Laß, Heiko:Probsteierhagen, Gut Hagen, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/6e428535-b1ce-4485-bc87-a3796a2b9b54

Inventarnummer: cbdd10330

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Im so genannten Pogwischzimmer von 1649 hat sich eine in Stucco Lustro ausgeführte Wandmalerei von 1720/25 erhalten, die eine offene Säulenloggia imitiert.

Gut Hagen
Gut Hagen

Gut Hagen

Kurzbeschreibung und Lage

Gut Hagen[1] ist im Süden der Ortschaft Probsteierhagen am Ende der gerade von Norden nach Süden verlaufenden Schlossstraße gelegen. Ehemals war es von einem künstlichen Wassergraben umgeben. Die Nebengebäude sind bis auf Reste verloren. Dem ehemaligen Torhaus fehlt heute der Mittelteil mit Tor.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Gut Hagen geht bereits auf das Mittelalter zurück und war spätestens seit dem 16. Jahrhundert im Besitz der Familie Pogwisch. 1646 heiratet die Erbtochter Lucia Pogwisch Hinrich Blome und brachte es an die Familie von Blome. Das Herrenhaus wurde im ihrem Auftrag und dem ihres Mannes 1647-49 erbaut. Im späten 18. Jahrhundert wurde an die Dreiflügelanlage in der Mitte des Hauptflügels ein kurzer Querflügel angefügt. Das Gebäude blieb bis 1929 in Familienbesitz und gelangte 1932 an die Gemeinde, der es noch heute gehört. 2007 bis 2011 wurde es umfassend saniert.

Beschreibung

Das zweigeschossige Backsteingebäude unter Satteldach öffnet sich als Dreiflügelanlage mit zwei kurzen Seitenflügeln nach Norden. In der Mitte steht ein einachsiger, dreigeschossiger Treppenturm, der den Eingang aufnimmt. An der Rückseite gegen den Garten befindet sich in der Mitte der Flügel des 18. Jahrhundert. Ehemals befanden sich an der Rückseite zwei Abtrittpfeiler.

Das Innere ist annähernd spiegelsymmetrisch aufgeteilt. Vom Turm aus gelangt man in eine Halle, die die ganze Tiefe des Baus durchmisst. An der Eingangsseite gehen zwei Korridore ab, von denen man die die ganzen Seitenflügel einnehmenden Räume erreicht. Zur Gartenseite schließen an die Halle nach links zwei und nach rechts drei (ehemals zwei) Räume in Enfilade an. Ein weiteres Treppenhaus und zusätzliche Räume sind im angefügten Südflügel untergebracht.

Das so genannte Pogwischzimmer

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das so genannte Pogwischzimmer[2] erhielt um 1725 eine barocke Wandfassung. Der Kamin an der Ostwand wurde im 18./19. Jahrhundert abgebrochen und durch eine größere Ofennische ersetzt, die farblich Bezug auf die Malerei im Raum nahm. Im 20. Jahrhundert wurde der Abtrittpfeiler im Süden des Raumes entfernt und vermutlich durch eine Tapetentür kaschiert. Diese wurde im Rahmen der Sanierungen von 2009 bis 2011 rekonstruiert.

Beschreibung

Das Pogwischzimmer grenzt östlich (links) an die Eingangshalle und hat zwei Fenster nach Süden zum Garten. Es hat eine Tür im Westen zur Eingangshalle und im Osten zum nächsten Raum, die in Enfilade liegen. An der Ostseite befindet sich die zentrale Ofennische. Die ursprüngliche Stuckdecke ist verloren.

Die Wandmalerei im so genannten Pogwischzimmer

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wandmalerei[3] ist in Stucco Lustro 1720/25 im Auftrag von Wulf Blome, vermutlich von süddeutschen Wanderkünstlern, nass auf dem noch feuchten Kalkputz ausgeführt worden. Anschließend wurde sie gewachst und poliert. Später wurde die Malerei mehrfach überstrichen. Nachdem bereits 1992 ein kleines Stück von ca. 90 Quadratzentimetern freigelegt worden war, wurde die gesamte Fassung freigelegt, die noch zu ca. 80 Prozent erhalten war, und von 2009 bis 2011 restauriert und in den Fehlstellen rekonstruiert.

Beschreibung und Ikonographie

Die Malerei[4] bedeckt über einer 92 Zentimeter hohen Sockelzone in Steinimitation die gesamte Wandfläche. Auf grünem Hintergrund – einer Art abstrahierter Laubkulisse – sind braune Pilaster mit ornamentaler Verzierung gemalt. Das nach Befund grau gefasste Simsband ist plastisch. Zwischen den Pilastern befinden sich mit roten Linien umrahmte Balustraden, auf denen Blumenamphoren stehen. Aus ihnen hängen Ranken in hellem Ocker herunter. Es entsteht der Eindruck einer offenen Säulenloggia bzw. eines luftigen Gartensaals. An der Südseite befinden sich zwischen den Pilastern die Fenster.

Stellung

Die Wandfassung gilt als einzigartig in der Ausstattung Schleswig-Holsteinischer Herrenhäuser.[5]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Lafrenz, Herrenhäuser, 2015. – Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg 2015.
  • Leonhardt/Leonhardt, Hagen, 2011. – Leonhardt, Sabine/Leonhardt, Christian: Die Restaurierung des „Pogwisch-Zimmers“ im Herrenhaus Hagen. In: DenkMal! Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein 18 (2011), S. 67-73.
  • Rinn, Stukkateure, 1999. – Rinn, Barbara: Italienische Stukkateure zwischen Elbe und Ostsee (Bau + Kunst. Schleswig-Holsteinische Schriften zur Kunstgeschichte, 1). Kiel 1999.
  • Rumohr, Ostholstein, 1989. – Rumohr, Henning von: Schlösser und Herrenhäuser in Ostholstein. Frankfurt a. M. 1974.

Einzelnachweise

  1. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 220-225; Leonhardt/Leonhardt, Hagen, 2011, S. 67; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 798-799; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 179-181; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 21-25.
  2. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 224; Leonhardt/Leonhardt, Hagen, 2011, S. 67-68, 73.
  3. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 224; Leonhardt/Leonhardt, Hagen, 2011, S. 68-72.
  4. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 224; Leonhardt/Leonhardt, Hagen, 2011, S. 69, 72-73.
  5. Leonhardt/Leonhardt, Hagen, 2011, S. 68.