Hamburg, ehem Haus Grimm 15 16
Inventarnummer: cbdd20046
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Aus dem Haus Grimm 15-16 haben sich zwei Decken mit Deckenmalereien aus der Zeit um 1700 erhalten. Sie präsentieren zum einen die Personifikationen von Liebe und Tapferkeit, zum anderen eine Allegorie auf die Segnungen des Friedens, kombiniert mit einem Jahreszeitenzyklus.

Das ehemalige Haus Grimm 15-16

Kurzbeschreibung und Lage
Der Gebäudekomplex Grimm 15-16[1] war weiträumig und erstreckte sich bis zum Katharinenkirchhof.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Die Häuser Grimm 15-16 wurden 1893 abgerissen. Zwei Decken des Hauses gelangten einschließlich der Deckengemälde sowie der Fensterfronten vom damaligen Besitzer H. C. Bostelmann an das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Decken und Räume sind wohl um 1700 entstanden.
Auftraggeber
Das Anwesen Grimm 15-16 gehörte seit 1689 dem vermögenden Johann Hökenkamp d. J.. Er wurde 1702 zum Oberalten erwählt und ist 1712 verstorben. Er dürfte der Auftraggeber der Decken gewesen sein.[2]
Beschreibung
Im Zwischenbau zwischen Vorderhaus und Speicher befand sich – wie damals in Hamburg üblich[3] – im Erdgeschoss eine Folge von Prunkzimmern. Die zwei annährend identischen Hofwände mit breiten Fensterreihen sowie die zwei Decken befinden sich heute im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. In einer der Wände befindet sich rechts eine Tür, durch die man in den Hof treten konnte. Die Räume waren gleich groß, ihre Decken aber unterschiedlich stuckiert. Der Stuck ist jedes Mal vollplastisch, in einem Fall jedoch nicht ganz so üppig. Auch die Bildformate unterscheiden sich. Einmal wird ein querovales Gemälde präsentiert, einmal ein querrechteckiges, das im Gegensatz zum ersten durch vier weitere Bilder in den Ecken der Decke ergänzt wird. Die Raumfolge und auch die Decken ähneln sehr dem Haus Katharinenstraße 9.[4]
Die Segnungen des Friedens

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei wurde in Öl auf Leinwand gemalt. Sie wird dem Hamburger Maler Johann Moritz Riesenberger d. Ä. zugeschrieben.[5] Als Auftraggeber wird Johann Hökenkamp d. J. vermutet. 1893 wurde die Malerei zusammen mit der Stuckdecke in das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verbracht und später an seinem heutigen Platz eingebaut.[6]
Beschreibung und Ikonographie
In der rechten Stuckdecke befindet sich ein querrechteckiges Gemälde mit eingerundeten Ecken. Auf mehreren Wolkenbänken haben sich zahlreiche Personen niedergelassen. Von oben kommt göttliches Licht hernieder. Brinkmann interpretierte das Bild 1895 als Allegorie auf die Segnungen des Friedens.[2] Ihm ist zuzustimmen. In der Mitte des Bildes ruht erhöht die Personifikation des Friedens – Pax. Sie ist lorbeerbekränzt und hat ihren Arm auf eine mit „PACE“ beschriftete Säule gelegt. Sie hat eine Brust entblößt und hält in der Rechten ein Liktorenbündel, in der Linken einen Palmzweig. Aus dem Himmel wird von göttlicher Hand eine Krone über ihr Haupt gehalten. Rechts in den Wolken befinden sich singende und musizierende Engel, die auf den Frieden verweisen. Der Friede ist von verschiedenen Personen umgeben. Sie personifizieren links theologische, rechts staatliche Inhalte und unten die ertragreiche Arbeit. Sie alle gedeihen unter den Segnungen des Friedens.
Links der Personifikation des Friedens befinden sich zwei ängstliche Frauen, von der eine betet und den Frieden anschaut. Sie gehören zum Bereich des Glaubens. Hauptfiguren sind hier ein Hohepriester mit Rauchfass und ein Mann im roten Mantel mit Bibel, dessen Physiognomie an jene von Jesus Christus angelehnt ist. Auf der Bibel ist zu lesen „RELIGIONIS NORMA“. Der Priester hat dem Mann seine Hand auf das Herz gelegt, was ihre Verbundenheit andeutet. Ganz links erblickt man die Personifikationen von Glaube mit Kreuz, Liebe mit Kind und Hoffnung mit Anker. Unter der Gruppe befindet sich eine Putte mit einem Buch, dessen Inschrift kaum mehr zu lesen ist. Vermutlich steht auf dem Buchdeckel: „CON [?] ERDA“.
Rechts von Pax befinden sich zwei Männer der Wissenschaft mit Buch. Sie sind das Gegenstück zu den beiden Frauen links. Rechts folgt ein behelmter Mann mit Schwert und Tafel in seinen Händen. Er steht für Strafe und Gesetz und damit die staatliche Ordnung. Das besagen die Schriftzüge auf dem Schwert „POENA“ sowie der Tafel „ET LEGE“. Rechts befinden sich zwei weitere Männer, von denen einer einen Hut hält.
Das unter diesen Voraussetzungen die Arbeit Früchte trägt, verdeutlicht das Paar ganz unten. Ein Mann hält eine Schaufel, auf der „LABORE“ zu lesen ist. Er fasst einer Frau mit Spindel rechts von sich an den Arm. Vor ihr ist Obst ausgebreitet. Rechts des Mannes befinden sich zwei Putten mit Weintrauben.
Die vier Jahreszeiten

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malereien wurden in Öl auf Leinwand gemalt. Sie werden dem Hamburger Maler Johann Moritz Riesenberger d. Ä. zugeschrieben.[5] Als Auftraggeber wird Johann Hökenkamp d. J. vermutet. 1893 wurde die Malerei zusammen mit der Stuckdecke in das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verbracht und später an seinem heutigen Platz eingebaut.[6]
Beschreibung und Ikonographie
Die vier Eckbilder zeigen fliegende Puten als Vertreter der Jahreszeiten. Die Personifikation des Frühlings trägt eine Blumengirlande, die des Sommers eine Korngarbe und die des Herbstes Weinreben. Die Personifikation des Winters wärmt sich an einem Feuerbecken.
Caritas und Virtus

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei wurde in Öl auf Leinwand gemalt. Sie wird dem Hamburger Maler Johann Moritz Riesenberger d. Ä. zugeschrieben.[5] Als Auftraggeber wird Johann Hökenkamp d. J. vermutet. 1893 wurde die Malerei zusammen mit der Stuckdecke in das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verbracht und später an seinem heutigen Platz eingebaut.[6]
Beschreibung und Ikonographie
Die eine Stuckdecke nimmt ein querovales Gemälde auf. Zahlreiche Figuren lagern auf Wolken. Über ihnen öffnet sich der Himmel und göttliches Licht kommt hernieder. Brinkmann erkannte 1895 in dem Gemälde Personifikationen von Glaube, Liebe, Hoffnung und Tapferkeit.[2] Tatsächlich ist das Bildprogramm aber ein anderes. Denn die Liebe taucht zweimal auf. Zum einen als fürsorgende Liebe und zum anderen als Liebe zu Gott. Letztere verwechselte Brinkman mit Fides. Die Tapferkeit ist richtig bestimmt. Die Hoffnung gibt es gar nicht.
Im Mittelpunkt des Bildes steht die gedoppelte Caritas. Etwas rechts der Mitte befindet sich die Allegorie der fürsorgenden Liebe in Gestalt einer Frau. Sie spendet den Bedürftigen, die von rechts herantreten. Zu diesen gehören eine Frau mit flehend ausgebreiteten Armen und ein fast nackter Mann, dem Caritas Münzen überreicht. Zwischen ihr und dem Mann erkennt man im Hintergrund einen Pelikan, der sich – wie es die Zeitgenossen meinten – in selbstloser Fürsorge die Brust öffnet, um mit seinem Blut die eigene Brut zu nähren. Er ist auf die selbstlose fürsorgende Liebe zu beziehen. Oberhalb von Caritas streut eine Putte mit Füllhorn Blumen auf sie herab. Weitere Putten rechts verweisen oder blicken auf Caritas hernieder.
Links oberhalb der fürsorgenden Liebe steht die Personifikation der Liebe zu Gott mit flammendem Haupt sowie flammendem Herzen in der Hand. Sie blickt zum Himmel empor. Dort nahen sich Putten mit Himmelskrone und Palmzweig. Direkt neben ihr blickt eine Figur in ein geöffnetes Buch. Sie zeigt auf eine Abbildung mit der Opferung Isaaks. Diese steht zum einen für den unerschütterlichen Glaube an Gott, zum anderen aber für die Liebe Gottes zu den Menschen. Denn im lutherischen Verständnis der Zeit bedeutet diese Darstellung den Opfertod Christi und damit die Erlösung des gläubigen Christen.
Ganz links hat sich Virtus – die Personifikation der Tapferkeit – niedergelassen. Sie ist gerüstet und trägt einen Speer. Mit ihrer rechten Hand drückt sie eine grübelnde Figur in die Tiefe, die vermutlich für Laster steht, die der im Glauben Starke überwindet.
Stellung der Malerei
Im 18. Jahrhundert setzten sich Stuckdecken in Hamburg durch und Deckengemälde wurden kaum noch geschaffen. Oft war der Stuck eher flach und weniger dicht.[7] Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen in vollplastische Stuckdecken Deckengemälde eingelassen wurden, etwa in Lübeck im Haus Alfstraße 38 und im Hamburg im Haus Katharinenstraße 9. Zu diesen Beispielen gehört auch die Decke aus dem Haus Grimm 15-16.
Bibliographie
- Literatur:
- Brinkmann, Jahresbericht, 1895. – Brinkmann, Justus: Museum für Kunst und Gewerbe, in: Jahrbuch der Hamburgischen Wissenschaftlichen Anstalten12 (1895), S. 23-53.
- Melhop, Bauweise, 1908. – Melhop, Wilhelm: Alt-Hamburgische Bauweise. Kurze geschichtliche Entwicklung der Baustile in Hamburg, dargestellt am Profanbau bis zum Wiedererstehen der Stadt nach dem großen Brande von 1842 nebst chronistisch-biographischen Notizen. Hamburg 1908.
- Sauerlandt, Schausammlung, 1921. – Sauerlandt, Max: Die Schausammlungen des Erdgeschosses. Hamburg 1921.
- Schellenberg, Kirchensaal, 1955. – Carl Schellenberg: Der Kirchensaal, in: 700 Jahre St. Jacobi zu Hamburg. 1255-1955. Festschrift. Hamburg 1955, S. 71-79.
Einzelnachweise
- ↑ Brinkmann, Jahresbericht, 1895, S. 40; Melhop, Bauweise, 1908, S. 277-278; Sauerlandt, Schausammlung, 1921, S. 49.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Brinkmann, Jahresbericht, 1895, S. 40.
- ↑ Melhop, Bauweise, 1908, S. 265, 276.
- ↑ http://www.deckenmalerei.eu/3a7d321e-08ee-4f18-90fe-66002a6036e2.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Schellenberg, Kirchensaal, 1955, S. 74.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 Brinkmann, Jahresbericht, 1895, S. 40-41.
- ↑ Jaacks, Zimmer, 1997, S. 11.