Holle Söder, Gut Söder
Inventarnummer: cbdd10186
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Im Hauptsaal von Haus Söder (1741-42/88) hat sich ein Deckengemälde von vermutlich Wilhelm Böttner aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhalten , das Apoll zusammen mit den drei Musen Polyhymnia, Terpsichore und Thalia auf Wolken präsentiert.

Gut Söder

Söder[1] gehörte seit dem Hohen Mittelalter den Herren von Bortfeld bis zu ihrem Absterben 1686. Der damalige Landesherr und Fürstbischof von Hildesheim – Jobst Edmund von Brabeck – belehnte danach 1690 einen Zweig seiner eigenen Familie mit Söder: Jobst Edmund von Brabeck (II.) und Johann Arnold von Brabeck.[2]
Der Neffe des Bischofs – Jobst Edmund von Brabeck (III.) – ließ 1740 die alte Bortfelder Burg niederlegen und an deren Stelle von 1741 bis 1742 das gegenwärtige Schloss erbauen.[3] Er war u.a. Hildesheimer Drost in Liebenburg und leitete in dieser Funktion auch die Baumaßnahmen beim landesherrlichen Jagdschloss Liebenburg.
Sein Sohn Friedrich Moritz von Brabeck ließ das Gebäude an 1788 zur heutigen Gestalt um- und ausbauen. Abgeschlossen wurden die Arbeiten erst 1796 mit dem Bau der Zufahrtsbrücke und des Eingangstors sowie der Errichtung zweier Pavillons an der nordwest- und nordöstlichen Ecke des Schlossgeländes.[4] Weitere Veränderungen erfolgten Mitte des 19. Jahrhunderts nach einem Brand und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Gut Söder[5] präsentiert sich als offene Dreiflügelanlage hinter einem Graben. Dabei werden die Seitenflügel von Wirtschaftsgebäuden gebildet. Der zweigeschossige Hauptflügel über Sockelgeschoss setzt sich aus drei siebenachsigen Pavillons zusammen, die mittels sechsachsiger Flügel miteinander verbunden sind. Der quadratische Mittelbau tritt risalitartig hervor. Die äußeren Pavillons entstammen Erweiterung des späten 18. Jahrhunderts und sind noch weiter zurückgesetzt als die Flügelbauten. Unterschiedliche Dächer betonen die verschiedenen mit Eckquaderungen gezierten Baukörper in ihrer Eigenständigkeit.
Die Bauherren entstammten einer westfälischen Adelsfamilie, die wie viele andere auch im protestantischen Hildesheim (wo es an einheimischem katholischem Adel mangelte) aufgrund ihrer Konfession reüssieren konnte. Friedrich Moritz von Brabeck[4] war für den geistlichen Stand vorgesehen gewesen und erst nach Tod seines Bruders 1784 wieder Laie geworden. Seine Heirat 1788 scheint Anlass für die folgenden Baumaßnahmen gewesen sein. Er war der Aufklärung verpflichtet.
Für die Baumaßnahmen am Schloss ist kein ausführender Architekt nachweisbar.[6] Ein Einfluss Justus Wehmers ist denkbar.[7] Die nachweisbaren Umbauplanungen von Carl de la Tour wurden nur teileweise ausgeführt.[8]
Der Hauptsaal
Die Mittelachse des Gebäudes wird im ersten Obergeschoss von einem Vorsaal und einem rückwärtigen Hauptsaal eingenommen.[9] Der zweigeschossige Hauptsaal[10] wird vom Vorsaal aus betreten und öffnet sich mit drei Fenstern zum Garten hin. An den Seiten erschießen zwei Türen Räume an der Gartenseite. Die Längsseiten des Saales werden von korrespondierenden Kaminen mit großen Spiegeln geschmückt. Hinzu kommen eine reiche Stuckausstattung sowie eine umlaufende Galerie. Dabei stammt die Wandgestaltung der Umbauzeit nach 1788. Die stuckierten Supraporten zeigen Kinderbacchanalien, die Decke ziert ein ovales Deckengemälde, das Wilhelm Böttner zugeschrieben wird.
Die Deckenmalerei
Die Decke des Hauptsaals schmückt ein kreisrundes Gemälde[11] im Stuckrahmen, das Wilhelm Böttner zugeschrieben wird.[12] Es zeigt Apoll mit den drei Musen Thalia, Terpsichore und Polhymnia in Wolken. Der nackte Apoll mit Umhang sitzt lässig auf einer Wolke etwas erhöht über den Musen. Er befindet sich annährend in der Mitte des Gemäldes, ist mit einem Lorbeerkranz bekrönt und hält seine Kithara in der Rechten. Zu seiner Linken sitzt Polyhymnia. Sie ist durch einen länglichen Gegenstand in ihrer rechten Hand gekennzeichnet, der nicht eindeutig bestimmbar ist. Möglicherweise handelt es sich um eine Schriftrolle, die der Muse des Gesangs oft als Attribut beigeben wird. Sie blickt auf zu der tanzenden Terpischore rechts von ihr. Diese hat ihren linken Arm erhoben und hält in der rechten Hand als Attribut eine Lyra. Sie schaut den Betrachter an, während sich ihr bewegter Mantel effektvoll um den Körper schlingt. Links von Apoll sitzt Thalia, gekennzeichnet als die Muse der Komödie durch eine Theatermaske in ihrer linken Hand. Mit der rechten hält sie einen Krummstab.
Das Thema der Musen ist für Hauptsäle in jener Zeit nicht ungewöhnlich. Wilhelm Böttners Lehrer Tischbein[13] etwa schuf im Saal von Schloss Pyrmont einen Musenzyklus.
Schlosskapelle
Auch die Schlosskapelle, die heute nicht mehr erhalten ist, hatte ein Deckenfresko. Datierung, Thema und Künstler sind unbekannt. Es könnte eine Ausstattung der Zeit 1750-80 gewesen sein. Dann wäre der Künstler vermutlich Joseph Gregor Winck gewesen.[14]
Bibliographie
- Literatur:
- Achilles, Söder, 1987. – Achilles, Walter: Schloß Söder – Anmerkungen zur Baugeschichte. In: Alt-Hildesheim 58 (1987), S. 57–74.
- Anders, Söder, 2011. – Anders, Stefanie: Schloss Söder 1742-1796. Baugeschichtliche Studien zu einem repräsentativen Landsitz der Familie von Brabeck im Fürstentum Hildesheim. Diss. Osnabrück 2011.
- Dehio, Niedersachsen, 2003. – Dehio, Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler), S. 1208-1210.
- Reden-Dohna, Rittersitze, 1996. – Reden-Dohna, Armgard von: Die Rittersitze des vormaligen Fürstentums Hildesheim. 2. Aufl. Göttingen 1996.
- Zimmermann/Kensche, Schlösser, 2001. – Zimmermann, Margret/Kensche, Hans: Burgen und Schlösser im Hildesheimer Land. 2. Aufl. Hildesheim 2001.
Einzelnachweise
- ↑ Achilles, Söder, 1987; Reden-Dohna, Rittersitze, 1996, S. 177-179; Zimmermann/Kensche, Schlösser, 2001, S. 153-156; Dehio, Niedersachsen, 2003, S. 1208-1210; Anders, Söder, 2011, S. 177-184.
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 2003, S. 1208; Anders, Söder, 2011, S. 7.
- ↑ Anders, Söder, 2011, S. 10.
- ↑ 4,0 4,1 Anders, Söder, 2011, S. 11.
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 2003, S. 1208-1209; Anders, Söder, 2011, S. 10-11.
- ↑ Anders, Söder, 2011, S. 16.
- ↑ Anders, Söder, 2011, S. 17.
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 2003, S. 1208.
- ↑ Anders, Söder, 2011, S. 63.
- ↑ Anders, Söder, 2011, S. 64-66.
- ↑ Anders, Söder, 2011, S. 66, S. 162.
- ↑ Dehio, Niedersachsen, 2003, S. 1210, Anders, Söder, 2011, S. 66. Johann Georg Meusel: Teutsches Künstlerlexikon oder Verzeichnis der jetztlebendne teutschen Künstler, 2 Teile Lemgo 1778-1789. 1778/79, Bd. 1 S. 158 schreibt das Deckengemälde im Saal Joseph Gregor Winck zu, so Anders, Söder, 2011, S. 18.
- ↑ Anders, Söder, 2011, S. 82-83.
- ↑ Anders, Söder, 2011, S. 56.