Höhenkirchen, Pfarrkirche Mariä Geburt
HOHENKIRCHEN
Pfarrkirche, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung (bis 1955) Filialkirche der Pfarrei Hohenbrunn; Benefizium, auf das der in Höhenkirchen amtierende oberbayerische Jägermeister das Präsentationsrecht hatte (Inhaber Familie Wager, zuletzt Johann Ferdinand Alois von Wager in Vilsheim), Pfleggericht Schwaben (Markt Schwaben)
Patrozinium: Mariä Gebur
Zum Bauwerk: Die Kirche geht auf einen romanischen Bau aus dem 10./11. Jh. zurück, der im 14. und 15. Jh. gotisch verändert wurde. Um 1470 wurden die drei östlichen LHs Joche mit einem Netzgewölbe versehen, nach 1650 wurde das westliche LHs-Joch barock eingewölbt. Barockisierung des Chorgewölbes um 1771, amtierender Benefiziat Caspar Hirzlmair (1758–85)
Saalbau zu vier Jochen, leicht eingezogener AR mit einem quadratischen Joch und leicht abgerundetem 5/8-Schluß. Im AR Belichtung durch vier hohe Rundbogenfenster, Pilastergliederung; Oratorium auf der S-Seite.
Autor und Entstehungszeit: Die Decken- und Wandbilder sind 1771 entstanden. Der Maler, der in unbeholfener Manier barockes Formengut verwendet, ist namentlich nicht bekannt.
In den Akten Höhenkirchen des BLfD, Schreiben vom 2. 9 1965, ist eine Datierung »MDCCLXXI« angegeben, diese erwähnt auch Backer (S. 3). Sie ist jetzt nicht mehr sichtbar
Befund
Träger der Deckenmalerei: A flaches Gewölbe über Pendentifs, B flache Segmentkuppel (böhmische Kappe), auf sechs Konsolen ruhend
Rahmen: Die Gewölbedekoration ist gemalt, in A imitiert Stuckprofilrahmung mit Eierstab und Rocaillekartuschen in B bandumwundenes Stabprofil auf karminrotem Brokatmustergrund
Technik: Fresko mit Secco; polychrom
Maße: A Höhe 6,80 (Stich 0,70) m; 3,70 × 5,40
B Höhe 6,80 (Stich 0,70) m; 3,00 × 4,50
W1-2 1,40 × 3,50
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung 1860. 1908 wurden die Gemälde von einem »Theatermaler« renoviert und dabei in grellen Farben übermalt (Signatur in A renov F. Thurmaier 08). Sie wurden 1917 durch zwei Darstellungen der Geburt Christi und der Krönung Mariens von Anton Niedermaier aus Hohenbrunn ersetzt. 1965 wurden die früheren Gemälde durch die Fa. Mayerhofer, München, wieder freigelegt.
Die Fresken zeigen noch weitgehend den Zustand nach der Restaurierung Thurmaiers, die Figuren sind grob nachgezeichnet (etwa das Paar rechts in A bei der Wiege), die Farben sind grell und von einer undifferenzierten, unbarocken Buntheit. So weist z. B. das Blau der Gewänder und des Himmels oft einen violetten Stich auf. Die Landschaftsdarstellung in B mit den blauen Bergen erinnert eher an Theaterkulissen des frühen 20. Jh. als an barocke Landschaftsmalerei. Die Schwerfälligkeit der Malerei ist teilweise auf die Restaurierung zurückzuführen.
Die Deckenbilder A und B zeigen verkittete Risse und ausgebesserte Feuchtigkeitsschäden, in B in der Bodenzone eine verdorbene Farbpartie.
Beschreibung und Ikonographie
A GEBURT MARIENS (apokryph) Einansichtige, tafelbildähnliche Komposition, die im Gegensatz steht zu der gesimsähnlichen Rahmung und der weiblichen Repoussoirfigur darauf, welche als ein Ansatz zur illusionistischen Bewältigung der Gewölbeform zu werten sind. Schauplatz ist ein tempelartiger Raum mit Säulen und Pilastern, links in den offenen Himmel mündend, rechts durch eine große grüne Vorhangdraperie abgeteilt. Die kulissenhaften Versatzstücke wie Treppe, Vorhang, Wände vermitteln keine Räumlichkeit, bleiben ebenso wie die Figuren – links Joachim mit einer Besucherin, auf dem Gesims die Dienerin, die das Bad bereitet, auf der Treppe zwei Frauen mit dem neugeborenen Mädchen Maria – in der Fläche. Nur das Wochenbett mit Anna ist durch einen verkleinerten Größenmaßstab optisch in den Hintergrund gerückt. Dominierende Farbe, in der Rahmung und als Gewandfarbe, ist Goldocker, kombiniert mit Blau, Rot, Grün, vor steingrauem Hintergrund.
B VERKÜNDIGUNG AN JOACHIM UND ANNA (apokryph) Die Komposition zerfällt in zwei Schauplätze, die in unterschiedlicher Perspektive gegeben, aufeinanderstoßen: Links eine Architekturkulisse, die in eine Balustrade mündet; vor ihr kniet Anna; rechts eine Landschaft mit Bergen; hier kniet Joachim bei seinen Schafen. Zwei Engel weisen auf die an zwei Orten gleichzeitig stattfindende Verkündigung: der kleinere hebt die linke Hand über Joachims Haupt und weist zu dem größeren Engel über sich, dieser hält ein Gemälde der Immaculata Conceptio von der Strahlen auf Anna fallen.
Zur Farbigkeit s. Erhaltungszustand.
W1 VERKÜNDIGUNG AN MARIA (Lc 1, 26 bis 38) Halboffener Raum, der Erzengel Gabriel schwebt auf Maria zu, über ihm die Geisttaube. Maria sitzt über ein Buch gebeugt, die Hände gefaltet, an einem runden Tisch. Die Darstellung der Maria ist ikonographisch unüblich: die matronenhafte Haltung und das aufgesteckte Haar (Maria ist als Jungfrau traditionell mit offenem Haar dargestellt). Es ist fraglich, inwieweit die Darstellung barock ist.
W2 HEIMSUCHUNG (Lc 1, 39–56) Schauplatz ist eine offene Säulenhalle, links ein angedeuteter Treppenabsatz mit Sockelaufbau, rechts ein Ausblick auf eine ferne Landschaft mit einer Stadt. In der Mitte umarmen sich die beiden Frauen Maria und Elisabeth. Joachim, bärtig, ein Schaffell umgehängt, steht grüßend im Hintergrund. Der traditionell zu dem Bildtopos gehörende Joseph fehlt.
Die apokryphen Szenen aus dem Leben Mariens sind im Protoevangelium des Jakobus 4-5, 11-12 aufgezeichnet (ed. v. Hennecke-Schneemelcher, Bd 1, S. 280–90, vgl. LA Benz, S. 734-37).
Quellen und Literatur
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 509f, § 317. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 626 f., 629. Haas, Walter, Die Baugeschichte der Pfarrkirche in Höhenkirchen, in: BLfD, 23. Bericht 1964 (1965), S. 64-79. Backer, Johann, Höhenkirchen vor München (= KKF, Nr. 836), München 1966. Der Landkreis München (o. V.), München 1979, S. 50.
C. B