Glückstadt, Wasmer Palais
Inventarnummer: cbdd20135
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Im Wasmerpalais sind mehrere Decken- und Wandgemälde von ca. 1710 erhalten. Bemerkenswert ist eine virtuose Darstellung Jupiters mit Danaë, die in ihrer Opulenz an Jupiter vor Semele erinnert. Vestibül und Treppenhaus warten mit einer Scheintür und mehreren kleinen Veduten auf.

Das Wasmer Palais in Glückstadt
Kurzbeschreibung und Lage
Das Wasmer-Palais[1] steht an der Nordseite der Königstraße, zu der es sich mit einem heute offenen Hof hin präsentiert.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Wasmer-Palais wurde für den Kanzlei- und Regierungsrat sowie späteren Vizekanzler Jacob Johann von Wasmer nach dem Tod seines Vaters 1705 von 1708 bis 1710 erbaut. Um 1710 erfolgte die Ausstuckierung der Räume durch Andrea Maini. Die eingeschossigen Seitenflügel sind später um ein weiteres Geschoss erhöht worden. Der Hof war ursprünglich durch einen Vorderflügel geschlossen. Das Palais ersetzt einen Vorgängerbau, der wohl kurz vor der Mitte des 17. Jahrhunderts errichtet worden war. Ab etwa 1680 hatte hier Conrad Wasmer gewohnt, der Vater des Bauherrn. Er war Vizekanzler der königlichen dänischen Regierung in Glückstadt und 1695 in den Adelsstand erhoben worden. 1752 verkaufte die Familie von Wasmer das Palais. Nun zog die Regierungskanzlei in das Palais und später das Obergericht. Noch später diente das Palais als Kaserne, bis es von der Stadt Glückstadt gekauft wurde, die es 1875/76 für die Nutzung als Schule umbauen ließ.[2]
Beschreibung
Das Palais öffnet sich mit einem von Seitenflügeln flankierten Hof nach Süden zur Straße hin. Das zweigeschossige Gebäude ist verputzt. Der Hauptflügel und die nachträglich erhöhten Seitenflügel tragen Walmdächer. Den Hauptflügel gliedern Gesimse sowie Eckquaderungen als Begrenzung eines sehr schwach vortretenden dreiachsigen Mittelrisalits ohne abschließenden Giebel. Das Mittelportal mit Sandsteingewänden mit halben Pilastern trägt im Giebel das Allianzwappen des Bauherrn und seiner Frau.[3]
Durch das Portal gelangt man in ein kleines Vestibül, das sich nach rechts zu einem zweiläufigen Treppenhaus öffnet. Der hintere Teil des Vestibüls ist um eine Stufe erhöht. Von diesem Podest gehen rechts und links Flure ab, die die Räume an der Gartenseite erschließen. Geradeaus gelangte man ehemals in einen Saal. Über diesem ist der Hauptsaal gelegen, der vom Treppenhaus aus erreicht wird. In vier Räumen des Palais hat sich Stuck von Andrea Maini erhalten. Deckenmalerei befindet sich heute noch im Vestibül, im Treppenhaus sowie in einem Erdgeschossraum an der Nordostecke. Der Hauptsaal war nie mit Malerei geschmückt.[4]
Die Eingangshalle

Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die Eingangshalle wurde von 1708 bis 1710 erbaut.[5]
Beschreibung
Der schlichte schmale Raum ist zweigeteilt in einen vorderen Bereich — der sich zum Treppenhaus hin öffnet — und einen hinteren um eine Stufe erhöhten Bereich. Licht fällt in den Raum nur durch das Oberlicht der Eingangstür sowie vom Treppenhaus her. Die Wände sind schmucklos. Über einem Kranzgesims befindet sich eine schlicht stuckierte Decke.
Die Deckenmalerei in der Eingangshalle

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Decke wurde 1710 von Andrea Maini stuckiert. In sechs kleine Stuckfelder kamen zu einem unbekannten Zeitpunkt kleine gemalte Veduten. Diese wurden später verdeckt und erst im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts freigelegt und restauriert.
Beschreibung und Ikonographie
Die Decke weist ein monochrom ockergelb gestrichenes Mittelfeld auf, das ein kräftiges weißes Stuckband mit Zacken begrenzt. Schwächere, ebenfalls weiße zackig-gekrümmte Stuckbänder bilden Eckfelder aus, die rot gefasst sind. Die sechs Vedutendarstellungen finden sich in den übrigen, kleineren Stuckfeldern wieder. Sie integrieren sich in symmetrischer Anordnung in das restliche Deckenfeld, das wie diese selbst in grüner Farbe bemalt wurde. An den beiden Schmalseiten sitzt jeweils ein Dreipass. Der südliche zeigt zwei übereinander gestellte Schlösser – im nördlichen Dreipass nimmt ein Herrenhaus mit Garten die untere und ein Schloss die obere Bildhälfte ein. In den vier runden Stuckfeldern der Längsseiten sind zweimal eine Baumgruppe und einmal ein Herrenhaus zu erkennen. Ein Motiv lässt sich nicht mehr bestimmen.
Der Saal im Erdgeschoss

Bau- und Ausstattungsgeschichte
Der gegenwärtige Saal setzt sich aus zwei ehemals eigenständigen Räumen zusammen, deren Zwischenwand vermutlich im 19. Jahrhundert entfernt wurde.
Beschreibung
Der Saal liegt an der Nordwestecke des Palais und öffnet sich mit vier Fenstern nach Norden. Ein Unterzug zeigt die Stelle der ehemaligen Wand an. Vermutlich handelte es sich um ein Vorzimmer und einen Wohnraum, denn dieser war nur durch das Vorzimmer zu betreten. Die Wände sind heute schmucklos. Jedoch haben sich von beiden Räumen über einem Kranzgesims die stuckierten Voutendecken erhalten. Nur die des ehemaligen östlichen Raums nimmt Deckenmalerei auf.[6]
Die Deckenmalerei

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei wurde um 1710 geschaffen, ihr Künstler ist unbekannt. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde sie überstrichen und erst 1972 freigelegt und restauriert.[7]
Beschreibung und Ikonographie
In den Stuck sind ein großes Hauptbild und vier kleine Malereien in den Ecken eingelassen.
Das Hauptbild zeigt Jupiter, wie er sich einer schlafenden nackten Frau auf einem Bett nähert, die offenbar bereit ist, ihn zu empfangen. Von Jupiter geht ein strahlendes Licht aus, das die Wolken um ihn herum golden erleuchtet. Er ist gekrönt und hält ein Blitzbündel in der Hand. Über ihm befindet sich sein Adler. Die Frau liegt auf einer Bettstatt mit leicht gespreizten Beinen und schläft. Der blaue Vorhang des Bettes ist beiseite gerafft. Vor dem Bett befindet sich Amor mit seinem Bogen in der Hand. Er schaut zu Jupiter auf wie auch ein Hund, der ebenfalls vor dem Bett lagert. Die Thematik der Malerei wurde bislang unterschiedlich bestimmt. Fraglos nähert sich Jupiter einer (sterblichen) Geliebten. Unklar ist, um welche es sich handelt. Wohl aufgrund der Opulenz, in der Jupiter auftritt, wurde vermutet, dass es sich um Semele handeln könnte.[8] Diese hatte darum gebeten, Jupiter in seiner ganzen Pracht sehen zu dürfen. Sie konnte diesen Anblick als Sterbliche jedoch nicht ertragen und starb daher. Die Dame auf dem Bett ist aber weder tot, noch betrachtet sie Jupiter. Ebenso wurde vermutet, dass es sich um Io handeln könnte.[9] Eine Begründung für diese Zuschreibung gibt es nicht. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um Danaë. Zu ihr kam Jupiter in Gestalt eines goldenen Regens. Die leuchtenden Strahlen, die sich dem Gesicht der Schlafenden nähern, könnten ein missverstandener Goldregen sein. Dieses Missverständnis könnte auf dem ausführenden Künstler zurückgehen oder auf die Restaurierung des Gemäldes im 20. Jahrhundert.
Die vier Nebenbilder in den Ecken zeigen Putten mit Blumen, die hinter dem Stuck verschwinden oder hervorkommen, sodass der Eindruck entsteht, hinter dem Stuck würde sich tatsächlich der Himmel öffnen.
Das Treppenhaus

Bau- und Ausstattungsgeschichte
Das Treppenhaus stammt von 1710 und wurde durch Andrea Maini stuckiert. Die Malereien an Decke und Wänden stammen von einem unbekannten Künstler. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurden fast alle überdeckt und erst im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt.[10]
Beschreibung
Die Wände des Treppenhauses[11] schmücken im Erdgeschoss recht stümperhaft rot und grün gemalte — Marmorierung imitierende — Quader. Im Obergeschoss sind die Wände über eine Sockelzone mit fingierten rot marmorierten Quadern geziert. Die Türen werden von plastischen Hermenpilastern flankiert, die stuckierte Supraporten tragen. Ein Kranzgesims schließt die Wände ab.
Die Wandmalerei im Treppenhaus

Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Malerei dürfte um 1710 geschaffen worden sein. Sie wurde mit Ölfarben auf Feinputz gemalt. Bis auf eine Malerei an einer Scheintür wurde sie später überstrichen und erst im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und anschließend restauriert. Die Malerei an der Scheintür wurde bereits um 1900 verändert und ist gegenwärtig durch eine Kopie verdeckt. Die Malerei der Sockelzone wurde mit Acrylfarben retuschiert und ergänzt.[7]
Die Malerei in der Sockelzone
Die Malerei der Sockelzone zeigt gemalte Kartuschen, die vornehmlich Jagdszenen darstellen. Die Jagden finden in einer mitteleuropäischen Landschaft statt. Teilweise werden Ausblicke in die Tiefe — etwa auf Städte — gegeben, teilweise fällt der Blick nur auf eine Lichtung. Hinzu kommen Ansichten mit mediterranen Häusern oder niederdeutschen Gehöften. Die Darstellungen sind in verschiedenen Rottönen auf weißem Grund gemalt.[5]
Die gemalte Scheintür
Die Malerei der Scheintür an der Ostwand erweckt den Eindruck, als würde aus ihr ein „Mohr“ hinauszuschauen. Ursprünglich soll sich hier die Darstellung des Hl. Laurentius mit Turban und Sarong befunden zu haben. Zu seinen Füßen lag ein Hund. Eventuell hatte die Gestalt ein Messer im Mund. Diese Fassung wurde bereits um 1900 zur Darstellung des Schwarzafrikaners verändert. Dieser ist von der gegenwärtigen Version auf Hartfaserplatte verdeckt.[12]
Die Decke des Treppenhauses und ihre Malerei
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die Deckenmalerei ist wohl um 1710 entstanden. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde sie überfasst und erst 1976-78 wieder freigelegt. Die bildlichen Darstellungen wurden ausgebessert und retuschiert.[7]
Beschreibung und Ikonographie
Die Voutendecke hat ein großes Mittelfeld, das mit einem kräftigen Stuckband von der übrigen Decke geschieden ist. Das Mittelfeld ist blau gestrichen, die übrige Decke beige. Im äußeren Bereich sind oberhalb der Voute zwölf Felder aus dem Putz ausgespart, von denen jedes zweite eine in Grün auf weißem Grund gemalte Ansicht einer Landschaft oder eines Gebäudes wie etwa ein Herrenhaus oder eine Kirche präsentiert. Die anderen Felder sind marmoriert.
Bibliographie
- Literatur:
- Dehio, Schleswig-Holstein, 2009. – Dehio, Georg: Hamburg. Schleswig-Holstein (Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler). Bearbeitet von Johannes Habich, Christoph Timm, Lutz Wilde. München/Berlin 2009.
- Michaelsen, Wasmersche Palais, 1950. — Michaelsen, Franz: Das Wasmersche Palais in Glückstadt, in: Nordelbingen 19 (1950), S. 12-22.
- Möller, Glückstadt, 1994. — Möller, Hans-Rainer: Glückstadt. Ein Führer durch das Stadtdenkmal und seine Geschichte. Glückstadt 1994.
- Rinn, Stukkateure, 1999. – Rinn, Barbara: Italienische Stukkateure zwischen Elbe und Ostsee (Bau + Kunst. Schleswig-Holsteinische Schriften zur Kunstgeschichte, 1). Kiel 1999.
- Archivalien:
- ONR, 3036. — IZ Glückstadt, Stadt, Königstraße 36, Wasmer-Palais. Objekt-Datei-Nr.: 3036.
Einzelnachweise
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 326; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 248-258; Möller, Glückstadt, 1994, S. 58-64; Michaelsen, Wasmersche Palais, 1950.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 326; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 249-250; Möller, Glückstadt, 1994, S. 59-61, 63; Michaelsen, Wasmersche Palais, 1950, S. 12.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 326; Möller, Glückstadt, 1994, S. 64.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 326; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 250; Möller, Glückstadt, 1994, S. 61.
- ↑ 5,0 5,1 Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 326.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 326; Rinn, Stukkateure, 1999, S. 257; Möller, Glückstadt, 1994, S. 61.
- ↑ 7,0 7,1 7,2 ONR, 3036, Bd. 2.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 326; Möller, Glückstadt, 1994, S. 61.
- ↑ Rinn, Stukkateure, 1999, S. 257.
- ↑ Michaelsen, Wasmersche Palais, 1950, S. 17. ONR, 3036, Bd. 4.
- ↑ Dehio, Schleswig-Holstein, 2009, S. 326; Möller, Glückstadt, 1994, S. 61; Michaelsen, Wasmersche Palais, 1950, S. 17.
- ↑ Möller, Glückstadt, 1994, S. 61-62. ONR, 3036, Bd. 1.