Leipzig, Bosehaus
Inventarnummer: cbdd20104
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Das ehemalige Wohn- und Handelshaus geht auf einen Vorbau von 1586 zurück, wurde jedoch unter Georg Heinrich Bose Anfang des 18. Jahrhunderts umfassend umgebaut. Es gab im ehemaligen Sommersaal ein Deckengemälde aus dieser Zeit, welches heute als moderne Nachformung zu sehen ist.

Das Bosehaus

Das Bosehaus, ein ehemaliges Wohn- und Handelshaus, das heute als Museum und Leipziger Bacharchiv genutzt wird, war einer Bezeichnung am Vordergebäude zufolge erstmals 1586 errichtet worden. In den Jahren 1709–11 erfolgte für den Leipziger Kaufmann Georg Heinrich Bose durch den Maurermeister Nikolaus Rempe ein tiefgreifender Umbau des Gebäudes, welchem u. a. ein Mansarddach ausgesetzt wurde. Die Hinter- und Seitengebäude, die zuvor nur aus Fachwerk bestanden, wurden nun als steinerne Neubauten um einen rechteckigen Hof herum neu errichtet. Im Jahre 1859 erfolgte ein erneuter Umbau, bei dem die Hausfassade um ein weiteres Geschoss erhöht wurde. In den Jahren 1982–85 wurde das Gebäude einer umfangreichen Renovierung und Teilrekonstruktion unterzogen, bei der u. a. auch der barocke Festsaal im zweiten Obergeschoss des Hinterhauses wiederhergestellt wurde.
Die sechsachsige Vorderhausfassade des Bosehauses weist heute vier Geschosse auf. Das rustizierte Erdgeschoss wird in der Mitte von einem breiten, gequaderten Sitznischenportal aus Rochlitzer Porphyrtuff geschmückt. Die in den Obergeschossen an den Seiten und in der Mitte genutete Front weist im ersten Stock glatte Fenstergewände, im darüber befindlichen sind es profilierte Renaissancegewände. Die sonst schmucklose Fassade ziert in der Mitte ein zweiachsiger und zwei Geschosse hoher Kastenerker, welcher in einem Segmentbogen endet. Über dem einstigen Hauptgesims sitzt ein weiteres, mit den historischen Renaissancefenstergewänden und einem vollständigen Gebälk versehenen dritten Obergeschoss. Ein Satteldach mit drei größeren Gaupen aus dem 19. Jahrhundert den Abschluss des Hauses.[1]
Der Sommersaal
In dem an den Hof anschließenden Hintergebäude konnte in den 1980er Jahren im zweiten Obergeschoss der sogenannte Sommersaal (heute „Bachsaal“ genannt) rekonstruiert werden, indem man im 19. Jahrhundert hinzugefügte Zwischendecken und -wände sowie Vertäfelungen rückbaute. Der heute wieder durch beiderseits sechs Fenster (10,8 x 5,8 m) großzügig beleuchtete Saal ist bis auf vier, nach Befunden unter späteren Verputzungen rekonstruierte Wandspiegel schmucklos. Über dem Kranzgesims erhebt sich eine hohe und steile Deckenvoute, die zu der oberen Galerie überleitet. Ihre rechteckige Balustrade ist mit viertelkreisförmigen Eckausrundungen sowie flachen hölzernen und geschwungenen Balustern ausgebildet. Die Galerie leitet im Bereich des hohen Mansarddaches zu einem Raum darüber, welcher der Aufstellung von Sängern und Musikanten diente. Er wurde ursprünglich – und wird heute wieder von einem dekorativen Deckengemälde abgeschlossen, welches herabgelassen werden konnte und wodurch man die Galerie und den oberen Raum bei Bedarf verschließen konnte.
Die zeitgenössischen Quellen berichten von dem „kostbaren Saal, man in hiesiger Stadt bei keinem Wohnhauße findet“. Diese sei ferner „(…) an denen Seiten Wänden mit vier eingemauerten großen Spiegeln“ versehen und es habe „dieser Saal eine reale Höhe dessen Decke oben her ausgeschaalet und mit artiger Einfassung von Stoccatur Arbeit, auch einen gemalten ovalen Decken Stücke, so obendrüber mit angemachten Rollen an Leinen aufgezogen werden kann, da so dann sich eine Gallerie mit einem saubern Ballustraden-Geländer präsentiret, welche Galleri zwar untern Dache, jedoch aber als ein besonderes Zimmer ausgeschaalet und tapezirt ist.“ Das heutige, dem historischen entsprechend, ebenfalls oval geformte Deckengemälde ist eine moderne Neuschöpfung von Wolfgang Peuker (1945–2001) aus dem Jahre 1985.[2]
Bibliographie
- Bechter Barbara/Fastenrath Vinattieri, Wiebke: Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, in: Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München/Berlin 1998.
- Neumann, Werner: Zur Baugeschichte und denkmalpflegerischen Erneuerung des Boseschen Hauses am Thomaskirchhof, in: Schneiderheinze, Armin (Hrsg.): Das Bosehaus am Thomaskirchhof. Eine Leipziger Kulturgeschichte, Leipzig 1989. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen: Ausführliches Denkmalverzeichnis, Leipzig, Stadt (Stand 27.02.2023). Für den Hinweis auf das Denkmalverzeichnis danke ich sehr herzlich Herrn Dr. Thomas Trajkovits, Leipzig.
- Schneiderheinze, Armin (Hrsg.): Das Bosehaus am Thomaskirchhof. Eine Leipziger Kulturgeschichte, Leipzig 1989.