Münster, sog Alte Dechanei des ehem Kollegiatstift St Mauritz Münster
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In der so genannten Alten Dechanei des ehem. Kollegiatstifts St. Mauritz-Münster hat sich ein Strappo mit einem Triumph der Fides vom Anfang des 18. Jahrhunderts erhalten.

Münster, sog. Alte Dechanei des ehem. Kollegiatstift St. Mauritz-Münster

Kurzbeschreibung und Lage
Die so genannte Alte Dechanei befindet sich in der ehemaligen Immunität des Kollegiatstifts St. Mauritz[1] in Münster-St. Mauritz. Dieses lag ehemals vor den Toren der Stadt Münster im Osten. Die Alte Dechanei stand an der Nordostecke der Immunität.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Gebäude ist in drei Bauphasen errichtet worden. Sein älterer Teil stammt von 1632. Anfang des 18. Jahrhunderts erfolgten Um- und Erweiterungsbauten. Vermutlich veranlasste sie Herrmann Tomnienhaus oder sein Bruder Wilhelm Karl, da sich die Wappen ihrer Eltern am Kamin des so genannten Kaminsaals befinden. Hermann erhielt 1695 ein Kanonikat, Wilhelm Karl 1717. Ein dritter nicht datierter Umbau erfolgte Ende des 18. Jahrhunderts.[2]
Das ehemalige Kollegiatstift St. Mauritz und seine Kurien
Das Stift stammt aus dem 11. Jahrhundert. St. Mauritz war nach dem Domstift das ranghöchste Stift im Münsterland. Die Auflösung des Stifts erfolgte 1811 und die Stiftskirche wurde zur Pfarrkirche. 1832 legte man das Stiftsgebäude nieder. Von ehemals acht Kuriengebäuden haben sich lediglich zwei erhalten – das heutige Pfarrhaus und die so genannte Alte Dechanei. Hinzu kommen zwei Torpfeiler der ehemaligen Umfriedung des Immunitätsbereichs.[3]
Das Kapitel besaß ehemals acht und in der Frühen Neuzeit noch fünf Kurienhäuser von unterschiedlichem Wert. Daher war es möglich, dass ein Kanoniker bei Vakanz für ein besseres Gebäude optierte und umzog. Fanden sich für einzelne Häuser keine Optanten unter den Kanonikern und Vikaren, konnten die Kurien auch an andere Personen vermietet werden. Die Gebäude lagen in großzügigen Gärten.[4]
Beschreibung
Das Gebäude der Alten Dechanei befand sich am Nordostrand des Stiftsbezirkes und war ehemals an seiner Nord- und Ostseite eng von einem Wassergraben eingefasst. Es handelt sich um eine eingeschossige Zweiflügelanlage mit Walm- bzw. Krüppelwalmdach. Die beiden Flügel stoßen im rechten Winkel aneinander. Das Erdgeschoss ist massiv und verputzt, das Obergeschoss des Ostflügels in Fachwerk ausgeführt.[5]
Der so genannte Kaminsaal

Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der so genannte Kaminsaal hat sein heutiges Aussehen weitgehend Anfang des 18. Jahrhunderts erhalten. Vermutlich veranlasste die Umgestaltung Herrmann Tomnienhaus oder sein Bruder Wilhelm Karl, da sich die Wappen ihrer Eltern am Kamin befinden.[6]
Beschreibung
Der Raum ist an der Nordostecke des Hauses gelegen. Er wird von Süden aus durch eine Tür in der Südwestecke betreten. Ein Fenster befindet sich im Norden, zwei weisen nach Osten. An der Westwand steht ein Kamin mit den Wappen des Heinrich Tomnienhaus und der Maria Elisabeth Bertenhoff, welche die Eltern von Herrmann und Wilhelm Karl waren.[7]
Der Triumph der Frömmigkeit

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Das Gemälde wurde Anfang des 18. Jahrhunderts in einem Stuckrahmen an die Decke freskiert. Details erfolgten in Seccomalerei. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde die Malerei nach 1945 von der Decke gelöst, anschließend mit Pattex-UHU-Kleber auf eine Spanplatte aufgebracht und zuletzt an seinen gegenwärtigen (und vermutlich auch ursprünglichen) Ort an die Decke gebracht. 2002 wurde die Malerei restauratorisch bearbeitet. Fehlstellen sind lasierend eingetönt.[8]
Beschreibung und Ikonographie
Zu sehen ist der Triumph der Frömmigkeit. Sie fährt in einem von zwei Adlern gezogenen Wagen über den Wolkenhimmel und blickt auf ein Weihrauchfass, das sie in ihrer rechten Hand hält. Sie trägt ein rotes Gewand. Über ihrem Kopf wölbt sich effektvoll ein rotes Tuch.
Bibliographie
- Literatur:
- Geisberg, Münster 6, 1941. – Geisberg, Max (bearb.): Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen 41. Die Stadt Münster. Teil 6. Die Kirchen und Kapellen der Stadt außer dem Dom. Münster 1941.
- Hemfort/Reinke, Mauritzkirche, 2020. – Hemfort, Elisabeth/Reinke, Ulrich: Die Mauritzkirche. 950 Jahre Stifts- und Pfarrkirche. Münster 2020.
- Hengst, Klosterbuch 2, 1994. – Hengst, Karl (Hrsg.): Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung. Teil 2. Münster – Zwillbrock. Münster 1994.
- Kohl, Mauritz, 2006. –Kohl, Wilhelm (bearb.): Das Bistum Münster 9. Das Kollegiatstift St. Mauritz vor Münster (Germania Sacra, N.F. 47), Berlin/New York 2006.
- Archivalien:
- Kampmann-Wilsker, Dechanei, 2002. – Kampmann-Wilsker, Ralf: Jugendheim „Alte Dechanei“, Dechaneistraße 14, Großer Kaminsaal, 48145 Münster. Maßnahmebericht mit Fotodokumentation. Konservierende Maßnahmen an: Kamin – Deckengemälde. Münster 2002, in: Landschaftsverband Westfalen-Lippe – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Münster. Jugendheim, Alte Dechanei, Großer Kaminsaal, 2002.
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe. – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Archiv. Dechaneistraße 14 (ehem. Stiftsstraße 15), ehem. Alte Dechanei St. Mauritz, heute städt. Jugendheim.
Einzelnachweise
- ↑ Hemfort/Reinke, Mauritzkirche, 2020; Kohl, Mauritz, 2006; Hengst, Klosterbuch 2, 1994, S. 39-45.
- ↑ Hemfort/Reinke, Mauritzkirche, 2020, S. 90-93; Kohl, Mauritz, 2006, S. 394, 396; Hengst, Klosterbuch 2, 1994, S. 39; Geisberg, Münster 6, 1941, S. 50. Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Hengst, Klosterbuch 2, 1994, S. 39, 43. Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Hemfort/Reinke, Mauritzkirche, 2020, S. 88; Kohl, Mauritz, 2006, S. 279.
- ↑ Hemfort/Reinke, Mauritzkirche, 2020, S. 90-93; Geisberg, Münster 6, 1941, S. 50. Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Geisberg, Münster 6, 1941, S. 50. Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
- ↑ Hemfort/Reinke, Mauritzkirche, 2020, S. 90. Kampmann-Wilsker, Dechanei, 2002.
- ↑ Kampmann-Wilsker, Dechanei, 2002.