Hannover Herrenhausen, Der westliche Eckpavillon im Großen Garten
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Im Großen Garten birgt der Pavillon an der Südwestecke von 1707/08 eine stuckierte Decke mit dekorativer Malerei. Sie zeigt auf gemalten Sockeln befindliche Vasen mit bunten Sträußen von Sommerblumen.

Der westliche Eckpavillon im Großen Garten
Auf der Südwestecke und der Südostecke des Großen Gartens von Hannover-Herrenhausen steht seit 1707/08 je ein vom Hofarchitekten Louis Remy de la Fosse entworfener Pavillon.[1] Die beiden Bauten ermöglichen es, die äußeren Grenzen des Gartens über das Boskett hinaus vom Schloss aus zu sehen. Zugleich waren sie Point de vue der den Garten einfassenden Lindenalleen. Die Ausführung der Bauten in Holz auf Sandsteinunterbau übernahm Brand Westermann. Der westliche Pavillon wurde nach einem Brand 1752 durch Johann Peter Heumann 1754 massiv erneuert. 1757 erhielten die Pavillons acht Büsten antiker Philosophen von Johann Friedrich Ziesenis. 1849 erfolgte eine Instandsetzung der Pavillons. Seine Deckenmalerei wurde im Rahmen einer Sanieurng 2021 restauriert.
Der erhaltene westliche Pavillon birgt die Deckenmalerei eines unbekannten Künstlers. Er steht auf einem kreisrunden getreppten Sockel. Seine Grundfigur ist ein Achteck, das in den sich kreuzenden Hauptachsen von Arkaden durchbrochen wird. Vor die Kanten des Achtecks sind gekuppelte jonischen Pilaster gestellt, die eine Attika mit Ziervasengruppen tragen. Die Diagonalseiten des Pavillons bleiben geschlossen. Hier befindet sich an den Innenseiten je eine Nische; in dreien von ihnen stehen heute Kopien der ursprünglichen Büsten. Die Nischen werden von drei voreinander gestellten korinthischen Pilastern flankiert, die die kreisrunde Kuppel tragen.
Ihr Deckenspiegel ist stuckiert und nimmt in der Mitte eine gemalte Windrose mit Strahlen vor einem gemalten Himmelstück auf. Der Rand der imitierten Öffnung ist mit Muscheln und Akanthus besetzt und zeigt goldfarbene Höhungen. Die Öffnung wird scheinbar von acht breiten Gurten getragen, die sich über den Pilastern befinden und die Decke in ebenfalls acht Felder teilen, die braun hinterlegt sind. Die Felder werden oben und unten analog zu den Gurten eingefasst und sind wie diese mit gemaltem Stuck verziert, der Quasten, Akanthus, Rocaillen, Kartuschen, Masken u. ä. zeigt. Die vier Felder über den Wandnischen sind schmaler als die über den Arkaden. Hier wird der breitere Raum genutzt, um auf gemalten Sockeln befindliche Vasen mit bunten Sträußen von Sommerblumen aufzunehmen. Sie sind rein dekorativ.
Der Große Garten von Hannover-Herrenhausen
Der Große Garten von seiner Entstehung 1674 bis zum Regierungsantritt der Welfen in Großbritannien 1714
Der Große Garten[2] ist der Garten von Schloss Herrenhausen. Es war zugleich der eigentliche Garten des Residenzschlosses in Hannover, an dem es keinen größeren Garten gab. Der Große Garten geht auf einen 1638 beim damaligen Dorf Höringehusen angelegten Küchengarten zurück. 1652 wurde daraus ein Vorwerk. 1660 entstand ein erster Ziergarten. 1665 begann die höfische Nutzung des Areals. Das bereits 1649 vorhandene „Absteigequartier“ ersetzte man durch ein um 1665 nach Herrenhausen versetztes kleines Schloss. Dieses Gebäude wurde beständig erweitert, ergänzt und umgestaltet zum Schloss Herrenhausen. 1674/76 begann die Anlage des zugehörigen Gartens. Diese kleine Anlage hatte ungefähr die Ausdehnung des heutigen Parterres und wurde unter Beteiligung von Girolamo Sartorio und Marinus Cadart konzipiert.
Unter Herzog Ernst August erhielt der Garten annähernd seine heutige Gestalt. Für den Herzog arbeitete in Hannover seit 1683 der Gärtner Martin Charbonnier, der für ihn bereits ab 1677 den Garten in Osnabrück angelegt hatte. Der Herrenhäuser Garten spielte eine große propagandistische Rolle im Rahmen der Erlangung der Kurwürde durch Ernst August 1692. 1689-92 entstand ein Gartentheater. 1694-98 kam es zur Errichtung des Galeriegebäudes, das in der Achse des Gartentheaters östlich des Schlosses steht.
1696 begann die seit 1695 konzipierte Erweiterung des Großen Gartens nach Süden auf die annähernd doppelte Fläche. Erst unter Ernst Augusts Sohn Georg I. wurde diese Erweiterung abgeschlossen und 1702 der den Garten an drei Seiten umgebende Graben – die Graft – vollendet. In Herrenhausen wurden ein eigener Gartentyp etabliert: Der Niederdeutsche Garten.[3]
Auf der Südwestecke und der Südostecke des Großen Gartens kam 1707/08 je ein von Louis Remy de la Fosse entworfener Pavillon zu stehen, der die äußeren Grenzen des Gartens über das Boskett hinaus vom Schloss aus erlebbar machte. Vermutlich ist diese Erweiterung nicht nur in Bezug auf die Kurwürde allgemein, sondern auch in Konkurrenz zur älteren Linie der Welfen in Wolfenbüttel speziell erfolgt, die in Salzdahlum ebenfalls einen großen Garten anlegen ließen. Zwischen beiden Linien bestand aufgrund der Kurwürde eine große Konkurrenz.
Die nicht winterharten Pflanzen wurden anfänglich in den Seitenflügeln des Schlosses überwintert. Das Galeriegebäude war anfänglich als Orangerie geplant worden, wurde aber als Festbau vollendet. Erst 1720-23 erhielten die seit 1662 in Herrenhausen nachweisbaren Pflanzen ein eigenes Gebäude – das Orangeriegebäude. Wichtigstes Prestigeprojekt waren jedoch die Wasserspiele. Unter Georg I. gelang es 1721, eine Fontäne mit einem 35 m hohen Strahl zu verwirklichen, damals unerreicht in Europa. Zu jener Zeit war er bereits seit 1714 König von Großbritannien und Nordirland. Wie später sein Sohn, besuchte er zwar regelmäßig Hannover und Herrenhausen, der repräsentative Mittelpunkt der Dynastie befand sich nun aber nicht mehr in Hannover, sondern in England.
Der Große Garten seit dem Regierungsantritt der Welfen in Großbritannien 1714 bis zu seinem Übergang an die Stadt Hannover 1936
Nach dem Regierungsantritt von Georg I. in Großbritannien 1714 blieb Herrenhausen noch lange ein wichtiger Ort im Rahmen landesherrlicher Selbstdarstellung, Veränderungen am Großen Garten erfolgten jedoch kaum mehr. Es kam zu einer Reduzierung der Zierformen, Beete und Muster. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Garten der Öffentlichkeit für den Besuch freigegeben. 1819-21 wurde das Schloss und zwei Jahre später die Orangerie durch Georg Ludwig Friedrich Lawes erneuert und im Äußeren umgestaltet. Unter König Ernst August (reg. 1837-51 in Hannover) begriff man den Großen Garten zunehmend als ein Denkmal der Geschichte des Welfenhauses, es erfolgte keine Umgestaltung, sondern die Erhaltung der Anlagen.[4]
Mit der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen gelangte der Große Garten 1866 unter preußische Verwaltung. Erst 1934 kam er wieder an das Welfenhaus. 1936 kaufte die Stadt Hannover die inzwischen verwahrloste Anlage – Schloss, Galeriegebäude und Orangerie verblieben im Besitz der Welfen wie auch das unmittelbar an die Bauten angrenzende Gelände. Anschließend erfolgten Umgestaltungen, die den Garten bis heute prägen. 1943 wurde das Schloss bei einem Luftangriff zerstört und auch der Garten in Mitleidenschaft gezogen.[5]
Der Große Garten heute
Der Garten misst 905 auf 555 Meter und umfasst über 50 Hektar. Er wurde nicht wirklich rechtwinklig angelegt, sondern mit einer Abweichung der Winkel um 2,8° (erst ab 3° kann das menschliche Auge die Abweichung wahrnehmen). Das bedeutet, dass kein Wegekreuz oder Ornament einfach gespiegelt werden kann, sondern dass alles eigens ausgemessen werden muss. Im Westen, Süden und Osten ist der Garten von einem Graben mit Wall – der Graft umgeben. Der Garten hat die damals übliche Dreiteilung in einen Ziergarten am Schloss, folgende Heckenquartiere und Waldstücke in der Ferne. Hinzu kommen die Mittelachse begleitende Separatgärten wie das Orangeriequartier im Osten vor dem Galeriegebäude und das weiter südlich anschließende Gartentheater. Zwischen Parterre und Bosketts vermittelten vier tief gelegene Teiche. Die Große Fontäne befindet sich in der Mitte des Bosketts im neuen Südteil des Gartens. Die äußeren Eckpunkte des Gartens betonen die Pavillons. Parallel zur Graft umschließen den Garten dreireihige Lindenalleen.
Bibliographie
- Literatur:
- Adam, Funde, 2001. – Adam, Bernd: Neue Funde zum barocken Ausbau der Schlossanlage in Hannover-Herrenhausen. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 40 (2001), S. 59-97.
- Adam, Pracht, 2005. – Adam, Bernd: Vergessene Pracht. Die kurhannoverschen Residenzbauten Georgs I. In: Barmeyer, Heide (Hrsg.): Hannover und die englische Thronfolge (Hannoversche Schriften zur Regional und Lokalgeschichte, 19). Bielefeld 2005, S. 199-231.
- Adam, Wasserkünste, 2006. – Adam, Bernd: Die Herrenhäuser Wasserkünste. In: König, Marieanne von (Hrsg.): Herrenhausen. Die königlichen Gärten in Hannover. Göttingen 2006, S. 43-58.
- Adam, Gartenpavillons, 2006. – Adam, Bernd: Das Herrenhäuser Schloss und die historischen Gartenpavillons. In: König, Marieanne von (Hrsg.): Herrenhausen. Die königlichen Gärten in Hannover. Göttingen 2006, S. 95-100.
- Adam, Orangerie, 2006. – Adam, Bernd: Die Orangerie und die höfischen Bauten an der Alten Herrenhäuser Straße. In: König, Marieanne von (Hrsg.): Herrenhausen. Die königlichen Gärten in Hannover. Göttingen 2006, S. 103-108.
- Adam, Herrenhausen, 2013. – Adam, Bernd: Schloss Herrenhausen – die historische Sommerresidenz der Welfen. In: Reinold, Beate (Red.): Schloss Herrenhausen. Architektur. Garten. Geistesgeschichte. München 2013, S. 8-43.
- Arnhold/Kotyrba, Arnhold, Herrenhausen, 2014. – Elmar/Kotyrba, Sándor: Herrenhäuser Gärten - Hannover. Braunschweig 2014.
- Boeck, Festräume, 2006. – Boeck, Urs: Zwei höfische Festräume. Gartentheater und Galeriegebäude. In: König, Marieanne von (Hrsg.): Herrenhausen. Die königlichen Gärten in Hannover. Göttingen 2006, S. S. 67-78.
- Boeck, Skulpturenparterre, 2006. – Boeck, Urs: Das Skulpturenparterre. In: König, Marieanne von (Hrsg.): Herrenhausen. Die königlichen Gärten in Hannover. Göttingen 2006, S. 59-66.
- Im Garten, 2021. – Im Garten. Das Magazin der Herrenhäuser Gärten. Ausgabe 3. Winter 2021/2022. Hannover 2021.
- Laß/Scharrer, Selbstdarstellung, 2014. – Laß, Heiko/Scharrer, Margret: Selbstdarstellung und Repräsentation der Welfen. In: Meiners, Jochen (Hrsg.): Reif für die Insel – Das Haus Braunschweig-Lüneburg auf dem Weg nach London (Als die Royals aus Hannover kamen). Celle/Dresden 2014, S. 90-100.
- Lauterbach, Garten, 2013. – Lauterbach, Iris: Der Große Garten. In: Reinold, Beate (Red.): Schloss Herrenhausen. Architektur. Garten. Geistesgeschichte. München 2013, S. 102-143.
- Palm, Geschichte, 2006. – Palm, Heike: Die Geschichte des Großen Gartens. In: König, Marieanne von (Hrsg.): Herrenhausen. Die königlichen Gärten in Hannover. Göttingen 2006, S. 17-42.
- Schneider, Gartenpavillons, 1980. – Schneider, Reinhard: Hannover-Herrenhausen, Gartenpavillons 1707/1708. In: Darmstadt in der Zeit des Barock und Rokoko Bd. 2. Louis Remy de la Fosse. Darmstadt 1980, S. 74-75.
- Schopf, Barockgärten, 1988. – Schopf, Regine von: Barockgärten in Westfalen. Worms 1988.
- Stadtlexikon Hannover, 2009. – Mlynek, Klaus/Röhrbein, Waldemar R. (Hrsg.): Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Hannover 2009.
Einzelnachweise
- ↑ Im Garten, 2021, S. 6; Arnhold / Kotyrba, Herrenhausen, 2014, S. 68-71; Schneider, Gartenpavillons, 1980; Rohr, Sophie, 1980, S. 71.
- ↑ Laß/Scharrer, Selbstdarstellung, 2014, S. 99-100. - Arnhold / Kotyrba, Herrenhausen, 2014, S. 4-13, 53-75. - Adam, Herrenhausen, 2013, S. 16-18. - Palm, Geschichte, 2006, S. 19-21. - Boeck, Festräume, 2006, S. 68-72. - Adam, Orangerie, 2006, S. 105, 108. - Adam, Pracht, 2005, S. 200-205. - Adam, Wasserkünste. 2006, S., 49-54. - Adam, Funde,2001, S. 75. - Lauterbach, Garten 2013, S. 102.143. - Rohr, Sophie, 1980, S. 71. - Stadtlexikon Hannover 2009, S. 230-235.
- ↑ Schopf, Barockgärten, 1988, S. 13-21, S. 133.
- ↑ Palm, Geschichte, 2006, S. 31–35.
- ↑ Palm, Geschichte, 2006, S. 35-38.