Klein Machnow, Landgut Machnow
Inventarnummer: cbdd10203
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Das Landgut Machnow wurde 1797 nach Plänen von David Gilly erbaut. Das 1942 zerstörte Hauptgebäude zeigte im Hauptsaal an der Decke die Göttinen Venus, Minerva und Juno und an den Wänden "Campagne- Landschaften" und Bacchantenszenen.

Das Landgut Machnow
Der Ort Kleinmachnow liegt mit seinem Gemeindegebiet liegt östlich von Potsdam und grenzt an die südwestlichen Berliner Stadtbezirke Steglitz und Zehlendorf.
Kleinmachnow wurde das erste Mal 1375 urkundlich erwähnt und bildete damals einen wichtigen Übergang über den Fluss Bäke, auf der Handelsroute von Leipzig nach Spandau. Zur Sicherung dieses Übergangs wurden Burgen errichtet, wovon die letzte aus dem Spätmittelalter bis heute als „Alte Hakeburg“ in ihren Grundmauern erhalten ist.
Besitzer dieser Burg und des dazugehörigen Ortes waren seit Anfang des 15. Jahrhunderts[1] die Familie von Hake. Sie besaßen das Gut und dazugehörige Ländereien bis zur Enteignung im Jahre 1945.
In den Jahren 1796 bis 1803 ließ Johann Philipp Wilhelm von Hake[2] vom Architekten David Gilly und dessen Sohn Friedrich ein neues Herrenhaus neben der alten Burg errichten.
Dieses Gutshaus war ein zweigeschossiger Putzbau von elf zu vier Achsen, mit einem flachen Walmdach auf hohem Souterrain. Die Grundmauern waren aus Feldstein in Kalkmörtel und stammten wahrscheinlich von den Resten einer älteren Burg.[3] Der Bau war, wie von Gilly in einem Aufsatz 1799 selbst dargestellt allein aus sogenannten Luftsteinen, also luftgetrockneten Ziegeln, und in Lehm ausgeführt.[4]
Die Fassade war schlicht gestaltet. Die Mitte von Hof- und Parkseite dominierte ein jeweils 3-achsiger Risalit. Auf der Hofseite war das Erdgeschoss des Risalits durch eine Putzquaderung betont, während auf der Gartenseite ein halbrunder Wintergarten mit kannelierten Säulen das Parterre dominierte. Dort bekrönte zusätzlich ein hölzerner Dreiecksgiebel den Risalit in Dachhöhe. Hochrechteckige Fester im Erdgeschoss wechselten sich mit quadratischen Fenstern im Obergeschoss ab. Auf den Längsseiten wurden die zwei mittleren Achsen durch einen Blendbogen zusammengefasst. Die Fenster des Parterre auf der Gartenseite waren mit halbrunden Blendbögen überdacht, welche durch ein umlaufendes Kämpfergesims miteinander verbunden wurden. Auf der Nordseite gab es eine Rampe, welche vom Erdgeschoss in den Wirtschaftshof führte. Da im Sockelgeschoss die Wirtschaftsräume und Zimmer der Bediensteten lagen, scheint der Auffahrt als Anlieferungsmöglichkeit gedient zu haben.
Das Innere des Hauses zeigte einen regelmäßigen Grundriss mit doppelter Zimmerflucht und einem ovalen Vestibül in der Mitte.[1] Das Erdgeschoss diente entsprechend den repräsentativen Anforderungen als Fest- und Wohnräume. Der Festsaal an der östlichen Schmalseite verlief über die gesamte Tiefe des Hauses. In diesem Raum, sowie den drei angrenzenden Räumen auf der Gartenseite, hatte sich bis zur Zerstörung noch die ursprüngliche Ausstattung mit gemalten Pariser Papiertapeten erhalten.[5] Die Räume im Obergeschoss dienten der Familie als Wohn- und Schlafräume, sowie als Gästezimmer.
Der ehemalige Hauptsaal
Der Saal selbst war entsprechend aufwendig dekoriert. Im Sockelbereich waren Holzvertäfelungen angebracht. Darüber teilten aufgemalte ionische Pilaster die Wände in sieben zu zweieinhalb Achsen. Innerhalb dieser Achsen wechselten sich hochrechteckige Felder mit den obengenannten Papiertapeten, sowie Fenster und Türen ab. Auf den Papiertapeten waren Ausblicke in verschiedene Campagne-Landschaften[6] aufgemalt. Darüber waren an den Längsseiten in Breitfeldern Bacchantenszenen mit Grisaillemalerei aufgemalt. Auf den Stirnseiten über den Fenstern zierten Füllhörner die Tapeten. Den plastischen Schmuck bildeten die Türverdachungen sowie Gipsstuckfiguren, welche in den Halbkreisnischen darüber aufgestellt waren. In der Mitte der westlichen Längsseite stand ein Marmorkamin mit einem aufgesetzten, rundbogigen Spiegel. Ihm gegenüber zeigte das Mittelfeld an der Wand die Darstellung eines Einsiedlers und eines jungen Mädchens mit Blumenkorb.[6]
Den oberen Abschluss und Übergang zur Decke bildete eine ausgemalte Palmettenkehle.
Das Deckengemälde
Die Decke des ehemaligen Festsaales wurde komplett ausgemalt. Dabei teilte sich die Darstellung in eine figürliche Malerei in einem querovalen Bereich in der Mitte und davon abgeteilt durch einen aufgemalten Stuckrahmen, eine Kassettierung mit Rosetten. Innerhalb des langgestreckten Ovals waren die drei Göttinnen Venus, Minerva und Juno dargestellt. Sie schwebten scheinbar auf Wolken und wurden jeweils von ihren Attributen flankiert. Auf der linken Seite saß die Göttin Venus. Sie war mit einigen Tüchern umhüllt, die sich hinter ihrem Rücken blähten und neigte sich einem kleinen Putto zu, der ihr scheinbar den Helm weggenommen hatte. Während sie ihre rechte Hand zu ihm ausstreckt, um den Helm zurückzufordern, hält sie sich mit der linken Hand ein Tuch vor ihre entblößte Brust. Zu ihren Füßen sitzen zwei Tauben einander zugewandt und links neben ihr steht Amor mit Pfeil und Bogen in der Hand.
In der Mitte der drei Frauen thront gleichsam die Göttin Minerva. Sie hält ihren Speer erhoben in der Rechten und den Schild mit der linken Hand. Sie trägt eine lange, in dicken Falten, bis zu den Füßen fließende Toga, während sich eine weitere Stoffbahn hinter ihrem Rücken aufbläht. Ein kleiner Putto rechts neben ihr, reicht ihr noch einen Lorbeerkranz.
Auf der rechten Seite, in halb liegender Position, ist Juno dargestellt. Sie trägt nur ein kurzes Gewand, welches wie bei Venus unter der Brust geschnürt ist und diese frei lässt. Während das linke Bein angewinkelt ist, lässt sie das rechte Bein scheinbar entspannt nach unten fallen. Ihr rechter Arm liegt locker über einer kleinen Wolke. Mit der linken Hand hat sie das Zepter erhoben. Sie ist in ihrer Haltung, spiegelverkehrt zu Venus, leicht nach links geneigt und schaut einen jungen Mann an. Hinter ihr steht ein Pfau mit aufgeschlagenem Rad. Die Darstellung der drei Göttinnen ist in der unteren Bildhälfte angesiedelt. Den Rest des Himmels bevölkern sechs Putten mit kleinen Flügeln auf dem Rücken und Stoffdraperien in den Händen.
Bibliographie
- Lammert, Gilly, 1981. – Lammert, Marlies: David Gilly : ein Baumeister des deutschen Klassizismus. Berlin 1981.
- Faerber, Zentralblatt, 1920. – Zentralblatt der Bauverwaltung Nachrichten d. Reichs- u. Staatsbehörden, Bd. Nr. 40, 1920, K. Faerber, S. 177 (Online Zugriff in der ZLB Bibliothek).
- Gilly, Sammlung, 1799. – Gilly, David: Sammlung nützlicher Aufsätze und Nachrichten, die Baukunst betreffend: für angehende Baumeister und Freunde der Architektur, Bd. 3, Berlin 1799, S. 98 – 107.
- Hake, Kleinmachnow, 1934. – Hake, Dietloff v.: Klein Machnow. Die Geschichte eines märkischen Rittergutes und seiner Besitzer, Berlin 1934.
- Kunstdenkmäler Teltow, 1941. – Die KUNSTDENKMÄLER der Provinz Brandenburg, hrsg. vom Brandenburgischen Provinzialverband. Berlin 1907-1941. - 4, Teil 1, Kreis Teltow, Schriftleitung Heinrich Jerchel, bearb. von Hans Erich Kubach und Joachim Seeger, Mitarbeiter Siegfried Harder, Karl Hohmann, Kurt Pomplun, Johannes Schultze. Berlin 1941, S. 110-118.