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Großköchlham, Filialkirche St. Valentin

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 7: Landkreis Erding. Hirmer, München 2001, ISBN 978-3-7774-7830-2, S. 109–118, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Gemeinde und Pfarrei Hofkirchen (Pfarrverband Taufkirchen/Vils), Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung hatte Hofkirchen nur die beiden kleinen Nebenkirchen Blainthal (s. S. 54) und Großköchlham, beides ohne eigenes Vermögen, deren Ausgaben in der Pfarrkirchenrechung geführt wurden. Die Verehrung des hl. Valentin von Großköchlham weitete sich im Laufe des 18. Jh. zur Wallfahrt aus. Gericht Erding

Patrozinium: St. Valentin

Zum Bauwerk: Backsteinbau des späten 15. Jh.; Türmchen aus der zweiten Hälfte des 17. Jh., in der auch die im O angebaute Sakristei stammt. 1693 wurde die Empore erneuert. Ausmalung 1731, Hochaltar 1739.

Kleine Kirche zu drei Jochen, dreiseitig geschlossen, Gliederung durch abgefaste Wandpfeiler, Empore im W; Belichtung durch zwei Spitzbogenfenster im östlichen Joch und zwei in den Schlußschrägen.

Auftraggeber: Johann Georg Kirmayr, Freisingischer Geistlicher Rat und Pfarrer von Hofkirchen (1722–58). Pfarrer Kirmayr beschaffte der Kirche in Großköchlham eine Reliquie des hl. Valentin, die er im Mai 1735 feierlich einsetzte, förderte den entstehenden Gnadenort nach Kräften, sammelte die Gnadenerweise in Mirakelbüchern und zog sich damit die Kritik des bischöflichen Visitators Dr. Philipp Franz Lindtmayr zu, der 1740 berichtete, der Pfarrer wolle eine neue Wallfahrt aufziehen, verkünde die >Mirakel< öffentlich und habe auch »sehr vill grosse Votivtaffeln bey dem Mahler zu Erding, weiß nit auß wessen Uncosten ... mahlen, mit grossen, schönen, und vergoldten Ramben einfassen, und in erwehnten S: Valentin Kürchlein gleich als ein Spalier herumbhenkhen lassen«. »Es ist dises Gottshaus sauber zuegerichtet, und mit villen Votivtaflen ausgeziehret, deren Anzahl immer anwachset: würdet auch dises Gottshaus mit offentlichen Processionen besuechet« (AEM, Visitationsbericht Juli 1735).

Im Mai jeden Jahres wurde das Translationsfest des hl. Valentin (Jahrestag der Einsetzung der Reliquie) feierlich und mit Ablaß begangen.

Autor und Entstehungszeit: Franz Albert Aiglstorffer (* um 1675 Wartenberg † 1741 Wartenberg: s. S. 238) 1731

Überzeugende Zuweisung durch Brenninger 1980 (S. 135) und 1982 (S. 108), der das Datum ohne Quellenangabe nennt. Die Ausmalung von Großköchlham steht wohl in zeitlichem Zusammenhang mit der des nahegelegenen Blainthal, mit der sie in der Art der geteilten Wandfelder große Ähnlichkeit hat.

Das Chorgewölbe mit dem barocken Mittelbild St. Nikolaus als Patron von Geislbach, in den Zwickeln Vier Evangelisten von 1872

»sehr vill grosse Votivtaffeln bey dem Mahler zu Erding, weiß nit auß wessen Uncosten ... mahlen, mit grossen, schönen, und vergoldten Ramben einfassen, und in erwehnten S: Valentin Kürchlein gleich als ein Spalier herumbhenkhen lassen«. »Es ist dises Gottshaus sauber zuegerichtet, und mit villen Votivtaflen ausgeziehret, deren Anzahl immer anwachset: würdet auch dises Gottshaus mit offentlichen Processionen besuechet«

C Glorie des hl. Valent

Befund

Träger der Deckenmalerei: Ehem. Kreuzrippengewölbe (A-C, 1-4, a-h), die Rippen sind abgeschlagen und das Gewölbe im Bildbereich verschliffen

Rahmen: Gemalte Rahmung: A-C, 1–4 Kartuschen aus Blattkranz mit Akanthusmotiven; a-h Eichenblattkränze mit Bandschleifen; W1-2 einfache imitierte Leistenrahmung, darüber Kartusche; Wa-b Blatt-, Voluten- und Akanthusmotive Technik: Fresko; A-C, 1-4, W1-2 polychrom; a, c, f, h, Wb und Wc monochrom ocker; b, d, e, g, Wa und Wd monochrom kar-

Maße: A Höhe 6,80 m; 1,00×1,60

B Höhe 6,80 m: 1,50×1,50

C Höhe 6,80 m; 2,00×1,80

a-h 0,90×0,60

1-4 1,20×0,60

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Inschrift unter A rechts im Schriftfeld: Renovirt, 1794. / Renovirt Mai 1906 P. K. T. (= Peter Keilhacker, Taufkirchen; zwischen 1794 und 1905 hatte laut Gutachten des Generalkonservatoriums vom 14.12.1903 keine Restaurierung stattgefunden). Der Voranschlag Keilhackers 1904 lautete (StAM, LRA): »26 Stück

Fresco Bilder und Symbole abstauben sowie genaue Ausbeßerung schadhafter Stellen, ausgipsen an einzelnen durchgehenden Mauersprüngen«. »Die Felder des Gewölbes in hellem Rosa und Gelb nach den schon vorhandenen Tönen dünn nachstreichen ... Die Wandflächen werden nach dem vorhandenen gelben Ton neu getüncht sowie die Lisenen und Fensterleibungen weiß«. »Die jetzt glatten weißen Putzflächen um den Bildern werden mit Ornament Einfaßungen bemalt in Farbe und Zeichnung nach dem an den Wänden noch vorhandenen Ornamente ohne Goldauflichtung«. »Ausbeßerung und Ergänzung der Ornamentik und Schriften um den 8 Wandbildern in je 2 Gruppen«. »Die weißen Putzplatten im Gewölbe werden alle mit Lorbeergewinden nach Zeichnung der Apostelkreuze und an den Kreuzungen mit Rosetter bemalt wie in der Skizze«, die Keilhacker vorlag (StAM, LRA Abb. S. 112). 1905/06 wurde das Innere restauriert und die Ornamentmalerei angebracht (ursprünglich war um die Fresken ein weißer Rand von ca. 10 cm Breite, dieser mit frei gemalten Linien in Rosa, bzw. Ocker eingefaßt).

Bei der letzten Restaurierung 1986/87 durch Elisabeth Keilhacker, Taufkirchen, wurde die rahmende Ornamentmalerei von 1905 beibehalten. Die Fassung der Raumschale und die Fresken wurden nur gereinigt und restauriert, nicht verändert. Der Zustand ist gut.

Beschreibung und Ikonographie

Die beiden Hauptbilder A und B sowie die Nebenbilder 1–4 in den Gewölbezwickeln zeigen Szenen aus dem Leben des hl. Valentin von Terni, C seine Glorie. Zum Valentins-Zyklus gehören auch die Embleme a-h und Wa-d, sowie die acht Viten- und Wunderszenen in den beiden Wandbildern W1-2. Die Gestalt des Valentin von Terni ist legendär. Sein Tod wird in den AASS um das Jahr 203 angenommen (Diskussion über seine Lebenszeit ebd., S. 755 f.; s. dazu das Datum 365 in A). Die Vitenfassung entstand erst im 8. Jh. Nach dieser Vita wurde er vom hl. Felicianus zum Bischof von Terni bestellt. Dort heilte er den Bruder des Steuereinnehmers Tribunitius Fonteius (W1/1), der dieses Wunder in Rom dem Redner Craton berichtete. Cratons dreijähriger Sohn Chaeremon war völlig verkrüppelt. Craton bat deshalb den Bischof Valentin, nach Rom zu kommen und seinen Sohn zu heilen. Valentin kam, sprach aber zunächst vor Craton vom christlichen Glauben und suchte ihn zu bekehren (1; dieses Bild könnte auch Valentin vor Placidus darstellen, s. u.); er sprach eindringlich von der Notwendigkeit, die Götzenbilder zu stürzen (darauf bezieht sich 2). Dann nahm er den kranken Knaben zu sich in das Zimmer und betete; auf das Gebet hin wurde der Knabe gesund. Dabei erschien ein Licht: »lumen circa mediam horam noctis tantum apparuit, ut hi, qui in spectaculis erant circa cubiculum, putarent intus flammam accendi« (S. 757). Diese Szene ist wohl in W2/3 dargestellt (s. Inschrift). Auf die Heilung hin bekehrten sich Craton und sein ganzes Haus. Bei dem Wunder waren im Hause des Craton drei junge Athener zugegen, Apollonius, Ephebus und Proculus. Sie bekehrten sich auch, wurden getauft (W2/2) und folgten Valentin als Schüler nach. Es folgten ihm auch Abundius, der Sohn des Stadtpräfekten Placidus (W2/1) und viele Jugendliche. Daraufhin wurde Valentin ins Gefängnis geworfen (4), mit Ruten geschlagen (3) und endlich heimlich enthauptet (B), damit es keinen Aufstand unter seinen Anhängern gebe. Apollonius, Ephebus und Proculus brachten seinen Leichnam nach Terni und beerdigten ihn dort an der Via Flaminia. Als sie die Totenwachen hielten, wurden sie gefaßt, unter dem Consul Leontius enthauptet (A) und nahe beim Grab des hl. Valentin bestattet. Nach der Legende wurde das Haupt des hl. Valentin einem Mönch aus der Abtei Jumieges (Gemmeticum) in Frankreich als kostbare Reliquie geschenkt (W2/4; zu Valentin von Terni s. AASS Feb. Tom. II, 754–58; Petrus de Natalibus, Catalogus Sanctorum; Stadler, Bd 5, S. 637 f.; Vies des Saints, Bd 2, S. 323–25; BiblSS Bd 12, Sp. 899; Doye Bd 2, S. 473 f.; LCI, Bd 8, Sp. 531). Das Hochaltarblatt zeigt den hl. Valentin als Patron.

A ENTHAUPTUNG VON APOLLONIUS, EPHEBUS UND PROCULUS Querformatiges Feld, etwa in der Form eines halbierten Vierpasses. Ansicht nach W. Vor einer weiten Landschaft mit bewaldeten Hügeln im Hintergrund steht hochaufgerichtet ein Henkersknecht, der ein Schwert schwingt. Vor ihm kniet ein jugendlicher Heiliger und erwartet den Tod. Zwei Männer mit abgeschlagenen Köpfen liegen auf der Erde. Procul und Apolinus / EPHEBUS auch... / ano christi. 365 / den 14. feb. (Rest nicht lesbar. Rechts Renovierungsdaten, s. o.).

IIC

B Enthauptung des hl. Valentin und die angeschnittenen Fresken 1-4 mit Szenen aus dem Leben des hl. Valentin

B ENTHAUPTUNG DES HL. VALENTIN sey bsten dig biß in Todt. Apo. 2. (Apoc 2,10: »Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben«). Ansicht nach W. Valentin in Bischofstracht kniet im Zentrum des Bildes auf einer Wiese. Sein Kopf ist bereits abgeschlagen. Hinter ihm steht der Henker mit dem Schwert. Ein Putto kommt aus den Wolken und bringt Palme und Lorbeerkranz. seyt bstendig leidt alls mit geduld / alhie in disem leben / secht wie ich auch hab ohne schuld / Gott meinen geist aufgeben.

C GLORIE DES HL. VALENTIN NON FRUSTRA Vierpaßförmiges Bildfeld, Ansicht nach W. Auf Wolken wird der Heilige von Putten nach oben getragen. Er trägt einen weiten gelben Rauchmantel über der Albe und hat die Hände segnend erhoben. Zu seinen Füßen liegt sein Marterinstrument, das Schwert. Ein Putto hält die Mitra, ein weiterer das Pedum; dieser hält auch einen Lorbeerkranz über dem Haupt des Heiligen. Auf den streit volgt die Victori, / auf die arbeith geht der lohn, / so, im himmel auch die Glorij / Valentinus Tragt darvon. (Dieser Vers fast gleich auch in Burgharting, S. 77, und in Großwimpasing, S. 123, beides 1724)

I VALENTIN VOR CRATON Wer bist du. Joan.j.v.19 (Io 1,19). Unter einem Baldachin sitzt ein Römer in Brustpanzer mit weitem Mantel. Vor ihm steht der Bischof Valentin und hält ihm einen Kruzifixus vor, auf den er weist. Im Hintergrund Zuschauer. Was fragt ihr lang durch wessen macht / so grosse Zeichen geschehen / durch den, da secht, ihn wol betracht / sein bildnus thueth ansehen.

2 VALENTIN ZERSTÖRT GÖTZENBILDER Erwögt Heillige begürden. Dan. 10. Der Heilige steht in einem Innenraum und schlägt mit einem Hammer ein Götzenbild, das auf einem Sockel steht, in Stücke. Auß lauther eüfer und begürd / gott mer und mer zu gfallen, / S. Valentin die götzen ztört / das sie in stükh zerfahlen.

3 GEISSELUNG DES HL. VALENTIN du bist mei geduld. Psal. 7 (Ps 70,5). In einem Gewölbe schlagen zwe Henkersknechte den knienden, halb entblößten Heiligen mit einer Rute und einer vierschwänzigen Katze. Auf dem Boden liegt die Mitra. Nur dapfer drauf von herzen gern / S. Valentinus saget / der knecht thueth volgen seinen hern / Plus ultra noch mer schlaget.

4 VALENTIN IM KERKER Ich erfreue mich. Psal. 121 (Ps 145,14). Das Bild zeigt ein vergittertes Kerkerfenster, hinter dem der heilige Bischof an einen Stein gefesselt sitzt. Von links oben fallen Gnadenstrahlen. In band und eisen, was ich leyd / thueth mich alls nichts betriebe / vill mer bringt es mir lauter freit / in gott den ich thue lieben.

== GROSSKÖCHLHAM == a Pumpbrunnen, dessen Schwengel von einem Putto **bedient** wird. Der Brunnen ist ein häufig benutztes Bild für den Sperma der von Almosen, für Freigebigkeit und Nächstenliebe **überhaupt**.

b Reifer Granatapfel, der sich geöffnet hat, von einer Hand aus den Wolken über einem Tischchen gehalten. Der Granatapfel ist wie der Brunnen Symbol für Freigebigkeit.

h Kompaß
4 Valentin im Kerker

d Sonnenblume, die sich der Sonne zuneigt. Häufig benutztes Bild für die Gottesliebe der Heiligen.

Wb Adler fliegt zur Sonne

SPLENDET IN OMNES, das ähnlich in Oberbierbach vorkommt (S. 242); es bezeichnet die Güte Gottes, aber auch die Güte überhaupt, und erinnert hier an die Nächstenliebe des hl Valentin.

W. VALENTIN HEILT DEN SOHN DES FONTEIUS (oben) der herr Richt auf die zu boden geschlagen (Ps 145,14). Vor dem Bischof Valentin kniet ein junger Mann, neben dem eine Krücke liegt. Sein Vater blickt auf ihn nieder. Fontei des Zunfftmeisters sohn / S. Valentin Curieret, / von schwerer fraiß, und noch forthan / er dises Practizieret.

VALENTIN SCHENKT EINEM BETTLER SEIN HEMD (Mitte links) In einer kleinen verschneiten Stadt steht der Bischof Valentin links und gibt einem halbnackten Bettler ein weißes Hemd. St. Valentin zu Wintters Zeit / gab einem armen Betler her / sein hemet oder Untterkleid / unwissent das sein gott und herr.

VALENTIN ERHÄLT SEIN KLEID IM SCHLAF ZU- RÜCK (Mitte rechts) Im Bild daneben ist Valentin im Bett liegend dargestellt, seine Kleider und die Mitra neben ihm. Ein Engel bringt das weiße Unterkleid zurück. sein unterkleid gott wider hat / ihm gschikht, ohn zeitverliehren / und gab darfür ihn dise gnad / die hinfahlnt sucht z'Curieren.

DER KETZER VON GROSSKOCHLHAM (unten) In einer weiten Landschaft sieht man rechts auf einem sanften Hügel das Dorf Großköchlham. Links im Vordergrund sprengt ein Edelmann auf einem weißen Pferd herbei - er ist im Begriff zu stürzen. Ein Bauer vor ihm weist auf die Kirche im Dorf. Zwischen dem Kopf des Bauern und der Turmspitze erstreckt sich ein Gnadenstrahl, in dem steht S. VALENTIN

W. Wandfresken mit Szenen aus dem Leben des hl. Valentin

Ein kötzerischer Edlman / ungfähr vor hundtert Jahren / zu köchelhamb ist komen an / hat in der Tath erfahren / Alß er S. Valentin gespoth / fiell er zur erdt wie mit dem Pferth. / Da wüst er bald was er gthan, / in disen seinen Nethen / Ruefft er gleich Valentinum an / hat umb verzeihung betten, / verspricht ein opffer, brachts auch / und war erhert was er begert.

W, VALENTIN BEKEHRT ABUNDIUS, DEN SOHN DES STADTVOGTS PLACIDUS (oben) Lehrnet die Unwissende Apo. 18. (Act 18,4?). An einem Betpult kniet ein vornehm gekleideter junger Mann. Neben ihm steht Bischof Valentin und hält ihm einen Kruzifixus vor. Im Hintergrund

des Raumes ist eine zertrümmerte Götzenstatue zu sehen. S. Valentin des stattvogts sohn, / zum wahren glaubn bekheret, das er so gleich, und von stundt an, / den wahren gott Verehret.

TAUFE VON EPHEBUS, APOLLONIUS UND PROCU- LUS (Mitte links) In einem Kirchenraum beugen sich drei nackte Knaben über ein Taufbecken. Bischof Valentin tauft sie Ephebus Apolinius, / und Proculus deßgleichen / sich tauffen liessen, zum Verdreuß / der heuden, und ihrs gleichen.

HEILUNG DES CHAEREMON, SOHNES DES CRA- TON (Mitte rechts) In einem Innenraum, in den von außen drei Männer blicken, tauft Valentin an einem Taufbecken einen Knaben. Ein Ministrant kniet daneben. Hie hat er einen heidensohn, / so den göttern gschworen ab / aufst, und gsund gmacht, und sehe wie, / gantz hauß wie Feur geschinen hat.

Der Kirchenraum nach Südwesten mit dem Wandbild W

EIN MÖNCH BRINGT VALENTINS HAUPT NACH JUMIEGES (unten) Landschaft mit reißendem Fluß. Links ist eine Stadt dargestellt, bezeichnet Theramo (wohl Interamna = Terni). Rechts sieht man ein Kloster, bezeichnet Gemetic (Gemmeticum = Jumieges). Ein Mönch in weißer Kutte, mit Hut und Stab, ist von der Stadt zum Kloster unterwegs. Er hält einen Totenschädel. Auß Frankbreich reisete nach Rom / umb heilligthumer zhollen / ein Minch, und da er aber kham / und durch Passieren sollen / Theramo einer welschen statt / da mieste er gantz ungefehr / sich halten auf und bleiben drin / da teth man ihm verehren / das Haubt des heilign Valentin / so gleich teth er zrukh kheren / und setzt darmit sein reiß gar forth / den augenblikh nach Gemeric.

Wa-d VALENTIN-EMBLEME An den beiden Schildbogen des östlichen LHs-Joches und an denen der Schlußschrägen befinden sich gemalte Kartuschen mit Emblembildern ohne Lemmata (Abb. S. 116).

Wa Brunnenbecken, über das sich eine Brunnensäule mit zwei Ausläufen erhebt. Auf ihr steht segnend der Heilige in Bischofstracht (s. Emblem a).

Wb In Wolken fliegt ein Adler aufwärts zur Sonne. Er blickt der Sonne direkt ins gemalte Gesicht. Der Adler, dessen Augen das Licht der Sonne ertragen können, ist Bild des (auch im Martyrium) unerschrockenen Geistes (Picinelli, Lib. IV Nr. 99, s. v. aquila).

Wc Hirtenstab, dessen Spitze ein S (Sanctus) bildet. Darüber steht (ligiert) VALENTIN. Das Bild erinnert an Valentin in seiner Eigenschaft als Seelenhirt.

Wd Ein Raubvogel schwebt über einer Henne, die ihre Küken unter sich birgt. Dieses Bild für den Schutz vor Gefahren bezieht sich nicht nur auf den göttlichen Schutz, sondern auch auf den, den die Kirche, der Fürst oder der Seelenhirt gewährt (Picinelli, Lib. IV, Nr. 357, 359, 364 u. a., s. v. gallina) und ist in diesem Sinn hier auf Valentin angewandt.

Quellen und Literatur

StAM, LRA 147716: Restaurierung 1905. AEM, Pfarrakten Hofkirchen, Filiale Großköchlham 1740-1803; Bauten II (Ausmalung 1905/06). BLfD, Akt Großköchlham, Kirche St. Valentin. Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 106. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 205. Landkreis Erding 1963, S. 267. Brenninger, Georg, Die Kirchen der Pfarrei Hofkirchen, Hofkirchen 1979 (unpaginiert). Brenninger 1980, S. 133-35. Brenninger 1982, S. 108 f. Landkreis Erding 1985, S. 408. Gnadenstätten im Erdinger Land, S. 33–35. Dehio 1990, S. 379.

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