Flensburg, ehem Haus Große Straße 41
Inventarnummer: cbdd20130
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Aus einer Stube des Hauses Große Straße 41 haben sich neun ehemals in die Wand eingelassene Gemälde mit Marinebildern aus der Zeit um 1700 erhalten.
Das ehem. Haus Große Straße 41 in Flensburg
Kurzbeschreibung und Lage
Das Haus stand an der Westseite der Großen Straße.
Bau-, Ausstattungs- und Nutzungsgeschichte
Das Haus wurde wohl im 16. Jahrhundert erbaut. Es gehörte bis Ende des 17. Jahrhunderts dem Heiliggeisthospital, von dem es durch einen schmalen Gang getrennt war. 1694 wurde es an den Schmied Knud Thomsen sowie den Böttcher Dietrich Thomsen verkauft. 1765 erwarb der Stadtvogt Johann Lysius das Gebäude. Seine Witwe richtete hier 1785 das Lysiussche Witwenstift ein. 1911 ist das Haus abgebrochen worden. Teile seiner Raumausstattung aus dem ersten Obergeschoss wurden 1914 in das Eckener-Haus, damals „Alt-Flensburger Haus“ genannt, eingebaut, und zwar in die so genannte „Schifferstube“. In diesem Gebäude wurden Spolien aus verschiedenen Abrisshäusern mit einer teilweise hochwertigen Ausstattung zu dem musealen „Gesamtkunstwerk“ Alt-Flensburger Haus neu zusammengefügt. So wollte man Relikte vergangener bürgerlicher Wohnkultur zumindest in exemplarischen Objekten erhalten. Nach 1945 gelangte vor allem die mobile Ausstattung zurück in das Museum. Die wandfeste Ausstattung wurde aufgrund der Nutzung des Gebäudes als Gaststätte bis 2008 teilweise durch Kopien ersetzt.[1]
Beschreibung
Das Haus Große Straße 41 war ein dreigeschossiges Traufhaus.[2]
Forschungsstand zur Baugeschichte
Die Malerei der Schifferstube und in ihrem Zusammenhang auch das ehemalige Haus Große Straße 41 wurden erstmals 1915 von Ernst Sauermann in seinem Aufsatz „Das Alt-Flensburger Haus“ beschrieben.[3] Alle späteren Veröffentlichungen fußen auf seinen Ausführungen. Zu nennen sind vor allem das Denkmalinventar von Rohling aus dem Jahre 1955[4] und die Abhandlung Wenzels von 2018.[5]
Die ehemalige "Schifferstube" im sog. Eckener-Haus
Bau- und Ausstattungsgeschichte
Die gegenwärtige Schifferstube wurde 1913/14 geschaffen. Inwieweit die Stube jener in der Großen Straße 41 folgt, ist unbekannt. Jedenfalls stammten die neun in die Vertäfelung eingefügten Bilder aus einer Stube des ersten Obergeschosses dieses Hauses. Diese war bereits 1911 abgebrochen worden. Die Malerei wurde 1977 aus konservatorischen Gründen ausgebaut. Die als Ersatz geschaffenen schlechten naiven Kopien verdeckte man sofort durch Fotografien der ehemaligen Gemälde. Gegenwärtig (2024) wird der Raum restauriert.[6]
Beschreibung
Die einzelnen Gemälde wurden durch Leisten voneinander getrennt und von jeweils eigenen Rahmen eingefasst.
Vorlagen und Vergleiche
Eine Gestaltung, wie in der Schifferstube nachgeschaffen, kann gemäß Sauermann als typisch für die Raumausstattung Flensburger Bürgerhäuser im späten 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelten. Neben Marinebildern gab es auch biblische Szenen und Landschaftsdarstellungen.[7]
Die erhaltenen Wandbilder
Befund – Entstehungs- und Erhaltungsgeschichte
Die neun Gemälde sind um 1700 geschaffen worden. 1911 wurden sie aus dem Haus Große Straße 41 ausgebaut und 1913/14 in die neu geschaffene Schifferstube im Eckener-Haus eingebaut. Wie viele Gemälde es ursprünglich gab, ist unbekannt. Rohling benennt 1955 sieben Felder, obwohl nachweislich neun Bilder vorhanden waren. Aus der Schifferstube wurden sie 1977 aus konservatorischen Gründen wieder ausgebaut. Sie befinden sich seit 1984 im Schifffahrtmuseum. Sieben von ihnen werden in der ständigen Ausstellung präsentiert, sechs davon nebeneinander. Die übrigen zwei befinden sich im Depot des Museums.[8]
Beschreibung und Ikonographie
Die neun erhaltenen Gemälde haben eine Höhe von 1,58 Metern und sind meist 1,08 Meter breit. Sie zeigen verschiedene Schiffstypen auf bewegter See wie Fleuten holländischer Bauart, Zweimaster und Dreimaster. Die Schiffe segeln unter holländischer, dänischer, hamburgischer und rot-gelb gestreifter oldenburgisch-schleswig—holsteinischer Flagge.[9] Andere Flaggen sind nicht eindeutig zu bestimmen wie ein weißes Kreuz auf blauem Grund (vermutlich die französische Handelsflagge der Stadt Calais) oder eine rot-weiß-rot-weiß quer gestreifte Flagge (die eventuell aber die oldenburgisch-schleswig—holsteinische meint). Teilweise sind auf den Bildern weitere Schiffe und auch Boote auszumachen. Am Wolkenhimmel befinden sich Vögel. Die künstlerische Qualität der Gemälde, die offenbar im 19. Jahrhundert überarbeitet wurden, differiert vor allem aufgrund dieser Überarbeitung stark. Die schwarzen Umrandungen der Schiffe, die weißen Lichter auf den Wellen und deren schwarze Schatten rufen einen Eindruck naiver Malerei hervor. Auch wehen Flaggen und Wimpel meist in die falsche Richtung gegen den Wind (als ob sie im Fahrtwind flattern würden). Anders sind lediglich die Brigg unter hamburgischer Flagge sowie der Dreimaster unter rot-weiß-rot-weißer Flagge. Hier gibt es keine Umrisslinien oder schwarze Schatten, und die ursprüngliche Qualität der Malerei ist so noch zu erahnen.
Bibliographie
- Literatur:
- Beseler, Bericht, 1970. — Beseler, Hartwig: Bericht des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein über die Jahre 1968 und 1969, in: Nordelbingen 39 (1970), S. 192-237.
- Glüsing, Bildkatalog, 1985. — Glüsing, Jutta: Schiffahrtsmuseum Flensburg — Bildführer. Flensburg 1985.
- Kraack, Kataster, 2013. — Kraack, Gerhard (bearb.): Historisches Kataster der Stadt Flensburg. Die Häuser und ihre Besitzer von 1436 bis 1795 (Große Schriftenreihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte e.V., 76). 3 Bde. Flensburg 2013.
- Rohling, Flensburg, 1955. — Rohling, Ludwig: Die Kunstdenkmäler der Stadt Flensburg (Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein, 7). München/Berlin 1955.
- Sauermann, Alt-Flensburger Haus, 1915. — Sauermann, Ernst: Das Alt-Flensburger Haus, in: Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender 1915, S. 50-63.
- Archivalien:
- Binger, Eckener Haus, 2019. — Binger, Heike: Restauratorische Malschichtuntersuchung. Eckener Haus/Alt-Flensburger Haus, Norderstraße 8, 24939 Flensburg. Februar 2019.
- Sabottka, Eckenerhaus, 2020. — Sabottka, Larissa: Bericht. Projekt: „Alt-Flensburger Haus“ – Eckenerhaus. Baugeschichtliche Untersuchung und Dokumentation (Raumbuch). Bearbeitungszeitraum: August 2019-Februar 2019. März 2020.
- Sobotka, Alt Flensburger Haus, 2020. — „Alt-Flensburger Haus“ — Eckenerhaus / Baugeschichtliche Untersuchung und Dokumentation. 2020.
- Wenzel, Eckenerhaus, 2018. — Wenzel, Eiko: Eckenerhaus/Alt-Flensburger Haus, Norderstraße 8-10. 25.05.2017. Ergänzt 30.10.2018, n: Aktenarchiv des Landesamts für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Akte FL Flensburg, Norderstraße 8. Kaufmannhof: Vorderhaus. ONR 198. Akten-Nr. 23772, Bd. 1.
Einzelnachweise
- ↑ Kraack, Kataster, 2013, S. 78-79. Sabottka, Eckenerhaus, 2020, S. 3, 11; Wenzel, Eckenerhaus, 2018, S. 7, 9, 28-30.
- ↑ Rohling, Flensburg, 1955, S. 453.
- ↑ Sauermann, Alt-Flensburger Haus, 1915.
- ↑ Rohling, Flensburg, 1955.
- ↑ Wenzel, Eckenerhaus, 2018.
- ↑ Wenzel, Eckenerhaus, 2018, S. 28-30; Sabottka, Eckenerhaus, 2020, S. 17; Sobotka, Alt Flensburger Haus, 2020, S. 17, 19; Rohling, Flensburg, 1955, S. 453; Sauermann, Alt-Flensburger Haus, 1915, S. 59.
- ↑ Sauermann, Alt-Flensburger Haus, 1915, S. 59.
- ↑ Glüsing, Bildkatalog, 1985, Abb. 5; Beseler, Bericht, 1970, S. 225; Rohling, Flensburg, 1955, S. 453, 492. Sabottka, Eckenerhaus, 2020, S. 17; Binger, Eckener Haus, 2019, S. 49; Wenzel, Eckenerhaus, 2018, S. 28.
- ↑ Sauermann, Alt-Flensburger Haus, 1915, S. 59. Wenzel, Eckenerhaus, 2018, S. 28.