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Kassel, Marmorbad

Aus Deckenmalerei-Lab
Laß, Heiko:Kassel, Marmorbad, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/1a4db500-600f-4cd2-82d6-040f328e68d8

Inventarnummer: cbdd10154

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Im Marmorbad in Kassel befand sich an der Decke eine Darstellung der Flora aus dem Jahre 1728 vom Kasseler Hofmaler Johann Christoph Hochfeld. Heute befindet sich hier eine Kopie.

Decke im Marmorbad Kassel vor 1923
Decke im Marmorbad Kassel vor 1923

Das Marmorbad in der Karlsaue

Geschichte und Lage

Das Marmorbad[1]wurde 1722–1728 für Landgraf Karl von Hessen-Kassel von Pierre Etienne Monnot erbaute, einem in Rom lebenden Bildhauer. Es ergänzte das im Osten gelegene sogenannte Orangerieschloss. Das geplante Pavillonsystem, zu dem das Marmorbad gehören sollte, wurde nicht realisiert. 1765–1770 wurde im Osten des Orangerieschlosses lediglich ein Pendant errichtet.

Der Außenbau

Das Marmorbad erhebt sich in drei Geschossen mit drei Achsen über quadratischem Grundriss. Während das Erdgeschoss eine Bänderrustika zeigt, sind die Obergeschosse durch ionische Kolossalpilaster geschmückt. Eine abschließende Balustrade ist mit Figuren an den Ecken geschmückt.

Der Innenraum und sein Deckengemälde

Der Innenraum

Das Marmorbad beherbergt im Inneren nur einen Baderaum. Dieser besteht aus einem zentralen, achteckigen Raum mit in den Boden vertieftem Becken sowie einem tonnengewölbten Umgang um ebendieses Bad. Offene Arkaden verbinden beide miteinander. Boden und Wände sind mit verschiedenfarbigem Marmor ausgekleidet. Acht Wandreliefs und zwölf Statuen von Pierre Etienne Monnot schmücken den Raum. Sie zeigen Szenen aus den Metamorphosen des Ovid sowie antike Götter. Hinzu kommen Reliefmedaillons von Landgraf Karl und seiner Ehefrau Amalia von Kurland. Die Skulpturen hatte Monnot teilweise bereits vor Baubeginn geschaffen. Die letzten entstanden erst 1731, sie gelangten 1754 nach Kassel.

Der Baderaum selbst wird von korinthischen Pilastern gegliedert. In das Becken mit Sitzbänken hinab gelangt man über sechs Marmorstufen. Der Raum wird von einer achteckigen Kuppel mit Kuppelauge abgeschlossen. An ihrer Unterseite sind Reliefs mit den vier Jahreszeiten sowie den vier Elementen angebracht.

Das Deckengemälde mit Flora

Nur, wenn man sich direkt im Becken befindet, kann man durch das Kuppelauge hindurch ein Gemälde wahrnehmen. Es zeigt Flora und ist eine Kopie des 1728 vom Kasseler Hofmaler Johann Christoph Hochfeld geschaffenen Werkes,[2] das im zweiten Weltkrieg verloren ging. Flora ist mit entblößter Brust auf Wolken zu sehen. Sie trägt einen Blumenkranz und streut aus ihrem Schoß Blumen – quasi herab in das Bad. Zwei Putten begleiten sie. Das Deckengemälde wurde bislang als Darstellung der Aurora gedeutet.

Programm und Synthese

Für das Badebecken ist keine Wasserzu- oder Abflussmöglichkeit nachgewiesen. Man kann davon ausgehen, dass es sich um einen Schauraum handelte. Das Skulpturen- und Bildprogramm wurde von Herzog überzeugend als Denkmal der sich erneuernden Dynastie der Landgrafen von Hessen-Kassel gedeutet. Das Bad ist sozusagen als Jungbrunnen dieser Dynastie zu sehen. In diesem Zusammenhang ist das Deckengemälde der Flora als Personifikation von Leben, Wachstum und Fortpflanzung zu verstehen.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Burk, Marmorbad, 2001. – Burk, Jens Ludwig: Marmorbad Kassel. Regensburg 2001.
  • Burk, Marmorbad, 2003. – Burk, Jens Ludwig: Das Marmorbad des Pierre Etienne Monnot. In: Kopanski, Karlheinz W./Weber, Karl (Hrsg.): Das Marmorbad in der Kasseler Karlsaue. Ein spätbarockes Gesamtkunstwerk mit bedeutenden Skulpturen und Reliefs von Pierre Etienne Monnot. Regensburg 2003, S. 35–133.
  • Herzog, Badepavillon, 2016. – Herzog, Vera: Der fürstliche Badepavillon als zweckmäßige und repräsentative Bauaufgabe im späten 17. und 18. Jahrhundert. Berlin 2016.
  • Holtmeyer, Cassel, 1923. – Holtmeyer, Alois: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel. Bd. VI. Kreis Kassel-Stadt . Marburg 1923.
  • Kiby, Marmorbad, 2003. – Kiby, Ulrika: Das Marmorbad. Musentempel für einen Fürsten. In: Kopanski, Karlheinz W./Weber, Karl (Hrsg.): Das Marmorbad in der Kasseler Karlsaue. Ein spätbarockes Gesamtkunstwerk mit bedeutenden Skulpturen und Reliefs von Pierre Etienne Monnot. Regensburg 2003, S. 159–174.
  • Merkel, Marmorbad, 1994. – Merkel, Kerstin: Pierre-Etienne Monnot. Das Marmorbad in Kassel. In: Die Gartenkunst NF 6 (2/1994), S. 249–280.
  • Scherner, Marmorbad, 2017. – Scherner, Antje: Ein Bad ohne Wasser? Das Marmorbad in Kassel und die Kasseler Bäder der Frühen Neuzeit. In: Deutsch, Kristina/Echinger-Maurach, Claudia/ Krems, Eva-Bettina (Hrsg.): Höfische Bäder in der Frühen Neuzeit. Berlin 2017, S. 287–309.
  • Schütte, Marmorbad, 2002. – Schütte, Ulrike: Fürstliche Badegemächer in Kassel vom 16.-19. Jahrhundert. In: Mathieu, Kai R. (Hrsg.): Froschkönige und Dornröschen. Einblicke in die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, 3 (2002), S. 103–108.

Einzelnachweise

  1. Scherner, Marmorbad, 2017; Herzog, Badepavillon, 2016, S. 101–143; Burk, Marmorbad, 2003; Kiby, Marmorbad, 2003; Schütte, Marmorbad, 2002; Burk, Marmorbad, 2001; Merkel, Marmorbad, 1994; Holtmeyer, Cassel, 1923, S. 339–350.
  2. Holtmeyer, Cassel, 1923, S. 349, Tafel 224.