Laß, Heiko:Hamburg, Haus Krayenkamp 10m, in: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, hg. von Stephan Hoppe, Hubert Locher und Matteo Burioni, München 2025, URL: www.deckenmalerei.eu/9915674d-ab6b-45a1-b15c-33d0f004a93b

Inventarnummer: cbdd20221

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In einem Raum des Erdgeschosses haben sich drei translozierte Deckenfragmente mit Malereien aus der Zeit von 1625 bis 1733 erhalten. Neben ornamentalen Elementen sind Vögel und Blumen sowie eine weibliche Allegorie dargestellt.

Das Haus Krayenkamp 10m

 

Kurzbeschreibung und Lage

Das ehemalige Landhaus gehört zum Ensemble der so genannten Krameramtswohnungen, der letzten Wohnhofanlage der Hamburger Altstadt.[1]

Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte

Das Haus Krayenkamp 10m ist um 1625 als freistehendes Landhaus in der damals noch nicht umwallten Neustadt errichtet worden. Zur Anlage gehörte ein Ziergarten mit Gartenhaus. Nach Übernahme des Grundstücks durch das Krameramt wurde es 1676/77 in das Ensemble der neu errichteten Witwenwohnungen integriert. 1972-74 erfolgte eine durchgreifende Sanierung der gesamten Anlage.[2]

Beschreibung

Das Fachwerkgebäude über massivem Sockel kragt in jedem Stockwerk vor und hat im rechten drei Achsen breiten Teil vier und im linken zwei Achsen breiten Teil fünf Stockwerke.

Die translozierten Deckenmalereien

 

Der Raum

In einem Raum des Erdgeschosses sind heute verschiedene Fragmente von Holzbalkendecken aus dem Haus nebeneinander montiert.

Malerei – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei entstammt dem 17. und frühen 18. Jahrhundert und wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt versetzt. Bei der Sanierung 1972-74 wurde sie unter Leinwandbespannungen wiederentdeckt und restauriert.[3]

Beschreibung und Ikonographie

Drei Fachen nehmen Fragmente von drei verschiedenen Decken auf.[4]

Deckenfragment 1

Beschreibung und Ikonographie

Die südöstliche Fache ist in vier nahezu quadratische Felder unterteilt, von denen eines zusätzlich diagonal gegliedert wird. Auf grauem Grund sind in die Felder Vögel und Blumen gemalt. Die Felder sind entsprechend der Farbigkeit der Balken in Ocker und Schwarz gerahmt. Auch die Balken selbst zieren Blumen.[5]

Deckenfragment 2

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Die Malerei wurde ursprünglich wohl in Kasein- oder Leimfarbentechnik ausgeführt. Unter der heute sichtbaren Malerei befinden sich Reste einer älteren Malerei in der ersten Fassung von ca. 1672, die heute sichtbare Fassung wird in das erste Drittel des 18. Jahrhunderts datiert.[5]

Beschreibung und Ikonographie

Die nordwestliche Fache zeigt im Westen ein fast quadratisches Feld mit einem Rollwerkteil. Das große Feld nimmt eine figürliche Malerei in einer großen Rollwerkkartusche auf. Es handelt sich um das Kniestück einer weiblichen Gestalt mit Zepter in der Linken.[5]

Deckenfragment 3

 

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte

Dieses Fragment präsentiert heute zwei Fassungen unterschiedlicher Zeitstellung zusammen. Eine erste Fassung aus dem 17. Jahrhundert zeigte Beschlagwerk, eine zweite Fassung vegetabile Elemente. Bei der Restaurierung 1972-74 wurde das Beschlagwerk an den Seiten freigelegt, in der Mitte aber die jüngere Fassung belassen. Große Teile wurden damals retuschiert bzw. übermalt. Das westliche Feld ist eine Rekonstruktion.[6]

Beschreibung und Ikonographie

Das Beschlagwerk der älteren Fassung ist von grauer Farbe mit schwarz-weißen Diamantierungen. Es liegt auf braunem Fond.

Die jüngere Fassung zeigt grüne und rote Blätter in ornamentaler Symmetrie. Hinzu kommen rote fruchtartige Gegenstände und goldfarbene Elemente. Kräftige schwarze Striche begrenzen die jeweiligen Elemente.[7]

Weitere Deckenmalerei im Obergeschoss

Im ersten Obergeschoss hat sich ein Raum mit einer weiteren bemalten Holzbalkendecke erhalten. Diese wurde vom CbDD nicht erfasst, da ihre Leimfarbenmalerei nicht gegenständliche ist. In ornamentaler Anordnung winden sich auf grauem Fond grüne Blattranken um große rote Blumen. Hinzu kommen verstreut in Grün Weinreben und Weinblätter. Es handelt sich vom Prinzip her um eine reduzierte Version der Deckenmalerei im Hamburger Nähmaschinenhaus.[8] Auch die Malerei im Obergeschoss war unter Leinwand verdeckt und wurde nach ihrer Entdeckung gereinigt, gefestigt sowie retuschiert und ergänzt.[9]

Bibliographie

  • Literatur:
  • Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
  • Pabel, Kramer-Amt, 1985. – Pabel, Reinhold: Im Schatten des Michel. Das Kramer-Amt in Hamburg und seine Witwen-Wohnungen am Krayenkamp. Hamburg 1985.
  • Rudhard, Bürgerhaus, 1975. – Rudhard, Wolfgang: Das Bürgerhaus in Hamburg. Tübingen 1975.
  • Archivalien:
  • Effinger, Krayenkamp, 2009. – Effinger, Marion: Restaurierungsbericht, Kameramtsstuben, Krayenkamp 10, Hamburg, „Galerie am Michel“, hier: Deckenmalerei. März 2009, in: 39-107.1101/A. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Krayenkamp 10, Aktenzeichen 39-107.1101/A.
  • Fischer-Menshausen, Arbeitsbericht, 2005. – Fischer-Menshausen, Angela: Arbeitsbericht über eine restauratorische Maßnahme. Hamburg 2015.
  • Kant, Holzdecke, 1983. – Kant, Renate: Krameramtsstuben. Brandschaden in Firma Pomplitz an der Holzdecke. 1983, in: Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Krayenkamp 10, 10a-i, 11, Aktenzeichen 39-106.105.
  • Neubert, Schreiben, 1973/1. – Neubert, Kurt: Schreiben 18.01.1973, in: Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Krayenkamp 10, Aktenzeichen 39-107.1101, Bd. 2.
  • Neubert, Schreiben, 1973/2. – Neubert, Kurt: Schreiben 21.09.1973, in: Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Krayenkamp 10, Aktenzeichen 39-107.1101, Bd. 2.
  • 39-106.105. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Krayenkamp 10, 10a-i, 11, Aktenzeichen 39-106.105.
  • 39-107.1101. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Krayenkamp 10, 10a-i, 11, Aktenzeichen 39-107.1101.
  • 39-107.1101/2. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Krayenkamp 10, 10a-i, 11, Aktenzeichen 39-107.1101, Bd. 2.
  • 39-107.1101/5. – Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Kultur und Medien, Denkmalschutzamt, Objektakte Krayenkamp 10, 10a-i, 11, Aktenzeichen 39-107.1101, Bd. 5.

Einzelnachweise

  1. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 34; Pabel, Kramer-Amt, 1985; Rudhard, Bürgerhaus, 1975, S. 132.
  2. Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 34. 39-107.1101/2; 39-107.1101/5.
  3. Effinger, Krayenkamp 10, 2009, S. 3; Neubert, Schreiben, 1973/1, S. 1; 39-107.1101.
  4. Effinger, Krayenkamp 10, 2009, S. 3-6; Neubert, Schreiben, 1973/1, S. 1; 39-106.105.
  5. 5,0 5,1 5,2 Effinger, Krayenkamp 10, 2009, S. 3.
  6. Effinger, Krayenkamp 10, 2009, S. 3; 39-106.105.
  7. 39-106.105.
  8. https://www.deckenmalerei.eu/26eeb39b-c560-4896-94cb-623c5bca776a.
  9. Fischer-Menshausen, Arbeitsbericht, 2005, S. 1-4; Kant, Holzdecke, 1983, S. 1; Neubert, Schreiben, 1973/1, S. 1-2.