Mersch, Kapelle von Haus Venne
Inventarnummer: cbdd10352
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Die Kapelle von Haus Venne birgt Wand- und Deckenmalerei eines unbekannten Künstlers von ca. 1770.

Haus Venne
Kurzbeschreibung und Lage
Das Haus Venne[1] befindet sich im Westen der Ortschaft Mersch. Es wird aber nicht von Mersch aus erreicht, sondern von Westen aus. Die symmetrisch an einer West-Ost-Achse gespiegelte Anlage ist von einem rechteckigen Wassergraben umgeben. Im Osten steht das Herrenhaus. Im Westen befinden sich im Norden und Süden je zwei zur Achse quergestellte Neben- bzw. Wirtschaftsgebäude. Im nordöstlichen Gebäude ist eine Kapelle gelegen.
Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Haus Venne stammt aus dem Mittelalter. 1611 gelangte es an die von Ascheberg, die lange Zeit Drosten des Amtes Werne waren. 1710-19 ließ Johann Matthias von Ascheberg nach Plänen Lambert Friedrich Corfey die gegenwärtige Anlage errichten. Bis 1725 folgten die Nebengebäude. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Anlage verändert. So wurden die beiden Nebengebäude, die ehemals zum Hof offene Dreiflügelanlagen waren, durch Abbruch der Hauptflügel zu vier einflügeligen Bauten umgestaltet.
Beschreibung
Das Herrenhaus ist wie die Nebengebäude von gelbem und rotem Backstein. Im Gegensatz zum Hauptgebäude sind die Nebengebäude eingeschossig. Der Nordostflügel der Vorburg nimmt eine Kapelle auf. Diese Funktion wird am Außenbau kaum kenntlich gemacht. Lediglich der Dachreiter mit Glocke auf dem hohen Krüppelwalmdach und eine Uhr im südlichen Giebelfeld geben Hinweise.
Die Kapelle von Haus Venne
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Beim Neubau der Gesamtanlage kam 1725 die Kapelle in den damals östlichen Seitenflügel des nördlichen Wirtschaftsgebäudes.[2] Die Stifter waren Johann Matthias von Ascheberg und seine Frau Elisabeth von Lipperheide. Die Innenausstattung stammt von einer Erneuerung 1769-71 unter dem Enkel des Bauherrn, Johann Matthias Caspar von Ascheberg, und seiner Frau Margarete Franziska Etzbach. Die Stuckausstattung schufen die Brüder Metz.
Beschreibung
Der rechteckige Kapellenraum misst 9,08 auf 7,76 Meter. Er erhält durch Fenster im Osten, Süden und Westen Licht. Der Eingang befindet sich im Süden, der Altar im Osten. Die Wände sind mit gekuppelten kompositen Pilastern in den Raumecken und zwischen Fenstern und Türen gegliedert sowie diesen korrespondierenden Wandnischen an den jeweils gegenüberliegenden Wänden. Über dem abschließenden Gebälk folgt eine Spiegeldecke mit hoher Voute. Die Wandgliederung setzt sich in der Voute fort.
Die Gemälde an der Wand
Beschreibung und Ikonographie
An den Wänden und über den Türen sind in den Nischen Fresken gemalt, die entsprechend dem Patrozinium der Kapelle wesentliche Szenen aus dem Leben Marias wiedergeben.[3] Die Nischen sind jeweils gegenüber realen Fenstern angeordnet. Über der Eingangstür im Süden wird die Geburt Mariens wiedergegeben. Es folgen an der Westwand in Nischen der Tempelgang Mariens und die Heimsuchung. In der Mitte zwischen beiden ist auf Höhe der Supraporte die Verkündigung zu sehen. An der Nordwand erblickt man links in einer Nische die Darstellung Christi im Tempel und als Supraporte gegenüber dem Eingang die Himmelfahrt Mariens.
Vorlagen
Die Darstellung der Heimsuchung geht auf einen Stich von Cornelius Danckerts nach Peter Paul Rubens zurück. Im Gegensatz zur Vorlage wurde das Zusammentreffen von Maria und Elisabeth zusammen mit ihren Ehemännern Zacharias und Joseph auf die Treppe eines Hauseingangs verlegt.[4]
Die Gemälde in der Voute
Beschreibung und Ikonographie
In der Voute befinden sich acht Fresken: Vier ovale in den Ecken und vier querrechteckige an den Längsseiten.[5] Die Ovale präsentieren die vier Evangelisten,[6] die rechteckigen Darstellungen zeigen Putten, die im Westen, Süden und Norden die Symbole von Glaube, Liebe und Hoffnung präsentieren. Über dem Altar ist das Auge Gottes zu sehen.[7]
Das Deckengemälde
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei ist um 1770 entstanden und nahezu nicht übermalt. Es schimmern teilweise Quadraturnetze durch. Sie ist keinem bestimmten Künstler zugeschrieben.[8]
Beschreibung und Ikonographie
Der Deckenspiegel präsentiert ein Fresko[9] mit einer Kreuzesvision eines Papstes. Die reale Architektur wird mit malerischen Mitteln fortgesetzt, indem eine weitere – gemalte – Voute mit abschließender Mauer gezeigt wird, in der die Pilaster der Wände formal fortgeführt werden. Über der Mauer ist im Osten ein Bodenstreifen gemalt. Hier lagert eine Papstgestalt links an einem Altarstein. Sie hat mit beiden Händen einen Kelch umfasst, über dem eine Hostie strahlt. Über dem Licht ist der obere Abschnitt eines Hirtenstabes zu sehen. Der Papst blickt nach rechts an den Himmel, wo zwei Engel das Kreuz präsentieren. Über der Szene lagern Gottvater und Christus auf Wolken in ein Gespräch vertieft und über ihnen die Taube des Hl. Geistes. Sie sind umgeben von kleinen Engeln.
Programm
Vermutlich ist die Papstfigur als Personifikation der Kirche zu verstehen, die als Mittler zwischen den Gläubigen und dem dreieinigen Gott fungiert. Das Kreuz steht für die Erlösung und der Kelch mit Hostie verweist auf die sich immer wiederholende Opferung von Gottes Sohn.[10]
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Westfalen, 2011. – Dehio, Georg: Nordrhein-Westfalen II. Westfalen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Ursula Quednau. München/Berlin 2011.
- Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987. – Püttmann-Engel, Kristin: Schloßkapellen im Raum Westfalen 1650–1770 (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 14 ). Bonn 1987.
- Strohmann, Venne, 1994. – Strohmann, Dirk: Die Kapelle von Haus Venne – Baugeschichtliche Befunde und Restaurierung. In: Westfalen 72 (1994), S. 592-620.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S 267; Strohmann, Venne, 1994; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 267-269.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 295; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 77, 267-269.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 295; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 77, 90, 268.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 78-79, 90.
- ↑ Dehio, Westfalen, 2011, S. 295; Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 77, 268.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 90.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 78, 91.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 77.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 77, 91, 268.
- ↑ Püttmann-Engel, Schloßkapellen, 1987, S. 91.