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Frauenreuth, Filial- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 343–346, geschrieben von Bauer-Wild, Anna und Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Wallfahrts- und Filialkirche, Pfarrei Glonn, Markt Glonn Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung hatte das Domkapitel Freising das Präsentationsrecht auf die große Pfarrei Glonn mit ihren acht Filialen. Zum Gnadenbild ir Frauenreuth (»plurimis beneficiis claret«, Schmidt 1739) bestand eine lebhafte Wallfahrt von örtlicher Bedeutung; zum Hauptfest an Mariä Himmelfahrt fand eine Dult statt. Kirche und Wallfahrt wurden von einem eigenen Kooperator versehen, Kondezimatoren waren die Kirche Frauenreuth, die Frauenkirche in München und das Benefizium in Altenburg Gericht Schwaben

Patrozinium: Mariä Himmelfahrt

Zum Bauwerk: Nach Abbruch der alten baufälligen romanischen Kirche Neubau durch Thomas Mayr, Maurermeister von Grafing, 1702/03. Weihe am 18.6.1707 (Mayer-Westermayer; Niedermaier: nach mündl. Überlieferung). Bau des Westturms mit Zwiebelhaube 1723. Am Chorbogen befand sich nach Niedermaier bis zur Restaurierung 1872 das Datum 1703.

Für den Neubau setzten sich seit 1691 der Pfarrer von Glonn und der Pflegsverwalter des Gerichts Schwaben ein, jahrelang lagen Grundriß und Überschläge vor. Eine 1691 zusammengestellte »Anfiehrung etlich großer Gnad und Wunder«, die sich allein im Verlauf von zehn Jahren ereignet hatten, sollte auf die Bedeutung und den wachsenden Zulauf des »schon in den Schwedischen Feindszeiten« wundertätigen Gnadenbilds und auf die viel zu kleine Kirche hinweisen, da bei Gottesdiensten die Gläubigen auf dem Kirchhof stehen mußten.

Nachdem der Pflegsverwalter einen Finanzierungsplan gemacht hatte, zu dem die Kirchen des Gerichts herangezogen wurden, und ein Gutachten erstellt hatte zu dem Kostenüberschlag, der unter den Rubriken »Bedürfnisse« und »ohne Entgelt vorhanden bzw. beizuschaffen« sich auf der einen Seite auf 3924 fl. belief und auf der anderen Seite 915 fl. in Abzug bringen konnte, dauerte es noch drei Jahre bis zum bischöflichen Konsens am 6.3.1702. In dem Überschlag ist die Rede vom Maurermeister von Grafing. Dabei handelt es sich um Thomas Mayr, der die Pfarrkirche in Grafing, die Kirchen in Berghofen bei Moosach und in Straußdorf errichtet hatte. (Der Pflegsverwalter berichtet 1699 von den Kirchen in Finsing, Oberpframmern, Puch, Grafing, Straußdorf und Grasbrunn, die neu erbaut und vollendet seien.) Der Glaser und der Schlosser waren ebenfalls aus Grafing, der Zimmermeister aus Markt Schwaben. Als Maler wurde »der alhiesige Mahler Antoni Vicelli« verpflichtet, dessen Entwürfe zu »Form und Muster für ein Marbiliergattung zu denen Altären« dem Kurfürstlichen Geistlichen Rat in München zur Ansicht und Auswahl mitgeschickt wurden. An Bildhauerarbeiten waren nur zwei Dachungsengel zum Hochaltar vorgesehen, während der Kistler von Schwaben den neuen Hochaltar anfertigen und den alten als Seitenaltar applizieren sollte (AEM).

Von einem neuen Choraltar und Tabernkakel, der »vor vielen Jahren von Pfarrer Saturt beigeschafft worden war«, stand 1760 noch eine Restsumme von 157 fl. aus.

Chorgewölbe, B. Maria als Braut des Heiligen Geistes (um 1703)

Die Kirche liegt unverbaut auf einem Hügel im Ort. Langhaus (12,20×8,90 m) zu vier Achsen, Doppelempore im W. Eingezogener Chor (7,70 × 6,80) zu zwei Achsen mit dreiseitigem Schluß, an der Südseite ein Oratorium. Belichtung von Langhaus und Chor durch hohe Rundbogenfenster; Gliederung durch flache Lisenen mit vorgelegten Pilastern; einfacher Felderstuck mit großen flachen Muschelmotiven, Rosetten und Rankenwerk, grau und weiß auf hellblauem Grund. Auf dem Hochaltar befindet sich das schöne geschnitzte Mariengnadenbild aus der Zeit von 1500, eine sitzende Muttergottes mit dem nackten Kind auf dem Schoß, das eine Goldkugel in Händen hat. Maria blickt in ein Buch, das sie in ihrer linken Hand hält. Seitlich die Figuren von Joseph und Joachim (17. Jh.).

Auftraggeber: Das Wappen in A weist auf einen Stifter der Gemälde hin. Das viergeteilte Wappen mit aufsteigendem Löwen und geharnischtem Mann ist dem der Familie Höger in Anzing ähnlich (vgl. Wening, Abb. M 67 und M 182). Das aufsteigende schwarze Rössl in der Mitte kommt dort allerdings nicht vor (an dieser Stelle wäre logischer ein Adler wegen der Flügel in der Wappenbekrönung, frdl. Mitt. Friedrich Kobler). Niedermaier berichtet, daß ein »Kaufmann, der ein Kauffahrteischiff auf dem Meere besaß und im Falle einer glücklichen Zurückkunft von einer Seereise den Bau der Kirche in Frauenreuth gelobt haben« soll (Quelle 1909 im PfA Glonn). Vermutlich war Anton Benno Höger dieser Kaufmann. In einem Schreiben nach Freising vom 10.11.1701 bittet Pfarrer Wolf-

gang Gebhardt neben dem Konsens zum Kirchenbau darum. »den Chf. Rat und Handelsherrn in München, Antonium Benonem Höger als einen sonderbaren Patron und Guethetter dises Gottshaus zu Legung des ersten Steins nach vorgangener geistlicher Orths beschechener Benedicierung anzusprächen und hierdurch diesen und noch mehr andere zu noch größerer Andacht, Eyffer und Guettaten anzuheischen«. wort vom 6.3.1702 ordnete der Fürstbischof an, daß Herr Höger »servatis servandis den ersten Stein legen derffe« und dazu invitiert und gebraucht werden solle.

Pfarrer von Glonn zur Bauzeit war Wolfgang Gebhardt (1684–1712). Amtierende Kooperatoren waren Georg Steiner (1701) und Georg Höger (3.4.1710, ein Verwandter Anton Bennos?), ab 29.8.1712 Balthasar Neumair.

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Anton Vicelli (* 1662 Sillian † 1741 München, s.S. 379, 383) um 1703

In dem vom Gericht Schwaben 1699 erstellten Überschlag zum Kirchenneubau in Frauenreuth (AEM) ist von »alhiesi gem Mahler Antoni Vicelli« die Rede, dem die Malerarbeiter übertragen werden sollten: für 507 fl. die Marmorier

Die Deckenbilder in Frauenreuth zeigen so große Übereinstimmungen mit den Deckenbildern in Heilig Blut am Wasen (LKr. Rosenheim, CBD Bd 12), daß für beide Werke der gleiche Maler angenommen werden muß. Gemeinsam sind ihnen

grund großer Ähnlichkeit mit dem Altarbild Marter des hl Vitus« in Mietraching, das archivalisch für den Aiblinger Maler Johann Vicelli gesichert ist, diesem zugeschrieben. Die genannten Bilder stehen sich stilistisch se

Frauenchiemsee führte er die Malerarbeiten am Isidoraltar (bez. 1696) und am Josephsaltar aus (beide Auszugsbilder von Vicelli sind erhalten), für Anzing den Sebastiansaltar.

Befund

Träger der Deckenmalerei: In LHs und AR Tonnengewölbe mit Stichkappen, im AR im O abgemuldet Rahmen: Ornamentierter Stuckprofilrahmen Technik: Öl auf Leinwand, polychrom Maße: A Höhe 11,00 m; 2,30×1,50

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei einer großer Restaurierung 1872 wurden der Raum durch den Aiblinge Maler Osendorfer neu gefaßt und neue Altäre im Neorenaissancestil aufgestellt. 1955/60 Innenrestaurierung durch Helmut Knorr, Grafing. Dabei wurden die Einbauten und die Vergoldungen und Übermalungen im Gewölbe von 1872 wieder entfernt. Die Deckengemälde waren bei Erstellung des Gutachtens durch Josef Blatner 1955 nicht am Ort. Sie wurden ders die obere Hälfte von Bild A) auf dem Dachspeicher der Kirche gefunden, mit einer Zwischenleinwand versehen und auf Platten aufgezogen. Fehlstellen wurden retuschiert (frdl. Mitt. Helmut Knorr). Auch der auf dem Speich struiert. Gründliche Instandsetzung der Gemälde 1993 in der Restaurierungswerkstatt Marianne von Besserer und Wolf Zech, München: Nachspannen der Bildträger, Niederlegen und Festigen der Malschicht, Oberflächenreinigung, n

Beschreibung und Ikonographie

A MARIÄ HIMMELFAHRT Ovalformat. Altertümliche Komposition mit ebenfalls altertümlichen Figurentypen. Kleiner irdischer Schauplatz, in dessen Mitte der Sarkophag Mariens steht, umringt von den Aposteln. Darüber schwebt Mari

Die Heilig-Geist-Öffnung ist von einem Holzdeckel verschlossen, auf den die Geisttaube gemalt ist.

B MARIA ALS BRAUT DES HEILIGEN GEISTES Ovalformat. Maria erscheint in Dreiviertelfigur, unten von Wolken verdeckt. Ihr Haupt ist von Strahlen umgeben. Vor ihrer Brust erscheint die Geisttaube im Strahlenglanz. Dieses Thema

EB1-15 DIE FUNFZEHN GEHEIMNISSE DES ROSENKRANZES An der oberen Emporenbrüstung sind sieben, an der unteren Empore acht rechteckige Bildfelder zwischen ornamentalen Pilastern angebracht. FREUDENREICHER ROSENKRANZ (Obere

A Mariä Himmelafahrt (um 1703)
B Maria als Braut des Heiligen Geistes

EB, Verkündigung – den Du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast;

EB2 Heimsuchung – den Du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast;

EB3 Anbetung der Hirten – den Du, o Jungfrau, geboren hast:

EB4 Darbringung im Tempel – den Du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast;

EB5 12jähriger Jesus im Tempel – den Du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast.

SCHMERZHAFTER ROSENKRANZ (Untere Empore von links nach rechts, EB8-15)

EB6 Jesus am Ölberg – der für uns Blut geschwitzt hat

EB2 Geißelung – der für uns gegeißelt worden ist

EB8 Dornenkrönung – der für uns mit Dornen gekrönt worden ist;

EB9 Kreuztragung – der für uns das schwere Kreuz getragen hat;

EB10 Kreuzigung – der für uns gekreuzigt worden ist.

GLORREICHER ROSENKRANZ

EB11 Auferstehung – der von den Toten auferstanden ist;

EB12 Christi Himmelfahrt – der zum Himmel aufgefahren ist;

EB13 Pfingsten – der uns den Heiligen Geist gesandt hat;

EB14 Mariä Himmelfahrt – der Dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat;

EB15 Marienkrönung – der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat.

Quellen und Literatur

AEM, PfA Glonn, Filiale Frauenreuth

AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 22/Ebersberg (Georg Brenninger), Pfarrei Glonn.

BHStA, Landshuter Abgabe 1993 Nr. 1113 (Reparationen 1780/81).

StAM, Kurbayern Geistl. Rat Kirchenrechnungen Gericht Schwaben, Amt Northofen, 1760, 1780.

StAM, Rentmeisteramt München, Unterbehörde 9903 (Baureparationen Gericht Schwaben).

BLfD, Akten Filialkirche Frauenreuth

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 336. Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 251 f.

KDB I OB (2), S. 1361 f.

Niedermaier, Johann Baptist, Glonn und Umgebung in Vergangenheit und Gegenwart nach Quellenforschungen, Freising 1909 (2 München 1939), Frauenreuth S. 93–106.

Brenninger, Georg, Die Kirchen der Pfarrei Glonn (= KKF Nr. 1406), München und Zürich 1983.

Historischer Atlas I, Bd 48, Gericht Schwaben (Gottfried Mayr), München 1989, S. 275.

A.B./ C.B.


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