Neuenhuntorf, Gut und Amtssitz

Laß, Heiko:Neuenhuntorf, Gut und Amtssitz, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/51c1910a-d45e-4234-93d8-9192ff2e233d

Inventarnummer: cbdd10108

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Im 1678 erbauten Wohn- und Amtshaus des Deichgrafen Anton Günther von Münnich hat sich in vier Räumen Deckenmalerei aus der Zeit um 1688 erhalten, die in Medaillons u.a. mythologische Szenen und Landschaften präsentiert.

Das Gutshaus in Neuenhuntorf

Beschreibung

Nach Dehio wird beschrieben: „Herrenhaus. Zweigeschossiger Backsteinbau mit Walmdach, rechteckiges Sandsteinportal mit Monogramm Anton Günther von Münnich und Datierung 1678. Ab 1766 im Innern umgebaut, hier Holzbalkendecke mit Ranken und 3 querovalen Medaillons mit Jagd- und Schäferszenen in Grisaille, 18. Jh., kürzlich restauriert.“[1]

Das so genannte Paradezimmer

Der Raum

Im Erdgeschoss des fünfachsigen Hauptgebäudes befindet sich im linken Drittel das zweigeteilte sogenannte Paradezimmer. Es war ehemals das Empfangs- und Amtszimmer des Deichgrafen. Sein Hauptraum weist nach Osten zur Eingangsseite hin, der Alkoven zur rückwärtigen Westseite.

Die Malerei

Der Raum hat eine Balkendecke mit grotesker Wellenrankenbemalung mit Figuren. In der Mitte befindet sich jeweils eine Kartusche mit einer mythologischen Darstellung oder einer Landschaft in Grisaille.

In den drei Fachen ist die auf Ovids Metamorphosen beruhende Geschichte von Venus und Adonis frei wiedergegeben. Die erste Szene zeigt das Paar vor einem Baum. Adonis ist halb niedergekniet und hat seinen Köcher auf dem Boden gelegt. Zwei Hunde springen um das Paar herum. Die zweite Szene zeigt Adonis, der im Begriff ist, auf die Jagd zu gehen. Venus versucht, ihn von seinem Vorhaben abzuhalten. Die dritte Szene zeigt das Paar friedlich vor einem Baum sitzend und sich umarmend. Der Jagdspeer des Adonis liegt am Boden; ein Jagdhund beobachtet die beiden.

Auf den Unterseiten der drei sichtbaren Deckenbalken sind kleine, ebenfalls grau in grau gestaltete, schmale längsovale Landschaftsbilder zu sehen. Man erkennt einmal ein abgelegenes Haus in einer Landschaft, ferner einen Bauernhof in einer Landschaft und drittens ein Haus an einem Wasserlau mit einer Brücke, auf der ein Wanderer auf das Gebäude zugeht. Im Wandbereich wurden Belege architekturillusionistischer Ausmalung gefunden. Alle Malereien werden auf 1688 datiert.[2]

Das ehemalige Vorgemach

Der Raum und seine Malerei

Im ehemaligen Vorgemach gibt es im Deckenbereich Holzimitationen. Die Malerei wird auf 1688 datiert.[2]

Das Kaminzimmer

 

Der Raum und seine Malerei

Im sogenannten Kaminzimmer im Obergeschoss hat sich eine Balkendecke mit gemalter Kassettierung und Rosetten erhalten. Die Malerei wird auf 1688 datiert.[2]

Die ehemalige Schlafkammer

Der Raum und seine Malerei

Die ehemalige Schlafkammer im Obergeschoss birgt eine Balkendecke mit Knorpelwerk-Medaillons auf grünem Grund mit ehemals vier ländlichen Veduten in Grisaille. Drei haben sich weitgehend erhalten. Sie gleichen thematisch teilweise den Landschaftsdarstellungen im sogenannten Paradezimmer.

Das erste Medaillon ist weitgehend verloren, man erkennt nur noch links den Rest eines Baumes. Auf dem zweiten Medaillon erblickt man einen Wanderer mit Hut und Stock, der von rechts auf ein zweigeschossiges Haus zuschreitet. Auf dem dritten Medaillon ist ein Wanderer zu sehen, der auf ein Haus zutritt, aus dem ihm eine Frau aus einer Klöntür entgegenblickt. Auf dem Dach des Hauses erblickt man ein Storchennest. Das letzte Medaillon zeigt eine Brücke über einen Fluss oder Bachlauf, die von einem Hund von links nach rechts überquert wird. Rechts steht am Bildrand ein Haus.

Die Malerei wird auf 1688 datiert.[2]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Niedersachsen, 1992. – Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
  • Dülberg, Ikonographie, 1991. – Dülberg, Angelica: Zur Ikonographie der profanen Wand- und Deckenmalerei vom 15. bis zum 19. Jahrhundert – Ein erster Überblick. In: Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume. Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 133-156.
  • Grote/Königsfeld, Katalog, 1991. – Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter: Katalog. In: Dies. (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume. Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 219-261.
  • Lübbing, Neuenhuntorf, 1957. – Lübbing, Hermann: Das Münnichsche Vorwerk zu Neuenhuntorf (1764–65). In: Oldenburger Balkenschild 2 (XI/XII/1957), S. 28-32.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 969. Vgl. zur Geschichte des Hauses auch: Lübbing, Neuenhuntorf, 1957.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Dülberg, Ikonografie, 1991, S. 150; Grote/Königfeld, Katalog, 1991, S. 123-124.