Quedlinburg, Fürstabtei und Residenz
Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen
Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.
An der Decke der Abtei- bzw. Schlosskirche befand sich von 1672 bis 1863 eine Deckenmalerei, die durch eine Abbildung überliefert ist.
Die Fürstabtei in Quedlinburg
Geschichte und Beschreibung
Die Fürstabtei Quedlinburg[1] ging auf ein 936 auf Veranlassung der Kaiserinwitwe Mathilde durch Kaiser Otto I. gegründetes Stift zurück. Hauptaufgabe war die Memoria für den 936 verstorbenen Kaiser Heinrich I. Das Stift gehörte seit der Reformation 1540 der lutherischen Konfession an wurde 1802/03 säkularisiert.
Residenz und Stift erheben sich auf dem Burgberg über der Stadt Quedlinburg. Die Abteikirche steht am Nordrand des Berges, während sich im Osten der sogenannte Wohnbau befindet, der Wirtschaftsräume und Wohnungen für den Hofstaat aufnahm.
Die ehemalige Residenz steht im Süden gegenüber der Kirche. Sie stammt aus der der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, wobei ältere Bauteile mit einbezogen wurden. Im 18. Jahrhundert erfolgte ein Umbau des Obergeschosses. Das Gebäude nahm die Wohn- und Repräsentationsräume der Fürstäbtissin sowie den Kapitelsaal des Stifts auf. Einige Innenräume des 17. und 18. Jahrhunderts haben sich erhalten, jedoch ist von Decken- oder Wandmalerei nichts bekannt.
Die ehemalige Abteikirche
Baugeschichte
Die Stiftskirche St. Servatius[2] geht auf drei Vorgängeranlagen zurück. Der gegenwärtige Bau wurde weitgehend zwischen 1070 und 1129 erbaut. Es handelt sich um eine Basilika mit sächsischen Stützenwechsel. Der Chor wurde bis 1320 in gotischen Formen umgebaut. Das Mitteschiff erhielt unter Äbtissin Anna Sophia I. von der Pfalz ab 1672 eine neue Ausstattung. Vermutlich erfolgte die Neuausstattung in Hinblick auf das zwanzigjährige Regierungsjubiläum der Fürstin 1675. Von 1863 bis 1882 erfolgte eine umfassende Restaurierung des Kircheninnenraumes, der alle frühneuzeitlichen Einbauten zum Opfer fielen. 1938-1940 erfolgte ferner eine ‚Wiederherstellung‘ des romanischen Chors.
Beschreibung des Raums um 1700
Die mittelalterliche Architektur war gänzlich hinter den Einbauten verborgen.[3] An den Seiten befanden sich Stände und Logen. Die Fürstäbtissin und die Priorin hatten eigene Herrschaftsstände mit bekrönenden Wappen. Teilweise wurden für die Einbauten die romanischen Kapitelle abgeschlagen. Die Decke war mit einer hölzernen Flachtonne gewölbt. Im Chor befand sich ein moderner Altar. Die Fenster hatte man vergrößert.
Die ehemalige Deckenmalerei in der Stiftskirche
Beschreibung
Die das Mittelschiff überspannende Holztonne[4] war seit 1672 mit einem Wolkenhimmel mit Sternen bemalt. In der Mitte kamen aus den Wolken Engelshände hervor, die eine Kartusche hielten. In dieser erblickte man das bezeichnete und datierte (1672) farbige Wappen der Fürstäbtissin Anna Sophia I. von der Pfalz.
Ikonografie
Wolkenhimmel sind in jeder Zeit ein gängiges Bildprogramm für die Decken lutherischer Kirchen und Kapellen. Oft bevölkern auch Engel den Himmel. Diese Boten Gottes stellen den Kontakt zwischen den Gläubigen und Gott her. Im Fall der Quedlinburger Stiftskirche deutet das von Engeln am Himmel präsentierte Wappen an, dass die Fürstäbtissin nicht nur Herrscherin von Gottes Gnaden ist, sondern dass sie für ihre Untertanen auch den Kontakt zu Gott herstellt.
Bibliographie
- Literatur:
- Arnulf, Barockisierung, 2009. – Arnulf, Arwed: Barockisierung, inszenierende Umdeutung und stiftische Tradition: Ausstattung und Nutzung der Quedlinburger Stiftskirche in der Frühen Neuzeit. In: Bley, Clemens (Hrsg.): Kayerlich – frey – weltlich. Das Reichsstift Quedlinburg im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit (Studien zur Landesgeschichte, 21). Halle 2009, S. 189-208.
- Arnulf, Inanspruchnahme, 2017. – Arnulf, Arwed: Repräsentative Inanspruchnahme und funktionale Umnutzung altgläubiger Kirchenräume in protestantischen Territorien. In: Paulus, Helmut-Eberhard/Rott, Susanne (Hrsg.): Schlosskirchen und Protestantismus (Jahrbuch der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten Bd. 20, 2016). Regensburg 2017, S. 104-118.
- Bley, Quedlinburg, 2009. – Bley. Clemens (Hrsg.): Kayserlich – frey – weltlich. Das Reichsstift Quedlinburg im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit (Studien zur Landesgeschichte, 21). Halle 2009.
- Kasper, Quedlinburg, 2014. – Kasper, Peter: Das Reichsstift Quedlinburg (936-1810). Konzept – Zeitbezug – Systemwechsel. Göttingen 2014.
- Kilian, Hochaltar, 2014. – Kilian, Nadine: Der Quedlinburger Hochaltar und die Barockisierung der Quedlinburger Stiftskirche. In: Beuckers, Klaus Gereon/Falk, Brigitta (Hrsg.): Neue Räume – neue Strukturen. Barockisierung mittelalterlicher Frauenstifte (Essener Forschungen zum Frauenstift, 12). Essen 2014, S. 173-205.
- Schlossmuseum Quedlinburg, 2018. – Schlossmuseum Quedlinburg. Wettin-Löbejün 2018.
- Voigtländer, Quedlinburg, 1989. – Voigtländer, Klaus: Die Stiftskirche St. Servatii zu Quedlinburg. Geschichte ihrer Restaurierung und Ausstattung. Berlin 1989.
Einzelnachweise
- ↑ Schlossmuseum Quedlinburg, 2018; Kasper, Quedlinburg, 2014; Bley, Quedlinburg, 2009.
- ↑ Arnulf, Inanspruchnahme, 2017, S. 108; Kilian, Hochaltar, 2014; Arnulf, Barockisierung, 2009, S. 190-191; Voigtländer, Quedlinburg, 1989.
- ↑ Arnulf, Inanspruchnahme, 2017, S. 108; Arnulf, Kilian, Hochaltar, 2014; Arnulf, Barockisierung, 2009, S. 190-191.
- ↑ Arnulf, Inanspruchnahme, 2017, S. 108; Arnulf, Barockisierung, 2009, S. 190-191.