Grünsink, Filial- und Wallfahrtskirche Mariahilf
Filial- und Wallfahrtskirche, Pfarrei und Gemeinde Weßling, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Herrschaft Seefeld
Patrozinium: Mariahilf
Zum Bauwerk: Die Wallfahrtskapelle wurde 1762 unter Pfarrer und Dekan Joseph Anton Steiner von Weßling erbaut; Weihe 1763. Wahrscheinlich war damals nur der östliche Teil der heute bestehenden Kirche, ein quadratischer Gemeinderaum mit dreiseitig geschlossenem AR, vorhanden. Die große, höhere westliche Vorhalle ist wohl um oder vor 1774 gleichzeitig mit dem Glockenturm errichtet worden.
Auftraggeber: Die Grafen Törring-Seefeld haben Bau und Ausstattung der Wallfahrtskirche sehr unterstützt (Heindl). Das Törringwappen mit dem Georgiritterkreuz (in vereinfachter Form) am östlichen Bogen der Vorhalle weist auf Anton Clemens Graf von Törring-Seefeld (*1725 †1812, Herrschaftsinhaber von Seefeld seit 1766) als Auftraggeber des Vorhallenfreskos A hin.
Autor und Entstehungszeit: A ist im O an einer Stufe signiert: Joseph Ott. pinxit. 1776. Signatur in der SO-Ecke von Fresko B: H. Kirzinger / pinx. 1764. Stilistisch gehören zu diesem Deckengemälde auch die Bilder des Chores
Befund
Träger der Deckenmalerei: A Flachkuppel; B Korbbogentonne, nach O abgerundet; C Korbbogentonne, in ein dreiteiliges Klostergewölbe übergehend
Rahmen: A imitierter Stuckrahmen; B Stuckprofil; C Stuckprofil mit gemalten Rocaillekartuschen Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 6,55 m; 5,40 × 6,10
B Höhe 4,70 m; 3,90 × 3,70
C Höhe 4,15 m; 1,70 × 1,25
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Erste Restaurierung 1869, letzte Restaurierung 1962. Die originale Farbigkeit ist in allen Fresken beeinträchtigt. Die Farben haben weitgehend ihre Leuchtkraft verloren und wirken verwaschen. Fresko A ist relativ gut erhalten. Deutlich sichtbar gekittete Risse in B, B1, B2, C, C3, C4; geringfügige Fehlstellen finden sich in B, B1-4 und C, C1-4
Beschreibung
A MARIA HIMMELFAHRT Starke Untersicht: Beobachterstandort unterhalb des westlichen Bilddrittels. Der Sarkophag mit den Aposteln steht im Vordergrund wie an einer Rampe. Dahinter fällt der Schauplatz steil ab. Die irdische Szene ist einansichtig angelegt; der Himmel ist in etwa einer Himmelskuppel angenähert, ein Wolkenkranz mit Engeln wirkt in diesem Sinne.
Die terrestrische Zone nimmt nur den östlichen Bildrand ein, ein einfacher Grasstreifen zu beiden Seiten des Sarkophags mit Felsbrocken, Bäumen und Zaunresten. In der Mitte erhebt sich auf Stufen der mächtige Steinsarg, auf dem noch das weiße Bahrtuch liegt. Um den Sarg sind elf Apostel versammelt, pathetisch bewegte Gestalten. Sie blicken zum Himmel auf. Dort wird Maria von Wolken und Engeln emporgetragen. In der Glorie erscheint die Taube des Hl. Geistes und sendet ihre Strahlen auf Maria. In den Wolken thronen Gottvater und Christus; Engel tragen Kreuz und Weltkugel.
Der Farbcharakter des Bildes ist zart und kühl; viele Grautöne und mit Grau gebrochene helle Farben.
B MARIENVOTIVBILD Die Figuren erscheinen hinter dem Rahmen wie hinter einer Brüstung, in Dreiviertelfigur. Dadurch wird die Darstellung in Untersicht weitgehend vermieden. In einem Bett, das mit der Rückseite zum Betrachter steht, liegt ein Kranker, daneben kniet eine betende Frau. Links ein Krüppel. In der Mitte steht ein betendes Kind, dessen Mutter ein zweites im Arm hält. Mit einer bittenden Geste empfiehlt sie ihre Kinder der hl. Maria. Nach rechts schließt ein Bauer mit Kuh die Gruppe der Bittflehenden ab. – Darüber schwebt ein Putto, der auf das Marienmonogramm im Rocaillerahmen weist, das von zwei Engeln in den Wolken getragen wird.
Spruchband unter dem Monogramm: Zu Dir o Maria rufen wir. – Das Deckenbild ist ein ins Große gesteigertes volkstümliches Votiv, bunt und ländlich-naiv.
C MARIENKRÖNUNG Einansichtige, in Untersicht gegebene Himmelsszene. Auf Wolken sitzend, krönen Gottvater und Christus Maria. Über der erhobenen Krone schwebt die Taube des Hl. Geistes. Maria, in der Haltung der zum Himmel Auffahrenden, nimmt die Mitte des Bildes ein.
B1-4 und C1-4 Szenen aus dem Marienleben
Ikonographie
Die Thematik der Kirche ist marianisch: Grünsink ist eine Marienwallfahrt. Die Szene der Himmelfahrt kommt zweimal vor: in B2 und A; die große Darstellung in A kam erst durch die Ausmalung des späteren Anbaus hinzu.
Die kleinen Marienszenen in den Kartuschen sind um die Fresken B und C ohne chronologisches System angeordnet.
B3 Mariä Geburt. Drei Frauen wickeln das neugeborene Kind in Windeln. Dahinter steht der Vater Joachim, Gott dankend.
B4 Maria Opfer-/ung. Maria, begleitet von Joachim und Anna, betritt den Tempel. Sie wird empfangen von einem Hohenpriester und einem kerzentragenden Knaben. Dahinter auf einem Altar befinden sich die Gesetzestafeln
C1 Maria Stirbt. Drei Apostel sind am Sterbebett Mariens versammelt, darunter links Johannes und in der Mitte Petrus.
C2 Maria Himmelfahrt. Maria, einen Sternenkranz ums Haupt, eine Lilie als Symbol der Reinheit in Händen, steigt zum Himmel auf.
C3 Maria Vermählung. Joseph, den grünenden Stab in Händen, wird von einem Hohenpriester mit Maria vermählt.
C4 Maria Heimsuchung (Lc 1,39-56). Maria, in der Bildmitte, trifft auf Elisabeth, rechts ein Begleiter.
Die Marienszenen Kirzingers sind in Themenstellung und bildlicher Wiedergabe volkstümlich naiv. Bezeichnend für den erzählfreudigen, erbaulichen Stil ist die Einbeziehung der aus apokryphen Quellen stammenden Marienszenen. In dieser Hinsicht entspricht der Zyklus der Erbauungsliteratur der Zeit; ein im 18. Jh. im süddeutschen Raum sehr verbreitetes Marienbuch war z.B.: Josephus Cetti S. J. Vergrößerter Marianischer Tugend-Spiegel allen andächtigen Verehrern Mariae zur Nachfolgung fürgestellt... Würzburg 21746. Die später hinzugekommene Himmelfahrtsdarstellung Otts ist mehr einem höfisch-repräsentativen Stil verpflichtet.
Quellen und Literatur
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 370 f. (Weßling)
Heindl, Emmeram, Die Marienwallfahrt Grünsink in Oberbayern, in: Kalender für Katholische Christen 58, 1898. S. 59–64.
KDB I OB (1), S. 874
Gernhardt, Ludwig, Grünsink, in: Heimatgeschichtliche Beilage zum Land- und Seeboten, (Starnberg) 23. 12. 1933. Thieme-Becker, Bd 26, S. 86 (s. v. Ott).
Warncke, Fritz, Maria in der »Grünen Senke«, in: Bayerische Heimat, Sonntagsbeilage des Münchner Merkur 22./23.7.1950.