Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 251–253, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Salvatorkapelle, Pfarrei Kipfenberg, Markt Kipfenberg, Engelgrösdorfer Str. 2, Diözese Eichstätt; z. Z. der Ausmalung Hochstift Eichstätt. Bis 1972 Reg.Bez. Mittelfranken. Ursprünglich Privatbesitz, seit 1998 im Besitz der örtlichen Kirchenstiftung.

Patrozinium: St. Salvator

Zum Bauwerk: Die Kapelle ist Bestandteil des sog. ›Moiahofs‹ im Ortsteil Grösdorf, dessen barockzeitliche Nachfolgerbauten noch bestehen. Der Maierhof mit Kapelle wurde wohl bereits in karolingischer Zeit bei einer Quelle, die zur nahe gelegenen Altmühl fließt, errichtet. Das Bauernhaus, ein stattlicher Wohnstallbau mit abgeschlepptem Kalkplattendach, ist ein bemerkenswerter Bau in Altmühl-Jura-Bauweise. Die Kapelle ist 1539 erstmals erwähnt, 1602 Kirchweihfest, 1614 Instandsetzung, 1710 Altar und Kreuzweg. 1741 barocke Umformung durch Eichstätter Künstler, dabei wurde die alte Holzdecke durch eine Stuckdecke von Franz Xaver Horneis mit Fresken ersetzt. Stifterinschrift am Altar: »Unserm allerheiligsten Erlöser zu Ehren haben im Jahre 1710 die Pfleger Seb. Sengl, Mittelmüller, und Leonh. Oettinger, Bauer, der Altar aus den Opfer und Beiträge vieler Gutthäter fertigen lassen. Renoviert im Jahre 1881 durch Pfleger Ben. Benz, Obermüller«.

Kleine Saalkirche (4,60 × 4,40 m) zu zwei Achsen und mit einer halbrunden Apsis (2,20 × 4,20 m). Belichtung durch zwei Fensterpaare.

Auftraggeber: Nachdem Pfleger und Guttäter den Altar gestiftet haben, ist es wahrscheinlich, dass Stuck und Fresken ebenfalls eine Stiftung der Grösdorfer Bauern waren.

Amtierender Pfarrer in Kipfenberg war Dr. Josef Anton Wilhelm von Wolf (1731–44).

Autor und Entstehungszeit: Hugo Ernst Murmann (tätig 1741/47 in Eichstätt) 1741. Signatur in Fresko B am vorderen Rand: Hugo Ernst Mürmann/Pinxit. Datum 1741 im Stuck östlich von Fresko A. Hugo Ernst Murmann war Mitglied einer Malerfamilie, zu deren Generation noch Johann Franz und Johann Dominikus Murmann gehören.

Befund

Träger der Deckenmalerei: A und B durchgehende Flachdecke mit Hohlkehle

Rahmen: Alle Fresken haben verkröpfte, weiße Stuckprofilrahmen auf sonst leerer Fläche

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 3,70 m; 2,20 × 1,80 m

B Höhe 3,60 m; 0,90 × 0,90 m

 
Der Kapellenraum

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Vor der 2003 abgeschlossenen Gesamtsanierung der Kapelle war die Deckenmalerei nie restauriert; die letzte Raumfassung war 1881 aufgebracht worden. Seit 1939 wurde der verwahrloste Zustand der Kapelle beklagt, die zunehmend durch Feuchtigkeit litt. Wegen der ungeklärten Besitzverhältnisse – der im frühen 20. Jh. erfolgten, aber nicht beurkundeten Schenkung der Kapelle von Seiten der Maierbauern an die Kirchenstiftung Grösdorf – blieben 1942, 1957, 1976, 1981 und 1986 erstellte Renovierungskonzepte unverwirklicht. 1998 Renovierung des Maierhofs mit Mitteln des Jurahausvereins, ab 1995 Außen- und ab 1998 Innenrestaurierung der Kapelle mit Mitteln der

 
W Hl. Nikolaus
 
B Olbers

Bayerischen Landesstiftung. 2000 Restaurierung der Fresken durch Cornelia Stegmeier, Wäschenbeuren, des Stucks durch Thomas Salveter, Oberbechingen, Kirchenmalerarbeiten durch Wolfgang Domes, Eichstätt, und Rudolf Pfaller, Ingolstadt. Das Problem waren Schimmelpilz und Ausblühungen einer sehr starken Versalzung an der stuckierten und freskierten Decke infolge der früheren Dachmängel bzw. eingedrungenen Nässe.

In Anbetracht des Gesamtzustands und im Gegensatz zum Stuck waren die Fresken im ganzen gut erhalten, die Farben hatten von ihrer Leuchtkraft nichts eingebüßt. An der Malschicht selbst wurden nur wenige notwendige Retuschen vorgenommen. In Fresko 1 und 2 wurden Fehlstellen und Abreibungen behoben, die aber bereits wieder anfangen sich zu locken.

Beschreibung und Ikonographie

Der Deckenspiegel ist symmetrisch mit einem Bandwerkstuck dekoriert, weiße Ranken und Schnörkel auf türkisfarbenem Grund, der rot- und ockerfarbige Kartuschfelder einschließt. Die Farbigkeit der Fresken ist eingestimmt in diese rot-ockerblaugrünfarbige Deckendekoration, setzt aber leuchtend bunte Akzente in dem bis auf die Apostelleuchter kahlen, weiß gehaltenen Raum.

A CHRISTUS SALVATOR Das Hauptbild zeigt eine Darstellung in Wolken: auf einer Wolke steht Christus, angetan mit blauem Gewand und rotem Mantel, in seinem linken Arm lehnt das Kreuz, in der Hand liegt die Weltkugel. Seine Wundmale an Händen und Füßen sind deutlich sichtbar. Puttenköpfchen umkreisen ihn. Mit der Darstellung des Christus Salvator, also dem Heiland nach dem vollbrachten Erlösungswerk, wird die Reihe der Passionsszenen abgeschlossen. Im Altar ist eine spätgotische Skulptur des Christus Salvator zu sehen, die Altarflügel sind bemalt mit den Franziskanerheiligen Franz von Assisi (der die Wundmale empfangen hatte) und Antonius von Padua.

B ÖLBERG Schauplatz des dreipassformatigen Bildfelds ist der Ölberg, links von einer Felsmauer, rechts von einer Palme und einem Staketenzaun eingegrenzt. Im Vordergrund kauern schlafend die Apostel Petrus, Johannes und Jakobus. Jesus, in einem blauen Gewand mit rotem Umhang, kniet, die Hände gefaltet, sein Gesicht drückt Angst aus. Über ihm schwebt in Wolken ein Engel, der Kelch und Kreuz präsentiert. Rückwärts am Gartentor sieht man in ganz kleinen Gestalten den Verräter Judas herankommen, gefolgt von einer Reihe schwarz gekleideter Soldaten mit Speeren.

I GEISSELUNG Hohes Gebäude mit Tür und vergittertem Rundfenster, davor ragt eine rote Säule auf. An ihr ist der nur mit dem Lendentuch bekleidete Jesus mit den Armen festgebunden. Sein Gesicht ist wie verschleiert, kaum zu erkennen. Zwei Schergen schlagen mit Peitschen auf ihn ein, im Vordergrund liegt eine Rute. Links am Horizont sind Häuser und Hügel zu sehen.

2 ECCE HOMO Vor dem gleichen Kerkerturm sitzt Christus auf einem Steinblock. Er hat die Hände übereinandergelegt und ist mit einem roten Mantel bekleidet. Zwei Schergen in Soldatenkleidung schlagen mit Geißeln auf ihn ein. Vor Jesus kniet ein weißhaariger, bärtiger Mann in grüner Hose und gelbem Wams, der die Hände auf seine Knie legt und ihn zu trösten scheint. Rechts im Hintergrund sehr minutiös gemalt eine Ansicht der Türme, Kuppel und Gebäude von Jerusalem.

3 FALL UNTER DEM KREUZ Vor einem großen Tor, das aus der Stadt Jerusalem herausführt, geht ein steiniger Weg bergan, im Hintergrund ist der Berg Golgotha mit zwei Kreuzen zu sehen. Blutüberströmt bricht Jesus, in blauem Kleid und rotem Mantel, mit dem Kreuz zusammen. Der ihn an einem Seil zerrende Scherge schlägt mit einem Knüppel auf ihn ein. Vor Jesus knien mit anteilnehmender Gebärde Maria, Johannes und Veronika, die das Schweißtuch präsentiert. Ein Bärtiger in gelbem Wams steht hinter Jesus und weist auf die trauernde Gruppe.

4 KREUZIGUNG Vor dem verdüsterten Himmel mit der dunkelroten Sonne ragt das Kreuz auf mit dem Gekreuzigten. Christus ist bereits tot, die Seitenwunde geöffnet. Maria und Johannes blicken trauernd zum Kreuz empor.

Quellen und Literatur

DAEI, Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche BLfD, Akt Grösdorf, Salvatorkapelle.

KDB VMF (2), S. 112

Buchner Bistum Eichstätt 1938, S. 34–41 (Pfarrei Kipfenberg). Braun, Emanuel, St. Salvator, das lange Warten auf den Retter, in: Das Jurahaus 2, 1996/97, S. 88–90. Dehio OB 1990, S. 375; 2006, S. 405.

C.B.

 
A Christus Salvator, 1–4, B Passionsszenen (Hugo Ernst Murmann 1741)