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Potsdam, Belvedere auf dem Klausberg Sanssouci

Aus Deckenmalerei-Lab
Hinterkeuser, Guido:Potsdam, Belvedere auf dem Klausberg (Sanssouci), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2023, URL: www.deckenmalerei.eu/3aa79ff3-97cd-48de-9b5d-53fafbb5babd

Inventarnummer: cbdd10538

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Zu den Neubauten des friderizianischen Potsdam gehört auch das zwischen 1770 und 1772 errichtete Belvedere auf dem Klausberg. Die im zweiten Weltkrieg beschädigte Innenausstattung wurde in Teilen auf der Basis einiger weniger überlieferter Schwarzweißphotographien rekonstruiert.

Bauwerk

Baugeschichte

Von 1770 bis 1772, also parallel zur Umwandlung der Orangerie in die Neuen Kammern, entstand ebenfalls nach einem Entwurf von Georg Christian Unger das Belvedere auf dem Klausberg.[1] Wie bei so vielen Neubauten des friderizianischen Potsdam bediente sich der Architekt – womöglich auf direkte Veranlassung Friedrichs des Großen – auch in diesem Fall einer gedruckten Vorlage, nämlich Francesco Bianchinis Rekonstruktion (1738) des Neronischen Macellum in Rom.

1785 entstand laut Nicolai der Weinberg an der Südseite. Am Ende des letzten Krieges wurde der Bau stark beschädigt und blieb fortan Ruine, ehe ab 1990 der Wiederaufbau möglich wurde, finanziert und durchgeführt durch die Messerschmitt-Stiftung, der 1994 im Äußeren abgeschlossen war. Gänzlich vernichtet waren die Dekorationen im Innern, wobei man sich dafür entschied, sie im Oberen Saal weitgehend zu rekonstruieren. 2002 wurde der Bau von der Messerschmitt-Stiftung wieder an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg übergeben.

Baubeschreibung

Friedrich Nicolai beschreibt das Gebäude folgendermaßen: „Ein rundes Gebäude, das zwey Säle übereinander, und oben eine Kuppel hat. Zwey große Treppen gehen auswärts [sic] nach dem zweyten Geschoß.“[2] Allerdings ist die Beschreibung nicht vollständig. Denn charakteristisch für den Bau sind die umlaufenden Säulen, ionisch im Erdgeschoss und korinthisch im Obergeschoss, die die beiden Saalrotunden umgeben. Man könnte also durchaus von zwei übereinandergesetzten Tholoi sprechen. Deren Idealform wird freilich nach Osten und Westen durchbrochen, indem dort je ein zweigeschossiger Altane an das Rund angedockt ist. Sie bieten nicht nur zusätzliche Aussichtsplattformen, sondern verleihen dem Bauwerk zudem nach Süden hin, also zum Park, eine stärkere Präsenz. An der Nordseite dagegen befindet sich eine ausladende, geradezu exaltiert wirkende Freitreppe, deren geschwungene Läufe sich regelrecht nach oben schlängeln, um den Festsaal zu erschließen.

Schlossumfeld

Das Belvedere auf dem Klausberg befindet sich außerhalb des Rehgartens, jenseits der Höhenstraße, und steht als Solitär auf dem Höhenzug, auf welchem sich auch Schloss Sanssouci, die Neuen Kammern, die Neue Orangerie und das Drachenhaus befinden. Mit der Neuen Orangerie ist es über eine Sichtachse bzw. Allee verbunden.

Forschungsstand

Das Belvedere auf dem Klausberg wird in kleineren Publikationen und als Teil von Sammelschriften und Katalogen behandelt. Eine umfassende Monographie fehlt.

Der Obere Saal

Während die Wandflächen des Unteren Saals tatsächlich „mit Jaspisartigen schlesischem Marmor verziert“[2] waren, was an den entsprechenden Saal in den nahezu gleichzeitig errichteten Neuen Kammern erinnert, und der Fußboden mit grauem Marmor belegt war, wurde der Aufwand im Oberen Saal demgegenüber etwas reduziert. Nunmehr wurden der Fußboden parkettiert und die Wände lediglich mit seladonfarbenem Stuckmarmor verkleidet. Über den Fenstern waren zudem Rahmen angebracht, die sich, gefertigt aus weißem, teils vergoldetem Stuck, aus zarten Rahmen und Rocaillen zusammensetzten. Sämtliche Stuckaturen stammten von Carl Philipp Sartori und Johann Michael Merck.

Die Deckengemälde des Oberen Saals

Das im Krieg zerstörte Deckengemälde, das oberhalb des stuckierten Wandgesimses die gesamte Kuppelschale ausfüllt, war eine Gemeinschaftsarbeit von Karl Christian Wilhelm Baron und Friedrich Wilhelm Bock. Beide lieferten in dieser Zeit auch mehrere Supraporten für die Gästezimmer der Neuen Kammern. Hier nun haben sie die Schale mit einem barocken Himmel ausgemalt, der von bewegten Wolkenformationen, mal dunkel sich dräuend, mal die Sicht freigebend auf die Abendsonne, durchzogen wird. Darauf tummeln sich eine Vielzahl unterschiedlicher Vögel, wie man sie als Schwarm in der Natur niemals erleben würde. Man erkennt Papageien, Kolibri, Reiher und sogar einen Adler, der sich im Zentrum des Bildes einen Kampf mit einem Kranich und einem Fasan zu liefern scheint.

Das um 2000 wiedererstandene Gemälde[3] ist eine Rekonstruktion auf der Basis einiger weniger überlieferter Schwarzweißphotographien.[4] Demnach hat sich der moderne Maler, dessen Name in den Publikation nicht genannt ist, eng an die Komposition und Zeichnung des Originals angelehnt. Für die Farben hatte er hingegen keine konkrete Vorlage.

Bibliographie

  • Hassels, Potsdamer Schlösser und Gärten, 1993. – Hassels, Michael (Hrsg.): Potsdamer Schlösser und Gärten. Bau- und Gartenkunst vom 17. bis 20. Jahrhundert, hrsg. von der Generaldirektion der Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, Ausst. Kat. zur gleichnamigen Ausstellung vom 26.6. bis 22.8.1993, Potsdam 1993.
  • Mielke, Potsdamer Baukunst, 1998. – Mielke, Friedrich: Potsdamer Baukunst. Das klassische Potsdam, Berlin 1998.
  • Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte, 1786. – Nicolai, Friedrich: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend, Berlin 1786.
  • Pilz/Wacker, Der Klausberg, 2003. – Pilz, Maria/Wacker, Jörg (bearb.): Der Klausberg, hrsg. von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam 2003.

Einzelnachweise

  1. Zum Belvedere auf dem Klausberg: Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte, 1786, S. 1228; Hassels, Potsdamer Schlösser und Gärten, 1993, S. 140–144; Mielke, Potsdamer Baukunst, 1998, S. 413; Pilz/Wacker, Der Klausberg, 2003.
  2. 2,0 2,1 Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte, 1786, S. 1228.
  3. nach Karl Christian Wilhelm Baron und Friedrich Wilhelm Bock, Fliegende Vögel vor Wolkenhimmel, 1772 / um 2000.
  4. Pilz/Wacker, Der Klausberg, 2003, S. 22, Abb. 21.