Jaibing, Filialkirche Johannes der Täufer
Filialkirche, Pfarrei Oberdorfen, Stadt Dorfen, Erzdiözes München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die Pfarre Oberdorfen dem Priesterhaus in Dorfen inkorporiert. Gericht Erding
Patrozinium: Johannes der Täufer
Zum Bauwerk: An der spätmittelalterlichen Kirche wurden 1761 Turm, Gewölbe und Dachstuhl abgetragen und die Kirche durch den Erdinger Maurermeister Johann Lethner neu gewölbt (StAI.)
LHs zu vier Achsen, Empore im W. Eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Gliederung durch Pilaster vor Wandvorlagen; Belichtung durch zwei Fenster von N, eines von S und drei in den Schlußseiten. Das Fresko befindet sich im AR.
Auftraggeber: Um den Bau kümmerte sich der für Jaibing zuständige Kooperator Balthasar Rottmiller. Die bescheidene Malerei wurde sicher aus privaten Spenden finanziert, doch ist dazu nichts überliefert.
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, Datum in einer gemalten Kartusche am Chorbogen 1762.
Der Zuschreibung an Franz Joseph Aiglstorffer durch Brenninger 1980 (S. 135) und 1982 (S. 144) schließen wir uns nicht an. Das Fresko zeigt Verwandtschaft mit dem von Landersdorf (S. 187), dessen Autor ebenfalls unbekannt ist. Aus historischen Gründen kommt für beide Bilder am ehesten der Dorfener Maler Franz Xaver Gruber in Betracht, von dem allerdings ein signiertes oder sonst für ihn gesichertes Fresko als Vergleichsbeispiel nicht erhalten ist.
Franz Xaver Gruber, * 1700, ca. 1724 Eheschließung mit der Dorfner Malerstochter Maria Theresia Reitter, † 6.3.1776 Dorfen; erste bekannte Arbeit 1725 für Zeilhofen in der Pfarrei Oberdorfen, letzte 1766 für die Allerseelenkapelle in Dorfen (s. Markmiller, S. 237). Die beiden Ausmalungen sind von sehr bescheidener Qualität, das Gewinnendste sind die hübschen Rocaille-Ornamente.
Die großen Kreuzwegstationen in Hörlkofen, ursprünglich aus Hörgersdorf, stammen von Gruber (1752) und lassen Interesse an ornamentalen Architekturen erkennen (s. Gerhard R. Koschade, Zur Sakralkunst in der Pfarrei Wörth, in: 1200 Jahre Wörth, Hörlkofen 1996, S. 137–75, S. 164 mit Abb. und Anm. 101).
Brenninger (gefolgt von Dehio, 1990, S. 933) bringt im Zusammenhang mit Jaibing und Landersdorf auch das Deckenbild in Oppolding als eine Arbeit von Aiglstoffer-Sohn in Vorschlag. Die hübsche Gewölbedekoration in Form von gemalten Rocaillen hängt sicherlich mit dem Datum 1764 am Chorbogen (KDB I OB 2, S. 1281) zusammen und ist vom gleichen Maler wie in Jaibing. Das Fresko, das den hl. Martin als Patron über einer modern anmutenden Bauernlandschaft mit der Kirche von Oppolding zeigt, halten wir jedoch für eine Arbeit des 20. Jahrhunderts, vermutlich von Sepp Hilz, Bad Aibling, 1956 gemalt. Stilistisch und ikonographisch völlig unbarock ist der Heilige als Büste auf einer Wolke dargestellt, er schaut mit grimmigem Bartgesicht ins Leere. Mitra und Stab hängen in der Luft, und eine Gans hält einen Ölzweig im Schnabel, den sie auf die Kirche von Oppolding herabläßt.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Tonne mit Stichkappen, im O abgemuldet
Rahmen: Gemalte Rahmenleiste in Vierpaßform, im AR und LHs ornamentale Gewölbemalerei
Technik: Fresko; polychrom
Maße: Höhe 7,30 m; 7,20 × 6,50
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei Reparaturen an der Raumschale wurden 1930 durch Kaspar und Franz Auer, Maler in Dorfen, unter der Fassung des 19. Jh. das Fresko des 18. Jh. und die ornamentalen Malereien aufgedeckt. Restaurierung durch Kunstmaler Herbert Jäger, der die ornamentale Malerei teilweise stark überarbeitete. Letzte Restaurierung 1988 durch Ludwig Keilhacker, Taufkirchen/Vils: Reinigung und Festigung, Reparatur von Ausbrüchen und Retuschierung der Fehlstellen. Das Deckenbild ist schlecht erhalten, es zeigt mechanische Beschädigungen wie Abriebe.
Beschreibung und Ikonographie
Das Gewölbe des AR und des LHs ist mit Rocaille-Dekorationsmalerei ausgemalt; im LHs befinden sich außerdem drei mittlere Bildfelder, die mit Brokatmalerei bedeckt sind.
JOHANNES DER TÄUFER Auf einem spärlich bewachsenen Grashügel rechts sitzt die Gestalt Johannes des Täufers mit dem Kreuzstab ... CE / AGNVS DEI ECCE; zu Füßen des Täufers ein Putto, der auf ihn weist. Im Himmel sind Puttenköpfchen um die Taube des Hl. Geistes zu sehen. Links schwingt sich, ebenso ungeschickt konstruiert wie in gleichzeitigen Fresko von Landersdorf, eine barocke Treppe nach oben: abweichend von jeder ikonographischen Tradition soll sie an dieser Stelle wohl den Palast des Herodes darstellen.
Quellen und Literatur
StAM, LRA 147576: Restaurierung 1930. StAL, Regierung Landshut 4087: Baureparaturen 1761. AEM, Pfarrakten Dorfen, 155 0001 01: Pfarrbeschreibung; 155 8532 01: Filiale Jaibing 1888–1930.
AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 21/Dorfen, Pfarrei Oberdorfen, St. Johannes d.T. Jaibing (Georg Brenninger).
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 214. Brenninger 1980, S. 135. Brenninger 1982, S. 114. Dehio 1990, S. 506.
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 214. Brenninger 1980, S. 135. Brenninger 1982, S. 114. Dehio 1990, S. 506.