz aufgerichtet und ein Grab ausgehoben, ohne dass es Hinweise auf Jesus Christus oder einen Märtyrer geben würde. Man sieht einen Bischof oder Erzbischof und eine Herrscherin, erblickt einen Prediger und Landschaften mit Architekturen. Mit ziemlicher Sicherheit ist die Himmelfahrt des Elias zu bestimmen.

Die Kuppel ist zwischen den Stuckbahnen mit grauen stilisierten Wolken bemalt, über denen sich ein dunkler Sternenhimmel öffnet.

Die Deckenmalerei im Querhaus

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Johann Andreas Mateyerlein erstellte um 1713/17 die Deckengemälde. Sie wurden 1903-06 fast vollständig durch Kopien ersetzt.[9]

Beschreibung und Ikonographie

Beide Malereien in Rot- und Gelbtönen verherrlichen den Auftraggeber Herzog Christian von Sachsen Weißenfels. Vor einem Wolkenhimmel, durch den das Licht bricht, halten Putten oder Engel jeweils eine Kartusche unter einem Fürstenhut. Im Süden erblickt man in der Kartusche das verschlungene Monogramm des Herzogs C, im Norden sein Wappen. An den Kartuschen hängt jeweils ein Orden. Es handelt sich zum einen um den Johanniterorden, zum anderen um den Pfälzer Hubertusorden. Der bedeutendere Elefantenorden ist nicht zu sehen, vermutlich, weil er keinen christlichen Bezug hat.

An den Deckenrändern ist zusätzlich fingierter Stuck gemalt. In den vier Ecken sind jeweils Medaillons ausgespart, die rot in rot Prunkvasen mit Blumensträußen aufnehmen.

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Die Ansichtigkeit der Hauptbilder ist auf die Vierung ausgerichtet.

Die Deckenmalerei im Chor

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde wurde um 1713/17 von Johann Andreas Mateyerlein erstellt und 1903-06 rekonstruierend restauriert.[9]

Beschreibung und Ikonographie

In roten und gelben Farben wird die Himmelfahrt Christi gezeigt. Er steigt in einer Gloriole von einer Erhöhung auf, auf der noch seine Fußabdrücke zu sehen sind. Die Jünger beobachten das Geschehen.

Am Rand der Decke ist zusätzlich fingierter Stuck gemalt. An den vier Seiten und in den vier Ecken sind Medaillons ausgespart. Die Medaillons an den Seiten geben Bibelstellen wieder, in den Ecken sind rot in rot Prunkvasen mit Blumensträußen gemalt.

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Die Ansichtigkeit des Hauptbildes ist auf die Vierung im Westen ausgerichtet.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999. – Dehio, Georg: Sachsen-Anhalt II, Regierungsbezirke Dessau und Halle (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearb. von Ute Bednarz u.a.. München/Berlin 1999.
  • Schmitt, Querfurt, 2002. – Schmitt, Reinhard: Burg Querfurt. Beiträge zur Baugeschichte. Baubefunde und archivalische Quellen (Schriftenreihe Museum Burg Querfurt. Sonderheft 2002). Querfurt 2002.
  • Schmitt, Querfurt, 2017. – Schmitt, Reinhard: Burg Querfurt (DKV-Kunstführer, 436). München/Berlin 2017.
  • Schmitt, Schloßkapellen, 1999. – Schmitt, Reinhard: Die Schloßkapellen im Herzogtum Sachsen-Weißenfels. Beiträge zu ihrer Baugeschichte, in: Schmitt, Reinhard (Red.): Das albertinische Herzogtum Sachsen-Weißenfels. Beiträge zur barocken Residenzkultur. Freyburg 1999, S. 10-47.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 693.
  2. Schmitt, Querfurt, 2017; Schmitt, Querfurt, 2002, S. 16-24; Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 691-694; Schmitt, Schloßkapellen, 1999, S. 12-18.
  3. Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 695-698.
  4. 4,0 4,1 Schmitt, Querfurt, 2002, S. 25-51; Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 695-496; Schmitt, Schloßkapellen, 1999, S. 12-18.
  5. Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 695-696.
  6. Dehio, Sachsen-Anhalt II, 1999, S. 696.
  7. Schmitt, Querfurt, 2002, S. 49.
  8. Schmitt, Querfurt, 2002, S. 49-51; Schmitt, Schloßkapellen, 1999, S. 15, 17.
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 Schmitt, Querfurt, 2002, S. 49-50; Schmitt, Schloßkapellen, 1999, S. 15, 17.