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Keitum, Haus Uwe Peters Sylt Museum

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Keitum, Haus Uwe Peters (Sylt Museum), in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/8f8673e6-4b28-4eb3-8557-a567c95b8218

Inventarnummer: cbdd20152

Lage: Auf OpenStreetMap anzeigen

Der Text dieses Artikels steht – ausgenommen Abbildungen – unter der Lizenz CC BY 4.0. Dieser Artikel ist lediglich eine Kopie der Originalveröffentlichung auf deckenmalerei.eu und kann veraltet sein; maßgeblich ist die dortige Originalfassung.

Im Flur des 1769 erbauten Hauses allegorisieren vier Wandgemälde die vier Jahreszeiten. Die Darstellungen erinnern an einen Konvexspiegel, der die Mitte übergroß und den Rand winzig klein wiedergibt.

Das Haus Uwe Peters (Sylt Museum) in Keitum

Kurzbeschreibung und Lage

Das Haus steht am Ostrand von Keitum über der Steilküste zum Watt. Es ist von Ost nach West ausgerichtet. Es war ehemals ein typisches quergelegtes eingeschossiges Langhaus mit Wohn- und Stallbereich unter einem Dach.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Haus wurde 1759 für Kapitän Uwe Peters gebaut. 1908 erwarb es die Sölring Foriining für die Einrichtung eines Museums. In der Folge wurden die Räume im Inneren umgestaltet und den neuen Bedürfnissen angepasst.[1]

Beschreibung

Das ehemalige Haus Uwe Peters war ein Kapitänshaus. Der Wohn- und Wirtschafsbereich wurden durch einer die ganze Tiefe des Hauses durchmessenden Vordiele voneinander getrennt. Im Norden befindet sich in der Mitte des Hauses der Eingang unter einem vergleichsweise breiten Zwerchhaus. Die beiden Seiten weisen heute jeweils vier Fenster auf. Rückwärtig ist dem Bau nach Süden an der West- und Ostecke je ein Seitenflügel angefügt, wobei es sich bei dem westlichen um eine ehemalige Scheune handelt.[2]

Die Vordiele (Flur)

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Die Vordiele stammt von 1759. Bei der Umgestaltung zum Museum nach 1908 blieb der Flur mit seiner Wandmalerei weitgehend unverändert. Die Malerei ist in ihrer jetzigen Anordnung jedoch nicht ursprünglich, was auf einen Umbau des Flurs hinweist. Für einen Umbau sprechen auch die zentralen Türen an der Ost- und Westseite, die untypisch für diesen Haustyp sind.[1]

Beschreibung

Der Flur hat nach Osten und Westen in der Mitte je eine zweiflügelige Tür. Die Wände rechts und links sind mit Malerei versehen. Südlich der Türen kaschiert sie jeweils einen Wandschrank.[3]

Die translozierte Wandmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Wandmalerei ist nach Erbauung des Hauses 1759 geschaffen worden.

Beschreibung und Ikonographie

Die Wände sind rot gefasst und werden von je vier gemalten goldfarbenen, gedrehten Säulen gegliedert. Auf den Postamenten befinden sich Rocaillemuster. In die kompositen Kapitelle sind an der Westseite Köpfe integriert, an der Ostseite nicht. Es gibt kein Gebälk. Die Säulen sind an der Nord- und Südseite jeweils überschnitten, was auf die Translozierung der Malerei hinweist. In der Mitte befindet sich jeweils eine Tür, an den Seiten sind auf die Wand goldene Rocaillerahmen gemalt, die jeweils ein polychromes Bild aufnehmen. Diese stellen Allegorien der vier Jahreszeiten dar. Im Westen sind es Sommer und Frühling, im Osten Winter und Herbst.[4]

Gestalterische Mittel – Komposition und Ansichtigkeit

Die Malerei ist statisch und leicht naiv. Die Hauptpersonen werden grundsätzlich groß gezeigt, alles andere bedeutend kleiner und perspektivisch falsch. Es scheint sich um eine Bedeutungsperspektive zu handeln. Die Darstellungen erinnern an einen Konvexspiegel, der die Mitte übergroß und den Rand winzig klein wiedergibt.[5]

Der Frühling

Beschreibung und Ikonographie

Der Frühling wird durch einen Mann und eine Frau im Freien allegorisiert, die Blumen halten. Sie sind statisch von vorn wiedergegeben. Vor ihnen befindet sich ein orthogonaler Garten – winzig klein dargestellt. Links des Paares steht ein Baum und rechts ein Haus. Im Bildvordergrund führt eine Brücke über einen Bachlauf.[6]

Der Sommer

Beschreibung und Ikonographie

Den Sommer allegorisiert ein Schnitterpaar. Der Mann steht aufrecht vor einem Kornfeld und hält eine Sichel in der Hand. Aus den Ähren taucht eine Frau auf. Sie hat ebenfalls eine Sichel und trägt zusätzlich eine Korngarbe. Rechts steht ein Haus. Im Bildvordergrund ist winzig klein ein Teich mit einem Angler sowie mit Fischen, Enten und einem Segelschiff dargestellt.[6]

Der Herbst

Beschreibung und Ikonographie

Für den Herbst steht ein Paar bei der Weinlese. Der Mann hebt einige Reben empor, und die Frau sammelt sie in einem Korb. Links steht ein Haus. Von seiner Dachterrasse winkt eine Frau dem Paar zu. Im Bildvordergrund ist winzig klein eine Hügellandschaft mit Flusslauf auszumachen.[6]

Der Winter

Beschreibung und Ikonographie

Die Allegorie des Winters weicht vom Schema der anderen Gemälde ab. Die Hauptszene findet in einem Haus statt, in das man hineinsehen kann, da eine Wand fortgelassen wurde. Man erkennt ein vermummtes Paar vor einem offenen Kaminfeuer. Der Mann sitzt auf einem Lehnstuhl, die Frau beugt sich von hinten über ihn. Links erfreut sich ein Knabe am Schlittschuhlaufen. Dahinter ragen die kahlen Äste zahlreicher Bäume in den Himmel.[5]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939. – Brauer, Heinrich/Scheffler, Wolfgang/Weber, Hans (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Südtondern (Die Kunstdenkmäler der Provinz Schleswig-Holstein). Berlin 1939.
  • Lassen, Heimatmuseum, 1970. – Lassen, Hans: Das Sylter Heimatmuseum, in: Sölring Foriining e.V.. Jahresbericht 1969. Keitum 1970, S. 13-22.
  • Röper, Innenraumgestaltung, 1984. — Röper, Gerhard: Die Innenraumgestaltung der ländlichen Profanarchitektur Schleswig-Holsteins vornehmlich des 18. Jahrhunderts. Lüdinghausen 1984.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Lassen, Heimatmuseum, 1970, S. 14.
  2. Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 372.
  3. Lassen, Heimatmuseum, 1970, S. 14; Brauer/Scheffler/Weber, Südtondern, 1939, S. 372.
  4. Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 366, 373; Lassen, Heimatmuseum, 1970, S. 14.
  5. 5,0 5,1 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 366-367.
  6. 6,0 6,1 6,2 Röper, Innenraumgestaltung, 1984, S. 366.