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Herrenchiemsee, Ehem. Augustiner-Chorherrenstift, ehem. Garten- oder Fürstenzimmer

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 1: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 226–233, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Ehem. Garten- oder Fürstenzimmer

Im zweiten Obergeschoß des ehem. Kuchel- oder Fürstenstocks, nicht öffentlich zugänglich

Zum Bauwerk: Der Raum liegt zwischen zwei kleinen Zimmern, einem Schlafkabinett und dem Zimmer des Kammerdiener, gemeinsam bilden sie die Wohnung für einen hohen Gast. Man betritt das an der Westseite des Südflügels im zweiten Geschoß liegende Garten- oder Fürstenzimmer vom Gang an der Nordseite her. Es wurde gleichzeitig mit dem nahegelegenen Kaiser- oder Fürstensaal (s.S. 211) nach 1710 ausgebaut und zwischen 1713 und 1715 ausgemalt.

Rechteckiger Raum, gut belichtet durch drei große Stichbogenfenster von S, Zugang von N, Türen nach O und W.

Auftraggeber: Propst Jacob Mayr von Herrenchiemsee (1691–1717)

Autor und Entstehungszeit: Johann Eustachius Kendlbacher (* um 1660 † 1725 München) 1713/15

Den Hinweis auf Kendlbacher gibt der Vermerk im Herrenchiemseer Archivrepertorium: »Den hiesig großen Saal hat Benedict Albrecht, Burger und Maler von München, das Fürstenzimmer aber sein Gesell ausgemahlen, circa annum 1715« (BHStA, KL Herrenchiemsee 106/III, Lit. B II). Bomhard identifizierte diesen »Gesellen« (= Mitarbeiter) aufgrund des gemeinsamen Auftretens von Albrecht und Kendlbacher bei der Ausmalung der Augustiner-Chorherren-Stiftskirche in Gars mit Kendlbacher. Diese Identifizierung hat sich durch die Untersuchung der Quellen für die Ausmalung des Sommersaals im Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg am Inn (OO) bestätigt (Liselotte Andersen, Eine unbekannte Quellenschrift aus der Zeit um 1700, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst 24, 173, S. 175-237. Zu Kendlbacher s.S. 196f. Andersen stellte Kendlbacher als Künstler zum erstenmal vor).

Johann Eustach Kendlbacher, um 1660 geboren in Lickov in Böhmen, war nach Oefele Schüler Johann Andreas Wolffs in München. Seit 1694 war er im Schloß des Grafen von der Wahl in Aurolzmünster tätig und ab 1695 im Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg (OÖ), wo er mit Benedikt Albrecht zusammenarbeitete, wie auch in Gars am Inn 1712/13 und Au am Inn 1722 (beides Lkr. Mühldorf, CBD Bd 8).

Johann Eustach Kendlbacher war ein typischer Vertreter der Münchner Malerei um 1700, deren bekannteste Exponenten Johann Andreas Wolff und Johann Anton Gumpp sind; vor allem von der dekorativen Freskomalerei Gumpps zeigt er sich beeinflußt. Stilistisch stehen sich Albrecht und Kendlbacher sehr nahe. Albrecht scheint der Organisator gewesen zu sein, wie aus den Quellen zu Gars hervorgeht. Er führte die Verhandlungen und schloß die Verträge (CBD Bd 8, S. 100).

Die Händescheidung zwischen Albrecht und Kendlbacher ist sehr schwer. Hier in Herrenchiemsee wäre die Möglichkeit, dem Problem näher zu kommen - wenn man der Stelle im Archivrepertorium glauben kann, daß Albrecht den Saal, Kendlbacher das Fürstenzimmer ausgemalt habe. Doch ist zu bezweifeln, daß sie streng getrennt parallel jeder für sich gemalt haben. Aber selbst wenn man es für gegeben annähme, grundlegende Unterschiede lassen sich kaum feststellen - vielleicht dachte Kendlbacher in seinen Figuren und Figurenkompositionen etwas ornamentaler als Albrecht, der etwas bestimmter und strenger komponierte. »Bei den beiden Räumen in Herrenchiemsee läßt sich eine strenge Trennung Kendlbachers und Albrechts nicht vollziehen. Es sind weder ikonographische noch stilistische Hinweise vorhanden, die eine Zuordnung ermöglichen. Vielmehr wurde immer das gleiche Dekorationssystem benutzt; Unterschiede in Figuren- und Architekturauffassung sind nicht feststellbar« (Seidl, S.79). Dem ist wenig hinzuzufügen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke über abgestufter Stuckleiste

Rahmen: Gemalte Quadratura, A gemalter Profilrahmen, 1-4 Kartuschenfelder

Technik: Fresko; A polychrom, 1-4 monochrom blau mit goldfarbenen Höhungen

Maße: Raummaße 11,60 × 8,00 m; Höhe 3,85 m

A Höhe 3,85 m; 3,10 x 6,75

w1, w4 2,45 × 2,10

W2, W3 2,45 × 2,30

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Letzte Restaurierung 1911. Der Zustand ist gut, kleine Ausbesserungen, wenige kleinere Risse, eine kleine Stelle über W1 am Gesims abgeplatzt. Auch der Bereich des Fürstenzimmers ist in die Bausanierung miteinbezogen, die seit 2006 im Gang ist. Wie im Kaisersaal sind auch die Bilder im Fürstenzimmer gut erhalten und haben nur mechanische Schäden aufgrund der geringen Stabilität der Decke.

Beschreibung und Ikonographie

Das Zimmer ist an der Decke und den Wänden vollständig freskiert. Über einer architektonischen Wandgliederung mit Pilastern und Palmettenfries setzt unmittelbar die Flachdecke an. Schwere Quadraturmalerei, die den Raum umzieht und auf Achsen und Diagonalen bezogen ist, illusioniert eine plastisch gestaltete Hohlkehle. In den Raummitten sind Voluten-Konsolen mit Putten gemalt, die Bildkartuschen tragen. In den Raumecken öffnen sich ovale Durchbrüche, in denen vor Himmelsausblicken Vasen mit Blumen und Früchten stehen: im SO Äpfel und Birnen, im SW Trauben, im NW Narzissen und im NO Rosen.

A SALOMO UND DIE KÖNIGIN VON SABA (1Reg 10,1–13) Das eigentliche figürliche Deckenbild im Zentrum hat eine eigene gemalte Rahmung, eine imitierte Goldprofileiste mit Lorbeerblattstab, die vom Gebälk der Kartusch-Konsolen übergriffen wird, sich an den Schmalseiten leicht ausbuchtet und an den Ecken den Ovalformen der Quadratura folgend gekurvt ist. Das sehr gestreckte Breitformat des Mittelbildes ist wegen der verhältnismäßig geringen Deckenhöhe kaum im Ganzen zu erfassen: Ansicht nach S.

Der Schauplatz ist durch eine Arkatur mit Doppelpilastern und bekrönender Balustrade definiert, die bildparallel die figürliche Szene nach hinten abschließt und durch die Himmelsausblicke sichtbar werden. Rechts wird die Bogenstellung vom Rahmen überschnitten, im linken Bilddrittel ist ein mächtiger Thronaufbau mit gewundenen Säulen, geschmückt mit Löwen und Baldachin, davorgeschoben. Zu beiden Seiten des Throns sind prächtig gerüstete Krieger mit Hellebarden postiert, zwei Krieger und ein Mohr mit Hund stehen und sitzen auf Stufen im Vordergrund, drei weitere Gestalten sind in Halbfigur hinter der Stufenanlage zu sehen. Der von rechts herannahende Zug der Königin mit Gefolge ist auf einer schmalen Rampe in der vordersten Bildebene angeordnet, die zu den Stufen des Throns hinaufleitet, von dem sich der König erhoben hat. Mit ausgebreiteten Armen, das Zepter in der Linken, mit der Rechten auf den Thron weisend, empfängt Salomo die Königin von Saba, die sich ehrerbietig vor ihm neigt. Auch sie ist reich gekleidet und geschmückt, Pagen halten ihre Schleppe und weitere orientalisch gewandete Begleiter tragen Geschenke heran: goldenes Geschirr, Schatzkästchen und einen Papagei. Der Thron Salomos ist ein überreich ausgestalteter Prunkaufbau mit gedrehten und goldornamentierten Säulen und prachtvollem, weit ausgreifenden Baldachin aus schwerem roten Stoff und goldener Stickerei und Posamentierarbeit.

Zu den Füßen von Salomo und der Königin am unteren Bildrand entrollt sich ein Schriftband: REGINAE SABAE

Die Decke des Gartensaals (Johann Eustachius Kendlbacher 1713/15), A Salomo und die Königin von Saba, 1 Salomo am Sterbebett Davids, 2 Gott erscheint Salomo im Traum, 3 Urteil Salomos, 4 Salomo betet im Tempel von Jerusal

Die Decke des Gartensaals (Johann Eustachius Kendlbacher 1713/15) zeigt in ihrer zentralen Darstellung Salomo und die Königin von Saba. Die Komposition gliedert sich in vier Szenen: 1 Salomo am Sterbebett Davids, 2 Gott erscheint Salomo im Traum, 3 Urteil Salomos und 4 Salomo betet im Tempel von Jerusalem.

Die ikonografische Anordnung folgt der Tradition barocker Deckenmalereien, in denen die biblische Geschichte durch symbolische Figuren und allegorische Elemente ergänzt wird. Besonders auffällig ist die Verwendung von Goldgrund und dramatischen Lichtkontrasten, die die monumentale Wirkung der Darstellung verstärken.

In der unteren Randzone des Freskos sind puttogetragene Inschriften angebracht, die auf die Themen der Weisheit und Herrschaft anspielen. Diese Inschriften sind in lateinischer Sprache verfasst und rahmen die zentrale Szene wie eine kunstvoll gestaltete Kassette ein.

Die Technik der Malerei ist durch feine Pinselstriche und eine sorgfältige Schichtung der Farben gekennzeichnet. Besonders hervorzuheben ist die Darstellung der Textilien, die durch feine Schraffuren und Reflexionen eine fast reale Haptik erzeugen.

In der Forschung wird diese Decke oft als Beispiel für die späte Blüte des barocken Deckenmalereistils in Bayern angesehen. Die Verbindung von biblischer Thematik mit der Herrschaftslegitimation durch die Darstellung Salomos spiegelt die politischen und kulturellen Anforderungen des 18. Jahrhunderts wider.

Weitere Werke des Künstlers - ABA - Pf 86 - DI - NK 35

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W. Juno - Luft, W. Jupiter - Feuer, Westwand mit Darstellungen der Elemente Luft und Feuer

IVDICIVM DE REGE SALOMONE: I. REG. X., Hinweis auf die Worte der Königin von Saba »Es ist wirklich wahr, was ich in meinem Lande über dich und deine Weisheit vernommen habe ... glückselig deine Diener da, die allzeit vor deinem Antlitz stehen und deine Weisheit hören« (1Reg 10,6–8).

Die Szene ist vor der reich ausgestalteten architektonischen Kulisse mit höfisch eleganten Details, mit Freude an Kostümen aus wertvollen Stoffen, die mit Schmuck besetzt sind, mit kunstvoll geformten Geschirren und orientalischem Putz im Gefolge der Königin geschildert – farblich besonders reizvoll am linken Bildrand der Mohrenknabe in seinem gepaspelten Pagengewand mit dem großen Hund an der Leine - und erinnert damit an venezianische Gastmahl-Darstellungen.

1-4 SZENEN AUS DEM LEBEN SALOMOS Vier nahezu herzförmige Kartuschenfelder in den Raumachsen sind von der Mitte des Raumes gegen die vier Himmelsrichtungen zu betrachten. Die Kartuschen sitzen an Gebälkkonsolen der gemalten Quadratura und sind von Muschelwerk und Blattagraffen gerahmt (2 und 4) bzw. von einer Muschelagraffe bekrönt und von einer Blattmaske getragen (1 und 3). In den Bildfeldern sind kleine ganzfigurige Szenen dargestellt.

I SALOMO AM STERBEBETT DAVIDS (IReg 2,1–12) Der greise David ist in einem großen Himmelbett liegend dargestellt. Er wendet sich zu dem jungen Salomo, der in königlichen Kleidern mit Krone vor seinem Vater erscheint. David hat den Finger weisend erhoben und spricht zu seinem Sohn. Links stehen zwei Diener.

2 GOTT ERSCHEINT SALOMO IM TRAUM (1Reg 3,4-15) Salomo ist auf seinem Löwenthron sitzend dargestellt, der von einer Draperie überwölbt ist. Er hat die Krone neben sich abgelegt und hält ein aufgeschlagenes Buch auf dem Schoß; den Kopf hat er entschlummernd in die Linke gestützt und die Augenlider gesenkt. Über ihm erscheint Gottvater in Wolken, um das Haupt den strahlenden Dreiecksnimbus. Gottvater wendet sich sprechend und weisend an Salomo; von seinem Mund geht ein Strahl aus und fällt auf den jungen König.

3 URTEIL SALOMOS (1Reg 3,16-28) Links sitzt König Salomo, die Krone auf dem Haupt, auf seinem baldachinüberwölbten Löwenthron, zu dem hohe konvex gerundete Stufen emporführen. Zu Füßen des Thrones sind inmitten von Zuschauern die beiden Mütter erschienen, die um ein Kind streiten, indem jede angibt, sie sei die wahre Mutter. Auf ein

Zeichen Salomos mit dem Zepter hebt ein Henkersknecht das Schwert, um den Säugling zu teilen. Eine Frau kniet auf den Stufen des Throns, sie gibt ihren Anspruch auf, um das Leben des Kindes zu retten, wodurch sie sich als die echte Mutter erweist.

4 SALOMO BETET IM TEMPEL VON JERUSALEM (1Reg 8,22-29) In einem gewölbten Innenraum mit Säulen und hohen Lanzettfenstern ist Salomo im Königsmantel mit Hermelinkragen dargestellt. Er kniet auf einem Treppenvorsprung mit zierlichem Eisengeländer, neben ihm liegen Krone und Zepter (zur Salomons-Ikonologie s. u.).

W1-6 und Wa-d VIER ELEMENTE – GÖTTERSTATUEN Die Wände sind durch gemalte Pilaster gegliedert, zwischen denen sich an der Nord, Ost- und Westseite Landschaftsausblicke öffnen (W1-6), vor denen Putten schwere rote Vorhang- Draperien zurückziehen. Es sind Gartenlandschaften mit Zierarchitekturen, Treppen, Balustraden und Vasen. Sie sind jeweils in ihrem Charakter auf die Götter bezogen, die rechts und links neben den Seitentüren der Ost- bzw. Westwand vor den Pilastern dargestellt sind, monochrom ocker gemalt, als Darstellungen von Bronze-Skulpturen. Sie stellen gleichzeitig

die Vier Elemente dar, ein häufiges Thema in barocken Festräumen. Zwischen den Fenstern der Südwand sind wandfüllend Stoffdraperien gemalt, die von Putten gerafft werden.

W. NEPTUN - WASSER Ostwand. Neptun mit Dreizack und Delphin weist mit der Hand auf einen Springbrunnen, dessen Schale von Tritonen getragen wird, ein Putto hält die Fassung der Fontäne; vor der gemalten Tempel-Vorhalle mit Treppenaufgang am linken Bildrand steht eine bekränzte Götterstatue, möglicherweise Apoll.

W. CYBELE-ERDE Ostwand. Die Göttin mit der Mauerkrone auf dem Haupt hält einen Pflanzentrog mit einem Pomeranzenbäumchen in den Armen. Neben ihr in einer Gartenanlage vor einem Gebäude mit Treppenanlage ist auf einer Balustrade mit Blumenvasen die Statue des Merkur mit Flügelhelm und Kerykeion zu sehen.

W. JUNO - LUFT Westwand. Juno ist mit Zepter und Pfau dargestellt, sie weist auf einen Landschaftausblick mit offenem Säulenbau, in dem die Statue der Minerva mit Helm und Lanze aufgerichtet ist. Über der Szene im Himmel der Zodiakus mit dem herausgehobenen Sternzeichen des Löwen. W4 JUPITER - FEUER Westwand. Jupiter trägt eine Krone, in der Rechten das Blitzbündel, zu seinen Füßen sitzt der Adler. Mit dem Zepter in der Linken zeigt er auf zwei brennende Kugeln, die auf runden Konsolen vor einer offenen Tempelanlage stehen.

W5 ELEMENT FEUER Wohl inhaltlich dem Wandbild W4 zugehörig ist an der Nordwand eine schmale Szene, ein Ausblick in die Tiefe mit brennender Amphore links und einem Säulenbasis mit Widderkopf rechts.

W6 ELEMENT WASSER Nordwand. Inhaltlich zugehörig zur Darstellung W1 an der Ostwand. Eine halbkreisförmige mächtige Kolonnade über Treppenanlage, gesäumt von spitzen Obelisken und in einer Gartenanlage ist Schauplatz für

Nicht zur wandfesten Bemalung gehören die von Löwen gehaltenen Wappen auf der breiten hölzernen Wappen-Fußbodenleiste: Wappen von Bayern, Herrenchiemsee und Pröpsten aus dem 18. Jh.

Zur Ikonologie

Im Fürstenzimmer von Herrenchiemsee ist Salomo als Beispiel und Vorbild des weisen und guten Herrschers dargestellt. Fünf Szenen aus seinem Leben wurden für das Zimmer ausgewählt: in den Nebenbildern 1–4 Szenen, die seine

Das Nebenbild 1 zeigt König David auf dem Sterbebett. Er ließ Salomo rufen, seinen und der Bathseba Sohn, den er schon zum König hatte salben lassen, und sagte zu ihm: »Beobachte, was Jahwe, dein Gott, gebietet; wandle auf seinen Wegen und halte seine Satzungen, Gebote, Rechte und Öffenbarungen... auf daß alles dir gelinge, was du tust und unternimmst, auf daß Jahwe sein Wort in Erfüllung gehen lasse, das er zu mir gesprochen hat: Wenn deine Söhne achthaben auf ihren Weg... so soll es dir nie an einem Nachfolger auf dem Thron Israels fehlen« (1Reg 2,1-4).

In Bild 2 ist der Traum des jungen Königs Salomo zu sehen: Er hatte sich auf die Höhen von Gibeon begeben, um Jahwe dort zu opfern. Nachts erschien ihm Gott im Traum und sprach »Erbitte, was ich dir geben soll!«. Salomo antwortete ihm

W6 Gartenlandschaft mit Flußgöttern, Wandfresken an der Nordwand, dem Wasser zugeordnet

»Du hast deinen Knecht an meines Vaters Statt zum König gemacht. Ich bin aber ein junger Mensch, weiß nicht aus noch ein. Und dein Knecht steht doch inmitten deines Volkes, das du erwählt hast, eines so großen Volkes, daß es vor Menge nicht zu zählen noch zu berechnen ist. So gib denn deinem Knecht ein achtsames Herz, damit er zu unterscheiden weiß zwischen Gut und Böse; denn wer wäre sonst imstande, dieses dein zahlreiches Volk zu regieren?

0----- Und es gefiel Jahwe, daß Salomo eine solche Bitte ausgesprochen hatte. Darum sprach Jahwe zu ihm: Weil du gerade diese Bitte gestellt und dir nicht ein langes Leben oder Reichtum oder das Leben deiner Feinde erbeten hast erflehtest, um auf das Recht zu achten, siehe darum will ich deine Bitte erfüllen. Wohlan, ich will dir ein weises und verständiges Herz geben, so daß deinesgleichen nicht vor dir gewesen ist noch deinesgleichen nach dir erstehen wird. Aber auch das, worum du nicht gebeten hast, will ich dir geben, sowohl Reichtum als Ehre, so daß keiner unter den Königen dir gleichkommen soll. Und wenn du auf meinen Wegen wandelst, indem du meine Satzungen und Gebote hälts Vater David gewandelt ist, so will ich dir ein langes Leben schenken« (1Reg 3,5-15).

Im dritten Bild ist der Streit der beiden Mütter um das Kind dargestellt und das Urteil Salomos in diesem Streit. Durch die Klugheit und Gerechtigkeit, die der König in dieser Sache zeigte, wurde seine Weisheit vor dem Volk offenbar. »Und ganz Israel hörte von dem Urteil, das der König gefällt hatte und bekam Ehrfurcht vor dem König, denn man sah, dass göttliche Weisheit in ihm war, um Recht zu sprechen« (1Reg 3,28).

Bild 4 zeigt Salomo im Gebet im neu erbauten Tempel von Jerusalem, wo ihm Jahwe zum zweitenmal erschien (1Reg 9,2–9; die erste Erscheinung war die in Gibeon). Jahwe bestätigte das Versprechen, das er einst David gegeben hatte (s. Bild 1): »Wenn du ... vor meinem Angesichte wand schaffenheit, so dass du alles tust, was ich dich geheißen habe, meine Satzungen und Vorschriften befolgst, so will ich den Thron deines Königtums über Israel für immer bestätigen...« (1Reg 9, 4f.).

Die Weisheit des guten Herrschers besteht in der Kenntnis von Recht und Unrecht und im Befolgen von Recht und Gesetz. Diese Weisheit des Herrschers ist Bedingung für das Fortdauern der Herrschaft. Diese Weisheit bringt dem Herrscher die

Liebe seines Volkes und die Bewunderung der Welt (Bild A). Es ist unübersehbar, daß im Salomo-Programm von Herrenchiemsee die Kenntnis des Rechts und das Befolgen des Rechts eine besondere Rolle spielen, und das Bewußtsein, daß das Recht seine Herkunft von Gott hat.

Es ist die Frage, wem Propst Jacob Mayr diese Interpretation des guten Herrschers vor Augen führen wollte. Wer war der Adressat der Bilder, wer wohnte in den Fürstenzimmern? Wohl kaum der Kurfürst von Bayern oder der Fürsterzbischof von Salzburg. Ein Fürst, dem das Wohnrecht auf Herrenchiemsee zustand, war der jeweilige Bischof von Chiemsee, dessen Bischofskirche die Stiftskirche war. Bischof Sigmund II. Carl Graf von Castel-Barco (1697–1708), mit dem Mayr so große, heftige und langwierige Auseinandersetzungen über die Rechte des Bischofs einerseits und die Rechte des Stiftes, des Propstes und des Archidiakons andererseits hatte (S. 190), war zwar bei der Ausmalung des Fürstenzimmers schon tot; trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß das Salomo-Programm mit den schlechten Erfahrungen des Propstes zu tun hat und Jacob Mayr deshalb Castel-Barcos Nachfolgern als Idealbild Salomo vor die Augen führen wollte.

Quellen und Literatur s. Kaisersaal S. 223 Bomhard, Peter von, Der Chiemgau (GKF Nr. 18), 1955, S. 6–9 Bomhard Bd 3, S. 105–08 Andersen, Lieselotte, Eine unbekannte Quellenschrift aus der Zeit um 1700, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst 24, München 1973, S. 175–237. Seidl, Bärbel, Studien zu Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht (= Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München Bd 48), München 1990, S. 36 f. und passim. Dehio 1990, S. 420. A. B./K. S.