Güstrow, Gleviner Straße 2
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Das Wohn- und Geschäftshaus in der Gleviner Straße 2 ist eines der wenigen erhaltenen Bürgerhäuser kleineren Formates in Güstrow, welche die Bau- und Wohnkultur der ehemaligen Residenzstadt in ihrer Architektur und Ausstattung exemplarisch dokumentieren.

Lage, Bau- und Ausstattungsgeschichte
Lage
Das zweigeschossige Wohn- und Geschäftshaus liegt in der Nähe des Güstrower Marktes, von dem die Gleviner Straße abzweigt. Deren markantes dreigeschossiges Eckhaus (Gleviner Straße 1) bildet den Auftakt des gesamten Straßenzuges in Richtung Süden. Das Wohn- und Geschäftshaus Gleviner Straße 2 kann zwar neben dem mächtigen baukörperlichen Volumen des Nachbarhauses nicht bestehen, beide haben aber gerade in dieser Verschiedenheit einen städtebaulichen und architektonischen Zeugnischarakter, der die „heterogene Parzellenstruktur und [...] Entwicklung des kleineren historischen Bürgerhauses in Güstrow“[1] anschaulich werden lässt.
Zugleich sind die Fassaden beider Wohnhäuser in ihrer gestalterischen Vielfalt ein reizvoller Ausdruck in der Gesamterscheinung und –wirkung der Gleviner Straße.
Bau- und Ausstattungsgeschichte
„Das Haus entstand 1671 über älteren Kellern aus der Renaissancezeit. Hölzer am Dach und an der rückwärtigen Giebelwand sind [dendrochronologisch] datiert auf 1670d.“[1]
Generell ist wohl auch die Ausstattung von Innenräumen in diesem Zeitraum anzunehmen, wovon sich allerdings kein dokumentarisch gesicherter Bestand erhalten hat.
Vielleicht gehört die Erstfassung einer bemalten Bohlendecke im Ostraum der Gebäuderückseite auf Erdgeschossebene dieser Ausstattungsphase an. Erhalten hat sich davon lediglich die Übermalung der Holzdecke, die in ihrer materiellen und motivischen Beschaffenheit jedoch der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts angehört.[2]
Der Auftraggeber: unbekannt
Eine archivalisch bestimmbare Persönlichkeit eines Auftraggebers ist nicht benennbar.
Das Bauwerk
Das Wohnhaus besitzt einen in seinen drei Dimensionen relativ schmächtig ausgebildeten Baukörper. Dies kommt überdeutlich im Vergleich zum Bauvolumen des benachbarten Eckhauses Gleviner Straße 1 zur Anschauung.
Beide Häuser sind durch einen schmalen Gang voneinander getrennt, so dass die Gebäude jeweils einzeln für sich wirken können.
Die Fassade des Gebäudes Gleviner Straße 2, das in Fachwerkbauweise errichtet ist,[1] zeigt einen Aufbau aus zwei Geschossen, wobei die Tür- und Fenstergröße im Erdgeschoss den Vorderbereich des Hauses als Geschäftsbereich ausweisen. Der rückwärtige Gebäudeteil und das erste Obergeschoss waren wohl dem Wohnen vorbehalten.
Das gebäudeschützende Satteldach ist zur Gleviner Straße hin mit einem Giebelaufbau verziert, deren „Schweifgiebel mit kleinem Oculus“[1]die ursprüngliche Gestaltung de 17. Jahrhunderts anzeigt. Formgeschichtlich dürfte die Rahmung des Giebels, die in den eckigen Voluten endet bzw. ihren Anfang nimmt, stilistisch gesehen, der Zeit um 1800 angehören.
Erwähnenswert ist zudem, dass die Einteilung der Fassade nicht den allerstrengsten symmetrischen Gesetzen folgt, was am deutlichsten in der Anordnung der Fenster und damit indirekt den dahinter liegenden Räumlichkeiten zum Ausdruck kommt.
Ostraum im EG

Die Räumlichkeit befindet sich im Erdgeschoss an der östlichen Gebäuderückseite. Dieser Ostraum ist durch zwei Türen vom Westen aus begehbar, die Belichtung erfolgte ehemals durch formal nicht mehr bestimmbare Fensteröffnungen zum Innenhof, die heute durch ein modernes Großflächenfenster ersetzt sind.
Der Ostraum ist von Nord nach Süd ausgerichtet und weist eine Breite von 4,5m und eine Länge von 6,7m bei einer Höhe von 3m auf.
Die bemalte Holzdecke: Lorbeerranke mit Medaillons (stark beschädigt)
EG: Ost-Raum: bemalte Holzdecke
„Im hinteren Raum des Hauses zum Hof waren die Deckenbalken des Erdgeschosses mit der zugehörigen Dielenabdeckung aus breiten Eichenbohlen ursprünglich in drei Deckenfeldern von unten sichtbar und bemalt.“[2] Der heutige Bestand gibt allerdings nicht die malerische Erstfassung wieder, denn die restauratorischen Untersuchungen ergaben, dass es sich „um die 2. Fassung der Decke [handelt], vermutlich aus der 2.H. des 18. Jh.s.“[2]
„Diese Fassung gliedert die einzelnen Deckenfelder durch ein in Grisailletönen gemaltes Rahmenwerk mit Kränzen aus Lorbeerblättern, in der Mitte jedes Deckenfeldes steht je ein rundes goldockerfarbenes Medaillon. Die Rosetten werden von einem weiteren orangefarbenen Ring eingefasst. Rote Linien deuten Blätter, vielleicht auch ein Wickelband im Reif an. Das Innere der Medaillons ist so stark geschädigt, dass sich das Dargestellte leider nicht mehr rekonstruieren lässt. Wahrscheinlich handelte es sich einfach um Blütenrosetten oder Blütenbuketts. [...] Zwischen Ring und Rosette liegt Blau auf grauem Grundanstrich, in den durch das Lorbeerlaub gerahmten Feldern seitlich der Medaillons entwickelt sich auf grauem Grund eine schwungvolle barocke Rankenmalerei in Grisaille. [...] Die Rücklage der Ranken war blau ausgelegt. [...] Dazu standen die Balken rot. Auf dem roten Anstrich, der seitlich der Balken bis auf die Bretter gezogen ist und dort durch schwarzen Strich begrenzt wird, sind gelbe, blaue und weiße Pinselstriche erkennbar, die vermutlich die Äderung einer recht fantasievollen Steinimitation darstellen sollten.“[3]
Der heutige Zustand und damit die mangelnde Sichtbarkeit und motivische Erkennbarkeit der Deckenmalerei ergab sich daraus, weil die „Malereien dieser Felder [...] zwischenzeitlich durch einen Rohrputz verdeckt (vermutl. 19. Jh.) [waren]. Für die verbesserte Haftung dieses Putzes wurden alle bemalten Holzoberflächen angebeilt. Die Hackspuren im dunklen Eichenholz prägen [heute] das Bild der Malerei stark mit.“[3]
Renovierung
Nachdem bauhistorische Voruntersuchungen und restauratorische Gutachten erstellt worden waren, konnte, unterbrochen durch einen Brandschaden, die Sanierung und Renovierung 2020 abgeschlossen werden.
Bibliographie
- Restaurierungsberichte aus dem Archiv in Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Fachbereich Archäologie und Denkmalpflege:
- Hahn, Restaurierungsbericht, 2019 —Hahn, Ulrike: Restaurierung der barocken Deckenmalerei im hinteren Hausteil des EG in 2 Deckenfeldern. Restaurierungsbericht, 13. Mai 2019, in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Fachbereich Archäologie und Denkmalpflege, Archiv: Güstrow 1834, Mappen-Nr. 03
- Hahn, Restaurierungsdoku, o.J. — Hahn, Ulrike: Güstrow, Gleviner Straße 2. Restaurierung der barocken Deckenmalerei im hinteren Hausteil des EG in 2 Deckenfeldern. Restaurierungsdoku: RB Holzdecke(637), in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Fachbereich Archäologie und Denkmalpflege.
- Schirmer, Gleviner Straße 2, 2019 — Schirmer, Jan: Güstrow, Gleviner Straße 2, Wohn- und Geschäftshaus, in: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Fachbereich Archäologie und Denkmalpflege, Daten-Archiv
- Schöffenbeck, Gleviner Straße 2, 2018 — Schöfbeck, Tilo : Güstrow, Gleviner Straße 2. Bauhistoirsches Kurzgutachten vom 18.02.2018, in n: Schwerin, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Fachbereich Archäologie und Denkmalpflege,.