Pommersfelden, Haus Schloss Weißenstein
Inventarnummer: cbdd10466
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Zur Baugeschichte von Schloss Weisenstein in Pommersfelden
Schloss Weisenstein in Pommersfelden wurde in nur zehn Jahren (1711 – 1721) vom Mainzer Kurfürsten und Bamberger Erzbischof Lothar Franz von Schönborn errichtet. Als Spätwerk des Bauherrn (geb. 1655) fließen die baukünstlerischen Erkenntnisse seiner Vorgängerbauten (Schloss Gaibach und Residenz Bamberg) sowie neue und alte europäische Raumschöpfungen in die Pommersfeldische Schlossanlage ein.
Die Originalbaupläne des Schlosses, welche sich zur Bauzeit in Pommersfelden befunden haben mussten und zahlreich zwischen Wien und Pommersfelden hin- und hergeschickt wurden, sind verschollen, sodass die Chronologie der Baugeschichte anhand der publizierten Quellen[1] und des zur Verfügung stehenden (späteren) Planmaterials rekonstruiert werden muss.
Vorgeschichte
Während seiner Kavaliersreisen 1674 – 76 lernt Lothar Franz von Schönborn die europäischen Höfe und deren Architektur kennen. Beeindruckt von Versailles (und insbesondere von der dortigen Gesandtentreppe) begleitet ihn der Wunsch nach einem eigenen Landschloss mit imposantem Treppenhaus sein Leben lang.
Vom „Bauwurmb“ besessen plant und baut er ununterbrochen, hat dabei jedoch auch seine Finanzen im Blick, sodass er anstelle von Neubauten die ihm zur Verfügung stehenden Bestandsgebäude umgestalten lässt. In seinem Privatschloss in Gaibach lässt er bei Umbauarbeiten ein stattliches Treppenhaus (nach dem Vorbild von Het Loo) in einem eigenen Baukörper einfügen, in seiner Bamberger Residenz entfernt er ein erst wenige Jahre zuvor gebautes Treppenhaus, um es durch ein ‚moderneres‘ um einen offenen Kern herum zu ersetzen, und in dem zur Bamberger Residenz dazugehörigen Landschloss Seehof wird der alte Wendelstein entfernt, um einer zweiläufigen, geraden Stiege Platz zu machen.
Viele Stunden verbringt er im Kreise seiner ‚Baudirigierungsgötter‘, zu welchen – in wechselnden Zusammensetzungen - die verschiedenen Dientzenhofers, Maximilian von Welch, Pater Loyson, Ritter von Groenesteyn, seine Neffen und viele andere zählen. Man diskutiert Risse anderer Gebäude, Bauformen und Bauschmuck und kreiert neue Architekturschöpfungen. In diesen Kreisen werden castelli in aria (Luftschlösser) gebaut, sodass Pläne und Ideen sofort zur Verfügung stehen, wenn ein Bauprojekt realisiert werden kann.
Gleichzeitig haben alle Mitglieder der Familie Schönborn immer ein offenes Auge für die Mehrung ihres Grundbesitzes. Käuflicher Erwerb, geschickte Heiratspolitik, Erbarrangements und Adoptionsvereinbarungen ließen die Besitztümer der Schönborn stark anschwellen. Der Fokus der begehrten Liegenschaften lag dabei auf dem Umfeld der Reichsstifte, auf den selbst regierten Fürstentümern und im Umgriff von Wien, sprich in der Nähe des Kaiserhofes.[2]
Besitz und Herrschaft von Pommersfelden (im Bamberger Hochstift von Lothar Franz gelegen) hatte Friedrich Ernst Truchseß von Pommersfelden inne. Dieser war in Bamberg bekannt, da er nicht selten wegen brutaler Gewalttaten und Alkoholexzessen angeklagt und zeitweise auch dort inhaftiert war.[3] Gleichzeitig wuchsen die Schulden des Friedrich Ernst so stark, dass er zu Beginn des Jahres 1709 mit einer Zwangsexekution des Ritterguts Pommersfelden rechnen musste und schließlich im Mai 1709 seine Güter für 20.000 Gulden an die Grafen von Schönborn[4] verkaufte.
Die Schwestern und Schwäger des Friedrich Ernst klagten am 09. Juli 1709 gegen diesen Verkauf, sodass Friedrich Ernst am 12. Juli 1709 beschloss, „ihro churfürstliche und dero hochgräfliche Familie zum Universalerben einzusetzen“.[5]
Am 21. April 1710 verstarb Friedrich Ernst Truchseß von Pommersfelden als letzter seines Geschlechtes und obwohl Lothar Franz noch einige Wogen mit den Schwestern und Schwägern zu glätten hatte, verlief die Inbesitznahme der Truseß’schen Besitztümer problemlos.
Der Kurfürst machte sich sofort daran, das ererbte Terrain, insbesondere die Truchsessische Wasserburg um- und auszubauen, mit dem Wunsch einen ländlichen Sommersitz in Pommersfelden zu schaffen.
Hierbei stieß er jedoch auf verschiedene Probleme. Zunächst war die Lehenfrage für das Objekt schwierig, da die Bayreuther Markgrafen nicht nur einen Teil der Pommersfeldischen Lehen, sondern auch das Wohnrecht für einen Teil der Wasserburg beanspruchten.
Friedrich Ernst hat in einer einfachen Skizze die Trennungslinie eingezeichnet, welche den Schlossbau in die Bamberger und die Bayreuther Seite aufteilte.
Hinzu kam ein für Lothar Franz von Schönborn enttäuschender Bauzustand des Gebäudes, „das solcher von oben bis unden zum Fundament notorie ganz runios gewesen“[6]. Da kaum brauchbare Bausubstanz vorhanden war, beschloss Lothar Franz, weite Teile des alten Schlosses niederzulegen und einen Neubau in Angriff zu nehmen. Beim Abbruch wurde jedoch „des Maurers bester Kerl“ von einer einstürzenden Mauer erschlagen und noch dazu stürzte des Kurfürsten
Lieblingshund Mohrle in den Schlossgraben und brach sich dabei die Pfote, so dass das ganze Bauprojekt unter keinem guten Stern stand und Lothar Franz das gesamte Objekt abwertend als
„spelunkum latronum“ (Räuberhöhle) bezeichnete.
Am 17. April 1711 - mit dem Tod des Kaisers Josef I – veränderte sich die Situation für Lothar Franz schlagartig, so dass er sofort die Bauarbeiten einstellen ließ. Durch diesen Todesfall hatte er nun seine vornehmste Aufgabe als Mainzer Kurfürst zu erfüllen und die Kaiserwahl des zukünftigen Kaisers zu organisieren und die Wahlvorbereitungen zu koordinieren.[7]
Für Schloss Weisenstein in Pommersfelden liegt in der Kaiserwahl von 1711 die Geburtsstunde des Schlossbauprojektes begründet.
Bereits vor dem Tod Josephs I., vor allem nachdem dessen Kinderlosigkeit abzusehen war und sein Bruder Karl nach der Krone strebte, unterstützten Lothar Franz und sein Neffe in Wiener Diensten Friedrich Carl den damaligen spanischen König Karl, den letzten männlichen Nachfahren der Habsburgerdynastie. Lothar Franz teilte mit den Habsburgern die Sorgen um einen Nachfolger, um einen erneuten katholischen Kaiser und um die Vermeidung eines Krieges um die österreichische Nachfolge. Er schreibt am 02. Juli 1710 an Friedrich Carl, dass diese Nachfolgeregelung die „wichtigste in der ganzen Welt“ ist und wenn eine Schwangerschaft der Elisabeth Christine[8] glücklich ausgeht „so ist uns allen nebenst der ganzen Christenheit geholfen, amen“.[9]
Reichspolitisch ist die Verbindung zwischen Karl und Elisabeth Christine von höchster Brisanz, da Herzog Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg, aus Ärger über das Kaiserhaus,[10] zunächst mit Frankreich und Ludwig XIV., Braunschweig-Wolfenbüttel und Kurköln koalierte.
Als Joseph jedoch zu Gunsten seines Bruders Karl auf die spanische Krone verzichtete und zum spanischen König erhoben wurde, witterte Anton Ulrich in dem jungen ledigen König, der noch dazu Ambitionen auf den Kaiserthron hat, eine lukrative Partie für seine Enkelin Elisabeth Christine. Mit diplomatischem Geschick schaffte es Anton Ulrich, die Aufmerksamkeit der Kaisergattin Wilhelmine Amalia auf seine Enkelin zu ziehen. Dabei war sein großer Trumpf, dass auch Wilhelmine Amalia aus dem Hause Braunschweig stammte[11] und auch ihr Vater aus (macht)politischen Gründen zum katholischen Glauben konvertiert ist, so dass die Kaisergattin der Verlobung zustimmte.[12]
Elisabeth Christine stimmte der Konversion nach einem Gespräch am 30. April 1707, nachmittags nach drei Uhr, mit Lothar Franz von Schönborn in der Bamberger Residenz zu.[13] Auch die Zeremonie der Konversion übernimmt am 01. Mai 1707 Lothar Franz von Schönborn im Bamberger Dom persönlich.[14]
Als 1711 Kaiser Joseph I am 17. April starb, berief Lothar Franz die Kurfürsten des Reiches nach Frankfurt am Main, um den Nachfolger zu wählen. Dabei ging es weniger um die Frage, dass Karl Kaiser wird[15], als vielmehr um die Wahlbedingungen, die Privilegien und die Rechte, welche er später als Kaiser haben sollte. Man war in Wien davon überzeugt, dass Preußen die Kaiserkrone für sich gewinnen wollte[16], da man wegen des Mangels an einem oder mehreren Söhnen ein Interregnum nicht umgehen konnte, und somit, gemäß den Bestimmungen der goldenen Bulle,[17] die Sachsen und die Pfalz die Reichsgeschäfte übernahmen.[18]
Maßgeblichen Einfluss übte Lothar Franz auf die Beschleunigung der Kaiserwahlvorbereitungen aus um ein equilibrum, ein politisches Gleichgewicht zwischen den Kompetenzen des Kaisers und denen der Reichsstände zu schaffen.[19] Er beschreibt die Situation als ein „Schema distinctivum inter duo mala“[20] und konstatiert, dass er „Undank in fine Laborum“[21] erwartet. In realiter wird er von allen Seiten für seine diplomatischen Bemühungen reichlich entlohnt und auch Friedrich Carl schrieb am 11. August 1711 an Lothar Franz: „Das praesent für E. chfl. Gn. ist ausgeworfen 100.000 thaler und solle so gerichtet werden, daß es Ihro personaliter zum bau nach Pommersfelden gehöre.“[22]
Am 11. Oktober 1711[23] wird in Frankfurt das Dekret für Lothar Franz ausgefertigt in dem es heißt: „in dem nunmehro geendigten ksl. kgl. wahlgeschäft vielfältig und unaussetzlich bemühet gewesen und dasselbe durch Ihre hochvernünftige direction getreue sorgfalt und nachtrückliche assistenz zu dem erfolgten glücklichen ausschlag ruhmwürdigst befördert, insonderheit aber auch in vergleichung der wahlcapitulation und hinwegraumung der dabei sich hervorgetanen difficultäten“ werden dem Kurfürsten „als würkliches kennzeichen (…) dero kgl. danknehmlichkeit“ 150.000 fl. rh. angewiesen.[24]
Die finanziellen Mittel waren nun reichlich vorhanden um sein neues Baukonzept – einen „corps de logis mit zwei fluegelen - “[25] anzugehen. Bereits am alten Bauplatz hatte Lothar Franz einen Abriss mit anschließendem Neubau in Form einer offenen Dreiflügelanlage beschlossen, welche zwar viel kleiner,[26] in ihren Grundzügen jedoch, auch was die Raumausteilung und die Stockwerksgliederung anging, dem ‚neuen Schloss‘ sehr ähnlich war.[27] Diese Planungen wurden nun nicht mehr am alten, schlechten Bauplatz im Dorf, sondern auf einer sonnigen Anhöhe südlich des Ortes Pommersfelden fortgesetzt. Da dort genügend Platz vorhanden war, wurde eine komplette Residenzanlage mit Stallungen, Nebengebäuden und ausladendem Garten in Angriff genommen.
Die Bauhistorie und Ausstattung des neunen Schlosses „Weisenstein ob Pommersfelden“
1711
Zum 01. September 1711 erlässt Lothar Franz in Frankfurt ein kurfürstliches Dekret zur Ernennung Johann Dientzenhofers zum hochfürstlichen Hofbaumeister.[28] Gleichzeitig wird mit Dientzenhofer ein Vertrag über das „Mauerwerckh undt hierunten wohl benennten steinhauerarbeith belangend den rechten fliegel mit beeden Pavillon biss ahn die haubt-Stiegen derselben seytenmauer (…) in dem neuen Pommersfeldener Schlossbau nach den Grundrissen Nr.1-2.-3 undt 4“ geschlossen.[29]
Lothar Franz von Schönborn kommuniziert ständig mit seinen Neffen, seinen Agenten oder persönlich mit Künstlern, um Bilder anzukaufen oder in Auftrag zu geben. In dem Moment, in welchem sein Pommersfeldischer Schlossbau fixiert ist, konzipiert und forciert er auch dessen Einrichtung.
Seit August 1711 weilte er wegen der Wahlangelegenheiten in Frankfurt a.M., wo er sich bis mindestens zur Kaiserwahl am 12. Oktober aufhielt, so dass es ihm nicht möglich war persönlich bei der Grundsteinlegung am 01. Oktober 1711[30] in Pommersfelden anwesend zu sein und er seinen Statthalter von Aufseß mit seiner Vertretung bei der Feier betraute.
Tags darauf, am 02. Oktober 1711, berichtet von Aufseß: „Nachdem alle geistlichen und weltlichen Ingredientien angelangt (…) nahm ich gestern die Legung des Ecksteins vor (…) wobei nicht vergessen wurde, auf E. chfl. Gn. Gesundheit zu trinken“.
Die genannten geistlichen und weltlichen Ingredientien von denen v. Aufseß spricht sind die Urkunde der Grundsteinlegung, welche mit dem Grundstein vermauert wird,[31] sowie je eine Münze des regierenden Papstes, des zu wählenden römischen Kaisers, des Kurfürsten selbst und des Domkapitels. Eine Cera benedetta des Papstes Innocenz XI., ein approbiertes spanisches Kreuz, ein am Grabe der hlg. Dreikönige angerührtes Bildnis derselben sowie je ein Bild des Bamberger hl. Nagels und der Stiftspatrone Heinrich und Kunigunde, alles berührt.[32]
Der Grundstein war dort gelegt worden, wo später der Hochaltar der Kapelle zu stehen kommen sollte, ganz im Sinne des christlich-katholischen Glaubens, dass man erst ein ‚Haus für Gott‘ und dann sein eigenes darum herum baut, lautet der erste Satz der Grundsteinurkunde „Dem Heern der Heerschaaren, dem schöpfer und erhalter aller ding, zu größerern aufnehmen seines göttlichen ehrnamens“ und dann erst, als zweite Funktion: „wie auch zum nutzen und wohnung des hochgräfl. haus von Schönborn etc. ist dieser schloßbau gesezet worden“.
Da Johann Dientzenhofer nicht ständig in Pommersfelden vor Ort sein kann, bestellt Lothar Franz am 17.11.1711[33] den Jesuitenpater Loyson als „beständig in loco und zu beforderung des Bauwesens allezeit gegenwärtig“.
Sowohl Dientzenhofer als auch Loyson waren schon vor ihrer offiziellen Bestellung als Hofbaumeister bzw. Baudirektor in Pommersfelden am ‚alten Schloss‘ in Pommersfelden tätig, sodass die Planungen in größerem Maßstab an dem Punkte aufgenommen werden konnten, wo sie im Frühjahr 1711 liegengeblieben waren.[34]
Am 15. August 1711 berichtet Loyson, dass er für die Vorbereitungen des Schlossbaus möglichst viel Holz ankauft und bereits auf Dientzenhofer wartet, da „sobald der baumeister wirt hier sein, wirts nichts lang wären“[35] um mit dem Schlossbau zu beginnen.
Über den Winter 1711/12 wird Material (z.B. Holz für die Fensterrahmen aus dem nahegelegenen Jagdpark und Steine) herangeschafft. Außerdem werden die Wege und Brücken rund um Pommersfelden hergerichtet, damit die Logistik reibungslos ablaufen kann.
1712
Lothar Franz und sein Neffe Friedrich Carl, der den Architekten Johann Lukas von Hildebrand an der Hand hat, diskutieren lebhaft viele Details der Baupläne wie Raumausteilungen, Proportionen und Decorum. Die Wiener Seite versucht Einfluss auf den Bau zu nehmen, schickt einen Vorschlag nach dem anderen nach Pommersfelden und kommentiert alle Baudetails, welche Lothar Franz zu Pommersfelden an Wien herausgibt, fleißig und ausführlich.
Der Kurfürst kommuniziert klare Konstanten, insbesondere für seine stiegen und seine gallerie, „Del resto will ich gern anhören undt annehmen was Ihr herren virtuosi, curiosi et sumptuosi zu Wien mir einrathen werdet“.[36]
Im Verlauf des Jahres 1712 schreitet der Schlossbau rasch voran. Bereits im März standen die Erdgeschossstockwerke des Ostflügels und des östlichen Mittelbaus und als Lothar Franz am 09. August 1712 die Baustelle besucht berichtet er Friedrich Carl,[37] dass er „das erste stockwerk [die belle étage des Ostflügels und des östlichen Mittelbaus] bis auff was weniges fertig gefunden habe“. Er hofft diesen Teil „vor winter noch under das dach zu bringen,“[38] woraus allerdings nichts wird, da ein Steinbruch aus welchem er die Fenster und Ecksteine bezieht unter Wasser steht.
1713
Dientzenhofer findet keine befriedigende Lösung Lothar Franzens Stiege architektonisch schlüssig und befriedigend in den Mittelbau einzufügen. Deshalb schickt der Kurfürst ihn Anfang März nach Wien um mit Hildebrandt den „mitgebrachten Pommersfeldischen riss zu durchschauen.“[39]
Vor seiner Abreise teilte Lothar Franz Dientzenhofer noch mit, dass er anstelle eines ovalen Saales ein carée longue haben möchte und er die Reisezeit dazu nutzen solle, darüber „zu speculieren“.[40]
In der jüngeren Vergangenheit sind in einer Mappe der Kartensammlung Wien (Sign: ALB *Port 16,6) Planserien von Pommersfelden aufgefunden und 2014 veröffentlicht worden. Eine Serie mit vier Grundrissplänen, ist von Johann Dientzenhofer signiert.[41]
Dergleichen Pläne könnte Dientzenhofer nach Wien mitgenommen haben, da für eine frühe Datierung dieser Planserie (um 1713) viele unausgereifte Details, insbesondere in der Disposition des Mittelbaus, sprechen.
Dientzenhofer zeigt sich in Wien beratungsresistent „wie denen köchen, die schon alles wissen“ scherzt Friedrich Carl „doch will ich ihn mit Jean Luca wieder verkuppeln“[42]. Weiters geht aus den Quellen nicht bezüglich Dientzenhofers Wienreise hervor.
Danach laufen die Wiener Planungen für Pommersfelden auf Hochtouren und von Mitte März bis Ende Mai schreibt Friedrich Carl mehrmals wöchentlich seitenlange Briefe an Lothar Franz, von deren Inhalt man auch zahlreiche Details in Pommersfelden verwirklicht findet.
Vieles entscheidet der Kurfürst jedoch auch anders und lässt dabei Friedrich Carl und Hildebrandt im Unklaren bezüglich seiner getroffenen Entscheidungen und des Baufortschritts. Ob der östliche Flügel bereits während Dientzenhofers Reise nach Wien 1713 eingedeckt war, kann aus den Quellen nicht erschlossen werden. Tatsache ist, dass im März 1713 das Mauerwerk des östlichen Seitenflügels vollendet war[43] und bereits am östliche Zwischenbau des Corps de logis gearbeitet.[44]
Hierbei zeigt sich, wie die Wiener Planungen und die praktischen Pommersfeldener Ausführungen auseinander laufen[45], da Friedrich Carl am 10. Mai 1713 immer noch über die „communication (…) der galeria“[46] sinniert obwohl Lothar Franz bereits im Jahr zuvor (am 14. März 1712) festgelegt hatte: „die gallerie muess auf meiner seithen bleiben.“[47]
Lothar Franz studiert die Wiener Planungen betreffs seines östlichen Schlossflügels zwar interessiert, ignoriert diese jedoch schlussendlich großzügig und teilt erst am 08. Januar 1714 Friedrich Carl mit: „In puncto der Pommersfeldischen Galerie braucht es keiner weitheren ahnfrag, (…) dann indem das gemauer schon stehet, so ist hierin nichts zu enderen,“[48] als der östliche Flügel des corps de logis mit der Gemäldegalerie genau so gebaut wurde, wie es auf den Plänen Dientzenhofers verzeichnet ist.[49]
Im Laufe des Jahres 1713 spornt Friedrich Carl Lothar Franz immer wieder an, ihm weitere Details zum Pommersfeldener Bau (z.B. die Maße der Fenster)[50] zu schicken, damit Hildebrandt weiterplanen kann, doch Lothar Franz kommt dieser Bitte nicht nach. Außerdem möchte Friedrich Carl immer wieder, dass er Hildebrandt nach Pommersfelden schicken darf, um „die sach per ocularem inspectionem“[51] zu begutachten, was Lothar Franz jedoch nicht genehmigt.
Die nach Wien übermittelten Risse bringen kein Licht in die Dunkelheit und verwirren eher, wie Friedrich Carl äußert: „Wegen denen Pommersfeld. rissen finde ich mich nicht eben so glücklich (…) Es ist aber entweder in dem bauen oder in dem riss jämmerlich gefehlet, dan es gehet kein fenster, kein mauer, nicht auf einander (…)“[52] und in Q 312: „(…) dan entweder ist der riss falsch oder wunderlich (…)“.
Hildebrandt hat es statt, dass Lothar Franz und Friedrich Carl hier einen Bauwettstreit zwischen Wien und Pommersfelden ausfechten, in welchem er selbst eine ‚Spielfigur‘ ist: „dan bemelter ingenieur nicht hat fortarbeiten wollen, meldend, man würde ihn von diesem novo opere pro aurore stellen und er könnte seinem namen, so gegen die regul in einem neuen werk verfahren zu sein, ohnmöglich nachlassen,“[46] und fürchtet um seinen guten Ruf, plant jedoch, Friedrich Carl Gehorsam zollend, brav weiter, in vollem Bewusstsein, maßgeblich ‚Luftschlösser‘ zu planen.[53]
Am 15. April 1713 erhält Friedrich Carl einen Grundriss[54]: „Diesen Augenblick empfange durch h. Nitschky den Pommersfeldener grundriss (…)“, welcher als weitere Arbeitsgrundlage dient. Passend[55] zur Dientzenhofer Serie D1 - D4 befand sich in der von Weinberger in Wien aufgefundenen Mappe ein Gesamtplan der Schlossanlage von Pommersfelden, welcher in etwa zeitgleich[56] mit der Grundrissserie entstanden ist (Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden).[57]
Der entscheidende Tag für die Konzeption des Pommersfeldener Treppenhauses mit dem Geistesblitz Hildebrandts war der 16.05.1713.
Lothar Franz hatte bereits mehrfach betont „meine stieg aber muess bleiben, als welche von meiner invention undt mein meisterstück ist“[40] und hatte Dientzenhofer maßgeblich nach Wien geschickt, um dieses ‚Meisterstück‘ harmonisch in den Gesamtbau einzufügen.
Hildebrandt konnte an dieser Stelle punkten, wenn er diese architektonisch kniffelige Aufgabe lösen würde.
Lothar Franz Invention war eine freistehende, symmetrisch doppelläufige Treppe mit je drei Armen in einem großen und hellen Risalit. Hildebrandt erkannte, welche ‚Schwächen‘ eine derartige Konstruktion in der Realität aufwerfen würden. Wie die Darstellung zeigt, würde die Treppe in einem riesigen ungegliederten Raum stehen und die stark durchfensterte äußere Hülle würde keine Verbindung zur Treppe eingehen. Dadurch wäre der plafond, der die Treppe überspannen würde überproportional groß, oder aber, falls die Fensterarkadenstellungen sich nach Süden zum Eingangsbereich hin verdoppeln würden (wie es der Aufriss ohne die späteren Einzeichnungen impliziert), würde ein schachtartiges Gehäuse entstehen, gleich proportional unvorteilhaft wie das zweistöckige Vestibül zum Saal hin.
Hildebrandt findet eine Möglichkeit, alle aufgeworfenen Probleme zu lösen, indem er „aggiongervi il colonato intorno“[58]. Ein Plan deutet mit vier eingezeichneten Bögen zwischen Außenwand und Treppenraum Hildebrandts Lösung an, welche das gesamte Treppenhausgefüge verändert. Hildebrandt lässt es sich nicht nehmen, seinen Geniestreich persönlich Lothar Franz von Schönborn zu schreiben, noch bevor er Friedrich Carl davon berichtete.[59]
Natürlich erfährt Friedrich Carl so schnell wie möglich von Hildebrandt ‚Erleuchtung‘[60], welche er sofort Lothar Franz ausführlich kommuniziert[61]. Er berichtet, dass Hildebrandt der Treppe einen kompletten Umlauf hinzugefügt hat, welcher durch und durch mit Säulenstellungen geschmückt ist (was auch den Umlauf im 2. Obergeschoss bedingen muss).
Friedrich Carl liegen zu diesem Zeitpunkt detaillierte Geschosspläne von Pommersfelden vor, da er sich ausführlich über Zimmerfluchten und deren Kommunikation, Ofenstellungen, Leibstühle oder die mögliche Position von Betten äußert.
Er bezeichnet die Zimmer mit Buchstaben oder Nummern, wobei man einige Bezifferungen in den (späteren) Plänen von Georg Hennicke lokalisieren kann.
Ebenso liegen Friedrich Carl Fassadenrisse vor, welche jedoch heute verloren oder noch nicht wieder aufgefunden wurden. Hildebrandt entwirft (im Vergleich zu den vorliegenden Aufrissen) eine neue Gartenfassade, welche von Lothar Franz übernommen wird.[62]
Spätestens ab August 1713 beginnt Lothar Franz mit den Fundamenten des Mittelbaus. Gleichwie bei der Setzung des Ostflügels versucht dies Friedrich Carl zu vermeiden, um den Wiener Einfluss auf die Architektur durchzusetzen und schickt fleißig „grund-perspectiv und facciatariss“, welche er auch dem Kaiser zeigt.[63]
In den Jahren 1713/14 ließ Lothar Franz die Inneneinrichtung seines Gaibacher Schlosses herstellen und beschäftigte dabei maßgeblich die gleichen Handwerker und Werkstätten wie in Pommersfelden. Plitzner als Ebenist und die Glasmanufaktur in Lohr am Main waren Schlüsselgewerke für beide Schlösser sodass, gleichwie bei den Gemälden ein reger Austausch an Kunstgegenständen stattfinden konnte und der Kurfürst schon früh vieles für Pommersfelden fertigen lassen konnte, obwohl das Schloss noch nicht vollendet war.
Seit Baubeginn werden exzessiv Gemälde angekauft. In Q 326 vom 5. August 1713 berichtet Friedrich Carl beispielsweise, dass er über 1000 Malereien aus der Wallensteinischen Sammlung aufgekauft habe und schreibt „die übrige Wallensteinische malereien“, was impliziert, dass es noch viel mehr gab. Jede Gelegenheit wird wahrgenommen, um Malereien in Besitz zu nehmen, wobei ein Hauptaugenmerk auf mythologischen oder christlichen Szenen mit großfigurigen Protagonisten oder dem Ankauf ganzer Galerien liegt.
Am 20. Februar 1713 wird Johann Rudolf Byss zum Kammerdiener und Kabinettmaler ernannt „wogegen Byss für neimanden als den Kurfürsten malen darf un sich in Pommersfelden für Kabinett- und Frescomalerei gebrauchen lassen muß“.[64]
Alle Maler, welche Friedrich Carl ihm hingegen aus Wien schicken will, lehnt er ab.
1714
Bezüglich des Bauhergangs wurden zuerst die äußeren Gehäuse hergestellt und daraufhin die innere Gliederung der Räume eingerichtet. Im Pommersfeldischen Ostflügel geschah dies im Herbst/Winter 1713/14. Die Zimmer wurden sofort nach Fertigstellung mit ihrer wandfesten Einrichtung versehen, die Böden wurden gelegt und die Decken und Wandflächen stuckiert. Der erste Fuder Wein an den Stuckateur ging bereits im September 1713 nach Pommersfelden.
Ab Januar 1714 laufen die weiteren Planungen für die Inneneinrichtungen des Ostflügels, insbesondere das Setzen der Türen z.B. in der Galerie, da Lothar Franz plant seine Bilder dort im Herbst aufzuhängen. Gleichfalls laufen die wandfesten Ausstattungen z.B. des Spiegelkabinetts auf Hochtouren[65] und im April reist der Pommersfeldische Oberstuckateur Daniel Schenk nach Wien und nach Salzburg[66] um sich dort Anregungen für den Stuck im (noch nicht gebauten) Treppenhaus und im Festsaal zu holen.[67]
Nach seiner Rückkehr vollendet er bis Mitte August die Stuckarbeiten im Ostflügel. Sobald ein Zimmer fertig stuckiert ist, beginnen sogleich verschiedene Maler (Melchior Steidl, Johann Jakob Gebhard u.a.) mit dem Ausmalen der Decken, sodass auch diese Arbeiten bis zum September 1714 abgeschlossen werden können.
Ob seines fortgeschrittenen Alters[68] treibt der Bauherr seinen Schlossbau an allen Enden ambitioniert voran, da er plant, diesen vor dem Winter 1715 fertigzustellen und gleich darauf mit dem Marstall zu beginnen.
Die Stallungen, sowohl der Marstall als auch die Viehställe dahinter, sind bereits – sogar mit ihrer Binnengliederung – von Maximilian von Welsch in Planung[69] der auch die Gartenanlagen plant. Es soll vier Pferdeställe geben: zwei für 14 Kutschenpferde und zwei für 11 Reitpferde, insgesamt 50 Pferde, wovon die Hälfte für den Hausherrn, die andere Hälfte für Gäste sein sollen.
Der Mittelbau mit dem Treppenhaus, dem Gartensaal und dem Festsaal wächst in die Höhe, Anfang Mai 1714 steht das erste Stockwerk und bis August ist der Korpus so weit gediehen, dass Lothar Franz hofft, denselben noch im gleichen Jahr unter Dach zu bringen.[70]
Spätestens im Mai 1714 ist die Planung der belle étage des gesamten Schlosses fertig, da Welsch im Juni nach Wien reist und Friedrich Carl den Plan dazu mitbringt.
In den Sommermonaten konzentriert sich Lothar Franz auf die Beschaffung von Gemälden für seine Galerie und trägt dabei mehrere hundert Stück zusammen.[71] Allerdings waren seine Vorsätze für das Jahr 2014 – obwohl Vieles fertiggestellt wurde – doch zu ambitioniert und er schaffte es weder seine Galerie zu hängen, noch den Mittelbau unter Dach zu bringen.
Kurz vor der Jahreswende 1714/15 fährt der Kurfürst nochmals von Bamberg nach Pommersfelden, um Anweisungen für die Arbeiten über den Winter zu erlassen und hofft bei seinem nächsten Aufenthalt „in dem neuen bauw, welchen ich WEISENSTEIN zu tauffen willens bin, logieren zu können.“[72]
Kontinuierlich sucht er den Kontakt zu Malern und deren Agenten, um seine Gemäldesammlung auszubauen. Er beauftragt Familienportraits (von Stampart) und – Büsten (von Paul Strudel).
1715
Lothar Franz kümmert sich über den Winter maßgeblich wieder um die Innenausstattung der Räume im Ostflügel – ordert, neben vielen anderen Dingen[73], z.B. Damast aus Venedig, Möbel aus dem Nachlass des verstorbenen Grafen von Erlbach oder kauft eine seltene goldene Ledertapete für sein Speisezimmer.[74]
In Pommersfelden arbeiteten die Handwerker im Winter weiter am Spiegelkabinett, fertigten Stühle und Betten und brachten Wandbespannungen an, wobei er jedoch besondere Möbelstücke, wie sein eigenes Bett, in Wien fertigen ließ.[75]
Sobald es in Pommersfelden wieder ein wenig wärmer wird, werden die Bauarbeiten aufgenommen und man beginnt Ende März mit dem Aufschlagen des Daches über dem Mittelbau. Es herrschen jedoch bis in den Mai hinein eisige Temperaturen[76], welche den Baufortschritt lähmen. Lothar Franz bedauert sehr, dass er in Mainz gebunden ist, und nicht häufig nach Pommersfelden kommen kann, deshalb erstattet Pater Loyson ihm wöchentlich Bericht.
Es arbeiten etliche Maurer (mittags, da „Vormittag kann kein maurer wegen der kält arbeiten“)[77] auf der Baustelle, fertigen beispielsweise die Küche und die Platten in der Kapelle. Gleichzeitig stellen die Zimmerleute die Seiten des Daches und das Gebälk fertig und richten den Dachstuhl mit über 100 Balken, jeder 86 Nürnberger Schuh lang, auf. Eine Arbeit, die Lothar Franz „bange gemacht habe“ und, wofür, wegen dessen Schwere, sehr viele zimmerleut und handlangern vonnöten waren, sodass Loyson Sorgen hatte, nicht alle Löhne zahlen zu können.
Zeitweise muss er sich Steuergeld vom Amtmann leihen, meist jedoch von dem Juden Isaac aus Bamberg. Er ist ständig am Rechnen, da er die Handwerker (Schmiede, Schlosser, Glaser etc.), die Bauern, welche die Steine und das Holz fahren und die zugekauften Baumaterialien (z.B. den Kalk oder die Solnhofer Platten) bezahlen muss, wozu er mindestens 500 fl. wöchentlich braucht. Bauholz, Steine, Sande und ähnliches können aus den eigenen Liegenschaften bezogen werden.
Die restlichen Arbeiten im Ostflügel werden erledigt und am 16. April 1715 schreibt Loyson nach Mainz, dass die Galerie fertig ist und er mit den Solnhofer Steinmetzen abgerechnet hat.
Für die Fertigung weiterer Möbel ist Servatius Brickard[78] vor Ort.
Ende Mai beginnen die Dachdecker das Dach zu decken und vollenden bis Ende Juni den unteren Teil. Gleichzeitig stellen die Steinhauer die monumentalen Säulen für das Frontispiz her.
Daniel Schenk, der am 23. Februar 1715 zum ‚Kurmainzer Hofstuckator‘ ernannt wurde,[79] reist am 07. März von Mainz nach Pommersfelden, um sich über den Baufortschritt ein Bild zu machen. Auf der Rückreise nimmt er Risse für Lothar Franz mit und wird von Loyson instruiert, was er dort berichten soll. Bezüglich der wandfesten Ausstattung des Festsaals und besonders der Säulen verweist Loyson an Dientzenhofer, „weil solche durch die bekannte verhöhung aus der proportion kommen sein“.[80] Die anspruchsvollen Innenraumplanungen werden jedoch nicht von Dientzenhofer, sondern von Mainz aus, von Lothar Franz und seinen Hofkavaliersarchitekten geplant. Philipp Christoph von und zu Erthal (ein ebensolcher) übergibt die Pläne hierfür Ende Juni an Loyson und Dientzenhofer und berichtet aus Pommersfelden, dass – obwohl die Gewölbe im Gartensaal noch nicht gefertigt wurden – der Stuckateur vom Gerüst aus mit Arbeit im Festsaal beginnen könne.
Am 13. Juli 1715 macht Daniel Schenk einen Kostenvoranschlag zum Stuckieren des Festsaals, des Treppenhauses und der Grotte und arbeitet bin mindestens Mitte November am Festsaalstuck.
Im Treppenhaus müssen noch die Pfeiler und die Gewölbe der Stiegen gemauert, sowie die Umläufe und die Säulen gesetzt werden, sodass er schätzt, dass bis Ende August dort mit dem Stuck begonnen werden kann. Die Arbeit an den Fassaden schreitet gleichermaßen zügig voran und bis zum Sommer ist diese „bis an die fensterbänk des zweiten stockwerks“ vollendet.[81] Ende Juli flankieren bereits alle fünf Statuen den Dreiecksgiebel der Gartenseite.
Die Keller für den Westflügel wurden im März 1715 ausgehoben, wobei die harten Steine teilweise gesprengt[82] werden mussten. Danach wurde auf dieser Seite nicht mehr entscheidend weitergearbeitet, da Philipp Christoph von und zu Erthal bei seinem Besuch in Pommersfeldenberichtet, dass vom Westflügel noch nichts angefangen wurde und vom südwestlichen Pavillon noch nicht einmal die Fundamente ausgegraben wurden.
Parallel zu den Arbeiten im und am Schloss, werden die Außenanlagen in Angriff genommen: Häuser und Straßen werden versetzt und aus Schloss Seehof bei Bamberg kommen Bäume zur Anpflanzung der Alleen. Man verlegt erste Röhren für die Wasserversorgung und man macht sich Gedanken über die Speisung der späteren Springbrunnen.
Ab Juni wird an der ersten Gartenterrasse gearbeitet und bis zum Jahresende sind bereits die Baumrabatten größtenteils gesetzt und die vier Terrassen planiert.
Spätestens ab Mitte August 1715 ist Lothar Franz wieder vor Ort in Bamberg und Pommersfelden und lässt seine Gemäldegalerie aufhängen. Am18. September ist „Die Galerie aufgehängt und zwar über alles Lob geschickt“[83], obwohl er sehr bedauert, dass nicht alle Stücke Platz gefunden haben.[84]
Im Oktober berichtet Friedrich Carl, dass sein Schloss Schönborn in Wien größtenteils fertig ist und über 1 Million (1.100.000 Stück) Backsteine vermauert worden. Daraufhin kontert sein Onkel, dass in Pommersfelden die verbrauchte Menge seines Vetters bereit um „ein paarmahl hunderttausend“ überschritten worden ist, und dass, obwohl er diese nur für seine Rauchfänge, Keller und Gewölbe gebraucht hätte. Die Wände sind aus Quadersteinen, von welchen er über 130.000 gebraucht hätte, und er schätzt, dass er, inclusive Stallungen, am Ende ein paar Millionen Backsteine verbaut habe.[85]
Zum Jahresende (am 12. November) schickt Lothar Franz Erthal nochmals nach Pommersfelden. Wie bereits 1713, als er Dientzenhofer nach Wien zu Hildebrandt geschickt hatte, zweifelt der Bauherr an der Kompetenz seines Baumeisters „der vielleicht meine gedanken nicht erreigen oder gar seinen bekanten capricen nach fortfahren, mithin leichtlich ein fehler vorgehen dörfte“[86] und instruiert Erthal seine Meinung in einen ordentlichen Riss zu bringen und selbigen Dientzenhofer und Loyson vor Augen zu legen, damit sich diese danach richten.
Nachsatz zum Jahr 1715:
Erthal erwähnt im Sommer 1715, dass die Sala terrena noch nicht eingewölbt wäre, Schenk aber dennoch mit den Stuckarbeiten im Festsaal beginnen soll.[87] Im Juli drängt daraufhin Lothar Franz, dass der Gartensaal „ehemöglichst zugewölbt“ werde. Die Wölbung des Gartensaals, welche auf Johann Dientzenhofer zurückgeht, war eine besondere Herausforderung „denn es gehöret ein großer fleiß undt accuratezza dazu, indem der senkel allezeith undt beständig darbei mueß gebraucht werden undt ist der baumeister dahero fast meist darbei gewesen, solang man ahn diesem gewollb gearbeithet hatt“.[88]
Kleiners Schnitt Nr. 12 zeigt die äußere Wand aus Sandsteinquadern und die hineingemauerte Wölbung. An anderer Stelle ist auch schriftlich belegt, dass aus verfertigten Mauern benötigte Stücke (z.B. für Befestigungen) herausgenommen wurden. [89] [90]
In dieser Vorgehensweise ist der Schlossbau zunächst als einheitliches Gehäuse entstanden und an den Stellen, an welchen man Gewölbe oder andere wandfeste Ausstattung anbringen musste, wurde von den Sandsteinquadern nachtäglich das Benötigte weggenommen.
1716
Der Westflügel wird errichtet, taucht jedoch in den zugänglichen Quellen nicht auf.
Im Laufe des Jahres 2016 wird der Mittelbau vollendet, die Grotte eingewölbt[91] und der Stuck von Daniel Schenk angebracht. Ab 1716 steht Giovanni Francesco Marchini in den Diensten des Kurfürsten und beginnt mit dem Freskieren in Pommersfelden (und Bamberg).
Marchini arbeitet von 1716 – 1719 in Pommersfelden und malt in dieser Zeit die illusionistische Malerei des Treppenhauses, die Deckenbilder des Gartensaals und die beiden Nebenräume der Sala terrena sowie den Stallsaal komplett aus.
Zum Jahresende (am 27. Dezember 1716) reist Johann Michael Rottmayr in Bamberg an, um die Decke des Festsaales, für welche er auch das coneptus pingenti entworfen hatte, auszumalen.
Balthasar Neumann steht ebenfalls im Jahr 1716 erstmals in den Diensten der Grafen von Schönborn, jedoch noch nicht für Pommersfelden[92]
Die Ausstattungen für den Ostflügel (Möbel, Böden, Gemälde etc.) werden fortgeführt und Ferdinand Plitzner wird am Jahresende 1716 mit 18 fl. für seine Arbeit in Gaibach und Pommersfelden bezahlt „so pro 1715 nit verrechnet worden.“[93]
Obwohl seine Galerie in Pommersfelden bereits hängt, beschäftig der Ankauf von Gemälden auch im Jahr 1716 Lothar Franz sehr. Er musst die Lücken der Bilder schließen, welche er von Gaibach nach Pommersfelden transportieren ließ, und den (noch nicht gebauten) Westflügel ausstatten.
Die Planungen für das Marstallgebäude laufen. Maximilian von Welschs Vorschlag wird auf ein Stockwerk mit bekrönender Attika reduziert, halbrund – architektonisch eher als Orangerie anzusprechen – soll das Gebäude als Gegengewicht zum Schloss wirken, dessen relativ kurze Seitenflügel und den stark hervorspringenden Mittelrisalit ausgleichen. Der Bauschmuck wird „sauber ohne zieraten“ angelegt „umb das dominante [Schloss] desto schöner heraus zu treiben“[94]
Am 22. April 1716 deklariert Lothar Franz Anselm Franz von Ritter zu Groenesteyn und seinen Bruder Heinrich Valentin „zu dero churfüstliche Cämmerern“.[95]
Der Bambergische Bildhauer Hermann Backer hat sich einige Zeit in Pommersfelden aufgehalten um Figuren (für den Garten?) anzufertigen.[96]
1717
Die Ausstattungen für den Ostflügel und den Mittelbau laufen auch Hochtouren:
Im Januar 1717 wird ein Vertrag mit dem Würzburger Orgelbauer Hofmann für die Orgel[97] in „S.chfl. Gn hofcapell zu Pommersfelden“[98] geschlossen. Er hat in drei Monaten die Orgel zu fertigen, wobei er alle Schreiner-, Bildhauer- und Schlosserarbeiten in seiner Werkstatt in Würzburg vornehmen kann und die fertigen Gewerke nach Pommersfelden transportiert und dort eingebaut werden.
Im März wird der „allhießige [aus Bamberg stammende] silberschmitt Heim der Jünger(e)“[99] unter Vertrag genommen, mit Augsburger Silber Leuchter, Lavoirs, Messer usw. herzustellen.
Im Januar weilt Lothar Franz in Bamberg und Pommersfelden. Er plant die Bauarbeiten für den Marstall im Frühjahr und macht sich Gedanken über Speicher, Keller, Viehmastung, Brandweinkessel, Brauerei, Ölmühlen und Essigkammern. Ein „zimblicher voorat stein“[100] wird angehäuft, um die Stallungen zu bauen und den Westflügel zu vollenden.
Im März steckt Pater Loyson den Platz für den Marstall ab und lässt die Fundamente graben. Der Kurfürst, der wieder nach Mainz zurückgekehrt ist, schreibt an Rudolf Franz Erwein, dass es ihn freuen würde, wenn selbiger ihn bei der Grundsteinlegung zum Stallgebäude in Pommersfelden vertreten würde.[101] Dieser wird am 6. April, ohne Rudolf Franz Erwein aber „allerseits vergnüglich“ und mit „viele gute wunsch“ gelegt.[102] Die dahinterliegenden Viehställe werden ebenfalls begonnen und bis zum Sommer (8. Juni) sind dieselben bis auf die Legung des Dachgesimses fertig. Vom Marstall ist zum gleichen Zeitpunkt die Mauer bis zum ersten Gesims fertig,[103] Anfang Juli steht der ganze Bau, bis auf das Dach.
Ende Juli inspiziert Philipp Christoph Freiherr von und zu Erthal erneut die Baustelle und kritisiert den Marstallbau. Der Ovalsaal sei um drei Schuh zu weit in den Hof gesetzt und im oberen Stock gebe es eine Konfusion wegen der Einteilung. Er schlägt Lothar Franz vor, dies ändern zu lassen. Jener – gerade wieder zur Kur in Schlangenbad – antwortet, dass der Marstall ein Ort sei, in welchem sich die Herrschaft wenig aufhalte und man deshalb so fortfahren solle, wie bereits angefangen wurde.[104] Zwischen dem oberen und dem unteren Hof gibt es einen Höhenunterschied von ca. 4 m, welchen man nach Erthals Meinung durch eine Unterkellerung des vorderen Marstallteiles ausgleichen könne. Lothar Franz kontert, dass er bereits genügend Keller hätte und diesen Bereich lieber aufschütten lassen wolle.
Byß, Marchini und Rottmayr arbeiten an den Ausmalungen im Treppenhaus und im Festsaal, wobei Rottmayer plant bis Anfang Mai mit seiner Arbeit in Pommersfelden fertig zu sein. Byß malt im Juni an ‚Asien‘ und beendet seine Arbeit am Deckengemälde im Spätherbst 1717.
Als Galeriedirektor betreut er außerdem die Hängung der weiteren Bilder, insbesondere im Marmorsaal. Dort stuckiert Daniel Schenk Mitte Juni die ovalen Wandrahmen, in welche große Gemälde eingefügt werden sollen, die mit darunter passenden Großformaten von Trevisani, Luti, Jordaens, Honthorst u.a. kombiniert werden. Teilweise befinden sich die Gemälde bereits in Pommersfelden, teilweise erwartet man noch weitere Auftragsarbeiten z.B. von Trevisani und Luti, was bei der Hängung koordiniert und konsultiert werden muss. Die endgültige Entscheidung über den jeweiligen Aufhängungsort trifft Lothar Franz selbst.
Aus allen Himmelsrichtungen reisen Gemälde an, welche Hofrat Bauer von Heppenstein mit Byß in Empfang nimmt und Lothar Franz Bericht erstattet. Manches wird als Deckenbild in den Privatgemächern verwendet, sodass auch dort der Stuck auf die Gemälde(größe) abgestimmt werden muss.
In summa erwirbt Lothar Franz viel zu viele Gemälde für seine Schlösser, sodass er zum Jahresende erwägt, einen Teil seiner Sammlung an König August von Polen (August den Starken aus Sachsen) zu veräußern, da jener „deren große quantitet suchen ließe, auch sehr theuer bezahlen thethe.“[105] [106]
Lothar Franz plant, dass der Festsaal bis zum Frühling 1718 komplett fertig sein wird (was sich jedoch nicht ausgeht). Von dem Maler Franz von Stampart (seit 1707 Hofmaler am Wiener Hof) lässt Lothar Franz Portraits von seinem Onkel Johann Philipp, von sich selbst sowie von seinen Neffen Kardinal Hugo Damian und Reichvizekanzler Friedrich Carl anfertigen,[107] [108] die jedoch erst im Juli 1718 Wien verlassen[109]. Stampart lieferte außerdem Bildnisse von Kaiser Karl VI. und Elisabeth Christine im gleichen Format.[110] [111]
Felder „mit guldenem leder“[112] im Mittelbau werden angebracht und die Stuckarbeiten im Ostflügel und im Mittelbau werden von Johann Jakob Gebhardt teileweise vergoldet und farbig gefasst.
Gleichzeitig wird der Stuck im Treppenhaus angebracht. Dieser soll bis zum Sommer (Juni / Juli) fertig sein, um alsdann mit dem Westflügel beginnen zu können. Die Figuren im Marmorsaal werden aufgestellt (am 8. Juni stehen bereits die „Persische und Griechische monarchie samt der aetate aurea et argenta [das goldene und silberne Zeitalter]“. Die Marmorierarbeiten sind ebenfalls im Gange.[103]
Die Gartenarbeiten schreiten zügig voran und am 15. Mai 1717 wird ein Gärtner (Franz Brunner) eingestellt um sich um alle Bäume, Gewächse, Blumen und Zwiebeln (zwiffelwerk) sowie um das Gartengeschirr zu kümmern. In seiner Entlohnung sind auch Lebensmittel (Korn, Weizen und Bier) für einen Gartenjungen und Gesellen inkludiert.
Am 28. November schreibt Lothar Franz an Friedrich Carl „ich hoffe zu Anfang des Frühlings den größten Teil des Hauptbaues zu Pommersfelden fertig zu sehen.“[113]
Die weiteren Planungen zum Jahresende betreffen die Orangerien (Glas- oder Treibhaus und Winterungen) die Wohnung des Gärtners und die Gestaltung der Außenanlagen. Ursprünglich war ein eigenes Gärtnerhaus geplant, dieses wird gestrichen und „des garthners wohnung in dem allbereiths verfertigten stallpavillon“ untergebracht.
Die flankierenden Räume der Sala terrena sollten anfangs als Winterungen dienen[114], da jene „sowohl zu thumpfig undt daß sie keine durchstreichenden lufth haben, als auch zu klein erfunden,“ plant Lothar Franz nun die Winterung „in den hoff, worauff die fenster des vettern gehabtes wohnzimmer gehen“.[115] Er wünscht, dass die Fassaden der Orangerien „in fresco auff architecturarth schon gemalet werden“ und nur mit einem halben Dach versehen werden, um den Blick () nicht zu stören.[24]
Wenig später (Q 537, 14.12.1717) reüssiert er die Winterungen nicht in Stein, sondern aus Dielenfertigen zu lassen.
Anselm Franz Ritter zu Groenesteyn legt frühestens 1718[116] einen Plan vor (Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.), der im Schlossumgriff die Vorstellungen von Lothar Franz zeichnerisch festhält. Unten rechts ist das Modell einer Winterung aus Dielen dargestellt.
Groenesteyn wird am 14. Mai von Lothar Franz zu seinem ‚wirklichen Kämmerer‘ ernannt und kann ab Oktober 1718 in Pommersfelden nachgewiesen werden.
1718
Im März sinniert der Bauherr über einer anderen Orangerielösung. „Die zwei orangerien aber kommen auff beiden seithen undt zwar von dem haubtbau detachiret [losgelöst] (…) mit einem steinernen architektur gezieret.“[117]
Groenesteyn legt auch für diese Variante einen Plan vor, obwohl „auff beiden seithen“ ebenso auf der Ost- und Westseite bedeutenkann.
1718 ist der Schlossbau vollendet und das Hauptaugenmerk liegt auf der Ausstattung der Gartenanlage. Schon im Januar[118] berichtet Lothar Franz, dass er „boulangerins“ (Parterres für seine Orangerie i.d. seine Orangenbäume), Planierungen um Terrassen anzulegen und Bepflanzungen vorgenommen habe. Gleichzeitig lässt er durch die Vermittlung von Friedrich Carl Taxusbäume aus Oberösterreich liefern, da er „mit dem allhiesigen Landtaxus, als deren es genuch auff dem gebürg giebet“ schlechte Erfahrungen gemacht hat.[119]
Die letzten Ausstattungen am Mittelbau werden vorgenommen. Über den Winter wurden die marmornen Kamine für den Festsaal gefertigt und im Frühjahr werden diese gesetzt und die Marmorplatten verlegt. Im Juni werden die passenden marmornen Konsoltische geliefert. Die marmornen Türstöcke finden im August ihren Platz und haben bei ihrer Aufstellung Lothar Franz sorg und angst veruhrsacht“[120], da sie 10 Schuh hoch und sehr schwer sind. Danach wird die marmorne Lambris gesetzt und die Marmorplatten werden gelegt.[121]
Am 09. August kommen die Gemälde von Stampart aus Wien an, so dass auch diese bis zum Kirchweihtag (Maria Himmelfahrt, 15.08.) aufgehängt werden können.
Ebenfalls im Juni ist die erste zweiflüglige Gittertüre für das Treppenhaus fertig und mit der zweiten wurde begonnen. Pläne für die Gittertüren „so ins eck kommen auch fertig“[122] ebenso wie die Pläne für die Hoftore und deren Befestigungen. Das „palusterwerk“ für die Hauptstiege wird von Würzburg aus verschifft und die eisernen Urnen für den Marstall sind in Planung (deren Fundamente wurden bereits gesetzt).
Im August wird die Balustrade im zweiten Obergeschoss des Treppenhauses fertiggestellt und die „eisenen stiegengitter,“[123] die dort angebracht wurden „kommen uhnvergleichlich wohl.“[120] Lothar Franz gefällt besonders gut, dass die Säulen, welche auf den Postamenten stehen aussehen, als wären sie aus einem Stück.[124] Parallel zur wandfesten Ausstattung werden Möbel gefertigt: „ein Bett, so der Lega machet (…) der tapezier Gessner mit seinem carmosin bett“.[125]
Nach wie vor ist der Kurfürst vom ‚Malereiwurmb‘ besessen und kauft weiterhin Gemälde, auch wenn er nicht weiß wo er sie aufhängen kann. Am 18. Juni 1718 ist er vor Ort in Pommersfelden und schreibt Friedrich Carl von zwei Pauli Veron die ihn „über die maßen vergnügen undt ich sie uhnvergleichlich schön find“[126] er allerdings sehr bedauert, dass sie so groß sind und in seiner Galerie „große disturbio“ machen. „Doch wird auch dieser hacken noch wohl ein stihl gefunden werden“ beendet er sein Schreiben zuversichtlich.
Am Mittwoch, den 10. August 1718 weilt Lothar Franz in Pommersfelden und plant die Einweihung der Schlosskapelle am Montag, den 15. August.
Danach reist er über Lichtenfels und Weismain im September wieder nach Pommersfelden zurück, da er „die experienz erfahren hat“, dass bei seiner Anwesenheit das Bauwesen schneller voranschreitet.
Im September werden die Uhr und die Kirchenglocken auf den Stallsaal gesetzt „wie auch ein halber pegasum [Pegassus] der über dessen eingang aus der architectur herausspringt, undt denotiren solle, zu was diese gebäue dienet.“[127] Zum Jahresende beginnt Lothar Franz mit dem Innenausbau der Stallungen und bittet Friedrich Carl, ihm gemeinsam mit Johann Lukas von Hildebrandt einen Riss für die „pferd-stänth“ zu überschicken.
Im Gegensatz zu den Wiener Vorschlägen für den Schlossbau, nimmt er die Anregungen nun dankbar an und ändert nur Kleinigkeiten z.B. die muschelförmigen Pferderaufen werden nicht aus Marmor, sondern aus Eichenholz gefertigt.[128]
1719
Der Marstall wird fertiggestellt.
Im Januar 1719 werden immer noch (s. Jahresende 1717) die Positionen der Nebengebäude, insbesondere der Orangerien geplant. Aus Q 603 vom 14. Januar 1719 geht hervor, dass diese noch nicht angefangen wurden, und Lothar Franz sich immer noch nicht endgültig für die Positionierung
„oben an den stallungen (…) und mitt aller symetrie“ entschieden hat, da ihm diese Lage unpraktisch erscheint.[129] In gleicher Quelle erwähnt er erstmals einen Bau für Soldaten, Jäger und Torwärter, welcher nahe beim Tor „einen hübschen tour[130] (…) geben wolle“.
Bezüglich der Orangerien zögert Lothar Franz, da er sparen möchte und ein (oder zwei) Glashäuser im Küchengarten fest eingeplant hat.
Im Juli 1719 quittiert Burkard Zamels die Lieferung von 15 Eimern Bier für die „verfertigung verschiedener giebs – billter“.[131] In den Amtsrechnungen 1718/19 wird er ein zweites Mal genannt und erhält ein neues Bett. Zamels fertigte acht Gipsfiguren für den Gartensaal und vier für die belle étage des Treppenhauses. Außerdem die vier äußeren Figurengruppen, welche das Hautportal und die Sala terrena flankieren.[132]
Balthasar Neumann besucht, auf Empfehlung des damaligen Würzburger Fürstbischofs und Neffen des Lothar Franz von Schönborn Johann Philipp Franz, das erste Mal Pommersfelden. Er soll dort dem Onkel und dem gerade anwesenden Bruder Friedrich Carl seine Pläne für das neue Würzburger Stadtschloss vorstellen.[133]
Am 29. Oktober 1719 besuchte Johann Lukas von Hildebrandt Pommersfelden.[134]
Im November 1719 werden Vergoldungsarbeiten von Joseph Scheubel für Bilderrahmen (große Rahmen, ovale Rahmen und „spalierstäb“)[135] abgerechnet, welche Byß in Auftrag gegeben hatte. Mehrere Arbeiten für Plitzner und „4 stück glate leisten, so iber ein stück (…) welches von Trevisano gemalt, so in dem grienen zimmer oder der dier aufgemacht worden“.[136] Des Weiteren vergoldete Scheubel Teile im Spiegelkabinett und im Alkovenzimmer (im Westflügel), mehrere Kaminumrahmungen, Tischfüße, Lambris u.a.
Johann Rudolf Byß gibt einen Gemäldekatalog der Pommersfeldische Sammlung heraus: Fürtrefflicher Gemähld = und bilder=Schatz / So in denen Galleria und Zimmern / des Churfürstl. Pommersfeldischen neu=erbeuten fürtrefflichen Privat-Schloß / zufinden ist.[137]
Im gleichen Jahr veröffentlicht Florin eine umfangreiche Hausväterliteratur, welche Lothar Franz von Schönborn gewidmet ist.
1720
Pater Loyson und Byss werden zum Würzburger Residenzbau von Johann Philipp Franz herangezogen. Loyson schreibt jedoch am 3. Januar 1720 an den Beichtvater des Würzburger Bischofs, dass er in Pommersfelden immer noch gebraucht werde, und es als undankbar angesehen werden würde die Dienste von Lothar Franz zu verlassen.
Da Pommersfelden im Großen und Ganzen abgeschlossen ist, beäugen alle Familienmitglieder die Planungen der Würzburger Residenz (ab 1719),[138] doch auch Lothar Franz möchte nicht, dass Loyson dauerhaft in Würzburg bleibt, da er in Pommersfelden noch nötig wäre.[139]
Es kommt weder zum einen noch zum anderen. Am 24.01.1720 berichtet Friedrich Carl aus Wien, dass Loyson (welcher sich dort auf einer Bildungsreise befand) „mit Tod abgegangen“ ist.[140] [141] Lothar Franz sorgt sich daraufhin um den Fortgang der Pommersfeldischen Arbeiten[142] und um die, von Pater Loyson zurückgelassenen, Bauakten. Er ‚beschwert‘ sich bei Friedrich Carl, dass dieser ihm den Tod des Paters Loyson „verblümelt hette“, da er den Nachlass Loysons schon früher hätte sichern und sichten lassen können.[143] Lothar Franz trauert aufrichtig um Pater Loyson: schreibt am 03.02. und am 06.02., dass: „dessen todt mir lang nachgehen wirdt“ und „der guethe pater Loison will mir nicht aus dem sinn“.
Am 10. Februar wird Byss mit der baudirectionsbesorgung beauftragt.[144]
Im Verlauf des Jahres 1720 entstanden die Ökonomiebauten südlich des Marstalls, mit den Remisen. Bis zum Frühjahr 1720 war mit dem Bau derselben noch nicht begonnen worden, aber das Baumaterial wurde bereits herangeschafft.[145]
Im April reiste Lothar Franz nach Pommersfelden und findet „alles so avanziret, daß mir nicht mehr als die mauern umb das haus und garthen nebenst ein paar scheueren auszumachen übrig pleibet (…).“[146] Diese werden im Verlauf des Sommers 1720 gebaut. In Ritters Riss sind bereits die Umrisse für die Ökonomie hinter dem Marstall, als ‚der Gärtner Hoff‘ bezeichnet, angelegt.
Johann David Fülk veröffentlichte 1720 sein Werk ‚Neue Garten Lust‘ in welchem sich zahlreiche Vorlangen für die Pommersfeldische Gartengestaltung finden.[147] Bepflanzt waren seine Gärten mit Blumen (z.B. Ranunkeln), Rabatten aus Buchsbaum und Nutzpflanzen. Bereits in Gaibach ließ Lothar Franz „zwei große, mit zwerg- und hochstämmigen Fruchtbäumen besetzte Waasenstück“[148] anlegen und für den Pommersfeldener Garten wurden 1720 neben Lorbeerbäumen, Pomeranzen, Feigen- und Granatstauden, Apfel- Birn und Zwetschgenbäume gekauft.[149] In gleicher Quelle erwähnt er einen „Gemüsegarten“.
Die Binneneinrichtungen des Westflügels sind fertiggestellt und erste Korrekturmaßnahmen müssen vorgenommen werden, da „der pater Loyson durch seine ihm allein bekannte caprice in dem küchenpavillon einen solchen bock geschossen“ hat, dass die Verbesserung über 500 Taler kosten wird, „wenn nicht der ganze pavillon in wenigen jahren zusammenfallen“ soll.[24] So reist Dientzenhofer, der sich mittlerweile wegen des Residenzbaus in Würzburg aufhält, am 26. Mai 1720 für 14 tagen oder längstens 3 wochen nach Pommersfelden.[150]
In den Gaibacher Amtsrechnungen zum Jahresende werden 1.200 fl. nach Pommersfelden „zur Abzahlung der Loyson bauschulden“[151] überweisen. Die Pommersfeldener Amtsrechnungen gleichen ebenfallszum Jahresende 1720 offene Rechnungen der Jahre 1718-1720 für „verschiedentliche herren und andere herrschaftliche bediente, (…) des neuen schlossbaus“[152] aus. Neben den genannten Personen (Dientzenhofer, Plitzner, Schenk, Wlsch, Byß, Gebhardt gehen 29 fl. 30 kr. an den „Bamberger tapezier Stihr“, weitere Zahlungen an einen polnischen Maler, an den neuen Gärtner Matthias Wittmer[153], Friedrich Reyser sowie an namentlich nicht genannte „tapezier, baumeister, bauschreiber, rote-schlosser und andere…“.
1721
Wie alle Jahre, hält sich Lothar Franz während des Winters in Bamberg und Pommersfelden auf und schreibt von dort am 8. Januar an Friedrich Carl, dass sein Schlossbau bis auf die Planierung und Pflasterung der Höfe und der Errichtung der Gartenmauer ein Ende nimmt.
Zu Lichtmess wechselt der Amtmann (bisher Johann Christian Steinfels, danach Valentin Ignaz Schubert) und der Amt- und Bauschreiber Hans Georg Buz (tätig seit 1712). Auch Johann Rudolf Byss[154] verlässt Pommersfelden.
Nach Byß Weggang ist die Stelle des örtlichen Bauleiters vakant. Die Kernanlage (Schloss, Marstall mit Ökonomie und Garten) war weitestgehend vollendet und Johann Dientzenhofer oblag immer noch die Hauptbauleitung.[155]
Dass das Jahr 1721 einen Einschnitt und vorläufigen Endpunkt der Pommerfeldischen Bauaktivität anzeigt belegt eine erhaltene Abrechnung vom 21. August 1721, welche alle Baukosten, die aus dem kurfürstlichen Privatvermögen von 1711 – 1721 ausbezahlt worden sind, aufschlüsselt.[156] Nach Vollendung seines Schlossbaus im Jahr 1718 plagte Lothar Franz der große Schuldenberg, der sein bauwurmb verschlungen hatte. 1721 rechnet er mit dem Bamberger Zahlamt ab und klärt seine Finanzen. Er verzichtet ab 1711 auf seine jährliche Bamberger Deputation von 9.000 fl., ordnete seine Barschaft und sein Privatvermögen neu, sodass die Schulden überschaubar werden.
Am 04. April werden Instruktionen an den Polier Abraham Mayer für Schloss und Marstall Pommersfelden festgeschrieben:
- Er soll die Mauer um den Garten, dies- und jenseits des Dorfes machen
- Dachziegel in Kalk um das ganze Schloss und die Stallungen legen
- den Schüttboden im Stallungshof ausführen und die Pferdeschwemme 6 Schuh tief ausheben
- die Gesindestube, „kammer, vorhaus und kessel, vor das viehegetränk zu wermen,“ fertigen und um den ganzen Stallungsbau das Gesims verputzen. Außerdem alles, was noch zu verputzen ist erledigen.
- vier Brunnen (im Küchenhof, im Amtmannshof und zwei an den Stallungen) einfassen
- die Bögen (Arkaden) bei der Amtmannswohnung mit einer Brusthöhe (wie bei der Küche gegenüber) vermauern.
Im Frühjahr 1721 werden die Heizmöglichkeiten im Schloss vervollständigt. Am 06. April weilt Lothar Franz in Pommersfelden[157] und experimentiert mit seinem Kammerdiener Bayer an Ofenlasuern, die auch bei großer Hitze schwarz und glänzend bleiben sollen und vergoldet werden können.[158]
Noch während des Schlossbaus (1717) finden Führungen durch den bereits vollendeten Ostflügel statt. Ein anonymer Besucher, der 1717 das Schloss das erste Mal besuchte verfasste bei seinem zweiten Besuch 1721 einen ausführlichen Bericht über die Ausstattungen[159]:
(s.o.) Der Ostflügel ist reich mit Kaminen, Möbeln, Gemälden, Teppichen, Wandbespannungen und anderen Preziosen (z.B. Porzellane, silberne Figuren etc.) ausgestattet. Ein aufwändiges Bett aus Wien, mit Stickereien aus Gold und Seide hatte er, im Schlafzimmer des Friedrich Carl, bereits 1717 gesehen[160]. Der Mittelbau ist innen und außen, bis auf die Grotte vollendet.
an der Ausstattung der Grotte wird im Jahr 1721 gearbeitet. Die Wände sind teilweise schon mit „sonderlichen Steinen und Muscheln besetzt“, die vier Statuen stehen bereits.
Im Westflügel (‚Würzburger Zimmer‘ und angrenzende Enfilade) finden sich ebenfalls reiche Ausstattungen: „vortreffliche Böden, Tapesserien mit gewirkten Bildern, Sessel mit schönsten französischen Stichbildern, Tapeten aus rotem und grünem Damast, ein Gläserschränkchen mit allerhand Raritäten, Vorhänge von weissem Atlas usw.[161] Insgesamt wurden ihm mindestens 40 Zimmer gezeigt. Die Kapelle ist weiß, ausgestattet mit vergoldeten Figuren, er beschreibt eine Küche „überaus groß und sehr hässlich“, im Marstall sind die Stallungen gepflastert und stuckiert
Seit 1721 wird auch Freiherr Ritter von Groenesteyn regelmäßig in der Korrespondenz des Lothar Franz erwähnt,[162] da er nicht nur Pläne für das Jagdschloss Jägersburg bei Forchheim erstellt,[163] sondern auch Lothar Franz, als beratender Architekt, auf dessen Reisen begleitet.[164]
Von ihm wurden zwei Gesamtpläne der Schlossanlage (s.o.), mehrere Grund- und Aufrisse von Nebengebäuden (s.u.), sowie ein Detailplan des Mittelbauerdgeschosses angefertigt.
Im August wird berichtet, dass der Pommersfeldener Marmorbildhauer angefangen hat, vier Kamine aus Marmor zu fertigen.
Die im Jahr 1721 geklärten Finanzen locken zu neuen Projekten, sodass sich Lothar Franz zu Beginn des Jahres 1722 den Wasserwerken in Pommersfelden widmet.[165]
1722
Schloss Weisenstein und seine Ausstattung sprechen sich im Reich herum (siehe obiger Bericht) und im Januar 1722 weilt der Ansbachische Hofmaler Johann Peter Feuerlein in Pommersfelden um „viele liegend, sitzend und stehende weibliche figuren (…) zu copieren.“[166]
Friedrich Carl hatte Lothar Franz bereits zum Jahresende 1721 auf den Salzburger Zimmermann Abraham Huber aufmerksam gemacht, da sich in Pommersfelden bisher nur der aus Rüdesheim stammende Pfarrer Wüstenfeld Gedanken über die Wasserwerke gemacht hatte, welcher kein Wasserspezialist, sondern Uhrmacher und Hersteller mathematischer Instrumente war.[167]
Am 02. Januar 1722 avisierte er Friedrich Carl, Huber nach Pommersfelden holen zu wollen, bzw. Wüstenfeld nach Österreich zu schicken. Ab August wollte er Huber gerne in Pommersfelden
wissen, dieser ist jedoch bis zum 30. September immer noch nicht angekommen, sodass sich Lothar Franz fragt, ob denn dieser „Neptunus von Salltzburg vor dem winter nicht zu haben“ ist.[168]
Im November reist Pfarrer Wüstenfeld über Göttweig nach Wien um sich „einige sichere idaeam imprimiren zu können.“[169] [170] Es werden Pläne über die geplanten Wasserleitungen erstellt, welche bezüglich ihrer Steigungen und Gefälle tückisch sind, und nach Wien geschickt.
Derweilen macht der Hausherr sich Gedanken über seine Brunnen, welche er aus Backstein in ein mit Trass[171] und Kalk vermischtes Bett einmauern will, da diese Bauweise nicht zu teuer und sehr wasserbeständig sein soll[172], außerdem über Wassermaschinen und deren Funktion, über bleierne oder eiserne Röhren[173], über Wassertürme, Wasserräder usw.[174] Allerdings ist er sich auch bewusst, dass das Speisen der Brunnen im Pommersfeldener Garten eine große finanzielle und technische Herausforderung ist und er auch erwägt, auf „diesen spass zu renunciren“ (verzichten).[175]
Als weiteres Projekt macht sich Lothar Franz ab Juni Gedanken, seine Schlösser in Kupferstichen festzuhalten und nach einem geeigneten Kupferstecher zu suchen. Er erwägt, gemeinsam mit Friedrich Carl, alle Schönbornbauten in Kupfer stechen zu lassen und durchdenkt deren Größe, Nummerierung, Bildunterschriften usw.[176]
Die Gartenmauer und die größeren steinernen Anlagen im Garten sind Ende Mai vollendet, sodass Lothar Franz an Friedrich Carl berichtet,[177] dass jetzt nichts mehr zu bauen ist und nur noch der Garten eingerichtet werden müsse. Friedrich Carl berichtet von curiosen gewächsen und Lothar Franz spekuliert auf deren Blumenzwiebeln.[178]
Nach wie vor wird an der Ausstattung gearbeitet und mehrere Schreiner sind in Pommersfelden beschäftigt.
Am 17. Juli 1722 beginnen die Grottierarbeiten in der Sala Terrena unter der Leitung von Georg Hennicke, der auch die Konzeption zur Grottierung erstellte.[179] [180] Zu diesem Zweck werden mehrere Tonnen frauenglas (Marienglas),[181] große Mengen Rinderblut und Tuffstein aus Scheßlitz und kleine Spiegel aus Nürnberg in Pommersfelden angeliefert. Außerdem teilt Lothar Franz dem Amtmann mit, dass die von Hennicke benötigten Muscheln bestellt werden sollen. Mehr noch freut er sich hingegen über curiositatis gratia z.B. Schneckenhäuser oder Steine, welche man lokal sammeln kann.[182]
Unter ihm arbeiten die Stuckateure Franziskus und Johannes Tietzel, Christian Puchart, Peter Kienlein sowie Christoph und Hans Herdegen.
Bis zum Jahresende sind die Grottierarbeiten abgeschlossen. Lothar Franz ist begeistert, freut sich an seiner Grotte, als eines der schönsten Stücke im Haus und insistiert Friedrich Carl doch nach Pommersfelden zu kommen, um diese zu bewundern und in seinem Schloss bei Wien zu imitieren.
Vom 25. August bis zum 24. Oktober 1722 lebt[183] und arbeitet der Maler Johann Jakob Gebhard im Schloss und fertigt u.a. das Deckenbild im Audienzzimmer.
Den ganzen Oktober und Teile des Winters 1722 hatte Lothar Franz in Pommersfelden zugebracht, hat Welsch dort empfangen, um über den Würzburger Residenzbau zu sinnieren und auch Johann Philipp Franz nach Pommersfelden beordert.
1723
Im Januar möchte er auch gerne Ritter von Groenesteyn bei sich haben, der sich zum Residenzbau in Würzburg aufhält,[184] da mittlerweile Pfarrer Wüstenfeld und Abraham Huber in Pommersfelden angekommen sind.[185] Gemeinsam sollen diese die Wasserversorgung des Gartens lösen.
Zu diesem Zweck wird die Pommersfeldener Mühle am 07.02.1723 angekauft.[186]
Im April entschließt sich Lothar Franz für die Wasserversorgung links und rechts des Schlosses Wasserreservoirs von 120 Schuh Länge, 50 Schuh Breite und 5 Schuh Tiefe anzulegen und hofft damit Geld für die Rohrverlegungen zu sparen, da Röhren aus Blei sehr teuer sind, hölzerne hingegen dem Wasserdruck nicht standhalten. Schlussendlich fällt die Entscheidung auf irdene Röhren[187], von welchen man bis heute viele Bruchstücke in der Flur um Pommersfelden findet.
Im April wird das Eisen für das Wasserwerk von der Hammerschmiede geliefert und Anfang Mai plant Abraham das Wasserrad einzuhängen.
Die Reservoirs werden Ende Mai gebaut und Lothar Franz ist (gemeinsam mit Ritter von Groenesteyn und seinem weiteren Kavaliersarchitekten Johann Georg von Rotenhan)vor Ort.[188] Im Juni sind die Reservoirs noch nicht fertiggestellt da Lothar Franz in Q 1072 bemerkt: „Wann nun auch meine reservoir, ahn welchen ich stark bin, die prob demnechst hallten, so bin ich content.“ Wieder abgereist wird ihm im Juli berichtet, dass seine Wasserwerke funktionieren, was Rotenhan bestätigt.[189]
Im Garten werden die unteren Weiher angelegt und im Juni mit Wasser gefüllt. Zitruspflanzen werden im Garten in den Buchsbaumrabatten (s.o., 1720) aufgestellt. Ende Juli ist ein Glashaus fertiggestellt (nicht mehr erhalten) in welchem über 1000 Pommeranzenpflänzchen stehen.
Ritter von Groenesteyn übernimmt Anfang 1723 die Bauaufsicht in Pommersfelden. Da dieser jedoch auch an anderen Baustellen (z.B. Würzburg) sehr gefragt ist, übernimmt ab dem Sommer Oberstallmeister von Rotenhan.
Am 13. März 1723 wird ein Vertrag über die Legung des Steinfußbodens im Gartensaal geschlossen und im Juni werden „4 Fuhren Eichstätter Marmor“[190] für diesen geliefert. Bis Ende Juli wurden die Platten jedoch noch nicht verlegt, da „die Eichstätter männer zu legung derer marmorsteinernern blatten“[191] noch nicht gekommen waren. Lothar Franz lässt sogleich Muscheln (für die restlichen Arbeiten, z.B. an den Leuchtern) bestellen und schreibt an Marquart Wilhelm Graf von Schönborn, der Domprobst in Eichstätt ist, die Plattenleger zu schicken.
Ende August sind zwei Eichstätter Meister in Pommersfelden eingetroffen. Schwarze Marmorplatten (mehr als 190) sollen von Mainz geliefert werden, damit der hiesige Steinhauer Meister Arnold diesemit den Eichstättern verlegen kann. Hennicke soll jedoch zuerst seine Kieselsteinarbeiten an den Seiten verlegen,[192] womit er Ende August beginnt. Im September ist Boden fertig und wird (wie der Boden im Marmorsaal) mit Matten ausgelegt um jenen zu schützen. Am 22. September kommt der Brunnenmeister um bleierne Röhren im Gartensaal zu verlegen.
Hennicke und sein Team (Franz und Ernst Tietzel, Christoph und Hans Herdegen sowie Martin Antretter) arbeiteten vom 08.02. bis zum 27.11.1723 mit kurzen Unterbrechungen am Gartensaal. Im Juli berichtet Hennicke, dass für die sala terrena drei der vier Leuchter fertig sind, der Dritte jedoch nur halb, da Muscheln fehlen. Neben Glasschmuck[193] aus der Glashütte Schleichach (Fabrik Schleichach im Steigerwald) wurden auch Kleintiere und Vögel[194] geliefert, welche auf den Gesimsen der Grotte Aufstellung fanden.
Christian Printher arbeitete an den Leuchtern in der Kapelle und an den Fenstern im Treppenhaus.
Immer noch kauft Lothar Franz Bilder an, um seine Galerie in Pommersfelden zu vergrößern.[195]
Weiterhin wird der Gedanke verfolgt, die Schönbornschlösser in Kupfer stechen zu lassen[196] und Salomon Kleiner von Wien nach Mainz, Bamberg und Pommersfelden zu holen. Zu diesem Zwecke fragt er mehrmals bei Friedrich Carl an, welche Größe die (gemeinsamen) Kupferstiche haben sollen.
Außerdem lässt er sich Risse, welche Hennicke gefertigt hat, nach Mainz schicken um zu sehen, ob diese nach seiner Intention entworfen wurden.[197] [198]
Ende August 1723 kommt Salomon Kleiner in Mainz an und fertigt Zeichnungen der Mainzer Favorite.
1724[199]
Im Februar meldet Kleiner, dass er mit den Zeichnungen von Pommersfelden begonnen hat.[200] Am
22. Februar 1724 ernennt Lothar Franz ihn zum „kurfürstlichen hofingenieur“. Zur großen Freude von Lothar Franz hat sich der Augsburger Kunsthändler Wolff dazu bereiterklärt die Kuper zu stechen, sodass Lothar Franz etliche Exemplare kostenlos bekommt und nur Salomon Kleiner für die Zeichnungen bezahlen muss.
Im Laufe des Jahres 1724 fertigt Kleiner alle 20 Zeichnungen des Schlosses an, und Lothar Franz schickt jeweils stolz die fertigen Risse nach Wien zu seinem Neffen.[201]
Das zweite Reservoir, welches das Schloss flankiert, wird gebaut.[202] Ab Mai 1724 weilt auch der Salzburger ‚Wassergott‘ Abraham wieder in Pommersfelden um sich erneut um die Wasserwerke des Gartens zu kümmern.
Ein Vergleich der vorliegenden Gartenrisse zeigt, dass im Zusammenhang mit den Wasserarbeiten im Garten einige Fontänenprojekte aufgegeben oder verändert wurden. Beispielsweise waren in den ursprünglichen Planungen der Gartentreppe Springbrunnen in den Treppenwangen integriert, auf welche verzichtet und die Treppenkonzeption geändert wurde.
Die Treppenkonzeption im Pommersfeldischen Garten sorgt für ‚Gesprächsstoff‘ in Fachkreisen, wie aus einem weiteren Riss aus der Kartensammlung in Wien (ALB *Port 16,6 Kar) hervorgeht.[203]
Der Architekt bzw. geistige Urheber der modifizierten Kaskadenanlage geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor. Sicherlich hatte Ritter von Groenesteyn erheblichen Anteil an der Weiterentwicklung der Welschen Anlage, da er zu diesem Zeitpunkt das Pommersfeldener Bauwesen beaufsichtigte. Doch auch Boffrand und Balthasar Neumann werden, seit dem Besuch Boffrands in Franken im Sommer 1724, immer wieder in die Planungen integriert und in Bezug auf die Wasserwerke im Garten in Pommersfelden konsultiert.[204]
1725
Offiziell ist das Schlossbauprojekt in Pommersfelden abgeschlossen. Mit Dekret vom 8. Juli lässt Lothar Franz den „neuen schlossbau ordentlich ausmessen“[205] und bezahlt dementsprechend Dientzenhofer.
Dieser quittiert am 10. Oktober 1725 seine Abschlusszahlung von insgesamt 25.852 fl. 21 kr., wovon er 25.025 fl. und 21 kr. noch von pater Loyson, 320 fl. in Gold und 480 fl. von Nitschke bekommen hatte.[206]
1726
1726 ist Ritter als Bauaufsicht aktiv in Pommersfelden nachzuweisen. Am 13. April gibt Lothar Franz ihm Anweisungen, wie die obere Gartenmauer (von der Schloss- zur ersten Gartenterrasse) gemauert werden soll[207], woraus ersichtlich ist, dass sich Lothar Franz zu diesem Zeitpunkt noch auf die ursprüngliche, erste Version der Gartentreppe bezieht (s.o.). Er erwähnt noch die ‚neben-treppen‘ welche „gegen den garten gehenden eusseren bavillionen accurat nach ihrer mitte eintreffen“ und in Ritters Grundriss eingezeichnet, aber durchgestrichen sind.
Ab frühestens 1723 plant Ritter die östlichen Nebengebäude, die 1726 gebaut werden.[202]Hierzu liegen drei Risse Ritters vor, welche mögliche Binnengliederungen der Nebengebäude zeigen.
Eine Darstellung zeigt eine Aufsicht und zwei Grundrissvorschläge der östlichen Nebengebäude in ihrer Funktion als Orangerien mit jeweils ein oder zwei Wohnungen.
Ein zweiter Entwurf Ritter von Groenesteyns zeigt eine Gast- bzw. Wirtsstube. Der Grundriss ist mit einem (nicht bezeichneten) Maßstab in Nürnberger Schuh versehen, über welchem sich die Approbationsunterschrift des Lothar Franz von Schönborn befindet.
Bei Tunk (S. 54) wird der Riss als ‚Wirtshaus‘ bei Jahn (S. 48) als Brauerei bezeichnet. Er ist mit Großbuchstaben bezeichnet und mit einer Legende von Ritters Hand[208] versehen.[209]
Aus der Legende geht hervor, dass sich in diesem Nebengebäude zwei Wohneinheiten mit jeweils einer Stube, einer oder mehreren Schlafkammern sowie einer Küche befinden. Die größere Wohneinheit liegt, abgetrennt vom Rest des Gebäudes, im (West)pavillon und wird als ‚Wohnung des flurers‘[210] bezeichnet. Sie besteht aus einem nicht weiter bezeichneten Raum (O), einem Gang (A), sowie aus einer Stube (P), seiner Schlafkammer (Q) und einer Küche (R).
Im Laufe des Jahres 1726 wurden die Nebengebäude errichtet und in Betrieb genommen. Im Juli berichtet Amtmann Schubert: „… im neuen nebengebau wird das Bier schon gezapft, fehlt Abtritt, daher unsauber, will nach Riß einrichten und weilen ich nicht weiss, ob der Herr von Ritter, als wohin mich diesertwegen hätte adressieren sollen (…)“.
Der dritte Riss Ritters reagiert auf die Kritik des Amtmanns und zeigt eine Binnengliederung mit zwei Abtritten.
Alle Risse Ritters sind anhand der angedeuteten Mauerzüge als östliche Nebengebäude angelegt, was jedoch keinen Unterschied macht, da alle Nebengebäude äußerlich identisch sind und somit ihre Binnengliederungen austauschbar. Die westlichen Nebengebäude werden im gleichen Zug (bis spätestens 1728) errichtet.
Ab 1726 stehen bereits erste Ausbesserungsarbeiten an: Amtmann Schubert berichtet am 2. August,[211] dass Hennicke angekommen sein um „notgelittene capitäll (…) woran einiges laubwerk und vögel heruntergefallen, wiederum ausbessern“ muss.
Ritter von Groenesteyn plant und entwirft eine neue Treppenanlage für den Garten.
Am 20. Juli 1726 stirbt Johann Dientzenhofer in Bamberg.
1727
Ab September 1727 werden Ritters Planungen der neuen Treppenanlage in die Tat umgesetzt und Lothar Franz hofft am 13. September „daß Ritter bereits in Pommersfelden eingetroffen wäre, um die Versetzung der genannten Teile der Gartenstiege dem Riß gemäß zu überwachen“.[212] Bis zum Jahresende ist der Treppenbau vollendet.
Die Gartenbepflanzungen werden weiter vorangetrieben und Lothar Franz studiert Listen „von denen Pariser specificirten besten sorten deren zwergbäume,“[213] welche er von Boffrand bekommen hat.
Ritter beaufsichtigt (gemeinsam mit dem Bamberger Stadtbaumeister und Ingenieur Johann Friedrich Rosenzweig) den weiteren Bau der Wasserwerke und auch Abraham Huber ist immer wieder in Pommersfelden. Er soll die Brunnenstube reparieren und deren kranen-kasten ausmauern lassen, da Lothar Franz mit frühem Frost rechnet.
Im Garten berichtet er am 26. September, dass der Wasserbau bis zur Menagerie, also bis zur dritten Gartenterrasse, verfertigt wurde und er erwähnt einen Springbrunnen (mit Sonnenuhr) im „oberen Hof“[214].
Des Weiteren reißen die Ausbesserungsarbeiten nicht ab. Die Statuen in der Grotte und im Treppenhaus sind schwarz angelaufen und müssen überarbeitet werden,[215] die Gesimse an den Stallungen sind auszubessern und die Voluten über dem Portal müssen mit Blei bedeckt werden.
Über den Winter 1727 / 1728 werden 6 – 8 ‚Steinhauer‘[216] in Pommersfelden beschäftigt, um die steinernen Gartenelemente zu fertigen. In den Anweisungen Ritters vom 4. November 1727, ist zu lesen, dass unter anderem die Nebenstiegen, noch 185 Stück ballustres, 52 Stück brustgesimsern oder 40 Stück geraden postamentern zu fertigen sind.[216]
1728
Im Marstall drohen die Gewölbe und Mauern nach dem Winter einzubrechen. Lothar Franz schickt deshalb den Bamberger Hofbaumeister Christian Dennefeld nach Pommersfelden, um seine Meinung darüber zu hören. Es handelt sich um einen Baufehler im Gewölbe, welcher im Mai behoben wird.
An der großen Kaskade im Garten wird gearbeitet. Sie wird ausgemauert und die seitlichen Brunnenschalen werden gesetzt. Die im Winter gefertigten Baluster, Postamente usw. werden im Garten (nach Ritters Riss) angebracht.
Die beiden Seitentreppen an den Enden der Terrasse werden fertiggestellt[217] und Lothar Franz weist an, die oberste Gartenterrasse zu planieren und fertigzustellen.
Am 7. September berichtet der Amtmann, dass er hofft, bis zum Jahresende mit den steinernen Arbeiten im Garten fertig zu sein. Ganz wird der Garten nicht vollendet, jedoch bis zum Tod des Kurfürsten wird im Garten kontinuierlich weitergearbeitet.
Die Zeichnungen Kleiners werden 1728 in Kupfer gestochen.
1729
Freiherr Ritter zu Groenesteyn bleibt bis zum Tod des Lothar Franz am 29.01.1729 mit dem Bauwesen in Pommersfelden betraut. In dieser späten Phase der Bauarbeiten beschäftigt er sich, neben der Vollendung der Gartenanlage und dem Einrichten der Nebengebäude bereits mit allerlei Ausbesserungs- und Sicherungsarbeiten.[218] Nach 1729 ist er nicht mehr in Pommersfelden nachzuweisen.[219]
Friedrich Carl erbt die Pommersfeldischen Besitzungen und sein Baumeister Balthasar Neumann übernimmt die Bauaufsicht in Pommersfelden. Er legt 1729 einen Plan zur Erweiterung des Schlossgartens vor.
Der Garten wurde zu beiden Seiten um seine bereits bestehende Breite mit Fasanengärten erweitert.
Hierzu waren zahlreiche Vorarbeiten nötig (Grundstücke mussten getauscht, Häuser und Straßen verlegt, Erd- und Wasserbewegungen vorgenommen werden.) Begonnen wurde mit dem östlichen Gartenparterre, dessen maximale Ausdehnung durch den vorhandenen Friedhof vorgegeben wurde. Noch im selben Jahr werden dort die Alleen und Rabatten für die Schlossparkerweiterung ausgesteckt.
Die Bauaufsicht vor Ort übernimmt Justus Heinrich Dientzenhofer und fertigt einen Plan des östlichen Fasanengartens.
Ab dem Ende des Jahres 1729 wurden große Mengen an Gewächsen angeschafft,[220] um die abgesteckten Alleen und Rabatten zu bepflanzen. Dabei werden die Pflanzen maßgeblich selbst ausgegraben. Die Felder zwischen den Wegen und die Wegränder werden mit Stauden bepflanzt, z.B. mit Hahbutzen (Hagebutten), Schlöhen (Schlehen), Haselnußstauden, Espenstauden, wildem Hopfen u.a.
Balthasar Neumann verändert die große Kaskade und fügt im Norden der Gartenanlage eine weitere Kaskade hinzu. Er öffnet den Garten durch zwei Tore zum Dorf und legt eine direkte Verbindung vom Garten zum wenig entfernten Jagdpark und dort einen Jagdstern an, sodass die Anlage den Charakter eines Jagdschlosses bekommt.
Südlich der Nebengebäude plant Neumann zwei Gartenparterres zum Gemüseanbau und zwei weitere kleine Gebäude.
Das südwestliche Nebengebäude wir 1729 als „das herrschaftliche Brauhaus, bebaut mit einem Haus, Faß-Halle und Bron-Häußl“[221] verpachtet.
Nachsatz zu den Schönborn – Bibliotheken in Pommersfelden
Schloss Weisenstein in Pommersfelden beherbergt eine umfassende Sammlung an Büchern und Handschriften, welche von den verschiedenen Mitgliedern des Hauses Schönborn an anderen Orten zusammengetragen und nach und nach in Pommersfelden vereinigt wurden, so dass sich heute drei Bibliotheken im Schloss befinden.
Die alte Bibliothek geht auf Lothar Franz von Schönborn zurück der ab ca. 1715 seine Sammelleidenschaft auf kostbare Handschriften und frühe Buchdrucke (v.a. Inkunabeln[222]) konzentrierte, da es seine Intention war, einen kompletten Querschnitt, von allem bisher Geschriebenen zusammenzutragen. So finden sich Ausgaben von den frühesten griechischen und römischen Schriften (Aristoteles, Homer, Cicero, Vitruv), den frühen Kirchenvätern (Benedict von Nursia, Thomas von Aquin), zahlreiche Bibeln (mit verschiedenen Kommentaren zur Auslegung, zur Geschichte und zum Kirchenrecht), Reisebeschreibungen, Atlanten, Wörterbücher, astronomische, chemische [alchimistische], medizinische, botanische und zoologische Fachbücher bis hin zu den topaktuellen französischen Architektur- und Gartenbüchern.
Er beschäftigte Bibliothekare und Literaten[223] und ließ Werke übersetzen (z.B. von Dientzenhofer). Die frühesten Dokumente in der Bibliothek sind griechische Papyri aus dem 5. Jh. n. Chr.. Es folgen Handschriften und Manuskripte aus fast allen Jahrhunderten, z.B. das Bamberger Perikopenbuch[224] Kaiser Heinrichs II. (975 – 1001) welches in Seide aus Byzanz eingebunden und ganz in Gold geschrieben ist oder das Gebetbuch des Kaisers Otto um 1000 usw.[225]
Ursprünglich hatte Lothar Franz für Pommersfelden gar Bibliotheksräume geplant, da er seine Gaibacher Bibliothek (mit 10.000 Bänden), welche er fleißig nutzte, nicht umziehen wollte. Sein Nachfolger und Erbe Friedrich Karl von Schönborn übernahm die Gaibacher Bibliothek und sammelte eifrig weiter.[226] Alle Bücher waren in Gaibach aufgestellt und einheitlich in braunes Leder mit goldenem Schönbornwappen gebunden.
Über 100 Jahre nach dem Tod von Lothar Franz (ab 1832) wurde die Bibliothek von Gaibach nach Pommersfelden gebracht. Dort vereinigte man sie mit der Bibliothek aus Wiesentheid, die, gemeinsam mit den eigens für die Bücher angefertigten Nussbaumschränken mit vergoldetem Gittern,[227] ebenfalls ins Schloss Weissenstein umzog. Die Bücher aus Wiesentheid wurden von den anderen Neffen des Lothar Franz zusammengetragen; von Rudolf Franz Erwein, vom Kardinal Damian Hugo, vom Kurfürsten Franz Georg und vom kaiserlichen General Anselm Franz. Außerdem fiel 1794 die Bibliothek der Grafen von Hatzfeld mangels Erben an die Schönborn in Wiesentheid, welche die bereits bestehende Sammlung mit bedeutenden Werken bereicherte – teilweise den Schweden im 30 – jährigen Krieg wieder entrissene Bücher aus der Würzburger Universitätsbibliothek, die auch heute alle in Pommersfelden sind.
Die Wiesentheider Bücher sind weiß in Pergament eingebunden.
Alle diese Bücher (ca. 12.000 Einzelbände, alle vor 1800 gesammelt) wurden von 1827 – 1834 (unter Franz Erwein Damian GvS) zur „Alten Bibliothek“ vereinigt. Der damalige Schlossgeistliche Georg Göpfert, ordnete die Werke nach Genres (z.B. Philosophie, Geographie, Architektur usw.), so dass heute die Bestände aus Wiesentheid und Gaibach vermischt stehen und teilweise auch mehrere Ausgaben der gleichen Werke nebeneinander – gut zu unterscheiden an den unterschiedlichen Einbänden.
Während die alte Bibliothek alle Bücher enthält, die bis ca. 1800 von den Schönborn zusammengetragen wurden, befinden sich in der Neuen Bibliothek die Bestände, die nach 1800 erworben wurden. Besonders Hugo Damian Erwein, Herr von Wiesentheid und kaiserlicher Rat tätigte Bücherankäufe in großem Ausmaß (insgesamt 9883 Bände).
Seine Intention war es, die weltliche Abteilung der Gaibacher Bibliothek (zu dieser Zeit immer noch in Gaibach) fortzusetzen und zu ergänzen. Er schafft vielbändige Enzyklopädien (z.B. Diderot), Reisebeschreibungen und historische Werke (z.B. Ovids Metamorphosen) in erlesenen Ausgaben an. Seine Bücher zeichnen sich durch kostbare Einbände (meist aus französischem Kalbsleder) mit Golddekor sowie zahlreichen Kupferstichen und Abbildungen aus. Diese Bibliothek wurde 1910 nach Pommersfelden gebracht.
Die Kunstbibliothek, welche nach 1900 von Gräfin Ernestine von Schönborn (gemeinsam mit Pfarrer Schonath) angelegt wurde umfasst hauptsächlich Fachliteratur zu den Kunstsammlungen und zur Familiengeschichte des Hauses Schönborn. Diese wächst kontinuierlich in ihrem Bestand, besonders durch Belegexemplare moderner Veröffentlichungen.
Das Treppenhaus
Die Decke des Treppenhauses
Das Vestibül am Treppenhaus
Bibliographie
- Bott, Katharina: Franz Erwein Graf von Schönborn, Kunstsammler zwischen Klassizismus und Romantik. In: Die Grafen von Schönborn, Kirchenfürsten Sammler Mäzene. Katalog GNM Nürnberg 1989, S. 173-179.
- Bott, Katharina/Hotz, Joachim (Hrsg.): Die Zeit des Bischofs Friedrich Carl von Schönborn 1729-1746, in: Quellen zur Geschichte des Barocks in Franken unter dem Einfluss des Hauses Schönborn II. Teil Erster Halbband, Neustadt a.d. Aisch 1993.
- Bott, Katharina: Ein deutscher Kunstsammler zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Franz Erwein von Schönborn (1776 - 1840), 1993.
- Bys, Rudolf/ Bott, Katharina (Hrsg.): Fürtrefflicher Gemähld- und Bilderschatz: die Gemäldesammlung des Lothar Franz von Schönborn in Pommersfelden, 1997.
- Cossiau, Jan Joost van/ Bott, Katharina (Hrsg.): Delitiae Imaginum. Die Gemäldesammlung des Lothar Franz von Schönborn in Schloss Gaibach / Unterfranken. Der Gemäldekatalog von Jan Josst van Cossiau aus dem Jahre 1721, Weimar 2000.
- Hantsch, Hugo/Chroust, Anton/Scherf, Andreas (Hrsg.): Quellen zur Geschichte des Barocks in Franken unter dem Einfluss des Hauses Schönborn 1693 – 1729, 1931.
- Fournet, Jean –Pierre: Tentures et décors en cuir doré du XVIe au XVIIIe siècle, In: L’estampille-L’objet d’art, Nr. 416, Dijon Mai 2006, S. 76 - 78.
- Hofmann, Walter Jürgen: Schloss Pommersfelden, Geschichte seiner Entstehung, Nürnberg 1968, S. 144.
- Hofmann, Walter Jürgen: „Schriftquelle, allegorische Lektüre und Schloss Pommersfelden“. Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte / hrsg. vom Bundesdenkmalamt Wien und vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien, 2011.
- Jaeck, Heinrich Joachim: Lehrbuch der Geschichte Bambergs vom Jahre 1007 bis auf unsere Zeiten. Zweite Ausgabe. Erlangen 1820.
- Nicolai, Friedrich: Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz, im Jahre 1781. Nebst Bemerkungen über Gelehrsamkeit, Industrie, Religion und Sitten. Berlin 1783.
- o.A.: Pommersfeld – ein Reisebericht vom 22. August 1721, Historischer Verein Bamberg, Nr. 192.
- Prévost-Marcilhacy, Pauline : « Les Rothschild : bâtisseurs et mécènes ». Flammarion, 1995.
- Rupprecht, Klaus: Das Aussterben der Truchseß von Pommersfelden und deren Besitzübergang an die Grafen von Schönborn, In: Schneider, Erich/Weiß, Dieter J. (Hrsg.): 1711 – 2011. 300 Jahre Schloss Weißenstein ob Pommersfelden, Würzburg 2014, S.1-25.
- Schröcker, Alfred: Ein Schönborn im Reich, Studien zur Reichspolitik des Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn, Wiesbaden 1978.
- Spath, Georg: Die letzten Truchsesse von Pommersfelden, Höchstadt a.d. Aisch 1936, Nachdruck 2002.
- Spehr, Ferdinand: Elisabeth Christine, Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel, In: Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Allgemeine Deutsche Biographie, Band 6, 1877, S. 11– 12.
- Zagermann, Helmuth: Studien zur Ikonologie des barocken Treppenhauses in Deutschland und Österreich, Düsseldorf 1978.
Einzelnachweise
- ↑ Die ‚Gesellschaft für fränkische Geschichte‘ begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der systematischen Aufarbeitung der Schönborn’schen Quellen. 1931 veröffentlicht sie den ersten Band der „Quellen zur Geschichte des Barocks in Franken unter dem Einfluss des Hauses Schönborn 1693 – 1729“. Dieser erste Band, welcher von Hugo Hantsch gemeinsam mit Anton Chroust und Andreas Scherf bearbeitet wurde, umfasst 494 Faszikel - hauptsächlich aus der Korrespondenz von Lothar Franz von Schönborn mit seinem Neffen Friedrich Carl von Schönborn, die verschiedenen Bauangelegenheiten betreffend - und endet mit dem Jahr 1716/17. Der Zweite Weltkrieg brachte weitere Forschungen zum Erliegen und erst nach Kriegsende widmete man sich der weiteren Quellenforschung und Max v. Freeden veröffentlichte 1949 den zweiten Teil der ‚Quellen zur ‚Geschichte des Barocks in Franken‘. In den Folgejahren nach 1950 erscheinen sukzessive 5 weitere Teillieferungen der Schönborn‘schen Quellen, bis das Projekt vorläufig, im Jahr 1955 mit über 1200 Seiten und 1656 abgedruckten Quellen, abgeschlossen wurde (alle Zitate aus den ‚Quellen zur ‚Geschichte des Barocks in Franken‘ werden im Folgenden mit Q gefolgt von der jeweiligen Quellennummer angegeben. Von 1986 – 1996 war Katharina Bott als Kuratorin der Graf von Schönborn’schen Sammlungen in Pommersfelden tätig. Während und nach dieser Tätigkeit publizierte sie Quellen zur Gemäldesammlung und deren Historie (insbesondere veröffentlicht sie die beiden historischen Kataloge der Galeriedirektoren Byss und Cossiau von Pommersfelden und Gaibach sowie zu Franz Erwein von Schönborn (1776-1840): Rudolf Bys: Fürtrefflicher Gemähld- und Bilderschatz: die Gemäldesammlung des Lothar Franz von Schönborn in Pommersfelden, 1997. Jan Joost van Cossiau, Delitiae Imaginum. Die Gemäldesammlung des Lothar Franz von Schönborn in Schloss Gaibach / Unterfranken. Der Gemäldekatalog von Jan Josst van Cossiau aus dem Jahre 1721, Weimar 2000. Franz Erwein Graf von Schönborn, Kunstsammler zwischen Klassizismus und Romantik. In: Die Grafen von Schönborn, Kirchenfürsten Sammler Mäzene. Katalog GNM Nürnberg 1989, S. 173-179 und: Ein deutscher Kunstsammler zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Franz Erwein von Schönborn (1776 - 1840), 1993. Des Weiteren führte sie die Publikation „Quellen zur Geschichte des Barocks in Franken unter dem Einfluss des Hauses Schönborn“ chronologisch fort und veröffentlichte 1993 (aus dem Nachlass von Joachim Hotz) die Korrespondenz aus der Zeit des Friedrich Carl von Schönborn (1729 – 1746): Die Zeit des Bischofs Friedrich Carl von Schönborn 1729-1746, in: Quellen zur Geschichte des Barocks in Franken unter dem Einfluss des Hauses Schönborn II. Teil Erster Halbband, Bearb. Joachim Hotz+, Hrsg. Katharina Bott, Degener Neustadt a.d. Aisch 1993.
- ↑ Rupprecht, Klaus: Das Aussterben der Truchseß von Pommersfelden und deren Besitzübergang an die Grafen von Schönborn. In: Schneider, Erich / Weiß, Dieter (Hg.): 1711 – 2011: 300 Jahre Schloss Weisenstein ob Pommersfelden, Würzburg 2014.
- ↑ Spath, Georg: Die letzten Truchsesse von Pommersfelden, Höchstadt 1936, Nachdruck 2002.
- ↑ Als offizieller Käufer trat Franz Erwin von Schönborn als Gutsitzer zu Wiesentheid auf.
- ↑ Sämtliche Akten zu diesen Vorgängen finden sich im Staatsarchiv Würzburg, Archiv der Grafen von Schönborn, Pommersfelden, hier Archiv Akten Nr. 400.
- ↑ Q 217 vom 27. Juli 1710
- ↑ Es ist mittlerweile die dritte Kaiserwahl, welche er mitgestaltet, so dass er die sich auftuenden Gelegenheiten geschickt (monetär) zu nutzen weiß.
- ↑ Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel (* 28. August 1691) ist die älteste Tochter von Ludwig Rudolf Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel und seiner Frau Christine von Öttingen. Bereits als 13-Jährige wurde sie von ihrem ehrgeizigen Großvater Anton Ulrich in Übereinkunft mit der damaligen Kaisergattin Amalia Wilhemine mit Karl verlobt. Allerdings widersetzt sich die protestantische Braut anfangs der Hochzeit, da sie dafür zum katholischen Glauben hätte konvertieren müssen.
- ↑ Schröcker, Alfred: Ein Schönborn im Reich, Studien zur Reichspolitik des Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn, Wiesbaden 1978, S. 64 mit Anmerkung 80.
- ↑ Bereits seit dem Mittelalter ist das Haus Braunschweig auf mehrere Linien aufgeteilt, welche sich in der Geschichte häufig kreuzen und stark ineinander verwoben sind. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts konkurrierten eine sogenannte jüngere und eine ältere Linie ‚von Braunschweig‘ um die Vorherrschaft im deutschen Norden. Die jüngere Linie, deren Hauptvertreter der Vetter von Anton Ulrich, Ernst August von Braunschweig-Calenberg ist, triumphiert in Bezug auf die Gunst des Kaisers und erhält 1692 die neunte Kur (Kurhannover) verliehen.
- ↑ Sie war eine Tochter des katholisch gewordenen Herzogs Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg (Hannover).
- ↑ Ferdinand Spehr: “Elisabeth Christine, Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel“. In: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 6 (1877), S. 11– 12.
- ↑ Diesem Geschehen widmete Lothar Franz ein großes allegorisches Gemälde von Benedetto Luti „Die Erziehung des Amors durch Venus und Merkur an einer der prominentesten Stellen über der Eingangstüre zum Marmorsaal.
- ↑ Jäck, Joachim Heinrich: Lehrbuch der Geschichte Bambergs vom Jahre 1007 bis auf unsere Zeiten, Erlangen (1820), S. 153.
- ↑ vgl. auch Schröcker (1978) wo er anmerkt, dass Karl ohnehin die Mehrheit im Kurfürstenkollegium hatte. Ziekursch S. 10: Von den wahlberechtigten Kurfürsten waren Bayern und Köln gebannt (und durften nicht wählen) - Die bayerische Stimme war dem Kurfürsten von der Pfalz zurückgegeben worden, der der treueste Parteigänger des Hauses Österreichs war. Kurköln sollte ruhen oder die Stimme vom Domkapitel ausgeführt werden. Hannover wählte zum Ersten Mal und man hoffte auf Habsburgertreue nach diesem Neuerrichten der „neunten Kur“. In Mainz wählte ohnehin Lothar Franz und König August von Sachsen hegte gegenüber Österreich eine „gute Gesinnung“.
- ↑ Ziekursch, S. 29: „tatsächlich wurde in Berlin 1711 niemals ernstlich an die Bewerbung um die Kaiserkrone gedacht“.
- ↑ Ziekursch, S. 10.
- ↑ Zagermann, Helmuth: Studien zur Ikonologie des barocken Treppenhauses in Deutschland und Österreich, Düsseldorf 1978, S. 55. Dies lag vor allem auch daran, dass das „Römische Reich deutscher Nation zwar offiziell ein Wahlreich war, die Habsburger jedoch seit de facto seit 1438 die Kaiserwürde innehatte, und es sich somit eigentlich doch um eine Erbmonarchie handelte.
- ↑ Matsche (1993).
- ↑ zitiert nach Schröcker (1978), S. 122.
- ↑ ebenso
- ↑ Q 1582 = 248a
- ↑ bei Hofmann (2011), S. 152 datiert genannte Quelle auf den 14. Oktober 1711, s. Quellen wichtige Schriftstücke, 2.
- ↑ 24,0 24,1 24,2 ebenda
- ↑ Q 236
- ↑ der Ehrenhof wäre dort 137 Nürnberger Schuh breit geplant gewesen, im Vergleich zum jetzt bestehenden von 380 Nürnberger Schuh Breite.
- ↑ Vgl. auch Hofmann, S. 8ff.
- ↑ Q 252, Tunk S. 54, C 45.
- ↑ Der Kontrakt zwischen Lothar Franz und Johann Dientzenhofer, welcher lt. Chroust S. 215, Anmerk. 2 noch „vorläufig unauffindbar“ war befindet sich mittlerweile im Staatsarchiv Würzburg, Bestand Lothar Franz 903a und ist als Anhang bei Korth (2014), SS. 151 – 156 zu finden. Leider sind die genannten Grundrisse Nr. 1 – 4 zum momentanen Zeitpunkt verschollen oder zumindest in den Quellen nicht lokalisierbar.
- ↑ Lothar Franz wünscht die Feier der Grundsteinlegung für den 01. Oktober, als den Geburtstag und geplanten Krönungstag des zukünftigen Kaisers.
- ↑ Q 1583; Schonath, S. 40 Nr. 15.
- ↑ Chroust S. 216, Anmerk. 1.
- ↑ Q 256
- ↑ Vgl. auch Hofmann S. 9 mit Anmerk. 54.
- ↑ Ebenda, Anmerkung 1.
- ↑ Q 263 vom 14. März 1712: „doch aber dass nur meine stiegen nicht reformiert werde“ und „Die gallerie muess auff meiner seithen bleiben (…)“.
- ↑ Q 275
- ↑ Q 283
- ↑ Q 298
- ↑ 40,0 40,1 Q 297
- ↑ Weinberger (2014), S. 187.
- ↑ Q 301
- ↑ Q 301 vom 11. März 1713: „Wolle Gott, es stünde noch nit so viel (…)“.
- ↑ vgl. Korth, S. 104.
- ↑ hierzu auch Schneider (2014), besonders sein Fazit S. 182: „Erneut drängt sich der Verdacht auf, dass der Onkel seinen Neffen mit Lukas von Hildebrandt das ganze Jahr 1713 ungestört hatte planen lassen (…) aber ansonsten nach eigenem Gutdünken in Pommersfelden gebaut hatte.“
- ↑ 46,0 46,1 Q 312
- ↑ Q 263
- ↑ Es handelt sich hierbei um das Antwortschreiben auf einen Brief Friedrich Carls vom 27. Dezember 1713 (Q 342) in welchem er, sichtlich enttäuscht („wegen E.chfl. Gn. galerie können wir uns dahier hicht wohl finden“) feststellen muss dass Lothar Franz „den hiesigen riss nicht gefolget haben“.
- ↑ Bereits im Vertrag zwischen Lothar Franz und Dientzenhofer vom September 1711 wurden die Grundrisse 1 – 4 genannt, welche als Vertragsgrundlage dienten. Diese vier Grundrisse stellten die Arbeitsgrundlage des Baumeisters dar und mussten gemäß der sich ändernden Vorstellungen des Bauherrn immer wieder modifiziert und auf den neuesten Stand gebracht werden. Dies würde den Verdacht erhärten, dass Dientzenhofer die Grundrisspläne in seinem Baubüro anfertigen ließ, so dass jederzeit aktuelle, saubere und unkorrigierte Versionen der momentanen Planungssituation vorlagen. Eigenhändig von Dientzenhofer signiert wurden diese Pläne um seine Autorenschaft, sowohl der Risse, als auch des Gebäudes zu deklarieren.
- ↑ Obwohl diese bereits feststehen, da der Ostflügel schon steht.
- ↑ z.B. am 06. Mai 1713, Q 311.
- ↑ Q 311
- ↑ ebenda: „Der sahl wird 80 schuh lang (…) eine grosse maschine (…) welches wir in ersparung von 20 schuhe und besserer proportion setzten mögten. Es lasset sich aber wegen der von E.chfl. Gn. projectierten stiegen nicht tuen (…)“.
- ↑ Q 305 mit Anmerk. 2.
- ↑ Dafür würden nicht nur der gemeinsame Aufbewahrungsort in Wien, sondern auch das ähnlich vergilbte Papier und der gemeinsame Maßstab in Nürnberger Schuh sprechen. Des Weiteren präsentieren sich alle Blätter in einem „schlechten Zustand und waren wahrscheinlich einmal auf Leinen aufgezogen, da sich auf der Rückseite starke Klebespuren befinden“. Weinberger (2014) S. 187.
- ↑ Darauf verweisen (neben anderen Details) die noch unausgereifte, fast skizzenhafte Proportionierung der Vestibülzone des Treppenhauses und die unregelmäßige Form des carré long des Marmorsaales.
- ↑ Für eine spätere Datierung würden die angedeuteten östlichen Nebengebäude sprechen, diese könnten dem Plan jedoch auch später hinzugefügt worden sein. Ebenfalls wurde die endgültige Form des Marstalls erst später festgelegt. Die Treppenhauskonstellation jedoch entspricht jener aus dem Jahr 1713.
- ↑ Q 314 = (sinngemäß) füge ich Euch (i.e. Eurer Erfindung) eine innere Kollonadenstellung hinzu.
- ↑ Es ist das einzige Schreiben, das Hildebrandt an Lothar Franz richtete. Die Idee muss Hildebrandt zwischen dem 10. und dem 16. Mai 1713 gekommen sein. Friedrich Karl war in dieser Zeit in Laxenburg und Hildebrandt in Wien. Der Hofmeister hatte Friedrich Carl jedoch berichtet, dass Hildebrandt die Pommersfeldener Pläne abermals auf das Brett gespannt hätte und dazu einen Brief mit Erklärungen zur Architektur von Lothar Franz vor sich hat liegen haben. Friedrich Karl ahnt, dass Hildebrandt eine ‚Erleuchtung‘ hatte und wartet „auf die riss von Jean Lucca als wie auf den Messiam“.
- ↑ wahrscheinlich am 18. Mai 1713, da er am 19. Mai Lothar Franz schreibt, vorher aber die Erklärungen Hildebrandts noch vom Italienischen ins Deutsche übersetzen lassen musste.
- ↑ Q 316
- ↑ vgl. hierzu die Ähnlichkeit der Pommerfeldischen Gartenfassade mit der Wiener Belvedere Gartenfassade.
- ↑ Q 335 am 6. Sept. 1713 mit Anmerk. 1.
- ↑ Q 296
- ↑ von Plitzner geplant, mit Spiegeln aus Lohr und Holz aus Holland, welches in Frankfurt verkauft wird (Q 345, vom 16.01.1714).
- ↑ Q 358 vom 11. April 1714
- ↑ Q 353 vom 10.03.1714
- ↑ Lothar Franz wird im Herbst 60.
- ↑ Q 354 vom 13.03.1714
- ↑ Q 389 vom 15.08.1714
- ↑ s. unten
- ↑ Q 405 vom 29.12.1714
- ↑ Besonders häufig bringt er weitere Gemälde in seinen Besitz, obwohl er dessen bereits mehrere hundert besitzt. Bis zu seinem Tod soll Lothar Franz ca. 2000 Bilder gehabt haben.
- ↑ 1721 erwähnt ein anonymer Gast „das Tafelzimmer, so mit goldenem Leder, darein Historien gedruckt und gemalt sind, spaliert ist (…)“ und bei ihrem Besuch im Jahre 1735 nennt die Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth „eine Ledertapete, die man sehr hochhält, da sie von Raffael gezeichnet ist.“ Vgl. hierzu: Prévost-Marcilhacy, Pauline: „Les Rothschild, bâtisseurs et mécènes“, Flammarion 1995 sowie Fournet, Jean –Pierre: Tentures et décors en cuir doré du XVIe au XVIIIe siècle, SS. 76 - 78. In: L’estampille-L’objet d’art, Nr. 416, Mai 2006.
- ↑ Q 410 vom 05.02.1715
- ↑ Die ‚kleine Eiszeit‘ erreicht in dieser Zeitspanne mit dem ‚Maunder-Minimum‘ ihre stärkste Abkühlungsphase und die durchschnittlichen Wintertemperaturen lagen bei -6°C.
- ↑ Q 427
- ↑ ab 1735 Hofschreiner in Bamberg
- ↑ Q 415
- ↑ Loyson bezieht sich hier auf die Perspektivenlehre der Querelle des anciens et des modernes, welche die klassische Proportionslehre ablöst und im Festsaal von Schloss Weisenstein angewendet wird. Durch eine Vergrößerung der Proportionen nach oben hin, wird die natürliche Verkürzung in der Ferne, welche das Auge wahrnimmt, ausgeglichen.
- ↑ Q 441
- ↑ ebenda, Anmerk 2 „(…) den sie mit pulver müssen müssen nöthen“.
- ↑ Q 455 mit Anmerk. 1.
- ↑ Friedrich Carl hat sich sogleich angeboten gerne alles, was übrig sein mag, zu übernehmen (Q 463), worauf Lothar Franz ihm antwortet, dass er sich wundert, dass der Neffe Bilder von ihm verlangt, da es ihm vorkomme, als ob man Wasser in die Donau trage und die Herren zu Wien ohnehin alles weit stattlicher haben als „wir arme und schlechte leuth hieroben“.
- ↑ Q 461, vom 8. November 1715
- ↑ Q 465
- ↑ Hofmann konstatiert daraufhin, dass dies bautechnisch unmöglich sei, die äußere Hülle und die innere Wand in zwei getrennten Arbeitsgängen auszuführen. Hofmann, Walter Jürgen: Schloss Pommersfelden, Geschichte seiner Entstehung, Nürnberg, 1968, S. 144.
- ↑ Q 1136 vom 17.01.1724
- ↑ Q 595: „(…) mit denen löcheren (…) wirdt vermuthlich ein mucken haben, weilen die maueren auf welche nur 3 ½ schuch dick seint, besorglich mir zu schwach dadurch werden därften.“
- ↑ Auch bei der Erstellung des Deckenfreskos ist man erwiesenermaßen so vorgegangen, dass Marchini zunächst die komplette Illusionsmalerei gemalt hat und Byß anschließend die benötigten Stellen für seine Figuren wieder weggenommen (weggekratzt) hat.
- ↑ eventuell schon 1715 (begonnen)
- ↑ Am 13. März 1716 erhält Balthasar Neumann 100 Gulden für „verschiedene Abriß über den neuen Abteybau“ vgl. auch Q 160.
- ↑ Q 494
- ↑ Q 478 vom 28. März 1716
- ↑ Kiedrich, v. Ritter’sches Archiv, Acta personalia XVI, Fasc. 1, Nr. 5
- ↑ Lothar Franz erstellt ihm ein Zeugnis am 9. Juli 1716, in welchem er sein neuerbautes Privatschloss in Pommersfelden „Lothariusburg“ nannte, dies jedoch wieder tilgte.
- ↑ mit Tastaturen aus Elfenbein
- ↑ Q 502 vom 15. Januar 1717
- ↑ Q 514 vom 26. März 1717
- ↑ Q 513 vom 23. März 1717
- ↑ Q 512 vom 23. März 1717
- ↑ Q516 vom 9. April 1717
- ↑ 103,0 103,1 Q 522 vom 8. Juni 1717
- ↑ Q 530 vom 3. August 1717
- ↑ Q 538 vom 21. Dezember 1717
- ↑ Lothar Franz ist bereits in fortgeschrittenem Alter und weiß selbst, dass er sich seiner Schuldenlast nicht mehr „entladen würden könne“. Friedrich Carl als designierter Erbe hat diesbezüglich Sorgen, welche er auch an seinen Onkel heranträgt. Jener ist diesbezüglich eher unbekümmert, hätte er das Geld, welches der Teilverkauf seiner Gemälde eingebracht hätte, doch gleich wieder in einen billdterkauff investiert, da nach wie vor (s.o.) die Mansfedlische Galerie zum Verkauf stand.
- ↑ zu 100 fl. das Stück
- ↑ Q 536 vom 24. November 1717 Die beiden Portraits von Johann Philipp und Lothar Franz befinden sich noch in situ in Pommersfelden in zwei Ovalrahmen an den Langseiten des Marmorsaals über den Kaminen. Ursprünglich hingen sechs Familienmitglieder in Ovalrahmen im Saal. Auf dem Stich Nr. 16 von Salomon Kleiner sind Kardinal Hugo Damian und Friedrich Carl zu lokalisieren (links von der Türe). Rechts von der Türe ist ein weiterer Bischof abgebildet (Johann Philipp Franz) daneben Melchior Friedrich (der Bruder von Lothar Franz). Nachdem Franz Georg 1729 Kurfürst von Trier und ab 1732 Fürstbischof von Worms wurde, wurden die Bilder im Festsaal mit seinem Portrait ergänzt. Die beiden äußeren Gemälde wanderten als Bruststücke über die jeweiligen Türen an der Langseite, Friedrich Carl und Johann Philipp Franz rutschten eine Position nach außen. An den frei gewordenen Stellen wurden die Stammeltern der nächsten Generationen Eleonore von Schönborn, geborene Hatzfeld, verwitwete von Dernbach und Rudolf Franz Erwein eingefügt, Franz Georg erhielt als Halbportrait den Platz über der Eingangstüre.
- ↑ Q 576
- ↑ zu 150 fl. das Stück
- ↑ Im unwahrscheinlichen Fall eines Besuches des Kaisers hätte man die Portraits der Familienmitglieder unkompliziert austauschen können.
- ↑ Q 513 vom 25. März 1717
- ↑ Q 536
- ↑ Nur wenige Monate zuvor, am 15. Juni hatte Lothar Franz an Friedrich Karl geschrieben, dass er keine Orangerie bauen möchte „sondern mich der gewolber im haus (…) bedienen.“
- ↑ Q 536, i.e. der nordöstliche Hof neben dem Haus, in Q 607 als ‚Küchengarten‘ bezeichnet. Die Küche schloss im Erdgeschoss direkt an den südöstlichen Pavillon an.
- ↑ Am 21. Oktober 1718 kann er erstmals in Pommersfelden nachgewiesen werden: Jahn (1977), S. 222, Nr. 17: Wiesentheid [heute Staatsarchiv Würzburg], Gräflich Schönborn’sches Archiv, Korrespondenz Johann Philipp Franz / Rudolf Franz Erwein, Pommersfelden, 21. Oktober 1718 „…ahnsonsten so habe ich die genadt, nebst denen Herrn Oberiststallmeister Rothenhan, und Herrn von Ritter, seither verwichenen Montag, mich gantz allein bey Ihro Churfürstl. Gd. zu befinden…“.
- ↑ Q562, es geht nicht klar aus der Quelle hervor, ob Lothar Franz mit „auff beiden seithen“ die Ost- und die Westseite des Schlosses oder zu beiden Seiten der Zufahrt meint.
- ↑ Q 351 vom 25. Januar 1718
- ↑ Q 574, Anmerk. 1. Die gärtnerischen Voraussetzungen in Pommersfelden sind nicht ideal. Zwar lässt Lothar Franz für seinen Garten „guethen boden“ heranfahren, dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass der Mutterboden auf Pommersfeldischem Terrain lehmig und steinig ist, so dass viele Pflanzen nur schwer oder gar nicht gedeihen.
- ↑ 120,0 120,1 Q 580
- ↑ Q 579
- ↑ Q 572 vom 18. Juni 1718, hier wird auch erwähnt, dass nur drei Gittertüren zum Öffnen, die anderen fest sein werden.
- ↑ Q 586
- ↑ Aufgrund der einheitlichen farbigen Fassung des Treppenhauses können Teile aus Steinschnitt, Stuck oder Holz nicht optisch unterschieden werden, sodass die gesamte Binnendekoration wie Steinschnitt wirkt.
- ↑ Q 572
- ↑ Q 573
- ↑ Q 587
- ↑ Q 595 Diese lässt er golden fassen, sodass spätere Reisebericht bewundernd von den goldenen Pferderaufen berichten, welche bewiesenermaßen noch mehr Eindruck hinterließen als marmorne.
- ↑ Q 607
- ↑ i.e. Weg
- ↑ Q 625
- ↑ Der (die) Meister der vier kleineren Figuren in der Vorgrotte und der acht Figurengruppen im Festsaal geht aus den Quellen nicht hervor.
- ↑ Miekisch, S. 18.
- ↑ Q 640
- ↑ 116 Schuh (knappe 40 m), welche zur einheitlichen Rahmung der Bilder in der ‚großen Galerie; verwendet wurden.
- ↑ Im grünen Zimmer (heute: Audienzzimmer) befinden sich die Supraporten von Trevisani in situ.
- ↑ Hierbei handelt es sich um den ersten gedruckten Gemäldekatalog, welcher jedoch nicht öffentlich gemacht wurde. Vgl. hierzu: Nicolai: Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz, S. 164ff.
- ↑ zumal Johann Philipp Franz „den handel nicht recht verstehen thuet“ und „den bau verpuschen und verderben“ wird.
- ↑ Q675 vom 16.01.1720
- ↑ Q 686
- ↑ Q 702 vom 3. Februar 1720: „Indessen ist mir die ganz ohnvermutete nachricht aus Wien zugekommen, daß der p. Loyson den 22. abgewichenen monats an einem fleckenfieber gestorben seie, welcher todsfall mich in meinem eigenen Pommersfelder als sonstigen bauconcepten zimlich embarassiert und ich diesen ohnverhofften casum sehr bedaure“.
- ↑ Q 701 vom 3. Februar 1720: „ich aber habe einen Mann verlohren, der mir treu undt embsig gedienet und dessen todt mir lange nachgehen wirdt, wie ich dann würklich ambarassiret bin, wie ich ins künftig meine sachen puncto der noch auszumachenden arbeith ahnstellen solle“.
- ↑ ebenda: „ich hatte wünschen mogen, daß mir der h.r.v.cantzler seinern todt nicht verblümelt hette, allermassen ich ehender als jetzt eine staffette hienauffgeschicket hette, umb seine zimmer obsignieren zu lassen.“ Nach Fertigstellung des Schlosses ließ Lothar Franz seine Privatfinanzen, durch Pater Loyson, neu ordnen und bewerten, so dass sich viele wichtige Papiereim Besitz Loysons befanden. Diese bittet Lothar Franz am 20. Februar 1720, gemeinsam mit den Rissen, den Büchern und den mathematischen Instrumenten, nach Mainz zu übersenden. Ob die gewünschten Unterlagen nach Mainz abgeschickt wurden, beziehungsweise ob sie jemals dort ankamen ist zu bezweifeln, da Lothar Franz drei Wochen später an Friedrich Carl schreibt, dass es ihn „ohnentbehrlich“ nach Pommersfelden ziehe.
- ↑ Q 709: „Nachdemen wir für nötig erachten gleichwohlen jemandt in Pommersfelden zu haben, so über unser dermaliges, zu teil noch unausgeführtes bauwesen daselbsten nicht nur eine genaue obsicht trage, sondern auch alle diesfalls vorwaltende anstände und mängel an uns berichte, und wir derentwegen zu Dir und Deiner guten eigenschaft, treu und eifer ein besonderes vertrauen sezen, so hoffen wir, du werdest dich mit derlei baudirectionsbesorgung einstweilen gern beladen lassen“.
- ↑ Q 765 „Inzwischen habe dem h. Biess nochmahlen nachdrücklich recommendirt, daß mit dem steinbrechen continuiert, desgleichen der kalch einsweilen beigeschafft und das zu denen Remisen und heischeuern nöthige und schon würklich gefellte holz beigeführt werde.“
- ↑ Q 774 vom 17. April 1720
- ↑ Johann David Fülk war von Ende 1715 bis 1720/21 Hofgärtner bei Lothar Franz Neffen Rudolf Franz Erwein, der, fast zeitgleich mit Lothar Franz in Pommersfelden ab 1711 am Wiesentheider Schloss eine barocke Gartenanlage schaffen ließ. 1720 veröffentlichte Fülk sein Werk „Neue Garten Lust“ in welchem er die „unverwechselbare Art der Schönbornschen Gartengestaltung“ (Hasekamp 1994, S. I) publiziert.
- ↑ zitiert nach Gothein, S. 232.
- ↑ Q 774, Anmerk. 1 vom 20. April 1720
- ↑ Q 794
- ↑ Q 842
- ↑ Q 843
- ↑ Wittmer war vorher in Würzburg als „Gartenbedienung“ angestellt und wird am 7. März 1721 „zu Dero Pommersfelder privatschloß- und hofgärtner“ angestellt. Q 861
- ↑ Byss geht zum Grafen von Montfort (dem Schwiegervater von Lothar Franzens Bruder Anselm Franz) um ihm im Schloss Tettnang einen Saal und einige Zimmer auszumalen, bleibt jedoch „churfürstlich maintzischer cammerdiener und cabinetmaler“. Unerwartet entlässt Lothar Franz Byss noch im gleichen Jahr, was dem 61-jährigen veranlasst, einen ausführlichen Bittbrief an Lothar Franz um Wiedereinstellung zu verfassen (Q 921). Dieses Gesuch war erfolgreich und im März des darauffolgenden Jahres spricht Lothar Franz Byss wieder als „seinen cabinetmaler“ an. Q 932 (es wurde nämlich ein gut erhaltenes Feldhuhn von seltener Farbe gefunden, welches Lothar Franz ausstopfen und abmalen lassen wollte).
- ↑ nach Weigmann S. 162 quittiert Dientzenhofer am 10. Oktober 1725 seine Abschlusszahlung von insgesamt 25.852 fl. 21 kr., wovon er 25.025 fl. und 21 kr. novh von pater Loyson, 320 fl. in Gold und 480 fl. von Nitschke bekommen hatte.
- ↑ ebenda: die Gesamtkosten des Baus belaufen sich auf 184.340 fl. 41 ¼ kr.
- ↑ Das ganze Jahr 1721 über ist Lothar Franz häufiger als sonst in Bamberg, was auch mit dem Bau seines neuen Jagdschlosses ‚Jägersburg bei Forchheim‘ zusammenhängt.
- ↑ Q 869: „ich habe würklich eine probe ahm offen in meinem zimmer davon, den ich dann umb dies secretum recht zu probiren, wacker habe einheitzen undt mir rechtschaffen warm dabei werden (…)“.
- ↑ o.A.: Pommersfeld – ein Reisebericht vom 22. August 1721, Historischer Verein Bamberg, Nr. 192.
- ↑ Er bezeugt, dass das Spiegelkabinett und das kurfürstliche Schlafzimmer 1717 vollendet und reich ausgestattet waren, z.B. mit dem Rhinozeros - Relief, einem ‚Weihbrunnenkessel‘ aus Edelsteinen, dem Franziskus von Kupetzki usw. An der Decke erwähnt er einen „Parnassus, mit den 9 Musen, von Hans Jordano gemalt“. Heute befindet sich in der oberen Reihe der Gemäldegalerie in der Mitte ein Gemälde mit dem Titel „Parnass“, welches Jordaens zugeschrieben wird. Vermutlich handelt es sich um das gleiche Gemälde.
- ↑ vgl. Anmerk. 168
- ↑ Q 870 vom 9. April 1721
- ↑ Mehrere dieser Risse sind noch erhalten und teilweise auch publiziert, u.a. in der Staatl. Kunstbibliothek Berlin und im Ritter’schen Familienarchiv in Kiedrich. Abbildungen u.a. bei Lohmayer (4) I. Abb 33, Jahn (2) Abb. 61, 62 und 56 – 60.
- ↑ Q 899, Anmerk. 1 „(…) und den von Ritter mit mir gehabt (…).“
- ↑ Hatte er doch von der Möglichkeit gehört, „Das Wasser mit Feuer hoch zu treiben“, welcher er jedoch nicht wirklich traut, da „die Invention aus Englandt kommet“. Q 926, Anmerk. 1.
- ↑ er wird in den ehemaligen Zimmern von Byss untergebracht. Q 908 und Q 928
- ↑ Q 917
- ↑ Q 984
- ↑ Q 1003, Anmerk. 1.
- ↑ In Q 1005 hofft Lothar Franz, dass Wüstenfeld die Wassermaschinen begreift und bereut, dass er nicht Ritter von Groenesteyn geschickt hat.
- ↑ Puzzolane aus Siliziumdioxid, Tonerde, Kalkstein, Eisenoxid und anderen alkalischen Stoffen.
- ↑ Q 987
- ↑ Q 1010, und mit welchem Spezialkitt diese wohl verbunden werden.
- ↑ Q 1001
- ↑ Q 1004
- ↑ Q 1006
- ↑ Q 970
- ↑ Q 1009
- ↑ Q 1005
- ↑ Gleichzeitig wird Hennicke (parallel zu Ritter von Groenesteyn) damit beauftragt, neue Risse des Schlosses zu erstellen.
- ↑ Q 958 vom 13. Mai 1722
- ↑ Q 1000
- ↑ Q 981, er wurde „mit zimmer, bet, lichter, holz und altag 2 maaß wein versehen.“
- ↑ Q 1018
- ↑ Q 1019, 1020
- ↑ Q 1024; Zur gleichen Zeit hält sich Balthasar Neumann in Paris auf um dort, für den Würzburger Wasserbau, die Wassermaschinen von Versailles, Marly und den Trianons zu studieren.
- ↑ Q 1059
- ↑ Q 1067 „(…) der übel auffseher mit sein“.
- ↑ Q 1090
- ↑ ebenda, Anmerk. 2.
- ↑ Q 1087
- ↑ Q 1102
- ↑ Q 1121 „Specification aller gläsernen kugeln und einzapfen, welche ich unterschriebener von der glashitten in Steigerwalt zu hiesiger grotten und darin befindlichen leichtern angeschafft habe: - Als 515 stuck große und kleine einzapfen - 569 kugeln unterschiedlicher farb - 137 weiß geriebte kugeln - 41 kugeln mit zwei löchern, etwas großer als die geriebten - 8 große kugeln“.
- ↑ Jäger Valentin Brettreich bescheinigt am 19. Juli 1723 die Bezahlung für: „5 aichhörnlein, 5 nußhern, 2 hetzen, 2 thollen, 1 giebitz, 2 große enden, 2 kleine enden, 3 blasen, 8 großen vögeln, 7 specht, 1 tauger, 30 halbvögel, 4 geckler und 2 grünling“.
- ↑ Q 1045: „per ingioellare maggiormente la mia gallerie di Pommersfelden“.
- ↑ Q 1056
- ↑ Q 1089
- ↑ Hennicke fertigte Grund- und Fassenrisse, welche wohl nicht nach des Kurfürsten Intention waren, da es „unnötig sein wird, daß erwehnter Hönicke sich in weitere riß-verfertigung einlasse“. Q 1113.
- ↑ Johann Lukas von Hildebrandt leidet an Epilepsie, Johann Dientzenhofer hat Gicht und „Zehrsucht“ (Tuberkulose oder Krebs).
- ↑ Q 1142 Er ersucht Lothar Franz um den Titel des Hofingenieurs, welchen er auch unter seine Stiche setzen will.
- ↑ Im April fragt er bei Friedrich Carl an, ob ihm die Marmorsaalrisse gefallen haben, eine Woche später kündigt er die Risse von Sala terrena, im August erwähnt er seinen Stiegenriss usw.
- ↑ 202,0 202,1 Q 1161 vom 14. April 1724
- ↑ 2014 veröffentlichte Weinberger einen Gesamtplan der Schlossanlage, welcher in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts datiert und zu Studienzwecken dient. Eine „sichtlich später hinzugefügte“ Klappe, mit deren Hilfe man sich beide Versionen der Gartentreppe vor Augen führen kann.
- ↑ Q 1460 und Q 1461, Oktober 1727
- ↑ Q 1305
- ↑ Weigmann S. 162.
- ↑ Q 1357: „Er kann aus dem beikommenden grundriß deutlich angemerkt ersehen, was für plaz, sowohl zu der mittleren hauptgartenstiegen, als zu denen neben-treppen ohngemauret gelassen werden müsse (…), der gestallten, daß das mittel von dieser breite nach denen beiden gegen den garten gehenden eusseren bavillionen accurat nach ihrer mitte eintreffen muß (…).“
- ↑ Jahn, S. 48.
- ↑ A Vorplätz und gäng B Die Bierstube C und D Zwey Stübe E Schlafkammer F Die Küch C bis F Wohnung für den Bierschenken G Stieg zu dem Bierkeller H Daß Waschhaus I Der Backofen K Der Waschkessel L Die Wäschestieg M Die Backstube N [nicht bezeichnet] O [nicht bezeichnet] P Die Stube Q Die Schlafkammer R Die Küch O bis R Wohnung für den flurer
- ↑ Nach Adelung, Kapitel F, SS. 231f. bezeichnet der Flurer, (auch Feldhüther oder Flurschütze) “besonders in Baiern, eine Benennung des Abdeckers oder Feldmeisters, weil er sein Handwerk auf der Flur, d. i. auf freyem Felde, ausübet.“ „Der Flurschütze, (…), ein verpflichteter Wächter, welcher die in einer Flur befindlichen Feldfrüchte, Weinberge u. s. f. vor den Dieben bewahren muß, und auch der Flurer, Ackervogt genannt wird.“
- ↑ Q 1381
- ↑ Jahn (1977) mit Anmerkung Nr. 78.
- ↑ Q 1460
- ↑ Q 1451, auf dem Plan von Balthasar Neumann (1729) ist ein solcher im Ehrenhof verzeichnet.
- ↑ Q 1455
- ↑ 216,0 216,1 Q 1467
- ↑ vgl. auch Hotz, S. 109 f.
- ↑ Q 1465: „(…) deren stallungen die gesimser da und dort auszubessern, (…) die voluten über dasigen portal mit blei zu bedecken…“. Außerdem Q 1467, wo Ritter Anweisungen für das Pommersfeldener Bauwesen über den Winter 1727/28 bekommt.
- ↑ Jahn (1977), S. 56.
- ↑ QII, 16: „5 fuhr aus Bamberg mit 180 schönen Lindenbäumen“ (…) 2 fuhr mit allerhand Gebüsch nebst 1400 jungen Buchen (…) „eine Fuhr gestäudig (=Sträucher) von Schönbron“ (…)
- ↑ Lehenbuch der Gemeinde Pommersfelden, Fasz. Nr. 375.
- ↑ Inkunabeln sind Wiegedrucke (Einblattdrucke), welche nur zwischen 1454 und 1500 hergestellt wurden. Weltweit existieren ca. 27.500 Inkunabeln; 82 befinden sich in Pommersfelden.
- ↑ Eine Abhandlung von Florin über den „Klugen Hausvater“ wo er auf über 1500 Seiten die Eigenschaften eines guten „Vaters“ (= Landesvater) beschreibt.
- ↑ Perikopen sind die jeweiligen Evangelien der Sonn- und Feiertage für die Lesungen in den Gottesdiensten aufbereitet.
- ↑ Lothar Franz erwarb innerhalb von drei Jahren 464 hervorragende Manuskripte und 82 Inkunabeln.
- ↑ Er ließ 1732 einen Bibliothekskatalog anlegen, welcher 1064 Seiten umfasst!
- ↑ von Nesstfell 1725 hergestellt.