Oberndorf, Pfarrkuratiekirche St. Georg


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 371–378, geschrieben von Sauerländer, Brigitte und Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkuratiekirche (Pfarrverband Steinhöring), Stadt Ebersberg, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war Oberndorf Pfarrei, die der Jesuitenresidenz Ebersberg inkorporiert war (Schmidtsche Matrikel). Die Residenz Ebersberg war dem Jesuitenkolleg in München unterstellt, dessen Rektor das Präsentationsrecht auf die Pfarrei hatte. Hofmark Ebersberg, dem Jesuitenkolleg gehörig. Gericht Schwaben

Patrozinium: St. Georg

Zum Bauwerk: Der ursprüngliche Bau, von dem noch Teile des Mauerwerks und der Sattelturm erhalten sind, wurde Anfang des 14. Jh. errichtet; Umbau gegen 1500. Bauliche Umgestaltung um 1720 mit Erneuerung der Fenster; an das LHs wurde im N und S je eine Kapelle angebaut. In den gleichen Zeitraum gehören die Zwischenbauten, die an der S-Seite der Kirche die Sakristei, die südliche Kapelle und das gotische Vorhaus in einer Fluchtlinie zusammenbinden. Schmidt 1739 bezeichnete die Kirche als »Ecclesia parochialis, satis pulchre ornata«.

Einfacher, dreiachsiger Saalbau (12,50×7,60 m), in der östlichen Achse im N und S durch je eine längsrechteckige Kapelle erweitert, die mittels eines eingezogenen Bogens an das LHs angeschlossen ist. Empore im W; Gliederung durch Pilaster mit kräftigen Gebälkstücken. Eingezogener, Stuckgesims. Gute Belichtung in LHs und Chor durch barocke Rundbogenfenster.

Qualitätvoller, wessobrunnischer Stuck aus der Zeit um 1720, der Johann Baptist Zimmermann zugeschrieben werden kann; in den Seitenkapellen ist der Stuck mit Gitterwerk und vierblättrigen Blumen bereits fortschrittlicher.

Auftraggeber: Superior in Ebersberg z.Z. der barocken Innendekoration war Georg Scherlin (1706-24); Pfarrvikar war Philipp Haindl (1714–27)

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Johann Baptist Zimmermann und Mitarbeiter, um 1720

Die Deckenbilder sind weder signiert noch datiert. Für Fresko B konnte eine Entwurfszeichnung von Johann Baptist Zimmermann identifiziert werden, signiert J. B. Zimmermann f. V (oder O?) 1720. Die Zeichnung in der Staatlichen Graphischen Sammlung München wurde 1900 von Johann Baptist Schmid publiziert, war U. Röhlig noch bekannt und gilt heute als Kriegsverlust. Das Blatt stellte den Entwurf für das Langhaus-fresko B dar, der exakt ausgeführt wurde. Das Fresko vertritt die Stilstufe um 1720, wie sie sich in den 1719 entstandenen Fresken Johann Baptist Zimmermanns in der Dominikanerinnenkirche in Maria Medingen am umfangreichsten und am anschaulichsten darstellt. Besonders das Fresko vor dem Chorbogen: Dominikus und Franz von Assisi bitten für einen

Der Kirchenraum nach Osten« bietet sich von Format und Komposition her zum Vergleich an. Hier sieht man den Freskanten Zimmermann am Werk, dessen Qualität auch der Entwurfszeichnung entspricht. Die Figur des Georg ist der des Christus in Haltung und Gestik sehr vergleichbar, aber viel lockerer, sicherer, duftiger gemalt. Es ist nicht zu übersehen, dass die Ausführung in Oberndorf an künstlerischer Sicherheit gegenüber dem Entwurf verloren hat. Als Begründung lassen sich nicht nur die offensichtlich restaurativen Überarbeitungen heranziehen. Denn auch die Qualität Zimmermanns als Freskant in seinen frühen Jahren ist sehr schwankend. Zimmermann war gelernter Stuckator, nicht Maler; die Freskotechnik eignete er sich seit ersten Versuchen in St. Wolfgang bei Isen 1700 (CBD Bd. 7, S. 275f.) und in Gosseltshausen 1701 (Lkr. Pfaffenhofen) sowie in Markt Rettenbach (Schw. Lkr. Unterallgäu, 1707) nach und nach selbst an und übte sie stets in Verbindung mit Stuckdekorationen aus (Buxheim 1711/13, Schliersee 1714, Freising, Domkreuzgang 1715, Bad Waldsee 1718, Maria Medingen 1719). Dass er sich an der sogenannten Münchner Schule orientierte und besonders an den Malern Johann Eustach Kendlbacher, Melchior Steidl, Johann Anton Gumpp, Johann Georg Asam, aber auch an dem Venezianer Jacopo Amigoni, hat Gisela Richter nachgewiesen.

Ins Auge springt der Qualitätsunterschied zu den drei anderen Fresken A, C und D: die kleinteiligen, unruhigen Kompositionen mit teils geglückten, teils mißglückten Figuren sprechen nicht für Johann Baptist Zimmermann. Es bietet sich also die Hypothese an, dass der ausführende Maler ein Mitarbeiter Zimmermanns war. Unter der Voraussetzung, dass er für Fresko B nach einer qualitätvollen Bildvorlage arbeiten konnte, die ihm für die anderen Fresken nicht zur Verfügung stand, könnte dieser Mitarbeiter die ganze Ausmalung bestritten haben. Der Mitarbeiterstab und die Werkstatt Zimmermanns zu diesem frühen Zeitpunkt sind jedoch noch nicht genügend erforscht, um diesen Maler einzugrenzen. Vorstellbar ist auch ein im Gericht Schwaben ansässiger Maler. Dafür spricht die Ähnlichkeit der Fresken mit denen in der Pfarrkirche Schönau (um 1726, Lkr. Rosenheim, CBD Bd. 12), die früher ebenfalls im Gericht Schwaben lag.

Die Stuckierung der Oberndorfer Kirche zeigt die Dekorationselemente Johann Baptist Zimmermanns, wie er sie zwischen 1713 und 1720 in den oben angeführten kirchlichen Räumen verwendet hat: Akanthus- und Muschelwerk, Blatt- und Fruchtgirlanden. G. Hager verwies auf den ähnlichen gebildeten Stuckdekor, den Johann Baptist Zimmermann 1718/19 für den oberen Saal des Rathauses in Landsberg a. L. geschaffen hat. Auch in Oberndorf sind die Akanthus- und Blattranken bereits recht zierlich und haben Freiraum zwischen den Verästelungen. Auffallende Motive sind die sehr plastischen Rosen- und Weinstöcke am Gurtbogen im AR, sowie die eigentümlichen, schneckenhausartigen Stuckbekrönungen, deren Spiralen durch dicke Wulste betont werden. Diese Motive finden sich auch in der nahegelegenen Kirche Schönau (LKr. Rosenheim), deren Stuck 1726 datiert ist. Mit großer Wahrscheinlichkeit war die Stuckdekoration in Oberndorf vorbildlich für Schönau.

Der Kirchenraum nach Westen

Das Band- und Gitterwerk, das in den seitlichen Kapellen zu sehen ist, weist auf den Dekorationsstil der zwanziger Jahre. In der Klosterkirche Maria Medingen ist es bereits über der Orgel zu finden. Es muss in Oberndorf also nicht für eine spätere Datierung, sondern kann für das Experiment einer sich gerade herausbildenden Stilstufe zeugen.

Das Kreuzrippengewölbe des gotischen Vorhauses ist ausgemalt mit weißlich-grünen Akanthusranken auf zartgrünem Grund; in der Feldmitte befindet sich jeweils ein gemalter Putto. Diese Ausschmückung dürfte auch der Zeit um 1720/25 entstammen.

Zeichnung Johann Baptist Zimmermanns

Hl. Georg als Patron, Feder laviert, quadriert, Maße nicht bekannt, am oberen rechten Rand ausgefranste Fehlstelle, signiert J. B. Zimmermann f. V. 1720, ehemals SGS Mü, verschollen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A,B,C) Stichkappentonne; AR (D) Tonne, nach O abgemuldet

Rahmen: A und C ovale Stuckprofilrahmen; B mehrfach verkröpfter, rechteckiger Stuckprofilrahmen; D verkröpfter und geschweifter Stuckprofilrahmen, dem Oval angenähert

Technik: Fresko, polychrom

Maße: A Höhe 6,40 m; 1,70 × 2,25 B Höhe 6,40 m; 4,20 × 2,70 C Höhe 6,40 m; 1,70 × 2,25 D Höhe 6,40 m; 1,95 × 2,35

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Um die Mitte des 19. Jh. wurden die barocken Fresken durch den Ebersberger Kunstmaler Anton Rick mit Ölfarben übermalt, im Stil der Nazarener, und die barocken Altarblätter durch nazarenische ersetzt (Signatur Rick 1852). Aus den Pfarrakten Ebersberg

 

(AEM) geht hervor, daß die Kirche 1844 dringend ein Dach benötigte, was für die Schäden an den Deckenbildern verantwortlich sein kann. 1921 wurde das Hauptbild B durch den Ebersberger Kunstmaler Josef Brendle wiederaufgedeckt, aber weitgehend neu gemalt, so daß es 1954 bei den Vorbereitungen zur Innenrestaurierung heißt: »Das Hauptdeckenbild scheint neueren Datums zu sein. Bei den Medaillons, die jetzt Nazarener-Bemalung aufweisen, sind die alten Fresken darunter erhalten«. Ziel der Innenrestaurierung 1955 durch Otto Wimmer, München, war die Rückführung der Raumfassung auf den Originalzustand und das Aufdecken der barocken Fresken. Dabei wurden Bilder von Rick, die Vier Evangelisten im Langhaus und die Darstellungen von Petrus und Paulus im Chor, mitsamt dem Putz entfernt, so daß danach keine barocken Spuren mehr auffindbar waren. Außerdem wurden dabei nach Berichten des Kirchenpflegers Hilger 1989 »in den großen seitlichen Kartuschen am Gewölbefuß zwischen den Fenstern Wandgemälde abgekratzt und überdeckt, die die Vier Kirchenväter darstellten«. Bei der letzten Innenrestaurierung 1992/93 durch Ludwig und Elisabeth Keilhacker, Taufkirchen an der Vils, wurde die Raumschale gereinigt und in der barocken Tönung neu gefaßt. Der durch die Freilegung 1955 stark verkratzte Stuck wurde durch den Stuckbildhauer Werner Gschwender, Augsburg, repariert und größere Stuckpartien, die abgeschlagen waren, wurden nach den noch erkennbaren Umrissen neu aufgetragen (Pilasterfüllungen, Gurtbogenfüllungen, Festons am Hauptbild B; s. Dokumentation im BLfD). Die Deckenbilder restaurierte Elisabeth Keilhacker, wobei das Ergebnis erstaunlich ist in Anbetracht der Schwie rigkeiten, die die Ölübermalung machte. Freigelegt wurden die barocken Grisaillemalereien in den Halbkartuschen a und b die im LHs an die Chorbogenwand stoßen. Neugemalt wurden die Vier Evangelisten in den Zwickelkartuschen des Langhauses, signiert bei 4 Markus Johann & Sebastian Brandstetter.

Beschreibung und Ikonographie

Der Kirchenraum ist reich mit Stuckdekoration ausgekleidet Die Stuckmotive erscheinen in Weißgrau, mit Einzelformen in Ocker und kleinen Resten von Smalteblau vor zartrosa oder zartgelbem Grund. Gewölbe und Stichkappen, Pilaster und Fensterleibungen sind mit Stuck überzogen. Rot und gelb auf weißem Grund ist die Stuckdekoration in den Seitenkapellen Die vier einansichtigen Fresken sind als nur mäßig große Bildfelder in den reichen Stuckdekor eingebettet. A ist gewestet die übrigen Fresken sind geostet. Die Hauptfresken sind im LHs durch vier große Zwickelkartuschen und vier halbe Kartuschen an der W-Wand bzw. Chorbogenwand begleitet, im Chor durch zwei Kartuschen.

A ISIDOR VON MADRID Die kleine querovale gewestete Szene (von der Orgel teilweise verdeckt) mit tiefliegen dem Horizont zeigt als Hauptfigur den hl. Isidor von Madrid als bäuerlich gekleideten Mann in kurzer brauner Hose und weißem Hemd, der in der Hand einen Spaten oder Stock hält. Über seinem Kopf schweben auf Wolken zwei Putten mit Lorbeerkranz und Rose. Diese Gruppe nimmt die gesamte Höhe des Bildes ein. Links von ihr erkennt man die Oberndorfer Kirche in vereinfachter Form, rechts vor den fernen Bergen einen pflügenden Engel mit Pferdegespann. Auf ihn weist der ausgestreckte linke Arm Isidors. Brauntöne und zartes Himmelsblau sind die beherrschenden Farben.

Der hl. Isidor († um 1130) arbeitete als Knecht auf den Feldern eines reichen Madrider Grundherrn. Als frommer Mann pflegte er während der Arbeit zu beten. Einst wurde er dabei von seinem Herrn überrascht, der jedoch feststellen mußte, daß derweile ein Engel das Pflügen übernommen hatte. Der hl. Isidor ist Patron von Madrid und Patron der Bauern

 
Das Langhausgewölbe: B. Der Kirchenpatron St. Georg als Nothelfer, C. Martyrium des hl. Sebastian (Johann Baptist Zimmermann und Mitarbeiter 1720)
 
Enthauptung des hl. Georg, Entwurfszeichnung von Johann Baptist Zimmermann 1720 (nicht erhalten)
 
 
D Enthauptung des hl. Georg

B DER KIRCHENPATRON GEORG ALS NOTHELFER Das hochrechteckige Bildfeld ist in zwei Zonen geteilt (Veränderungen des 19. Jh. besonders in der unteren Hälfte). Die irdische Zone ist in starker Untersicht gegeben. Hier gruppiert sich eine Anzahl Bittflehender auf einem niedrigen Stufensockel. Zwischen der Schmalseite eines Altares links und einem Mann rechts, der eine fallsüchtige Frau festhält, entfaltet sich die symmetrisch aufgebaute Gruppe um eine stehende weibliche Mittelfigur, die zu dem Nothelfer hin vermittelt: Über einem am Boden gelagerten Kranken kniet eine Frau mit einem Kind auf dem Arm; ihr entspricht eine weitere Frau mit einem Knaben in langem, weißen Hemd, der ein Pestglöckchen schwingt; anschließend folgt ein kniender Mann mit Krückstock. Bei den Gewändern und Frisuren der Frauen zeigen sich die Bearbeitungen des 19. Jh. deutlich.

Über den Bittflehenden erscheint als große dominierende Gestalt auf kräftig geballten Wolken vor einer hellen Strahlenglorie der hl. Georg in Rüstung, Helm und rotem Mantel, den Drachen zu seinen Füßen. Am federgeschmückten Helm ist der Lorbeerkranz des Märtyrers befestigt. Georg umfaßt den hohen Lanzenschaft, an dem die lang herabfallende Georgsfahne mit dem weißen Kreuz auf rotem Grund befestigt ist. Mit dem ausgestreckten linken Arm vollführt der Heilige eine Geste der Zuwendung und Gewährung auf die Bittflehenden hin. Neben Georg erscheint ein blumenbekränzter Engel mit einem Inschriftband: »H. Georgi du Allgemeiner / Noth.Helffer der Christenheit«. Zwei Putten präsentieren Schild, Schwert und Märtyrerpalme. Der Schild mit dem Kreuz darauf weist Georg als »miles christianus« aus. Das Schwert ist Instrument seines Martyriums.

Nach den legendären Lebensberichten stammte der hl. Georg aus vornehmer Familie in Kappadozien, trat früh in der Kriegsdienst ein und wurde Offizier unter Kaiser Diokletian. Als standhafter Christ erlitt er in der Diokletianischen Christenverfolgung vielfache Martern, bevor er enthauptet wurde.

Die Legenda aurea berichtet vom letzten Gebet des Heiligen vor seiner Enthauptung, in dem er Gott darum bat, daß alle, die sich im Gebet an ihn wenden, erhört werden mögen. Hierauf fußt die Aufnahme des hl. Georg unter die Vierzehn Nothelfer. Er ist Patron gegen die verschiedensten Krankheiten, auch gegen die Pest. Auf Grund seines Namens (griech. Georgos = Bauer) ist er auch Beschützer der Bauern.

 

C MARTYRIUM DES HL. SEBASTIAN Das querovale Bild vor dem Chorbogen ist dem hl. Märtyrer und Pestpatron Sebastian gewidmet. Er und der zweite Pestpatron Rochus sind Seitenfiguren des Oberndorfer Hochaltars, außerdem ist Sebastian Patron von Ebersberg. In der Bildmitte erhebt sich auf einem flachen Erdstreifen mit tiefliegendem Horizont ein Baum, an den der Heilige gefesselt ist. Der Körper des jugendlichen Märtyrers, von zwei Pfeilen durchbohrt, ist nur vor einem weißen Lendentuch verhüllt. Sein Kopf, von weichen Locken umspielt, blickt zu einem Putto auf, der über ihm den Palmzweig als Lohn des Martyriums hält. Links stehen an einer Felswand zwei Krieger, davon einer mit Fahne, während rechts im Hintergrund zwei Bogenschützen zu sehen sind. Vor dem Heiligen kniet als verschattete Vordergrundsfigur die kolossale Gestalt eines Henkersknechts, für die das Vorbild offensichtlich aus ganz anderem Zusammenhang stammt, denn es handelt sich nicht um einen Soldaten, sondern er ist in einen weiten rostroten Mantel gehüllt. Er greift unmotiviert an den rechten Oberschenkel des Heiligen. Was er im Sinn hat, wird nicht deutlich.

In der Farbgebung hat das Bild, von der Vordergrundfigur abgesehen, eine gewisse Duftigkeit. Neben abgestuften Rot- und Brauntönen finden sich auch stark aufgelichtete Blau- und Grüntöne sowie ein gebrochenes Weiß in den Gewändern der Figuren. Die verschiedenen Grüntöne des Blattwerks und der dahinter durchschimmernde, leicht wolkige Himmel haben atmosphärische Valeurs.

 
a-b Emblematische Darstellungen

a-b Emblematische Darstellungen Die beiden Halbkartuschen am Chorbogen zeigen in wenigen skizzenhaften Strichen auf smaragdgrünem Grund Bilder für den Märtyrer.

a) Zwei Engel binden Weinstöcke auf b) Engel mit einer Palme und zwei Palmzweigen: »Ivstvs vt / Palma Florebit« (Der Gerechte wird grünen wie die Palme, Ps 92,13)

Beide Bilder beziehen sich auf den durch sein Martyrium gestärkten und veredelten Heiligen, somit auf den hl. Georg. Die aufgebundenen Weinstöcke stehen für die Prüfung und innere Reifung während seiner Gefangenschaft. Die Palme, die durch Sturm gepeitscht und niedergebeugt wird, danach aber umso aufrechter dasteht, für seine Martern und Qualen.

D ENTHAUPTUNG DES HL. GEORG Die querformatige Szene ist nach dem gleichen Prinzip aufgebaut wie Fresko C. Über einer flachen Bodenzone erhebt sich im Vordergrund die aus zwei Figuren bestehende zentrale Gruppe von Georg und dem Henker, wie in C in der vollen Höhe des Bildfeldes. Georg kniet am Boden (in Gestalt einer kaum abgewandelten weiblichen Figur: hier hat vermutlich eine Enthauptung der hl. Katharina als Vorlage gedient). Er ist in einen lebhaft gebauschten, rostroten Mantel gehüllt, trägt einen schwarzen Harnisch mit goldenen Schulterklappen, der mehr einem Frauenmieder gleicht. Ein zweiter Brustpanzer und ein Helm liegen zu seinen Füßen. Hinter dem Märtyrer steht etwas erhöht der Henker, der mit dem erhobenen Schwert zum Schlag ausholt. Der Mantel um seinen nackten Körper reicht mit einer hochflatternden Stoffbahn bis zum oberen Bildrand. Georg blickt zum Himmel auf, wo Putten Lorbeerkranz und Palmzweig bereithalten.

Ein Halbkreis von Figuren flankiert und hinterfängt die Hauptgruppe, wobei die zur Bildmitte hin kleiner werdenden Gestalten hinter die Bodenzone absinken. Links ist ein Befehlshaber in römischer Rüstung, mit Schild und Kommandostab zu sehen, ein heidnischer Priester mit einem Stab, den der Kopf eines Idols ziert, anschließend eine Frau mit einem Kind und weitere Zuschauer. Rechts nähern sich berittene Soldaten und ein weiterer Priester. In den Vordergrund ist ohne rechten Zusammenhang eine große, kniende Wächterfigur mit Lanze platziert, für die als Vorbild ein geblendeter Grabwächter aus einer Auferstehung Christi gedient haben kann.

Bei allen kompositionellen Schwächen ist die Malweise relativ locker und duftig. Rot, Grün, Gelb und Blau bilden in sehr gedämpften Tönen die Hauptfarben der Gewänder neben gebrochenem Weiß. Ocker bestimmt den Bodenstreifen und den wolkigen Himmel, abgestufte Grüntöne markieren das Laubwerk an den oberen Bildrändern.

 
Herz Jesu

1–6 Evangelisten und Apostel (Brandstetter 1992) Sechs neugemalte Grisaillekartuschen ersetzen die verloren gegangenen barocken Darstellungen, Evangelisten im Langhaus, zwei Apostel im Chor

I Lukas, 2 Johannes, 3 Matthäus, 4 Markus,

5 Petrus, 6 Paulus.

An der südlichen Chorwand befindet sich ein hochovales Fresko mit der Darstellung des Herzens Jesu. Es blutet aus der Seitenwunde und ist von einem Dornenkranz umgeben. Oben schlagen Flammen aus dem Herz, in denen das Kreuz erscheint.

Das Hochaltarblatt zeigt den Kirchenpatron Georg als Drachentöter (bez. Ant. Rick pinxit 1852). An der Emporenbrüstung befinden sich acht in Öl auf Holz gemalte Bilder mit teilweise selten dargestellten Szenen aus der Georgslegende, die ins späte 17. Jh. zu datieren sind.

Literatur zu Johann Baptist Zimmermann

- Joseph Schmid, Johann Baptist Zimmermann, Maler und kurfürstl. bayer. Hofstuccateur, in: Altbayerische Monatsschrift (hg. vom Historischen Verein für Oberbayern) 2, 1900, Heft 2/3, S. 79; Heft 4/5, S. 115.

Röhlig, Ursula, Die Deckenfresken Johann Baptist Zimmermanns, ungedr. Diss. München 1949, S. 88, 115 f.

Thon, Christina, Johann Baptist Zimmermann als Stukkator, München und Zürich 1977, Abb. 1–52.

Richter, Gisela, Johann Baptist Zimmermann als Freskant. Das Frühwerk, Diss. München 1984 (= tuduv-Studie Reihe Kunstgeschichte Bd 6), S. 119.

Bauer, Hermann und Anna, Johann Baptist und Dominikus Zimmermann. Entstehung und Vollendung des bayrischen Rokoko, Regensburg 1985.

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Ebersberg, 156 8632 01: Filialkirche Oberndorf, Erweiterung, Baufälle, Ausstattung, Restaurierung 1847-1935.

BLfD, Akt Oberndorf, Kath. Pfarrkirche St. Georg, 1954- 1991.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 329 f., 345 f.

Paulhuber, Franz Xaver, Geschichte von Ebersberg, Burghausen 1847, S. 698.

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 226, 231–33, 236–38.

KDB IOB (2), S. 1379.

Guggetzer, Martin, Elfhundert Jahre Ebersberg, ergänzt und erweitert von Heinrich Kastner, Ebersberg 21957, S. 63.

Kastner, Heinrich, Oberndorf, in: Der Landkreis Ebersberg in Geschichte und Gegenwart. Ein Heimatbuch, München 1960, S. 115 f.

Sponholz, Hans, Schöne Heimat Ebersberg. Der Landkreis in Bildern, München-Aßling 1967, S. 140.

Schlüter, Helmut, Die Kunstdenkmäler, in: Der Landkreis Ebersberg, Raum und Geschichte, Stuttgart 1982, S. 275. Historischer Atlas I, Bd 48, Gericht Schwaben (Gottfried Mayr), München 1989, S. 54, 57, 110, 302, 308, 371, 380f. Dehio 1990, S. 909.

Krammer, Markus, Kunsthistorisches Kleinod an der alten Salzstraße, in: Süddeutsche Zeitung, Ausgabe Ebersberg, 24./25./26.12.1991, Nr. 296.

B. S./C. B.