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MühlbergElbe, Martinskirchen, Rittergut sog Schloss

Aus Deckenmalerei-Lab
Burioni, Matteo:Mühlberg/Elbe, Martinskirchen, Rittergut (sog. Schloss), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/db171c80-6713-44a7-8256-2e3de93b2b57

Inventarnummer: cbdd10447

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Das Rittergut Martinskirchen ließ sich Graf Friedrich Wilhelm von Brühl vom Architekten Krubsacius 1754-1756 errichten und im ovalen Marmorsaal hat sich ein Deckengemälde von Stefano Torelli mit Diana bei der Jagd im Kreis der Nymphen erhalten.

Die Baugeschichte

Baugeschichte

Graf Friedrich Wilhelm von Brühl kaufte 1739 das Rittergut Martinskirchen. 1745-1756 ließ er sich von Friedrich August Krubsacius ein neunachsigen Bau mit Mittelrisalit mit bekrönenden Tympanon auf den Seitenfassaden errichten. Das Bauwerk verfügt über ein Hauptgeschoß und ein Attikageschoß. Die beiden Tympana tragen jeweils Darstellungen der vier Elemente. Auf der einen Seite Wasser in Form einer weiblichen Flußgottheit mit Vase und Erde mit den Früchten der Erde mit Füllhorn, auf anderen Seite Feuer in Form einer weiblichen Personifikation mit Scheiterhaufen und gesenkter Fackel sowie Luft in Form eines blasenden Windgottes. Die Straßenfassade prägt ein risalitartiger, ovaler Pavillon mit bekrönenden Allianzwappen der Brühl und Königskrone, die Gartenfassade trägt ein B für Brühl und eine Königskrone.

Nutzungsgeschichte

1760 starb Friedrich Wilhelm von Brühl, seine Söhne Hanns Moritz und Heinrich Adolf verpachteten das Rittergut, 1795 verkaufte Hanns Moritz von Brühl an Andreas Christoph Stephann. Bis 1945 blieb das Bauwerk im Besitz der Familie Stephann. Als die russische Armee anrückte, floh die Gutsherschaft und Inventar, Spiegel und Öfen wurden zerstört und abtransportiert. Nach Abzug der russischen Armee wurden 300 Umsiedler einquartiert. Das Gut Martinskirchen wurde durch die Bodenreform aufgeteilt. Anfang der 50er Jahre baute man die große, dreifläufige Treppe aus und eine Berufsschule mit Internat wurde eingerichtet, die bis in die 70er Jahren blieb. Die Kommune übernahm 1968 den westlichen Teil. Im Erdgeschoß zogen Schwesterstation und Gaststätte ein. Der Rat der Gemeinde übernahm 1985 die Trägerschaft über das Bauwerk. Teile des Bauwerks wurden für eine Poststelle und einen Friseur genutzt. Im April 1992 übergab die Treuhand das Bauwerk in die Hände der Gemeinde Martinskirchen. 1991-1997 wurde durch die Brandenburgische Schlösser GmbH Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt.

Der Marmorsaal

Das Rittergut Martinskirchen verfügt über einen ovalen Marmorsaal, der sich mit drei Fenster zum Garten hin öffnet, und durch eine mittige und zwei seitliche Türen erschlossen ist. Der Marmorsaal ist durchgehend mit Buntmarmor ausgestattet. In der unteren Wandzone wechseln sich Spiegel und stuckierte Trophäen mit Musikinstrumenten ab. Über den drei Türen finden sich Trophäen mit Helmen und Waffen. Die Trophäen könnte auf eine Nutzung als Ball- und Festsaal hinweisen. Die Ikonografie des Deckenbildes ist der Jagd gewidmet.

Diana bereitet sich mit den Nymphen zur Jagd

Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde Diana ruht mit ihren Nymphen nach der Jagd wurde vo Stefano Torelli nach 1756 geschaffen. Das Deckengemälde wurde 1991-1996 restauriert. Fehlstellen an der Decke wie auch an den Wänden sind nach wie vor sichtbar, Übermalungen ebenfalls, insgesamt befindet sich die Malerei in einem gutem Zustand. Die Flachdecke ist mit Eisenankern am Dachstuhl aufgehängt. In der Mitte der Decke befindet sich ein Haken für ein Kandelaber. Der Marmorsaal mit dem spiegelnden Stuckmarmor und den Spiegeln sowie der Ölmalerei auf Putz eignet sich gut für künstliche Beleuchtung.

Beschreibung und Ikonographie

Das ovale Deckengemälde ist von einem Stuckrahmen umgeben und erhebt sich über einer flachen Hohlkehle. Eine gemalte Brüstung mit sechs Kartouschen rahmt den Himmelsausblick. Diana mit Mondsichel auf dem Kopf lagert mit Bogen in der linken Hand und erhebt die rechte Hand zu einer weisenden, befehlenden Geste. Links reicht ihr eine Nymphe den Bogen, rechts halten zwei Putten Jagdhunde an der Leine. Eine Nymphe und zwei Putten halten ein weißes Tuch hinter der Göttin gerafft in die Höhe. Drei Gruppen von Putten sind über den wolkigen, blauen Himmel verteilt, eine Nymphe ist im Gespräch mit einer männlichen Person. Eine Nymphe mit entblößten Brüsten erhebt den Speer zur Jagd und folgt der Anweisung Diana. Rings auf der Brüstung spielen drei Gruppen von Putten mit Jagdhunden.

Komposition und Ansichtigkeit

Das Zentrum des ovalen Deckengemäldes ist leer. Die zentrale Szene mit der lagernden Diana mit Bogen und einer Nymphe, die ihr den Köcher reicht, unter einem von Putten gehaltenen weißen Tuch ist aus der Mitte und leicht nach unten versetzt. Durch diese exzentrische Position am unteren Rand der Decke ist die Hauptszene gut für den eintretenden durch die mittige Tür zu sehen. Die Gruppen von Putten im Himmel und auf der Brüstung bieten abwechslungsreiche Nebenszenen für Betrachter aus fast allen Positionen unter dem Deckenbild.

Scheinfenster, Diana und Putten

Unter dem Deckenbild befinden sich zwei weitere Darstellungen der Jagdgöttin Diana. In einem weckt sie den schlafenden Hirten Endymion, in einem weiteren ist sie mit dem Jäger Endymion. Zwei geoffnete Scheinfenster zeigen einen männlichen und einen weiblichen, gemalten Zuschauer. Eine Reihe von Grisaillen mit Putten mit Jagdutensilien ergänzt den Zyklus an Malereien.