Laß, Heiko:Harmsdorf, Gut Güldenstein, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2022, URL: www.deckenmalerei.eu/52ebeb9a-7c6f-4b03-a9c6-574b537cb500

Inventarnummer: cbdd10407

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Im Herrenhaus von Gut Güldenstein haben sich drei Deckengemälde von ca. 1720/30 erhalten. Zwei zeigen eine Götterversammlung, Juno und Aeolus sowie eine Groteskenmalerei mit Jagdszenen.

Herrenhaus Güldenstein
Herrenhaus Güldenstein

Das Herrenhaus von Gut Güldenstein

 
Herrenhaus Güldenstein

Kurzbeschreibung und Lage

Der Gutskomplex ist an einer nordsüdlichen Achse ausgerichtet. Der Kernbereich von Gut Güldenstein[1] liegt auf einer ovalen Insel. Sie wird von Norden durch ein Torhaus betreten. Gegenüber an der Südseite steht das Herrenhaus – direkt am Graben. Jenseits des Grabens folgt ein Landschaftsgarten. Ehemals trennte ein 1843-46 zugeschütteter weiterer Graben an der Eingangsseite das Herrenhaus vom Wirtschaftshof. Er ist nur noch an der Ost- und Westseite des Hauses vorhanden. Im Norden befindet sich jetzt ein Ehrenhof, der im Osten und Westen von einen Kavaliershaus bzw. einem Marstall flankiert wird. Ehemalige Wirtschaftsbauten und Nebengebäude im nördlichen Bereich der Insel sind heute bis auf eines verloren.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Gut ist vermutlich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts durch Teilung des alten Gutes Gneningen begründet worden. Das Gut wechselte mehrmals die Besitzer und gelangte 1701 an die Familie von Thienen. Heinrich von Thienen ließ das heute noch erhaltene Herrenhaus 1726-28 nach Plänen von Rudolph Matthias Dallin erbauen. Die Arbeiten an der Innenausstattung zogen sich bis 1729/30 hin. Bereits 1779 gelangte Güldenstein an die Familie Rantzau, die es umbauen ließ. Eventuell begannen die Arbeiten bereits vor dem Verkauf 1777. 1839 kam Güldenstein schließlich an die Großherzöge von Oldenburg, deren Nachfahren es bis heute besitzen. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde das Haupthaus aufwendig saniert.

Beschreibung

Das zweigeschossige Herrenhaus über niedrigem Sockelgeschoss ist elf Achsen breit sowie vier bzw. fünf Achsen tief und mit einem Walmdach gedeckt. Es steht knapp zur Hälfte direkt im Wasser. An der Eingangsseite sind die äußeren drei Achsen jeweils eine Achse weit, gleich Seitenflügeln, vorgezogen. Die mittleren drei Achsen bilden einen schwachen Risalit aus und sind unter einem Dreiecksgiebel zusammengefasst. Den Risalit gibt es auch an der Grabenseite, allerding fehlt dort der Giebel. Rechts und links der äußeren Fensterachsen der Gartenseite befinden sich ehemalige Aborterker vor der Fassade. Die Fenster- und Türgewände des roten Backsteinbaus sind von weißem Putz wie auch die Eckrustizierungen und ein Gurtgesims oberhalb des Sockelgeschosses. Das Eingangsportal mit Wappen über der Tür ist von Sandstein.

Über eine Freitreppe erreicht man das große Vestibül, das etwas über zwei Drittel der Hausmitte einnimmt. Das hintere Drittel ist einer Treppenanlage vorbehalten. An der Hofseite erschließen zwei Korridore die Räume in den Seitenflügeln. Im rechten befindet sich ein Saal, im linken ein Salon mit einem anschließenden Kabinett. Zur Gartenseite folgen an jeder Seite zwei große Zimmer in Enfilade, gefolgt von jeweils zwei kleinen Kabinetten. Von hier sind auch die Aborte zu erreichen. An der südöstlichen Ecke ist zudem eine Nebentreppe zum Souterrain (mit der Küche) gelegen. Das Obergeschoss hat eine ähnliche Aufteilung, jedoch laufen die Korridore hier bis zu einem Fenster in der Ost- bzw. Westwand durch.

Erster Salon an der Gartenseite rechts

Beschreibung

Der erste Salon[2] an der Gartenseite rechts des Vestibüls öffnet sich mit zwei Fenstern nach Süden. Er wird vom Vestibül im Osten durch eine zentrale Tür betreten. Im Westen folgt ein weiterer annährend identisch großer Raum. In der Nordostecke steht ein Ofen.

Die Decke wurde 1728-30 von Giuseppe Antonio Bossio stuckiert. In den Ecken halten Puttenpaare Stuckmedaillons mit mythologischen Szenen: Sturz des Ikarus, Boreas entführt Oreithyia, Apoll und Diana, die Entführung des Ganymed. Die Stuckdecke umrahmt ein Mittelgemälde.

Die Malerei auf den Wandpaneelen und Türfüllungen

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Im Rahmen der Restaurierungsmaßnahmen Anfang des 21. Jahrhunderts wurden einige Malereireste auf den Paneelen und der östlichen Tür freigelegt.

Beschreibung und Ikonographie

Die Malerei ist teilweise stark beschädigt und ihr Inhalt kann nicht immer bestimmt werden. An der Westwand erkennt man zum einen Phaeton im Sonnenwagen, dem die Zügel entglitten sind, sowie zum anderen einen Mann, der, von Amors Pfeil getroffen, eine Frau verfolgt, die von einer Göttin im Himmel errettet wird. An der Nordwand ist ein Mann im roten Mantel zu sehen, der eine schlafende Frau überrascht, ferner die Entführung der Deïaneira durch Nessus sowie Pomona und Vertumnus. Die Ostwand zeigt Diana und Actaeon sowie Venus und Adonis. An der Tür erblickt man unten Amor und Psyche links und rechts Glaukos und Skylla. In der Mitte der Tür wird das Doppelwappen der von Thienen und von Brockdorff präsentiert, oben die Zeit, die die Jugend raubt, vor einem Ikarussturz.

Das Deckengemälde

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei wurde vermutlich um 1730 in Öl auf Leinwand gemalt.

Beschreibung und Ikonographie

Das Gemälde zeigt Juno mit strahlendem Haupt vor ihrem von Pfauen gezogenen Wagen. Sie weist den rechts im Vordergrund befindlichen Aeolus an, die Winde freizulassen. Links von Juno lagert ihr weibliches Gefolge.

Beschreibung

Der erste Salon[3] an der Gartenseite links des Vestibüls öffnet sich mit zwei Fenstern nach Süden. Er wird vom Vestibül im Westen durch eine zentrale Tür betreten. Im Osten folgt ein weiterer annährend identisch großer Raum. An der Nordwand befindet sich eine von Säulen gerahmte Alkovennische.

Gemälde

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Bei den Sanierungsmaßnahmen Anfang des 21. Jahrhunderts wurden an der Decke Reste von Deckenmalerei entdeckt.

Hofseitiger Salon

Beschreibung

Der hofseitige Salon[4] links des Vestibüls im östlichen Seitenflügel nimmt die beiden westlichen Fensterachsen ein. An seiner Ostwand steht in der Mitte ein Kamin. Der Raum wird direkt von einem Korridor an der Hofseite aus betreten. Im Osten schließt sich ein Kabinett an.

Deckengemälde

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde entstand um 1730. Es wurde in Öl auf Leinwand gemalt und ist aus vier Bahnen zusammengesetzt.

Beschreibung und Ikonographie

Die Stuckdecke präsentiert ein großes querrechteckiges Deckengemälde.[5] Es handelte sich um eine kleinteilige Groteskenmalerei mit Jagdszenen. Diana und ihr Gefolge jagen Füchse, Putten gehen der Reiherbeize nach. Auch ein paar Chinesen sind dargestellt. Die Diana ist über dem Kamin zu sehen. Um fast die gesamte Darstellung zieht sich ein gemaltes Scheingeländer.

Hofseitiges Kabinett

Beschreibung

An den Salon an der Nordseite schließ sich ein kleines Kabinett[6] an der Gebäudeecke an. Es öffnet sich mit einem Fenster nach Norden und einem nach Osten. Ehemals ging von hier eine Brücke über den damaligen Graben. Die Stuckdecke präsentiert ein Deckengemälde in geschweiftem Rahmen.

Deckengemälde

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Das Deckengemälde ist um 1730 entstanden. Es wurde auf Putz ausgeführt.

Beschreibung und Ikonographie

Es zeigt einen Wolkenhimmel mit Götterversammlung. In der Mitte sitzen Venus und Mars, wobei Mars fast komplett von Venus, die den Betrachtenden den Rücken zuwendet, verdeckt wird. Rechts hinter Venus sitzt Neptun und hinter diesem Herkules. Hinter dieser Gruppe ragen Diana, eine unbestimmbare Gottheit und Merkur hervor. Um diese zentrale Gruppe sind weitere Gottheiten und Putten angeordnet.

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Lafrenz, Herrenhäuser, 2015. – Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg 2015.
  • Rinn, Stukkateure, 1999. – Rinn, Barbara: Italienische Stukkateure zwischen Elbe und Ostsee (Bau + Kunst. Schleswig-Holsteinische Schriften zur Kunstgeschichte, 1). Kiel 1999.
  • Rumohr, Ostholstein, 1989. – Rumohr, Henning von: Schlösser und Herrenhäuser in Ostholstein. 3. Aufl. Frankfurt a. M. 1989.
  • Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983. – Rumohr, Henning von/Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Frankfurt 1983.
  • Schulze, Bericht, 2007. – Schulze, Heiko K. L.: Bericht über neue Ergebnisse der Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein 2001 bis 2006. In: Nordelbingen 76 (2007), S. 249-284.
  • Seebach, Herrenhäuser, 1985. – Seebach, Carl-Heinrich: 800 Jahre Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Neumünster 1985.
  • Stilling, Herregårde, 2021. – Stilling, Niels Peter: Danmarks Herregårde. Slesvig og Holsten. Kopenhagen 2021.

Einzelnachweise

  1. Stilling, Herregårde, 2021, S. 285-287; Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 213-217; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 347-349; Schulze, Bericht, 2007, S. 265-266; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 181-183; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 362-373; Seebach, Herrenhäuser, 1985, S. 40; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 211-215.
  2. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 215; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 347-348; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 366.
  3. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 215; Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 348; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 366.
  4. Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 366.
  5. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 216; Rumohr, Ostholstein, 1989, S. 366; Rumohr/Neuschäffer, Schlösser, 1983, S. 213.
  6. Lafrenz, Herrenhäuser, 2015, S. 216; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 182.