Hildesheim, Haus Hinterer Brühl 15

Laß, Heiko:Hildesheim, Haus Hinterer Brühl 15, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/dcb1d1c3-c904-4f7e-ae3f-7b0240d93650

Inventarnummer: cbdd20260

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Im Haus Hinterer Brühl 15 haben sich verdeckt Reste einer Renaissanceausmalung erhalten, die in derartiger Gestalt für Hildesheim einzigartig ist. In Grisailletechnik ausgeführt wurden die Hölzer der Fachwerkwände und die Deckenbalken mit ornamentalem Rankenwerk, Masken und Medaillons verziert.

Hinterer Brühl 15, 1987
Hinterer Brühl 15, 1987

Das Haus im Hinteren Brühl 15

 
Hildesheim, Hinterer Brühl 15

Kurzbeschreibung und Lage

Das Haus Hinterer Brühl 15 befindet sich im Süden der Hildesheimer Altstadt im Brühl, der erst 1460 zur Stadt Hildesheim kam. Das Haus erhebt sich an der Ostseite der Straße.

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Der ehemalige Adelshof ist an der Hausrückseite inschriftlich auf 1577 datiert. Die in den Brüstungsfeldern erhaltenen Wappen der Familien von Rheden und von Steinberg weisen auf die ehemaligen Besitzer hin. Bauherren waren Anna von Rheden, Witwe des Henning von Steinberg, und ihr Sohn Jost von Steinberg. Um 1600 wurde das Innere des Hauses neu ausgestattet; im 19. Jahrhundert folgten weitere Umbauten. In den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgten schließlich Sanierungsarbeiten, bei denen insbesondere die Innenräume umgestaltet wurden.[1]

Beschreibung

Das zweigeschossige trauständige Fachwerkhaus mit vorkragendem Obergeschoss, zentralem Erker und Zwerchhaus hat links eine Einfahrt in den Hof. Das Gebäude ist neun Gefache breit, wobei sowohl die Knaggen als auch die Brüstungszone mit Schnitzereien verziert sind. Das im Laufe der Zeit umgebaute Erdgeschoss zeigt sich heute schlicht.[2]

Das Innere des Hauses

 
Hinterer Brühl 15, 1987

Bau- und Ausstattungsgeschichte

Das Innere des Hauses wurde offenbar um 1600 neu ausgestattet. Besonders im zweiten Obergeschoss haben sich zahlreiche Malereireste aus dieser Zeit erhalten. In den Jahren 1977 sowie insbesondere 1986/87 wurde das Innere des Gebäudes untersucht und einer grundlegenden Sanierung unterzogen.[3]

Die erhaltene Decken- und Wandmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Räume wurden um 1600 mit Malerei versehen. Die Gefache wurden mit Lehmputz niveaugleich zu den Balken geschlossen und in Kalkkaseintechnik bemalt; auch die Fachwerkelemente wurden in derselben Technik gefasst. Während die Malerei der Gefache verloren ging, konnte die Bemalung der Balken 1986/87, vor allem im zweiten Geschoss, gesichert werden. Geringe Teile sind damals ausgebaut worden, der Rest wurde nutzungsbedingt wieder verdeckt und ist nicht mehr zu sehen.[4]

Beschreibung und Ikonographie

Die einzelnen Gefache, in deren Ecken sich ornamental stilisierte rote Blumen mit grünen Blättern befanden, waren mit doppelten schwarzen Begleitstrichen gefasst. Die Fachwerkelemente und Deckenbalken waren in Grisaille mit Ranken bemalt; in ihnen fanden sich auch Masken und Medaillons im Stil von Grotesken wieder. Die Malereien zeigen einen graublauen Grundton, wurden zunächst aufgepaust und anschließend freihändig nachgezogen; stellenweise wurden sie lasierend mit blau (Smalte) überfasst. Deckenbalken und Wandfachwerk unterscheiden sich formal, sind jedoch zeitgleich bemalt worden.[5]

Stellung der Malerei

In Hildesheim stellt diese Gestaltung den einzigen Beleg einer derartigen Raumausmalung der Renaissance dar.[6]

Bibliographie

  • Bibliografie
  • Literatur:
  • Dehio, Niedersachsen, 1992. — Dehio, Georg: Bremen - Niedersachsen (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Gerd Weiß. München/Berlin 1992.
  • Grote/Königfeld, Katalog, 1991. – Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter: Katalog, in: Grote, Rolf-Jürgen/Königfeld, Peter (Hrsg.): Raumkunst in Niedersachsen. Die Farbigkeit historischer Innenräume, Kunstgeschichte und Wohnkultur. München 1991, S. 219-266.
  • Twachtmann-Schlichter, Hildesheim, 2007. – Twachtmann-Schlichter, Anke: Baudenkmale in Niedersachsen. Bd. 14.1. Stadt Hildesheim (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Hameln 2007.
  • Wulf, Hildesheim, 2003. – DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 437 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net (urn:nbn:de:0238-di058g010k0043704) .
  • Archivalien:
  • NLD, 032-5083-022-03 (1). – Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Plansammlung und Sammlung der Restaurierung, in: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung: Stadt Hildesheim. Hinterer Brühl 15. Wohnhaus. 032-5083-022-03 (1).
  • NLD 032-5083-022-03 (2). – Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Plansammlung und Sammlung der Restaurierung, in: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover, Sammlung der Restaurierung: Stadt Hildesheim. Hinterer Brühl 15. Wohnhaus. 032-5083-022-03 (2).

Einzelnachweise

  1. Twachtmann-Schlichter, Hildesheim, 2007, S. 144; Wulf, Hildesheim, 2003. NLD, 032-5083-022-03 (1).
  2. Twachtmann-Schlichter, Hildesheim, 2007, S. 143-144.
  3. Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 732. NLD, 032-5083-022-03 (1).
  4. Twachtmann-Schlichter, Hildesheim, 2007, S. 144; Dehio, Niedersachsen, 1992, S. 732; Grote/Königfeld, Katalog, 1991, S. 234. NLD, 032-5083-022-03 (1), NLD 032-5083-022-03 (2).
  5. Twachtmann-Schlichter, Hildesheim, 2007, S. 144; Grote/Königfeld, Katalog, 1991, S. 234. NLD, 032-5083-022-03 (1); NLD 032-5083-022-03 (2).
  6. NLD, 032-5083-022-03 (1).