Petzenhausen, Pfarrkirche St. Peter und Paul
PETZENHAUSEN
Pfarrkirche (z. Z. von Geretshausen vikariert), Gemeinde Weil, Diözese Augsburg; bis zur Säkularisation hatte Kloster Wessobrunn das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Gericht Landsberg
Patrozinium: St. Peter und Paul
Zum Bauwerk: Der im Kern spätgotische Bau wurde um 1750 von Joseph und Franz Xaver Schmuzer umgestaltet. - Saalbau mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem AR; im W Empore
Autor und Entstehungszeit: Die Fresken im LHs und AR datieren aus verschiedenen Epochen; unter einer von Sebastian Jaud signierten und 1821 datierten (Auskunft Pfarramt Petzenhausen; KDB fälschlich: Laud 1802) Pfingstdarstellung befand sich das jetzige, wieder aufgedeckte AR-Fresko. Der kompositorische Aufbau des AR-Freskos, beherrscht durch den weitgespannten Korbbogen – ein beliebtes Günthermotiv, das in der künstlerischen Nachfolge Verbreitung fand – verweist auf eine Entstehungszeit um 1760, etwa gleichzeitig mit der Stukkierung. In diese Zeit gehören auch die Kartuschbilder A1-4. - Das LHs-Fresko hingegen ist ein Werk des Wessobrunner Klostermalers Sebastian Jaud (* 1757 † 1824), wie der Vergleich mit dessen Deckenbildern in Reichling (1803) zeigt. Der stilistische Befund – unlogisch gehandhabte unterschiedliche Größenverhältnisse – entspricht der ehem. Jahreszahlangabe von 1821.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke mit Stichkappen, AR ovales Muldengewölbe mit Spiegel Rahmen: A Rocaillerahmen, B Stuckprofil, von Rocaillen überlappt, A1-4, B1-4, Ba Rocaillekartuschen Technik: Fresko; A, B polychrom, A1-4 monochrom ocker

B1-4, Ba monochrom blauviolett Maße: A Höhe 6,90 m; 7,80 × 7,40 B Höhe 7,45 m; 4,40 × 3,30
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1840 Brand schaden, 1876 Restaurierung. Bei einer Restaurierung 1911 wurden die in gelber Farbe übermalten Deckenbilder freigelegt (Akt B.L.f.D.). 1932 Entfernung der »Pfingst darstellung« und Freilegung eines darunterliegenden Deckenbildes (Mitt. Pfarramt Petzenhausen). Letzte Restaurierung 1966 durch S. Hausinger. Die Fresken im LHs sind bis auf Übermalungen in einigermaßen gutem Zustand, die des ARs sind stark übergangen und nur von ikonographischem Interesse.
Beschreibung und Ikonographie
A MARTYRIUM DER HLL. PETRUS UND PAULUS Das einansichtige Fresko ist durch Himmelsdarstellung und Panoramazone horizontal in zwei Bildhälften gegliedert. Entlang des östlichen Rahmens erstreckt sich ein Terrain, besetzt von ruinösem Mauerwerk, spärlichem Baum- und Graswuchs sowie von Kindern und Soldaten. In der Mitte nimmt Paulus Abschied von Petrus, der durch zwei Schergen zur Richtstätte geführt wird, während sich gleichzeitig am linken Bildrand die Enthauptung des Apostelfürsten Paulus vollzieht. Über der Szene erscheint in einer Wolkengloriole die Hl. Dreifaltigkeit, umgeben von Putti und Puttoköpfen. Zwei Putti tragen die Attribute des hl. Petrus (Kirchenmodell, Schlüssel und Tiara), zwei weitere halten Palmzweig und Lorbeerkranz über die Martyriumsszenen. (Apokryphlegendäre Martyriumsberichte s. bei Ribadeneira-Hornig, Bd 1, 29 u. 30. Juni S. 892–99 u. S. 912 f.)
Die Bildkomposition ist durch zwei sich (in dem Putto mit Kirchenmodell) überkreuzende Diagonalen geprägt, auf der linken Seite durch eine aufragende Ruine, auf der rechten durch das auf den Kopf gestellte Kreuz Petri bestimmt und in den Gestalten von Christus und Gottvater endend. Das Fresko ist kennzeichnend für Spätwerke von geringer Qualität: die Komposition ist ohne jede Dynamik, Bildteile und Figuren sind nur mehr Requisiten, die verständnis- und zusammenhanglos in eine kaum überzeugende Räumlichkeit gesetzt werden. Das einzig angewandte illusionistische Mittel – in der Absicht, räumliche Wirkung zu erzielen – ist eine unterschiedliche Größenproportionierung, die jedoch durch ungeschickten Gebrauch und sprunghaften Wechsel nur große stilistische und ikonographische Unstimmigkeiten auslöst: der Putto mit Kirchenmodell hat die gleiche Größe wie Christus und Gottvater, der Putto mit Martyrersymbolen stößt mit einem Puttokopf zusammen; die Enthauptungsszene ist unverhältnismäßig winzig neben die Kriegsknechte kommen.





poniert, die wiederum als Randgestalten vor der Ruinenkulisse zu groß geraten sind. Darüber hinaus beeinträchtigen die zahlreichen angeschnittenen Figuren die Überschaubarkeit der Szene.
A1 SUPRA HANC PETRAM – Felsen in bewegtem, von Bergen umgebenem Meer, auf dem zwei Schlüssel (= Attribute des Petrus) liegen. Emblemhafte Verbildlichung des Wortspiels Petrus – petra
A2 AEDIFICABO ECCLESIAM — Arche auf einem von hohen Bergen umrahmten Gipfel. Auf dem Dach Buch Evangelium, Schlüssel und Hostienkelch. Inschrift im Giebel IHS. Die Kirche ist dargestellt als Arche auf dem Berg Ararat, Sinnbild des Alten Bundes, auf dem der Neue Bund (IHS) mit der von Christus eingesetzten Eucharistie (Hostienkelch) und dem Papst als Oberstem Hirten (Schlüssel) basiert.
A3 NON PRAEVALEBUNT. — Festung am Fuße eines Gebirges, auf die Kanonen gerichtet sind, deren eine in die verkehrte Richtung feuert
A4 NON NOCEBUNT. - Lorbeerbaum in einer ländlichen Gegend, den Blitze aus einer dunklen Wolke umzucken
A1-3 illustrieren emblemhaft die Einsetzung Petri zum Statthalter der Kirche nach Mt 16,18: Et ego dico tibi quia tu es Petrus, et super hanc petram (A1) aedificabo ecclesiam meam (A2), et portae inferi non praevalebunt (A3) adversus eam. A4 ist ein echtes Emblem, das sinngemäß mit A3 übereinstimmt: der Lorbeer wird als einziger Baum vom Blitz nicht getroffen: ein Bild für den in Gott sicher ruhenden Christen (Picinelli, s. v. laurus, Lib. 9, Nr. 206 ff.).
B SCHLÜSSELÜBERGABE In einer offenen Arkadenhalle, durch welche der Himmel eindringt, überreicht Christus auf einem Stufenpodest dem vor ihm knienden Petrus die Schlüssel und weist auf Gottvater, der neben der Taube des Hl. Geistes auf Wolken thront. Kirchliche Würdenträger, ein Papst, ein Kardinal und ein Bischof drängen vor der Kulisse eines überkuppelten Kirchenbaues durch die Bogenöffnung herein. Rechts am Bildrand die angeschnittene Figur eines Puttos mit Papstkreuz und dem apokalyptischen Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln. Die in Mt 16,18 symbolisch gemeinte Übertragung der Schlüsselgewalt durch Jesus an Petrus ist hier nicht wie üblich szenisch wiedergegeben in Gesellschaft der zwölf Apostel, sondern allegorisch übersetzt. Mit der Einsetzung Petri als Stellvertreter Gottes auf Erden vollzieht sich die Gründung der Kirche, die als eine Institution von hierarchischer Ordnung (Papst, Kardinal, Bischof) vorgeführt wird. Das apokalyptische Lamm steht symbolisch für das Sühneopfer Christi (Apoc 5,6–10), hier auch für seine Mittlerschaft zwischen Gott und Mensch.
B1 BERUFUNG DES PETRUS (Mt 4,1-20) Petrus verlässt das Fischerboot und geht Jesus entgegen, welcher auf die bei ihm weidende Schafherde weist: Anspielung auf Jo 21, 15–17 (weide meine Lämmer)
B2 WANDEL AUF DEM SEE (Mt 14,28–33) Wie B1 zeigt die nach dem Evangelium geschilderte Begebenheit die Vorzugsstellung Petri unter den Aposteln.
B3 MOSES UND DIE EHERNE SCHLANGE (Num 21,4-9), typologisches Vorbild des am Kreuz erhöhten Christus (Jo 3, 14)
B4 JOHANNES MIT KREUZSTAB ECCE AGNUS DEI, der auf das auf der Höhe eines Berges erscheinende apokalyptische Lamm deutet
Ba Auge Gottes im Dreiecksnimbus, von Puttoköpfchen umgeben (keine Abbildung)
In einer typologischen Gegenüberstellung wird zu der Eherne Schlange das apokalyptische Lamm, neutestamentliches Sinnbild des Opfertodes Christi, und zu Moses Johannes, der direkte Vorläufer Christi (Jo 1,29-36), gezeigt.

Quellen und Literatur
KDB I OB (1), S. 536 f
Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 566.
Fried, Pankraz und Sebastian Hiereth, Die Landgerichte Landsberg und Schongau (= Historischer Atlas von Bayern Bd 22/23, München 1971, S. 166.