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München, Schloss Nymphenburg, Amalienburg

Aus Deckenmalerei-Lab
Bauer-Wild, Anna:München, Schloss Nymphenburg, Amalienburg, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/a0eb80bb-a53b-44d8-8b16-ae1e227f9e53

Inventarnummer: cbdd00012

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Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Die Amalienburg, von 1734 bis 1739 von François Cuvilliés d.Ä. erbaut, enthält Stuckdekorationen von J. B. Zimmermann und Malereien von Joseph Pasqualin Moretti. Besonders bemerkenswert ist die Küche mit Deckenmalerei, die Chinoiserieszenen in Blau und Weiß zeigt, welche mit den Fließen harmonieren.

München, Schloss Nymphenburg, Amalienburg, Küche
München, Schloss Nymphenburg, Amalienburg, Küche

Die Amalienburg im Nymphenburger Schlosspark

München, Schloss Nymphenburg, Amalienburg

Dieser Text wurde bereits im Band des Vorgängerprojekts veröffentlicht. Die in den folgenden Ausführungen angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Originalpublikation.

Siehe hierzu: Bauer-Wild, Anna: Nymphenburg, Amalienburg, in: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Bd. 3: Freistaat Bayern. Regierungsbezirk Oberbayern. Stadt und Landkreis München, Teil 2: Profanbauten, München 1989, S.421-423.

Zudem finden sich in den Originalpublikationen Verzeichnisse und Ergänzungen zur Arbeit mit den Publikationen. Deren Retrodigitalisierungen finden sich hier:

Zur Benutzung

Editions- und Zitierungsweise

Allgemeine Abkürzungen

Abkürzungen der biblischen Schriften

Bibliographische Abkürzungen

Das Bauwerk

Zum Bauwerk

Erbaut 1734 durch Franςois Cuvillies d. Ä., im gleichen Jahr Fertigstellung des verputzten und eingedeckten Rohbaues. Stuckierung durch Johann Baptist Zimmermann 1734 außen, ab 1735 innen; 1739 Vollendung des Innenausbaues.

Runder Mittelsaal mit nach N und S anschließenden Flügeln zu je zwei Räumen nach O und Neben- und Wirtschaftsräumen nach W. Bemalte Decken haben die Küche, ein Durchgangsraum, die Hundekammer und die Retirade. Der Mittelsaal und die Räume nach O sind stuckiert.

Küche Rechteckiger Raum mit Herdnische in der NW- Ecke des Baues, Fenster nach N und W; Fliesenverkleidung der Wände

Durchgangsraum Sehr kleiner Raum zwischen Küche und nördlichem Kabinett, Fenster nach N; Fliesenverkleidung

Hundekammer Rechteckiger Raum in der SW-Ecke des Baues, Fenster nach S und W; ringsherum Einbauschränke für Gewehre und darunter Hundekojen

Retirade Sehr kleiner rechteckiger Raum mit halbrunder Toilettennische im Ν, Fenster nach S; Holzvertäfelung. Einbauschränke, Vertäfelung, Sockel, Türen und Fensterläden in diesen Räumen sind sämtlich mit blauer Malerei auf weißem Grund ornamentiert.

Auftraggeber

Kurfürst Karl Albrecht von Bayern (1726—45), nach dessen Gemahlin Maria Amalia, Tochter Kaiser Josephs I., das Schloß benannt ist

Autor und Entstehungszeit

Joseph Pascalin Moretti ca. 1737

Der Ausbau der Amalienburg wurde von der Kurfürstlichen Geheimen Cassa finanziert und taucht deshalb in den Bauamtsrechnungen, den Baumanualen und Materialausgabebüchern kaum auf. Einzige Quelle für die am Ausbau beteiligten Künstler und Handwerker war eine Kostenzusammenstellung F. Cuvillies’ aus dem Jahre 1754 (Abschrifts Trautmanns im StadtAM, Trautmann-Nachlaß 7/6, Original nicht mehr auffindbar), in der u.a. auch der Maler genannt ist: »Joseph Pascali Maler für den Plafond in der Kuchl 80 fl.; ... Joseph Pascali Maler für Malung der Kuchl, Cabinet, Pixenkammer etc. 593 fl.«

Joseph Pascalin Moretti malte also außer dem Plafond in der Küche auch die Wandfüllungen des Indianischen Kabinetts in der NO-Ecke, Einbauschränke und Decke der Büchsen- oder Hundekammer, den Durchgang, die Retirade sowie Türen, Fensterläden und Holzeinbauten in den genannten Räumen. Da der Großteil dieser Arbeiten die fertige Kistlerarbeit voraussetzt, kann man sie auf die Zeit ab 1737 festlegen: in diesem Jahr wurde mit der Versilberung in den Prunkräumen begonnen, die zum Teil ebenfalls die fertige Kistlerarbeit voraussetzt.

Joseph Moretti, genannt Pascalin (*um 1700, Herkunft unbekannt + 17. 1. 1758 München), war von Kurfürst Max Emanuel, auf Empfehlung des Kurprinzen Karl Albrecht, zur Ausbildung nach Paris geschickt worden. 1729 wieder in München, bewarb er sich erfolglos um eine Anstellung mit Besoldung; es wurden ihm aber Arbeiten für den Hof in Aussicht gestellt. 1730 wurden ihm für Malereien 330 fl. aus den wöchentlichen Lustbaugeldern angewiesen, was den Schluß erlaubt, daß es sich um Wand- oder Deckenmalereien in Nymphenburg handelte, wo in der gleichen Zeit Umbauten im ersten nördlichen Pavillon stattfanden und Ausstattungsarbeiten in den Kurfürstlichen Appartements im Gang waren (BSV, Baumanuale 1730). Am 9. 8. 1740 wurde er zu 400 fl. jährlicher Besoldung angestellt. Er starb am 17. 1. 1758 in München (BHStA I, HR I, 281/61; 284/224; 285/266).

Befund

Träger der Deckenmalerei: In sämtlichen Räumen Flachdecken, in der Küche dazu breite Hohlkehle

Rahmen:

Küche

Über einem mit Blumenranken ornamentierten Stuckprofil setzt die breite Hohlkehle an, vom Deckenspiegel durch ein Stuckprofil geschieden, das in Ecken und Seitenmitten blau auf weiß Blumenranken zeigt Durchgang Weißblaue Stuckprofilleiste

Hundekammer

Der obere Abschluß der Schrankeinbauten, eine Hohlkehle mit abschließender Profilleiste, Holz, weiß und blau bemalt, bildet den Rahmen für den Deckenspiegel

Retirade

Weiß-blaue Holzleisten, zum Fenster hin ohne Rahmung

Technik: Küche Öl auf Leinwand

Übrige Räume

Kaseinfarben auf Putz Blaue Malerei auf weißem Grund

Maße:

Küche Höhe 5,30 m; 4,30 × 2,95

Durchgangsraum Höhe 5,30 m; 0,90 × 2,20

Hundekammer Höhe 3,30m; 2,60 × 3,90

Retirade Höhe 3,30 m; 2,80 × 1,60

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Erste Restaurierung 1769 durch Ambrosius Hörmannstorffer.

Sein Überschlag lautet:

»1. In blau und weißem Zimmer worin die kleinen Hundsstähl stehen, ist an gemahlenen Plavon ein guter Teil neu zu machen, wie auch an denen Seitenwänden zu bessern ist, 20 fl. 2. In kleinen Zimmern daselbst halbe Plavon zu machen, 10 fl. 3. In der von Porcelain ausstaffierten großen Kuchel der Plavon ganz überarbeitet werden muß und bestehet solche Arbeit, 120 fl. 4. Vorgemach zu Kuchl Plavon zu machen, 14 fl. 5. In dem öckh Zimmer, so gegen schloß zu (Fasanenkabinett), die all dasig gemahlenen seiten Wänd, wovon alle schönen Farben ... abgestorben seint ... wiederum mit schönen Farben lebhaft ... her zu stehlen 60 fl.« (BSV, Bauamt Baumanuale 1769; Hager, Anm. 148).

Letzte Restaurierung 1958 durch Hans Proquitte.

Küche Durch Feuchtigkeits- und Alterungsschäden war die Decke in sehr schlechtem Zustand, in Teilen war die Malerei nur noch verschwommen sichtbar, in Teilen völlig zerstört. Nach den Partien, die noch gut erhalten waren, wurden die fehlenden Teile ergänzt, die verblaßten aufgefrischt.

Hundekammer Die Decke war etwas besser erhalten; Abblätterungen durch Feuchtigkeitsschäden, Verblassen der Farben; die beiden kleinen Decken der Nebenräume waren in ähnlichem Zustand. Risse und Fehlstellen wurden geschlossen, die Malerei ergänzt und aufgefrischt. Der Zustand der Decken ist jetzt gut. Eine Restaurierung 1974 durch Walter Senf und Eckart Groß beschäftigte sich nur mit der Bemalung der Einbauten, nicht mit den Decken.

Beschreibung

Küche

GROTESKENMALEREI

Annähernd symmetrische Ornamentmotive besetzen die Ecken der Decke, die Mitten der Längsseiten und des Deckenspiegels. An den Mitten der Schmalseiten sowie an den Längsseiten das Mittelmotiv flankierend sind kleine, sog. »indianische« Szenen dargestellt: Auf einem kleinen Landschaftspodest aus Felsen, Steinen, Erdschollen und Pflanzen wachsen exotische Bäume empor, meist Palmen, aber auch Phantasiepflanzen. Auf diesen Schauplätzen spielen kleine groteske Szenen, in denen eine oder mehrere »chinesisch« gekleidete Figuren beim Teetrinken, Ausfahren oder ähnlichen Beschäftigungen zu sehen sind.

In der Hohlkehle sind in den Seitenmitten ebensolche Szenen gemalt, während die Eckteile Groteskenornament zeigen.

Im Aufbau und in der Motivwahl sind Einflüsse Gilles- Marie Oppenords zu erkennen, der, als Moretti 1729 Paris verließ, zu den führenden Meistern des Ornaments und der Dekoration gehörte. Die Decke Morettis in der Küche der Amalienburg bezeichnet die Stufe des Übergangs von Regenceornament zur Rocaille, die in Ansätzen sowohl hier als auch bei Zimmermanns Stukkaturen sichtbar ist. Unfranzösisch sind die Dichte der Ornamentierung, einzelne Motive wie der lappig entrollte Akanthus und die sehr naturalistisch gegebenen vielen Blumen. Zu Cuvilliés und Zimmermann besteht — vom gleichen Zeitstil abgesehen - keine große stilistische Verwandtschaft.

Durchgangsraum

GROTESKEN

In den vier Seitenmitten Chinoiserien; in den Ecken Ornamentmotive, hier vor allem sind frühe Rocailleformen zu sehen.

Hundekammer

GROTESKEN

Zartgeschwungenes Bandwerkornament mit Ranken und verschiedenen Tieren umgibt den Deckenspiegel, auf dem fliegende Vögel dargestellt sind. Die mittlere Rocaillekartusche stammt aus späterer Zeit (s.o.).

Retirade

GROTESKEN

Bandwerkornament mit Blumenranken; in deren Ecken und Seitenmitten frühe Rocailleformen. Am Deckenspiegel Vögel und Insekten.

Bibliographie

  • Quellen und Literatur:
  • BSV Baumanuale 1734-39.
  • StadtAM Trautmann-Nachlaß, Schachtel 7, 6.
  • Aufleger, Otto/Trautmann, Karl: Die Amalienburg im Königlichen Schloßgarten zu Nymphenburg, München 1894, S. 7.
  • KDB I OB (1), S. 797f.
  • Hauttmann-Kunstleben, S. 158.
  • Hager, Luisa: Nymphenburg, Schloß, Park und Parkburgen, München 1955, S. 49.
  • Kreisel, Heinrich, Die Instandsetzung der Amalienburg im Nymphenburger Schloßgarten, in: Deutsche Kunst und Denkmalpflege 1960, S. 14 ff.
  • Thon, Christina: Johann Baptist Zimmermann als Stukkator, München-Zürich 1977, S. 327ff., Kat. Nr. 68.
  • Schmid, Elmar D.: Nymphenburg, München 1979, S. 75.
  • Hojer, Gerhard/ Schmid, Elmar: Nymphenburg, Schloß, Park und Burgen, Amtlicher Führer, München 1983, S. 52-61.

Einzelnachweise