Hamburg, ehem Haus Katharinenstraße 1
Inventarnummer: cbdd20219
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Im Museum für Hamburgische Geschichte haben sich eine bemalte Holzbalkendecke sowie Reste eines Zyklus der guten neun Helden aus der Mitte des 17. Jahrhunderts erhalten. Sie entstammen zwei verschiedenen Räumen des 1927 abgerissenen Hauses Katharinenstraße 1.

Das ehemalige Haus Katharainenstraße 1 in Hamburg
Kurzbeschreibung und Lage
Das Haus stand an der Südseite der Katharinenstraße, schräg gegenüber der Katharinenbrücke.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Gebäude wurde 1927 abgerissen.
Die translozierte Decke
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Holzbalkendecke wurde vermutlich Mitte des 17. Jahrhunderts bemalt. Als Maler wird Johann Moritz Riesenberger d. Ä. vermutet. Auftraggeber dürfte der aus Antwerpen stammende Hans Adriansz Verpoorten gewesen sein, dem das Haus Katharinenstraße 1 von 1629 bis 1661 gehörte. Die Decke befand sich in einem Anbau des Hauses. Um 1720/30 verschwand sie hinter einer modernen Stuckdecke. Erst beim Abbruch des Hauses 1927 wurde sie wiederentdeckt und gelangte daraufhin in das Museum für Hamburgische Geschichte.[1]
Beschreibung und Ikonographie
Die Holzbalkendecke hat fünf Fachen. Diese sind wie die Balken mit weißen Akanthusschlingen vor hellblauem Fond bemalt. Weiße Begleitstriche grenzen die Fachen von den Balken ab und betonen die Balkenkanten. Das ausgesprochen plastisch gehaltene Blattwerk wirft scheinbar breite Schatten auf den Untergrund, was die starke Tiefenwirkung steigert. Die Fachen nehmen in der Mitte je ein großes achteckiges Feld auf, das eine monochrom in Rottönen gehaltene Landschaft präsentiert. An den Seiten der Fachen sind entsprechende Rundfelder, bei denen jedoch zwei Landschaften weitgehend zerstört sind. Die Darstellungen zeigen an den Seiten große – teilweise knorrige – Bäume, die manchmal durch eine mittelalterliche oder antike Ruine, aber auch eine zeitgenössische Architektur mediterraner Prägung ergänzt werden. Die achteckigen Mittelfelder sind abwechslungsreicher komponiert. Nicht nur Bäume, sondern auch Architekturen führen in den in mehreren Ebenen in die Tiefe gestaffelten Bildraum ein. Flussläufe und weite Wasserflächen, Ruinen und Ansiedlungen evozieren reale Veduten. Zum Hintergrund werden die Konturen schwächer. Alle Darstellungen haben betont weiße Höhungen – das Licht kommt grundsätzlich von links. Die Balken sind ähnlich zu den Fachen gestaltet. An den Seiten sind in der Mitte runde Felder mit rotfarbenen Landschaften zu sehen, an den Außenseiten etwas kleinere Quadrate mit weiteren Landschaften. Die Balkenunterseiten sind in der Mitte mit keinen querrechteckigen roten Landschaften geziert.[2]
Vorlagen und Vergleiche
Die Malerei der Veduten folgt nach Jaacks im Stil niederländischen Veduten antiker Monumente, wie sie durch Grafiken etwa von Hieronymus Cock und Jan van de Velde Verbreitung fanden. Diese waren in Norddeutschland sehr beliebt.[3]
Programm
Landschaftsdarstellungen in Medaillons an Decken waren in Hamburg im 17. und 18. Jahrhundert verbreitet. Die idealisierte Natur wurden oft mit Ruinen versehen und sollte dann wohl an die klassischen Gebiete Italiens erinnern. Im Zusammenhang mit den zahlreichen Schiffen und Gewässern an der Decke des Hauses Katharinenstraße 1 hat Jaacks vermutet, dass der Auftraggeber „im vergilischen Sinn die Hoffnung auf die Erneuerung des Goldenen Zeitalters mit dem Bewußtsein irdischer Hinfälligkeit verband“[1].
Ehemalige Wandmalerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Im Vorderhaus befand sich in einem Saal ein Wandmalereizyklus mit Darstellungen der neun guten Helden aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Als Maler wird Johann Moritz Riesenberger d. Ä. vermutet. Auftraggeber wäre dann auch hier Hans Adriansz Verpoorten gewesen. Beim Abbruch des Hauses 1927 wurde die Malerei ausgebaut und gelangte an das Museum für Hamburgische Geschichte. Sie ist nicht ausgestellt.
Beschreibung und Ikonographie
Die neun guten Helden setzen sich aus drei Helden der heidnischen Antike, dreien aus dem Alten Testament und dreien des christlichen Abendlandes zusammen. Es waren im Einzelnen aus der Antike Hektor von Troja, Alexander der Große und Julius Caesar, aus dem Alten Testament Judas Makkabäus, König David und der Prophet Josua sowie aus dem Christentum König Artus, König Karl der Große und Gottfried von Bouillon, der Eroberer Jerusalems. Ihre Exempel sollten Ratsherren bzw. Amtsträger zu einer ‚guten Regierung‘ anhalten.[4]
Es handelt sich um Ganzkörperdarstellungen. Die Helden stehen aufrecht und sind gewappnet. Auf der Höhe ihres Kopfes sind sie beschriftet und so identifizierbar. Fotografisch dokumentiert ist aus jeder Gruppe ein Held: Julius Caesar, Judas Makkabäus und Gottfried von Boullion.
Bibliographie
- Literatur:
- Jaacks, Herrensaal, 2001. – Jaacks, Gisela: Die Opernbühnenbilder und die Ausmalung des Herrensaals von St. Jacobi, in: Plagemann, Volker (Hrsg.): Die Kunst des protestantischen Barock in Hamburg (Vorträge der Stiftung Denkmalpflege 2). Hamburg 2001, S. 163-177.
- Jaacks, Zimmer, 1997. – Jaacks, Gisela: Hamburger Zimmer vom Barock zum Klassizismus, in: Bracker, Jörgen/Jaacks, Gisela (Hrsg.): Decken- und Wanddekoration in Hamburg vom Barock zum Klassizismus (Hamburg-Porträt. Nr. 28. Museum für Hamburgische Geschichte). Hamburg 1997, S. 3-18.
- Wyss, Helden, 1957. – Wyss, Robert L.: Die neun Helden. Eine ikonographische Studie, in: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 17 (1957), Nr. 2, S. 73-106.