Hamburg Bergedorf, Amtssitz Schloss Bergedorf

Laß, Heiko:Hamburg-Bergedorf, Amtssitz "Schloss Bergedorf", in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2024, URL: www.deckenmalerei.eu/c46ae6a7-a8d3-459b-8a60-c8c145d42c20

Inventarnummer: cbdd10209

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Im Schloss Bergedorf haben sich Reste emblematischer Malerei aus der Zeit um 1700 erhalten. Sie gehen auf die „Devises et Emblèmes Anciennes et Modernes“ des Daniel de La Feuille aus dem Jahre 1691 zurück.

Hamburg, Bergedorfer Schloss
Hamburg, Bergedorfer Schloss

Das Bergedorfer Schloss

Kurzbeschreibung und Lage

Schloss Bergedorf[1] steht in der Niederung des Flusses Bille nördlich der gleichnamigen Stadt. Die Vierflügelanlage wird von einem Wassergraben umgeben und war ehemals durch Festungswälle zusätzlich geschützt.

Bau- und Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Schloss Bergedorf geht auf eine mittelalterliche Burg der Herzöge von Sachsen-Lauenburg zurück. Diese verpfändeten sie 1370 an die Stadt Lübeck. 1401 holten sich die Herzöge die Burg gewaltsam zurück. Erst 1420 schritt die Stadt Lübeck, zusammen mit der Stadt Hamburg, zur Rückeroberung Bergedorfs. Von 1420 bis 1868 war Bergedorf hinfort im gemeinsamen Besitz der beiden Städte. Seit 1868 gehört Bergedorf zu Hamburg. Die Burg diente den Städten als Verwaltungssitz.

Die Städte Hamburg und Lübeck erbauten nach der Eroberung sukzessive ein neues Schloss bzw. eine Festung. Die heute sichtbare Architektur wurde vom 16. bis in das frühe 20. Jahrhundert errichtet. Bereits 1467 lassen sich Bauarbeiten am so genannten Adelshaus nachweisen, was vermutlich auf den damaligen Ostflügel zu beziehen ist. 1485/86 arbeitete man an einem heute nicht mehr erhaltenen Rundturm an der Nordwestecke der Burg. 1512/13 wurde ein moderner Geschützturm an die Nordecke anstelle eines älteren errichtet. 1588/90 folgte eine Erneuerung des Ostflügels. Dies ist der älteste heute noch erhaltene Bauteil des Schlosses. Um 1600 stellte sich das Schloss als eine im Süden nur mit einer Mauer abgeschlossene Dreiflügelanlage dar. 1610 wurde auch der Westflügel erneuert und erst 1661 kam es zur Erbauung des heute noch erhaltenen Südflügels aus Fachwerk. Damit war eine Vierflügelanlage entstanden.

Ab 1805 wurde das Schloss entfestigt. Nachdem Hamburg 1868 in den alleinigen Besitz Bergedorfs gelangt war, begann 1885 der sukzessive Umbau des Schlosses zu einer neugotischen Backsteinburg. Zwischen 1888 und 1901 erfolgte der gänzliche Neubau des Nordflügels mit einem neuen Nordwesteckturm sowie einem neuen aufwendigen Eingangsportal nach Westen. 1953 konnte ein Museum im Schloss eingerichtet werden.

Auftraggeber

Als Auftraggeber sind die Städte Lübeck und Hamburg anzusprechen, die nicht nur in Bergedorf ihre landesherrliche Stellung mit Bauten visualisierten sowie mit Befestigungen sicherten.

Beschreibung

Die vier jeweils zweigeschossigen Flügel und Satteldächer umschließen einen annähernd rechtwinkligen Innenhof. Die beiden Treppengiebel im Süden sind im 19. Jahrhundert verändert worden und waren bis 1840 bzw. 1877 geschweift. Darüber hinaus ist der Südflügel im Äußeren weitgehend in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten. Das Innere des Schlosses ist vor allem durch die Umbauten des 18. und besonders des 19. Jahrhunderts geprägt. Im Erdgeschoss des Ostflügels hat sich eine Rokokostuckdecke erhalten. Im Obergeschoss befindet sich das 1901 eingerichtete so genannte Landherrenzimmer.

Forschungsstand zur Baugeschichte

Der Forschungsstand zum Schloss ist vergleichsweise gut, auch wenn viele Details noch ungeklärt sind. Die 2008 von Victoria Overlack herausgegebene Schlossmonografie stellt den Forschungsstand dar.[2]

Die Deckenmalereireste aus dem Schloss

 

Befund - Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

1996 wurden bei Sanierungsarbeiten im Schloss Reste einer bemalten Holzbalkendecke[3] auf dem Dachboden des Schlosses gefunden. Seit ihrer Restaurierung 2001 wird sie in einem der Ausstellungsräume des Museums im Nordflügel präsentiert. Die sichtbare Malerei stammt aus der Zeit um 1700. Ihr ursprünglicher Anbringungsort ist unbekannt.

Erhalten sind 33 bemalte dendrochronologisch auf 1607 datierte Kiefernholzbretter der ehemals größeren Decke. Ehemals handelte es sich um lediglich 17 Bretter. 16 von ihnen wurden wohl im 19. Jahrhundert der Länge nach halbiert. Es haben sich zwei Fassungen übereinander erhalten. Die ältere Renaissancefassung ist ornamental und imitiert eine Kassettendecke mit achteckigem Stern im Rapport.

Vermutlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde diese Malerei überputzt und mit einer Leimfarbmalerei farbig überfasst. Auf blauem Grund sind figürlich-florale Darstellungen ornamentalen Charakters gemalt. Es steht zu vermuten, dass die Bretterfugen ehemals mit Leinwandstreifen verdeckt waren.

Auf 22 dieser Bretter wurde im 19. bzw. 20. Jahrhundert ein weiterer monochrom grüner Ölfarb-Anstrich als Drittfassung aufgebracht. Auf diesen geht der gegenwärtig leicht grünliche Farbton der heute präsentierten zweiten Fassung zurück, da nicht alle Farbreste der Drittfassung entfernt werden konnten. Die Erstfassung wurde auf einem neuen Träger rekonstruiert und nur ein kleines Fenster am Original freigelegt.

Beschreibung und Ikonographie

Die zweite Fassung ist monochrom in Blau- und Grüntönen gehalten. Die Umrisse sind teilweise schwarz betont. Zwei Bereiche sind zu unterscheiden. Zum einen erkennt man, umgeben von einfarbigen Ranken mit Blumen und Früchten, einen Hasen, der über einen Obstkorb springt, Putten, Putten mit Bocksbeinen, greifenähnliche Fabelmischwesen sowie Schlangen und Vögel. Ein anderer Bereich der ehemaligen Decke präsentiert gemalte Kartuschen, die in denselben Farben monochrom gehaltene szenische Bilder wiedergeben, die jedoch polychrome Bereiche haben wie etwa Kleidung oder Inkarnat. Sie zeigen eine Kogge mit einem Liebespaar und Amor als Steuermann sowie in einem Innenraum eine nackte Frau mit gespreizten Beinen auf einem Bette, die gerade von Amor verlassen wird.

Vorlagen und Vergleiche

Die Szenen gehen sehr wahrscheinlich auf Daniel de La Feuilles „Devises et Emblèmes Anciennes et Modernes“ von 1691 zurück.[4] Da das jeweilige Motto nicht beigegeben ist und die beiden Darstellungen in die Breite gezogen wurden, ist die Bestimmung der Vorlagen nicht gänzlich gesichert. Das Motto zum Liebespaar, dessen Schiff Amor in den sicheren Hafen steuert, lautet bei de La Feuille „O wiewol werden sie geführet die durch Liebe geführet werden“.[5] Hier ist die Zuschreibung eindeutig und die Vorlage annähernd detailgenau wiedergegeben.

Das zweite Bild zeigt eventuell Venus und Amor auf einem Bett. Das Motto lautet bei de La Feuille: „Sey nur kühn und es wird so sein“.[6] Allerdings hält Venus auf dieser Vorlage den Bogen Amors und beide sind einander zugewandt. Eine andere Möglichkeit wäre, dass es sich bei der Darstellung um eine unglücklich Liebende handelt, die von Amor getroffen wurde. Auch hier findet sich eine Vorlage bei de La Feuille mit dem Motto: „Naght und tag verziert sie mich“[7] – gemeint ist mit „sie“ die Liebe. Die Vorlage zeigt allerdings eine züchtig schlafende Person. Die Breitbeinigkeit der Frau in Bergedorf verweist aber eindeutig auf Venus oder eine ungeschickte Restaurierung. Derartige Darstellungen tauchen bei Emblemen nicht auf. Eventuell handelt es sich ursprünglich auch um gar keine Frau, sondern einen unglücklich liebenden Mann. In jedem Fall ist der Innenraum dieser Darstellung eine Invention des Bergedorfer Künstlers und entstammt keiner der möglichen Vorlagen.

Programm

Klar ist in jedem Fall, dass die Decke eine Liebesthematik hatte. Derartige Motive waren in jener Zeit in Hamburg beliebt und finden sich auch im Landhaus von Spreckelsen in Billwerder.[8] Auch hier fehlt jeweils das Motto. Thematisch passt die Malerei gut in die Jahrhundertmitte oder sogar die Zeit davor. Eine Datierung um 1700, wie sie die Berichte der Restauratoren nahelegen, ist vom inhaltlichen Standpunkt her sehr spät.

Deckenmalerei aus dem Haus Sachsentor 21 in Bergedorf

Die Deckenmalerei wird unter ihrem ursprünglichen Standort erfasst: http://www.deckenmalerei.eu/ee5867f9-58e2-42fc-8297-d1ce19376242

Bibliographie

  • Literatur:
  • Hauer, Schätze, 2003. – Hauer, Ruth: Schätze in Hamburg. Restaurierungen (Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Hamburg, 21). Hamburg 2003.
  • Klée-Gobert, Bergedorf, 1953. – Klée-Gobert, Renata (Bearb.): Bergedorf - Vierlande - Marschlande. Die Bau- und Kunstdenkmale der Freien und Hansestadt Hamburg. Bd.1. Hamburg 1953.
  • Knorr, Schloss, 1989. – Knorr, Martin: Das Bergedorfer Schloß (Bergedorf-Porträt, 3). Hamburg 1989.
  • Laß, Burgen, 2012. – Laß, Heiko: Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Hamburg und Umgebung. Berlin 2012.
  • Overlack, Schloss, 2008. – Overlack, Victoria (Hrsg.): Das Bergedorfer Schloss: Een sloten Huß. Entstehung, Funktionen, Baugeschichte. Hamburg 2008.
  • Seemann, Bergedorf, 1997. – Seemann, Agnes: Bergedorf-Lohbrügge (Hamburg-Inventar Stadtteilreihe 2, Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Hamburg 1997.
  • Quellen:
  • Feuille, Devises, 1691. – La Feuille, Daniel de: Devises et Emblèmes Anciennes et Modernes. Tirées des plus celebres auteurs, avec Plusieurs autres Nouvellement inventées et mises en Latin, en François, en Espagnol, en Italien, en Anglois, en Flamand et en Allemand. Amsterdam 1691.
  • Archivalien:
  • 39-602.116. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Bergedorfer Schloßstraße 4, Aktenzeichen 39-602.116.

Einzelnachweise

  1. Laß, Burgen, 2012, S. 43-47; Overlack, Schloss, 2008; Seemann, Bergedorf, 1997, S. 26-29; Knorr, Schloss, 1989; Klée-Gobert, Bergedorf, 1953, S. 58-60.
  2. Overlack, Schloss, 2008.
  3. Ovlerlack, Schloss, 2008, S. 110-111; Hauer, Schätze, 2003, S. S. 34-35; 39-602.116.
  4. Feuille, Devises, 1691.
  5. Feuille, Devises, 1691, 48/2.
  6. Feuille, Devises, 1691, 40/2
  7. Feuille, Devises, 1691, 49/9.
  8. https://www.deckenmalerei.eu/a9fda5ab-ab3c-48f9-9d7c-21d44ef2b1b6.